Archiv der Kategorie: Airborne

Die Zugspitze hat uns nicht rangelassen

Gestern, am Samstag sind wir  (Martin und Conny) zum „Berge-Kucken“ geflogen. Als Ziel haben wir uns bei strahlender Sonne die Zugspitze vorgenommen. Auf der Hahnweide war jede Menge Motorflugbetrieb, das Wetter hat einen ja auch echt aus dem Haus gelockt. Dank dem Asphaltstreifen auf der 25 ist das ja auch kein Problem, im Winter motorgetrieben in die Luft zu kommen.20160227_131942

Schon auf der Alb, als wir die Inversion unter und gelassen hatten, konnte man die Alpen sehen. Kein Donaunebel heute, alles ruhig, also konnten wir ganz entspannt auf dem Weg nach Füssen steigen. Wir kamen dort so in 2500m an, da fehlt noch einiges, um den Gipfel der Zugspitze zu erreichen. Leider braucht man dann etwas Fremdhilfe zum Steigen, der Motor liefert in der Höhe nicht mehr viel. Martin hat geduldig gekreist und tatsächlich noch einiges dazugewonnen.20160227_132715

Schön sieht sie aus! Leider gab’s über dem Tal 5 m/s „Saufen“, so dass wir den Anflug abgebrochen haben und wieder zurückgeflogen sind.

In Leutkirch haben wir noch einen Kaffe eingeworfen und einer Piper beim Wintersport zugeschaut.20160227_140940

Hitze

Der erste Überlandbericht (aus dem April, siehe unten) trägt den Titel „Warmwerden“. Zufälliger und bedauernswerter Weise stellte sich danach ein Sommer nie gekannter Härte ein, der der Natur noch immer enorm zu schaffen macht. Hier soll aber nicht über die Temperatur- und Trockenheitsrekorde geklagt werden, sondern über die Rekordchancen berichtet, die dieses Wetter in fliegerischer Hinsicht bietet.

Am Mittwoch den 12. August 2015 startete ich mit unserer ASW 28 (S5) von meinem ersten Heimatflugplatz, Bartholomä (www.edpu.de). Dort habe ich das Fliegen gelernt, und ich möchte mich auch an dieser Stelle bei der Akaflieg für die Abhaltung des sogenannten „Altherrenfluglagers“ herzlich bedanken. Der Tag bot Bedingungen, die man eigentlich in Spanien erwarten würde: Heiße Luft, stechende Sonne und Wolken, die stellenweise über 3 Kilometer hoch standen. Der Flug begann erst um 14:30 Uhr und durfte nicht lange dauern – hier klicken, um ihn anzusehen. Ich entschied mich für eine Spritztour nach Osten und merkte schnell, welches Potenzial die Thermik besaß. Es ging wie im Fahrstuhl nach oben. Um dieser Wucht gerecht zu werden, wählte ich auf den Wegen zwischen den Wolken Fluggeschwindigkeiten von 170 bis 200 km/h. Gemäß meinem Zeitplan wendete ich kurz vor Eichstätt und trat den Heimflug an. Die Thermik war unverändert zuverlässig und hammermäßig. Alles in allem waren nach dem Abflug in 2500 Metern nur fünf Aufwinde nötig, um 138 Kilometer mit 148 km/h zurückzulegen.

Die Instrumente zeigen Steigwerte von über 5 m/s an - traumhaft für deutsche Verhältnisse
Die Instrumente zeigen Steigwerte von über 5 m/s an, und das in großen Höhen – traumhaft für deutsche Verhältnisse

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter geändert: Es war sogar noch heißer geworden. Ich konnte früh starten und mit der ersten nutzbaren Thermik hoch hinaus steigen. Als halbernst gemeintes Ziel programmierte ich „Sonnen“ – der östlichste Flugplatz in Süddeutschland – in mein Navigationsgerät. Hier klicken, um das Ergebnis zu sehen. Aber schon 30 Kilometer nach dem Abflug fand ich mich ohne jede Wolke in niederer Höhe wieder. So ging es wechselhaft weiter und ich gelang bis nach Straubing, ca. 180 Kilometer östlich meines Startplatzes und 90 Kilometer vor Sonnen.

