Ein Wettbewerb in Rieti, Italien

In Rieti, Italien werden jedes Jahr zwei Wettbewerbe im August ausgerichtet, die aufgrund der bekanntermaßen guten Thermik zahlreiche hochkarätige Teilnehmer aus Europa anlocken. Ich träume schon seit ein paar Jahren davon, mal dort zu fliegen. Das Wettbewerbsgebiet umfasst die Apenninen und die Abruzzen, der höchste Berg ist der Gran Sasso mit gut 3000 m. Ich war noch nie dort und habe daher die sichere Variante bevorzugt, mit meinem guten Freund Hanno aus Aalen im Doppelsitzer zu fliegen, der früher oft an der Coppa del Mediterraneo in Rieti geflogen ist. Wir haben den Arcus WT vom Damen-NM-Trainer Martin Theisinger gechartert. Als zweites befreundetes Team ist Abi Kiessling mit Gudrun Bühler (Farrenberg) mit einem Arcus T mitgekommen.

Die Anreise ist weit, über 1000 km haben wir auf zwei Tage verteilt. Wir kamen am Sa 11. Aug. mittags an. Nach einer kurzen Vesper- und Erholungspause haben wir die Flieger montiert und einen ersten Erkundungsflug zum Hausberg Terminillo (2217 m) und dann nach Norden gemacht. Von Hanno bekam ich viele neue italienische Namen von Bergen, Tälern, Städten und Klöstern um die Ohren. Ein zweiter Übungsflug am Sonntag erweiterte den Horizont nach Süden (Abruzzen), wo die Landschaft wild und rauh und dünn besiedelt ist. Ich lernte jede Menge über römische Ansiedelungen, trocken gelegte Hochtäler und die Einsiedeleien des heiligen Franziskus.

Endlich kam der erste Wertungstag und es gab recht gutes Wetter mit einer Neigung zur Überentwicklung. Die Strecke führte weit nach Süden und danach noch ein Stück nach Norden. Die Piloten, die jedes Jahr in Rieti fliegen, haben sich ziemlich ungehemmt an die Hänge geheftet und konnten praktisch alles im Geradeausflug fliegen. Wir hatten ein bisschen Respekt wegen der unlandbaren Täler und sind höher geblieben. Dadurch hat uns am Ende die Überentwicklung noch etwas gebremst und wir waren glatte 30 km/h langsamer als der Tagessieger, aber glücklich.

Die nächsten beiden Tage wurden neutralisiert, eigentlich normalerweise undenkbar für Rieti. Einer der regelmäßigen Rieti-Piloten meinte, dies ist das schlechteste Wetter seit 30 Jahren. Ein Kaltlufttropfen (Höhentief) hatte sich in Sardinien festgesetzt und schaufelte warme, feuchlabile Luft nach Italien. Bis zum Ende der Woche war es immer morgens sonnig, dann eine kurze Phase mit Quellwolken und ab Mittag Schauer und Gewitter, mal früher mal später. Wir schauten uns die Gegend vom Boden aus an, Franziskus-Kloster in Poggio Bustone, Stadtführung Rieti Sotteraneo (Süßwasservenedig) und den Wasserfall Cascade de Marmore, Wanderung zu einer Ruine, Baden im Lago di Piediluco und Kaffee trinken im Dörfchen Labro.

Am Mi wurde wieder neutralisiert, wir sind trotzdem geflogen. Man musste nur schnell genug aus dem Rieti-Tal verschwinden, denn im Norden war gute Thermik. Wir schauten ganz in Ruhe Orvieto und den Trasimeno-See an. Der Rückweg war schwierig wegen der Gewitter. Der Flughafen von Perugia hat einen riesigen Luftraum, der viele früher gebräuchliche Flugwege jetzt unmöglich macht. Bei Lustflügen kann man sich eine Freigabe holen und dann die wenigen noch übrigen Wolken anfliegen. Die Wetterlage blieb die ganze Woche gleich, vor allem der Süden war immer sofort überentwickelt und leider nicht mehr befliegbar. Wir hatten am Do noch eine schöne AAT in das Gebiet westlich von Perugia mit Wenden in Siena und Arezzo, das liegt schon in der Toskana (!) und ich habe von meinem Mitflieger viel darüber gehört, wo welcher gute Wein wächst. Wir waren dieses Mal richtig gut geflogen und auch gut vorangekommen. Leider endete der Flug für fast alle am Flugplatz Terni mit dem Einsatz des Motors.