"Wasserflugplatz" Straubing
„Wasserflugplatz“ Straubing

Dort war der Wetterraum, in dem ich gestartet war, eindeutig zu ende. Vor mir tat sich ein brodelndes Wolkenmeer auf, aus dem vereinzelt mächtige Türme emporschossen. Es war auch eine gewaltige, abgelebte Gewitterwolke dabei. Unter diesem Spektakel befand sich trübe, finstere Luft. (Für eine größere Auflösung die Bilder bitte anklicken.)
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Ich entschied mich, dieser Erscheinung nicht zu nahe zu kommen und flog wieder nach Westen. Dort fanden sich stellenweise ähnliche Bedingungen wie am Vortag. Jedoch kam mit der Zeit dichte, hohe Schleierbewölkung auf, die alles etwas verlangsamte. Es erschien mir vernünftig, die restlichen Kilometer in der Nähe des Startplatzes abzugleiten, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Ich finde es immer wieder überwältigend, wie hoch die Thermik abends noch reicht, und dass sie sogar mit zunehmender Höhe länger aktiv bleibt. Das Gefühl, mehr als zwei Kilometer Höhe in ruhiger Abendluft über einer malerischen Landschaft abzugleiten, ist unbeschreiblich. Am Ende des Tages standen 570 Kilometer auf dem Zähler und der Schweiß auf meiner Stirn. Von mir aus kann sich jetzt alles wieder ein bisschen abkühlen.

Sondrio 2015

Seit vielen Jahren wird immer im April in Sondrio (Italien) von der Segelflugschule Oerlinghausen ein Fliegerlager mit Flugbetriebsorganisation angeboten. (Briefing, Startleiter, Schulung, Chartermöglichkeiten, Flugzeugschleppmaschine usw.). In diesem Jahr waren vom SCS Franz Gall, Thomas Püttmann und Bernhard Pfau dort , um den schönen  Alpensegelflug zu betreiben. Franz und Bernhard hatten den Arcus M (7) dabei, Thomas hatte die Möglichkeiten der Ausbildung im Alpensegelflug und den Charterbetrieb wahrgenommen. In diesem Jahr waren wir ausgesprochene „Glückspilze“ was das Wetter anging. Wie in den OLC – Abbildungen zusehen ist, waren an 4 Tagen ausgedehnte Flüge möglich. Die Wetterlage am 13.04.2015 brachte das Highlight. Sie ermöglichte bei Windrichtung um ca. 330 Grad und zunehmender Windgeschwindigkeit in der Höhe bis auf die noch zulässige Höhe von max. 6000 m zu steigen.(-20 Grad). Einstieg in die Welle war an der Monte Rosa. Alle 4 Flüge zusammen gerechnet war der Arcus 24:54 h in der Luft und ist dabei 2087 km weit geflogen! Ein weiterer interessanter Höhepunkt war das Teamfliegen mit Sepp Holzapfel (www.geratshof.de )  mit seinem nagelneuen Arcus M.     Fotos anklicken!

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Sepp Holzapfel mit seinem neuen Arcus M

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IMG_8273IMG_8254  IMG_8211IMG_8240be IMG_8190 IMG_8196IMG_8147 IMG_8180 IMG_8175 IMG_8169   IMG_8097Dolomiten Drei Zinnen IMG_8329DSC00815

 

Für den Fotofan: Über einen GPS-Empfänger auf der Kamera Canon 650D konnten alle Flüge aufgezeichnet werden und man kann dadurch den Ort der Aufnahme und die Aufnahmerichtung nachträglich ermitteln.