Auch am Freitag flogen wir nach der Neutralisation auf eigene Faust. Noch ein WT (Sa) wurde in der Luft neutralisiert, wir sind direkt wieder gelandet, weil alles rundherum dunkel und zu war. Andere sind aber auch wieder unter schönsten Wolken bis nach Florenz geflogen, mussten danach quer durch Perugia um heimzukommen. Am letzten Tag gab es nochmal eine kurze AAT, man musste auch dieses Mal wieder bei schlechter Thermik los, im Lee des Terminillo einen kurzen Schlenker nach Süden, dann durch den Regenvorhang nach Norden ins schönere Wetter. Wir haben die Aufgabe geschafft, aber ich hatte die Abfluglinie falsch programmiert, so dass unser Flug nicht gewertet wurde. Aber egal, es war super beeindruckend und hat riesig Spaß gemacht, in Rieti zu fliegen.

 

Saint-Crépin, die Zweite – Kultur

der Boden brauchts
Flugplatz Mont Dauphin

 

Es soll nicht verschwiegen werden – in Saint-Crépin gibt es auch Tage, an denen man mit einem Segelflugzeug nicht weit kommt. Aber die Region ist reich an Ausflugszielen für Bodenprogramme. Es gibt in Argentiere ein Silberbergwerk zu besichtigen, Rafting auf der Durance wird angeboten, auf dem Serre-Ponçon gibt’s Motorboote zu mieten, in Gap kann man Schuhe und mehr kaufen – oder man kann das Kloster Boscodon besichtigen. Die Abtei Notre-Dame de Boscodon wurde ab 1142 von den Mönchen des Chalais-Ordens über 32 Jahre erbaut. Romanisch, wunderschön schlicht – nur ein Schiff und kein Zierrat. Vor etwa 200 Jahren ging das Kloster in private Hände und wurde runtergewirtschaftet – es war als Stall und Scheune benutzt worden.

1972 gründete sich ein Verein zur Erhaltung des Klosters und baute 40 Jahre lang. Der eingestürzte Turm wurde wieder errichtet, der Innenhof mit Kreuzgang und Wirtschaftsgebäude erneuert. Das Dach ist von 1997, 20 Jahre zuvor war es schon mal neu gemacht worden – aber das hat nix getaugt. Irgendwoher kenn‘ ich das. Jetzt sind alle Dächer des Klosters mit Lärchenschindeln bedeckt, immer 3-lagig.

Seit ein paar Jahren gibt es ein Museum, in dem die Baukunst erklärt und Werkzeuge zu sehen sind. Mit Holzklötzen können die Besucher romanische Gewölbebogen aufbauen und die Tragfähigkeit bestaunen. Die Steine im Kloster sind alle gehauen. Erstaunlich ist, dass sogar schwach gekrümmte Gewölbe sich mit unbehauenen Steinen errichten lassen. So wurden die weltlichen Häuser gebaut.

In Boscodon gibt es für die Öffentlichkeit Konzerte und Ausstellungen. Vor drei Jahren gab es die eine faszinierende Installation mit 20000 (in Worten: zwanzigtausend) Papierschwalben. Wenn Ihr genügend Kultur genossen habt, könnt Ihr Euch in dem Bistro nebenan stärken.

Text und Fotos: woki und soki

 

Von Saint-Crépin nach L‘ Alpe d’Huez, ein Ausflug mit der Jodel

Es war vorher zu sehen – der Sportflieger-Club Stuttgart ist wieder nach Saint- Crépin gegangen. Diesmal erzähl‘ ich die Geschichten zeitlich verkehrt herum.

Seit ein paar Jahren hat Fred vom Aéroclub des 4 Valles in Saint-Crépin einen Oldtimer: Jodel D120 mit Continental C90 F14. Fred sagt: als der Motor neu war hatte er 100PS. Der Rumpf ist aus den 60’ern, der Flügel 12 Jahre alt. Mit dieser Jodel wollte ich mitfliegen. Mitfiegen auf den Altiport L‘ Alpe d’Huez. Fred fragte, ob ich Erfahrung mit Spornradflugzeugen hätte – ich wollte aber nicht schulen sondern nur als Passagier mitfliegen. Also Sonntag 8:00 an der Halle.

Fred’s Jodel hat einen Komfortplatz im Hangar: Hallentor aufschieben, zwei Schwellenbleche legen, Jodel rausziehen, Bleche wegräumen, Hallentor zuschieben – fertig. Zum Start ging’s auf die 34. Nach dem Abheben einfach weiter nach N. Für mich mit neuer Perspektive – als Segelflieger sind wir natürlich nie so niedrig über Argentière – halt stimmt nicht: im F-Schlepp bei Nordwind ist’s auch so. Der Flugweg ging an Valloise vorbei auf die Westflanke des Tête d’Amont und den folgenden Spitzen. Der Conti brachte 1m/s Steigen. Bevor ich mit dem Raten über den Flugweg fertig war machte Fred einen Vollkreis, um dann über den Col de L‘ Eychauda zu schlüpfen: 2 429 m Passhöhe. Jetzt fliegen wir nach NW, es geht am Galibier vorbei und über den Col de Lautaret. Nach ein paar Quergräten kommt das Ziel in Sicht. Fred fliegt die 8-förmige Platzrunde über den Platz weit nach SW für die 06. Der Anflug war ruhig – und es sieht alles einfach aus. Ist’s aber garantiert nicht. Die Jodel hat keine Landeklappen oder so neumodisches Zeug, die Piste ist mit dem ebenen Teil 448m lang, 30m breit und hat im Bereich des Aufsetzens 16% Steigung. Im Ausschweben gibt Fred Gas – damit der Schwung auch auf den ebenen Teil reicht. Der Standschub würde nicht reichen.

Jetzt hab‘ ich gedacht, es gibt meinen ersten Kaffee des Tages dort – aber wir sind gar nicht ausgestiegen und gleich wieder gestartet. Vor geschätzt 15 Jahren war ich mit Patrick und Florian mit der Robin schon mal in L‘ Alpe d’Huez. Beim Start den Berg runter – man kann das Ende der Piste sehen und sonst nicht mehr viel – es ist ein besonderes Erlebnis. Nach kürzerer Zeit als sonst abheben – und das Flugzeug fliegt wieder über die zerklüfteten Wiesen, wie wenn’s nichts Besonderes wäre. Etienne vom Aéroclub des 4 Valles in Saint-Crépin ist schon mal dort mit dem Segelflugzeug gelandet – und wieder gestartet. Hinweis von ihm: Beim Start im F-Schlepp müßt Ihr bremsen, damit das Seil nicht überrollt wird.

Zurück durfte ich steuern. Die Jodel hat eine Trimmung am Höhenruder – aber mit bescheidener Wirkung. Über den Winter will Fred mit Patrick die Trimmklappe vergrößern. Diesmal fliegen wir nicht mehr über den Col de la Pisse. Einmal muß ich den Kurs wegen dem Naturschutzgebiet Ecrins korrigieren. Die Jodel rennt jetzt mit 110 Kn. Im Gegenanflug zur 34 gebe ich die Flugzeugführung dann wieder an Fred ab. Die Segelflieger sind gerade am Halle ausräumen – und wir sind mit unserem herrlichen Flug schon fertig. Für mich war es der krönende Abschluß der diesjährigen Flüge in Saint-Crépin. Ich empfehle es zur Nachahmung! Vielen Dank an Fred!