Route zu den Dreizinnen Dolomiten 12.4.2015

 

Warmwerden

Die neue Saison ist noch nicht ein mal zwei Wochen jung und schon gab es die ersten guten Wetterlagen. Der SCS war bereits viel in der Luft und fand in die Routine des Flugbtriebs zurück. Denn die ersten Flüge im Jahr sind nicht nur ein besonders aufregendes Erlebnis, wie bereits im letzten Artikel erwähnt , sondern erfordern auch einen etwas angepassten Flugbetrieb. Das bedeutet, dass der erste Start an unserer Winde zusammen mit einem Fluglehrer in einem Doppelsitzer stattfinden muss. Dadurch wird man „gecheckt“ und kann danach wieder alleine fliegen. Man wird sozusagen unter Aufsicht warm, zumindest was die Flugsicherheit angeht.

Am Sonntag den 05. April ging es richtig los: Kräftige Thermik ermöglichte deutschlandweit viele weite Flüge.  Der SCS war natürlich auch am Start. Doch obwohl auch an diesem Tag Checkflüge gemacht wurden, brauchte man zum warmwerden im wörtlichen Sinn noch mehr als die Freude am Fliegen: Man flog ständig über der Nullgradgrenze, die Thermik endete erst in einer Höhe mit ca. -13 °C. Da kommen sogar Zweifel auf, ob Thermik wirklich etwas mit Wärme zu tun hat…
Jedenfalls war es mit der richtigen Ausrüstung trotzdem möglich, sich wohl im Cockpit zu fühlen. Wer zudem noch etwas Geduld mit in die Luft nahm, konnte gelegentlich zwischen den vielen Schneeschauern einen Blick auf den schneeweißen Schwarzwald werfen. Sogar die Alpen waren durch die kristallklare Luft auszumachen – die Sichtweite betrug also mindestens 130 km.

Am Dienstag den 07. April war zwar nicht ganz so gute Thermik wie am Sonntag angesagt, aber für die Jahreszeit sollte sie doch ordentlich sein. Dafür waren die Temperaturen in niederen Höhen auch über dem Gefrierpunkt prognostiziert. Jan und ich wollten mit dem Duo Discus (S4) einen Überlandflug unternehmen.

Ulm
Ulm

Tatsächlich ließ die Thermik nichts zu wünschen übrig. Wir „hüpften“ problemlos von Wölkchen zu Wölkchen auf der schwäbischen Alb nach Nordosten und entschieden uns bei Aalen umzukehren und in die entgegengesetzte Richtung zu fliegen. Wir peilten zunächst den Schwarzwald an, mussten aber schnell feststellen, dass der Weg dorthin deutlich schwieriger werden würde als die bisherige Strecke. Alle die Thermik anzeigenden Wolken lösten sich von Nordwesten her auf. Wir entschieden uns gegen einen „Schuss ins Blaue“ und änderten stattdessen den Kurs auf Südost. Über Ulm und die Donau hinweg flogen wir so weit in diese Richtung, bis wir durch die Luftraumbeschränkung des „Allgäu Airport“ Memmingen nicht mehr weiter durften. Also flogen wir an der Luftraumgrenze entlang nach Westen und mussten zusehen, wie ringsum auch die allerletzten Wolken verschwanden. Was das Fliegerische anspruchsvoller macht, macht die Fotos umso klarer: Zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen sah ich während eines Segelfluges mit Start auf der Hahnweide die Alpen. Dieses Mal waren sie sogar für meine Handykamera deutlich genug zu erkennen. (Es versteht sich von selbst, dass der reale Anblick ungefähr 10.000 Mal besser und eindrucksvoller war als es diese Bilder sind. Für eine höhere Auflösung bitte die Bilder anklicken.)

Die Alpen Noch mehr Alpen

70 Kilometer von zu Hause entfernt gaben wir unseren Westkurs mit Ziel Schwarzwald endgültig auf und traten den Heimweg an. Das einzige Weiß am Himmel kam von hoher Schleierbewölkung. Außer einem einzigen Greifvogel sahen wir auf dem gesamten Heimflug absolut gar nichts, das auf Thermik hingewiesen hätte. Wir reduzierten also die Geschwindigkeit und tasteten uns „blind“ nach Norden. Nach viel Zeit und Nerven waren wir uns erst 20 Kilometer vor der Hahnweide sicher, genug Höhe für den Gleitflug nach Hause zu haben. Während diesem fiel mir zum ersten Mal die Ruine der Burg Hohenurach auf:

Burg Hohenurach

Den fast 300 Kilometer weiten Flug kann man sich hier ansehen.