Text und Fotos: woki

JNP Mose und Slingsby 2018

Vor der diesjährigen JNP – oder EASA komform ARC – hatten wir viel zu tun. JNP = Jahresnachprüfung und ARC = Airworthiness Review Certificate. Das neue ELT brauchte einen Schalter am Instrumentenbrett. Das war die Gelegenheit, die Instrumente besser zu sortieren. Dann mußten ein paar Sitzbefestigungen am Sitz und der Aufnahme im Flugzeug geharzt werden: die Camlocks waren ausgerissen. D.h. harzen auf dem Flugplatz in der Halle. Das braucht eine gute Vorbereitung.

Weil für die Reparatur der Stoff runter muß, haben wir die Sitze neu bezogen – und gleich eine aufblasbare Lordosestütze eingebaut.

Bei der Prüfung des Mose wurde gleichzeitig die Slingsby abgenommen. Vielen Dank an die Unterstützer Robert und Florian für Martin. Während Kathi und ich den Mose nach der Prüfung durch Andreas wieder zusammengeschraubt haben, wurde er von Conny und Thomas geschwabbelt. Ich war mit dem Mose so beschäftigt – dass die Fotodokumentation diesmal sehr lückenhaft ist.

Zwei Wochen später hat der Mose dann noch von Hartmut Sammet in Heubach einen neuen Unterbrecher gekriegt. Auf dem Zündverteiler-Prüfstand blitzen die Funken so schön – siehe Bild.

Moseausflug: Wasserkuppe und Burg Feuerstein

Thomas wollte zur Wasserkuppe fliegen, um Selbststarts zur Scheinerhaltung zu machen – und ich bin mitgeflogen. Allzu früh konnten wir nicht loszufliegen – wegen dem Wetter in der Röhn. Aber auf jeden Fall mußten wir vor dem Start des Hahnweide-Wettbewerbs weg sein. Das ging gut – der erste Start des Wettbewerbs war erst halb eins.

Auf der Wasserkuppe wurden wir vom Schulleiter Harald Jörges persönlich empfangen. Er meinte, so einen schönen Flugplatz hätten wir zuhause nicht. Auf der Kuppe ist richtig viel los! Auf jedem Fleck wird anders geflogen. Auf der Asphaltbahn fliegen die Schule – und nach erteilter Genehmigung auch die Besucher. Auf der Asphaltbahn kommen dem nach Osten bergab Startenden landende Segelflugzeuge entgegen! Jenseits der öffentlichen Strasse – mit anderer Startrichtung nach W ist Windenbetrieb und zugehörige Landebahn. Vor dem Fliegerdenkmal starten die Drachenflieger und weiter westlich üben die Gleitschirmflieger. Östlich vom Windenstart ist die Segelfluglandebahn. Ein Stück bergab nach Süden tummeln sich die Modellflieger. Alles geht unaufgeregt nebeneinander her – so locker wie in England. Undenkbar für die Hahnweide.

Während Thomas seine Übungen machte hatte ich genügend Zeit für’s Museum. Hier kann man wunderschöne alte Geräte bestaunen. Hier ein paar, die mich besonders ansprechen:

  • F.S.3 „Besenstiel“ von Ferdinand Schulz, Bj. 1922. 1924 ist er damit 8:42h an der Kurischen Nehrung Weltrekord geflogen. Die ganze Zeit hatte er die Hände an den beiden Steuerstangen, die von oben herab hängen!
  • Vampyr, Entwurf von Georg Madelung, berühmt geworden durch den ersten Stundenflug von Arthur Mertens 1922
  • Reiher von Hans Jacobs 1937, wünderschöner Knickflügler, eingestrakte Haube mit kleinen Einzelfenstern
  • HKS1 V2, Bj. 1954 (Haase-Kensche-Schmetz) mit Laminarprofil und Klappen ohne Spalt (einstückige Flügeloberseite) und Bremsfallschirm
  • einträchtig nebeneinander stehen D36, Phönix, LS1
  • Motorsegler aus einem Bergfalken
  • Kufner mit um den Rumpf rotierendem Propeller
  • und viele Modelle mit Fernsteuerungen und Motoren

Nachdem Thomas mit der ASK – Übung fertig war sind wir weitergeflogen nach Burg Feuerstein. Ein sehr schöner Platz mit Wirtschaft – es gab für uns köstlichen Kaiserschmarrn! Nach der Stärkung sind wir kurz vor Schließung des Platzes in Feuerstein gestartet – wir wollten spät auf die HW kommen, damit wir keinem Wettbewerbsflieger mehr in die Quere kommen.