Glücklich über das Geschaffte waren wir uns nach der Landung sofort einig: Wir sind jetzt auch mit dem Überlandfliegen wieder warm und bereit für den nächsten Flug.

 

Vorzeitiger Saisonbeginn

Gestern flogen Marc und ich ein paar Runden auf dem neuen Ventus (S2).

Der erste Start nach der Winterpause ist immer etwas Besonderes. Endlich wieder vom Boden abheben, die Aussicht genießen, die Luft zischen hören und sie am Steuerknüppel fühlen. Das gestrige Aufwachen aus dem „Winterschlaf“ zeichnete sich zusätzlich durch ein relativ seltenes Bild aus: Es lag stellenweise noch Schnee auf der Alb, und über der Burg Hohenneuffen zogen unzählige Gleitschirmflieger ihre Kreise. Diese beeindruckten mich durch ihre schiere Anzahl und auch durch ihre Temperaturfestigkeit. Als „eine Wolke aus Matrazen“ bezeichnete jemand diesen Anblick im Funk.

So kann es nach dem offiziellen Saisonbeginn am Sonntag den 29.03.2015 gerne weitergehen.

S2 an der Position DSC_0119 Gleitschirme Zu sehen ist KO von den Köngenern Zu sehen ist KO von den Köngenern

Mit KO von den Köngenern

Storchschwarm

Mit S5 bis nach Ramstein

Am Donnerstag 21.08.2014 startete ich am späten Vormittag mit unserer ASW (S5) und hatte nicht wirklich einen Flugweg geplant. Süden, Norden, Osten, sollte alles irgendwie möglich sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bekam ich Anschluss an eine unglaubliche Wolkenstraße, die genau über der schwäbischen Alb verlief. Man hätte von ca. Leibertingen bis Neresheim (~ 120 km) ohne einen Kreis fliegen können. Ich war nie ganz oben und habe deshalb trotzdem ab und zu gekreist, aber nötig wäre es nicht gewesen. Ab Dinkelsbühl entschloss ich mich dazu, es bis zum Pfälzerwald (also nach Westen) zu versuchen, weil ich dort noch nie war und das Wetter es zuließ. Der Weg dort hin war nicht immer einfach, aber südlich Mannheim wurde ich dann für die Mühen belohnt:

Dass das Rheintal so schön ist, hätte ich nicht gedacht. Flussschleifen, tiefblaue Seen, Atomkraftwerke, Autorennbahn, und Flugplätze so weit das Auge reicht… ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hingucken sollte. Deswegen bemerkte ich auch recht spät den Schwarm Störche, der mich „innen“ überholte und gnadenlos überstieg. Diesen Eindruck habe ich versucht per Foto und Video festzuhalten, aber die Bilder sind natürlich nicht annähernd so faszinierend wie die Realität.
>> Video: Storchschwarm bei Hockenheim <<
Es ging tatsächlich bis zum Pfälzerwald, sogar 30 Kilometer hinein, bis zu einem großen Wolkenloch. Auf dem (schlechten) letzten Foto kann man rechts Kaiserslautern und in Verlängerung eine große Waldschneise erkennen, das ist Ramstein. Für eine größere Auflösung bitte die Fotos anklicken.
Der Rückweg war aufgrund der Tageszeit schwierig, und es reichte mir auch nicht ganz bis nach Hause, 20 km haben gefehlt. Danke an Conny für die rekordverdächtig schnelle Rückholtour!

Den größten Teil des Fluges kann man sich hier anschauen:
https://www.skylines.aero/flights/39280/

Grüße,
Oliver

Sondrio

Ursprünglich hatte ich vorgehabt dieses Jahr mit einem Vereinseinsitzer nach Sondrio zu fahren. Das ganze Drumherum mit Hänger ziehen usw. schreckte mich jedoch etwas ab, vor allem weil ich zu dieser Zeit eigentlich schon wieder studieren müsste, sich der Aufwand unter 7 Tagen aber kaum lohnt. Also hatte ich es eigentlich schon gecancelt, als mich spontan Franz anrief und fragte, ob ich nicht Lust hätte bei ihm im neuen Arcus M mitzufliegen. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. Kurz überlegt, zugesagt und letzten Dienstag dann morgens in Berlin losgetramp. Von meinen Semesterferien war ich, was Trampen angeht, noch sehr gut in Übung, so dass ich auch wirklich Abends nach 1000Km und vielen netten Autofahrern in Berbenno vor der Haustür abgesetzt wurde. Eigentlich war ich noch einen Tag zu früh dran, aber da Christian am nächsten Tag schon abfahren wollte und mir so den hinteren Platz im Arcus nicht streitig machte, stand dem Start am nächste Morgen nichts mehr im Wege.

Die Vorhersagen waren top und Franz war nicht mehr zu bremsen – ab Richtung St. Crepin. Die Thermik hämmerte und eine halbe Stunde später waren wir auf 4000m, was bei einer Flugplatzhöhe von gerade einmal 275m wirklich atemberaubend schnell ist. So ging es erstmal weiter, wenn auch nicht jede prognostizierte Welle die erwünschten Steigwerte lieferte – nur die beim Monte Rosa erwies sich mit 6m als zuverlässig und so gings auf 6000m. Beim Gran Paradiso fielen wir dann aber leider aufgrund fehlender Welle wieder aus dem angenehmen laminaren System. Nach einigem Gebastel und einer beinahe-Kollision mit einem unachtsamen oder kampflustigen Adler fanden wir dann mit etwas Verspätung wieder Anschluss im Lee vom Gran Paradiso. Bis Briancon waren die 5000m aber schnell auf wenig über 2000m hingeschmolzen, damit St. Crepin in Weite Ferne gerückt und der Rückweg unausweichlich.

Mittlerweile war es auch schon Nachmittag und ich döste ab und zu ein bisschen, weil ich nach dem langen Flug doch ziemlich fertig war und Franz Methode, den immer schwächer werdenden Aufwinden noch den letzten halben Meter abzugewinnen, nicht gerade zu meinem Wohlbefinden beitrug. Irgendwann fand ich mich auf knappen 4000m wieder und das erste Mal in meinem Fliegerleben ging es mir richtig schlecht. Ich bat innerlich alle Menschen, denen es bei mir schlecht geworden war, um Verzeihung – wusste gar nicht wie besch… sich das anfühlt und versuchte mit Sauerstoff zu retten was noch zu retten war. Leider erfolglos, so dass ich den Rest des Fluges (200Km) im Wachkoma verbrachte. Ab und zu hörte ich Franz fluchen, wenn mal wieder einer der wenigen Aufwinde versagte. Er hatte auch allen Grund dazu, die Außenlandung im Susatal kam doch immerhin in den Bereich des Möglichen. Aber es war mir nicht gegönnt so schnell festen Boden unter die Füße zu bekommen, der Wind war uns gnädig und drehte langsam auf West, so dass uns einige Hänge und eine „Mikrowelle“ über die schwierigsten Stellen hinwegretteten und endlich auf dem LX wieder ein Plus vor der Endhöhe stand. Apropos Füße, die blieben dank Franzens innovativen Schuhüberziehern selbst bei Außenthemperaturen von bis zu -20C° angenehm warm – ganz ohne die Batterien zu belasten. Nach über acht Stunden Flugzeit und 600Km erreichten wir glücklich wieder unseren Flugplatz.

Mir kamen aber erst nach Osvaldos genialem Abendessen alle Lebensgeister wieder.