Es war ein gelungener Ausflug!

AMF Gebirgsflugtraining

Noch im Winter habe ich unsere Fluglehrerin Conny gefragt, wie ich meine Technik auch nach dem Schein verbessern könnte. Sie empfahl mir das Bergflugtraining in Bled vom Angelika Machinek Förderverein für Frauensegelflug .

Bled 2018 AMF Angelika Machinek Gebirgsflugtraining

Gesagt getan habe ich mich angemeldet, Flugzeug und Helfer organisiert. Klingt einfach, aber bis dahin sind einige Schritte und Nettigkeiten nötig. Familie Schaich trägt mit Skodi zur Mobilität bei und gibt Ratschläge. Die ASW28 – S5 – die ich von unserem Verein für die Zeit bekomme. Ein Freund kommt mit und leiht mir seine Zeit. Im Lager bilden uns erfahrene Trainer aus, die mich erstmal im Doppelsitzer mitnehmen. Vielen Dank dafür!

Durch viele Helfer mit S5 in Bled angekommen

Tag 1:
Es wird aufgebaut. Es ist der klassische Start eines Lagers. Zwischen Anspannung und Vorfreude arbeiten wir uns im Chaos zur Startbereitschaft vor.
Heute fliege ich im Doppelsitzer mit. Ich bin froh, dass ich erstmal Alles in Ruhe kennen lernen darf. Meine erste Einweisung in der Gegend und das erste Mal Training. Ich lasse es auf mich zukommen.
Wir üben das Kreisen in der Thermik und erkunden die Gegend. Beim Wurzenpass kehren wir um und wagen uns noch etwas Richtung Osten vor. Wir fliegen im Team mit Manu. Ich freue mich, wenn ich gut steige und Walter erkärt geduldig was zu tun ist.

Tag2:
Die Gruppe hat sich langsam eingependelt. Der Flugbetrieb läuft reibungsfrei und die Gruppen sind schnell startbereit.
Wieder mit Walter im Doppelsitzer. Diesmal mit zwei weiteren Flugzeugen im Team. Lena und Caro kreisen um die Wette. Wir fliegen diesmal bis fast nach Lienz und wieder nach Osten.
Am Abend tolle Stimmung. Ich darf morgen mit S5, unserem Einsitzer los fliegen. Das ist etwas besonderes für mich. Im Einsitzer trifft man wirklich eigene Entscheidungen und kann die Fehler machen, die man zum lernen braucht. Im Doppelsitzer gewinnt man Sicherheit und kann an seiner Technik feilen.
Ich sage Walter er soll mich in eine langsame Gruppe stecken. Ich will nicht, dass jemand auf mich warten muss. Er scherzt und antwortet, dass er mich in die schnellste Gruppe stecken wird.

Tag3:
Heute ist das Wetter schlecht vorhergesagt. Wir verschieben den Start in den Nachmittag. Die Gruppen werden spontan verteilt. Ich fliege mit Christina und bin aufgeregt. Egal, wir bleiben sowieso nur am Hang – heißt es.
In der S5 fühle ich mich gleich wohl. Wir fliegen los und das Wetter ist überraschend gut. Christina ist schnell unterwegs. Wir kreisen kaum ein, sondern fliegen entschieden vor. Bei Nötsch komme ich tief und lande dort. Leider ist der Platz naß vom Unwetter und ich kann nicht zurück geschleppt werden. Christina und der Helfer Thomas holen mich ab und wir machen ein ausführliches Debriefing. Jede kleine Entscheidung wird nochmal besprochen.

Tag 4:
Wieder mit Walter in der Gruppe. Wir diskutieren wie gut die verschiedenen Flugzeuge im Team harmonieren werden. Alles halb so wild, sagt Walter. Und er hat Recht. Das Team harmoniert wunderbar und wir steigen gemeinsam durch die Berge. Ich setze das gelernte um und fliege gut mit. Das Team trägt sich von Kilometer zu Kilometer. Wir kommen gut voran.

Tag5:
Heute Regen?
Eine Front zieht heute durch. Wir machen einen freien Tag. Manche lassen sich in der Stadt verzaubern und die anderen suchen die Ruhe der Natur. Alles ist heute drin – nur fliegen wurde abgesagt. Schade, denke ich mir sobald kurz die Sonne herauskommt.

Tag6:
Schon morgens hängen die Wolken tief. Die Prognose ist nicht vielverprechend. Eine niedrige Basis wird uns zu schaffen machen. Ich komme kaum weg vom Platz, aber ich nutze die gute Gelegenheit. Die Menge der Flugzeuge am Berg sind eine echte Herausforderung. Jetzt kann ich Kreisen und Hangflug mit vielen Flugzeugen üben. Mein persönlicher Stresstest.
Bei der Landung haben alle gute Laune. Wir haben viel gelernt und sind diszipliniert geflogen. So kann man arbeiten.

Tag7:
Endlich wieder auf Strecke. Mit der Hoffnung auf Wellenflüge packe ich mich warm ein und habe den Sauerstoff bereit. Es fängt gut an. Der Wind bläst zuverlässig auf den Stol und ich kann schnell aufsteigen. Wir ziehen in Richtung Nötsch los und ich gewinne gut an Höhe. Auf einem Mal bin ich in der Welle drin. Über mir steigt ein anderes Flugzeug auf. Die anderen sind unten und werden immer kleiner. Die Landschaft aus Wolken baut sich um mich herum auf und ich gleite friedlich in der ruhigen Luft.

Heute ist der Abschiedstag und wir packen alles ein. Schön war es. Hoffentlich bis nächstes Jahr…

Pilot für einen Tag und Gast bei den Segelfliegern des SCS auf der Hahnweide

Bei strahlendem Sonnenschein und optimalen Flugbedingungen haben 24 Teilnehmer bei der Veranstaltung des SCS  Pilot für einen Tag das Segelfliegen kennengelernt. Es war ein erlebnisreicher und informativer Tag, der bestimmt allen in guter Erinnerung bleiben wird. Fotos sagen mehr als viele Worte…

Startleiterin, Sonnenschutz, Startwindenseil holen mit dem „Lepo“

Eigenstarter Arcus „die 7“

Flüge der Gastpiloten mit der „S3 DG 500“ und der „S4 Duo Discus“

Abschluss des erlebnisreichen Tages auf der Hahnweide

(Alle Teilnehmer haben einer Veröffentlichung zugestimmt, wenn du aber doch findest, dass du Bilder von dir nicht öffentlich haben möchtest, bitte schreib uns eine Nachricht)

Sondrio und viel Schnee

Der Zufall wollte es, dass ich spontan von Franz eingeladen wurde, seinem Arcus zu einer besseren Flächenbelastung in Sondrio zu verhelfen. Nach einer superkomfortablen Tramptour von Berlin nach Stuttgart (hiermit ein dickes Dankeschön an den netten Peugeot(!)fahrer – ja, mit dem Flieger wärs nicht schneller gewesen 🙂 ) Abfahrt bei schönstem Sonnenschein Samstag morgens von der Hahnweide. Mit dabei, Fred, S5, Thomas und S2.

Schon bei der Einfahrt in die Schweiz merkten wir, dass dieses Jahr ein bisschen anders werden würde als sonst. Soviel Schnee!! Die beiden Pässe Julier und Bernina waren zwar gut befahrbar, aber rechts und links der Straße türmten sich die Schneemassen. Die Aussicht war einmalig beeindruckend. Allerdings war die spannende Frage, wie sich bei der weißen Landschaft irgendwo Thermik bilden sollte. Na das würden wir ja am nächsten Tag ausprobieren.

Essen und Unterkunft muss, wie in allen Berichten zuvor auch hier wieder lobend erwähnt werden – einfach ein Traum. Und Sorbetto di Braulio geht zum Schluss natürlich immer!