An dieser Stelle muss ich auf jeden Fall die tolle Unterkunft erwähnen. Wir wohnen in einer Wohnung in einem kleinen italienischen Häuschen im romantischen Berbenno di Valtellina. Wie schon gesagt bei Osvaldo und seiner schönen Frau Tizziana. Man ist schon fast Teil der Familie, es herrscht jedenfalls ein umwerfend herzlicher Umgang. Morgens gibt es leckeres Frühstück, aber das Abendessen toppt alles. Meine Erwartungen wurden jedenfalls weit übertroffen. Nach der obligatorischen Gemüsesuppe, gibt es einen Pastateller, danach oft irgendwelche Leckereien vom Grill oder kalte Spezialitäten, dazu Salat oder Gemüse. Käse schließt den Magen, aber Eis und Kuchen von Tizziana geht dann natürlcih immer noch. Nach einiger Zeit geselligem Beisammensein, überkam mich dann aber doch starke Müdigkeit, und nach einer warmen Dusche war der Tag dann wunderbar abgeschlossen.

Ich schlief natürlich wie ein Stein und selbst die Vögel und Glocken am nächsten Morgen konnten mich nicht aus meinen Träumen holen. Aber die Sonne rief und mit einem leckeren Kakao ließ sich dann ganz gut in einen neuen Flugtag starten. Über die nächsten zwei Tage möchte ich gar nicht allzuviel schreiben, das würde langsam den Rahmen sprengen. Jedenfalls war der Donnerstag etwas erholsamer mit anfangs Modellfliegen und anschließendem Flug nach Domodossola und Bormio. Der Freitag allerdings war trotz schlecht angekündigktem Wetter und starker Bewölkung so gut, dass es für einen Flug nach Lienz mit insgesamt 700Km, ausreichende senkrechte Luftbewegung gab. Erwähnenswert sind auf dieser Route auf jeden Fall die Dolomiten, die sich, obwohl an diesem Tag verhüllt, mit ihren schroffen, zackigen Spitzen sehr beeindruckend von der Umgebung abheben. Ich hatte mich mittlerweile auch wieder ans Fliegen gewöhnt, so dass ich die Flüge voll und ganz genießen konnte. Trotzdem sind sieben Stunden im Flieger schon ziehmlich anstrengend.

Der letzte Tag (Samstag) sah ersteinmal richtig unschön aus. Mit immer stärker werdenden Altocoumulus schien es wenig Hoffnung auf einen Blick außerhalb des Tales zu geben. Trotzdem starteten wir, wenn auch verspätet, Richtung Dolomiten. Die Thermik war aber nicht sehr berauschend und mir kam die spontane Idee doch einen kleinen Ausflug Richtung Innsbruck zu machen. Hier gibt es in einem kleinen Tal ein Dorf, wo ich schon es öfteren Familienurlaub gemacht hatte und es hat einfach einen Reiz, die Berge, die man sonst mühselig hochgeklettert ist mal ganz entspannt aus dem Flieger zu betrachten. Richtung Norden wurde die Thermik und die Sicht immer besser. Und langsam machte sich Begeisterung im Cockpit breit. Was für ein Flug!! Die Ötztaler Alpen waren atemberaubend schön, mit noch dick verschneiten Gipfeln und einigen Gletschern, die man leider weiter im Süden schon immer seltener sieht. Nach und nach kamen wir immer höher, so dass wir den Ortler aus Norden kommend auf Gipfelkreuzhöhe umfliegen konnten. Weit unten im Tal sahen wir jetzt die Inversion, die wir durch unsere große Runde „ausgetrickst“ hatten.
So war es uns möglich noch in 4000m nördlich am Berninamassiv in großem Bogen unsere Höhe abzugleiten, bis wir über dem Comer See dann entgültig in die neblige Inversionsgrenze eintauchten. Das war der schönste Abschlussflug, den ich mir vorstellen kann, und sowieso waren diese vier Tage vollgepackt mit unvergesslichen Flugerlebnissen und Flügen wie aus dem Segelflugbilderbuch.

Danke Franz!!