Der mäßigen Vorhersage zum Trotz starten wir so früh wie möglich nach dem obligatorischen Checkflug. Und das sollte sich bewähren. Unter der tiefen Basis kamen wir zügig Richtung Bormio voran und erreichten dort eine mehr weiß als schwarze Wand, die trotz Südwind erstmal nicht so recht tragen wollte. Aber die wunderbare Aussicht und der Blick zurück ins dunstige Tal Richtung Sondrio bestätigte uns dass wir alles richtig gemacht hatten. Die Schleier, die über die scharfen Zacken geblasen wurden, waren zwar wunderschön anzusehen, trugen uns aber nur mühsam über 3000m.

Dann aber ging alles ziemlich zügig, und über dem Foscagno Pass fielen wir mehr oder weniger in die erste Welle. Nette Züricher Lotsen ließen uns dann weiter Richtung Bernina auf FL 180 steigen. Wo man nur hinschaute Schnee und Eismassen und zwischen den Bergen tiefhängende Wolkendecke. Es war deutlich, runter war keine Option, und damit auch ein weiterer Streckenflug nicht besonders einladend, aber aus 5500m ist auch so der Aktionsradius nicht zu verachten und wir machten noch ein bisschen Sightseeing bis wir dann kurz vor Sonnenuntergang durch die trübe Suppe im Tal wieder den Weg nach Hause antreten mussten.

Die nächsten zwei Tage brachten dann weniger Flugglück, dafür umso mehr Regen und Schnee. Nur der Modellsegler durfte ein paar Runden drehen, ansonsten war die Therme von Bormio eine gute Alternative. Im Gegensatz zu einigen Wagemutigen ließ ich mein Handy aber in der Umkleide, sodass es keine Bildbeweise gibt, wie wir uns im dampfenden Blubberwasser mit Blick auf die Berge vom Nichtstun ausruhen – vielleicht ja auch ganz gut so…

Ohne Aussicht auf meteorologische Verbesserungen wurde die schwere Entscheidung gefällt es bei diesem einen Flugtag zu belassen und zurück zum Sonnenschein auf der Hahnweide zu fahren.

Danke Franz! war zwar diesmal kurz, aber nicht weniger grandios!

Start in die Flugsaison beim Sportflieger-Club Stuttgart

Jedes Jahr fiebern wir dem Beginn der Flugsaison entgegen. Die Winterarbeit der Flugzeuge ist abgeschlossen, die Jahresnachprüfung an Discus und Duo fertig – die Werkstatt wieder leer. Die Fahrzeuge sind betriebsbereit – aaah halt, die Winde muß noch abgenommen werden.

Der erste Flugtag nach der Winterpause ist immer spannend. Alle sind flugwillig, die Greifvögel zeigen uns schon seit Tagen, dass es Aufwind gibt – wir wollen auch die Thermik nutzen. Werden wir in die Luft kommen? Aus Erfahrung wissen wir, dass es Hürden geben kann. Beispiele gefällig? Hmmm – die Düse liegt noch in der Werkstatt…. aaah – der Hauptbolzen ist noch nicht nachgefeilt (nicht nachmachen, das war ein SCS-Insiderwitz) – funktioniert das Windentelefon?

So eine Hürde hatten wir auch diesmal. Kathi sagt: „Es ist jedes Jahr irgendwas. Aber man kann nicht vorhersagen, was es ist.“ Mit Gelassenheit und Fernberatung wurde das Problem vor Ort behandelt und gelöst. In der Zwischenzeit waren die neuen Seile auf den Trommeln und die Winde erfolgreich nachgeprüft – und es konnte mit den Überprüfungsstarts losgehen. Jeder Pilot muß den ersten Start im Jahr an der Winde mit Fluglehrer machen. Danach darf sich jeder wieder die herrliche Alb ansehen. Am Abend sind alle müde und zufrieden. Nachdem das kleine Problem behoben war, lief alles geschmeidig – kein Seilriß, kein Seilsalat, keinen Seilfallschirm verloren, dafür Thermik – was will man mehr? Klar ist, was wir wollen – noch viele Flugtage mit noch viel mehr Thermik!

Text: woki  –  Bilder: Christoph, Jochen, Matthias, woki