Rumpfreparatur Kranich II

Technische Daten

Kennzeichen: D – 4788 (vormals HB-475)
Baujahr: 1938
Typ: Kranich II
Sitze: 2
Spannweite: 18 m
Rumpflänge: 7,70 m
Flügelfläche: 22,70 m²
Flügelstreckung: 14,3
Mindestgeschwindigkeit: 60 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beste Gleitzahl: 1:23 bei ca. 70 km/h
Leermasse: 289 kg
Höchstflugmasse: 465 kg
Max. Zuladung: ca. 160 kg

Der bisherige Lebensweg dieses Kranich II

  • Gebaut 1938 von Fa. Kittelberger in Bregenz als Ausbildungsflugzeug für die Luftwaffe
    und flog in Gaissau (nahe Schweiz) bis 1945.

  • Mit dem Anrücken der französischen Besatzungstruppen erging von deutscher Seite dann der Befehl alle Segelflugzeuge zu zerstören.

    Die Flugzeuge im Hangar Graissau wurden dabei wohl vergessen, so überlebte der Kranich II HB-475.

    In einer abenteuerlichen Aktion, die von den Franzosen unterstützt wurde, gelangte dann der Kranich II zur Segelfluggruppe Säntis und von dort an den Genfer See.

  • Der Kranich II kam nach Heidenheim und flog dort bis 1962 , dann wurde er stillgelegt.

  • Die Segelfluggruppe Schaffhausen kaufte den Kranich II, aber das Schweizer Luftamt verweigerte die Zulassung.

  • Hugo Roth kaufte den Kranich II und restaurierte/reparierte diesen zusammen mit seinem Bruder Werner und Hans Rothenbühler in dreijähriger Arbeit.

  • Der Kranich wurde wieder flugklar zugelassen.

  • Im Jahre 2013 entschlossen sie sich, den Kranich II an das „Fliegende Museum Hahnweide“ abzugeben, wo er seither stationiert und geflogen wurde.

  • Bei einer Oldtimervorführung auf dem Fluggelände „Nortel“ missglückte eine Landung, wodurch der Rumpf stark beschädigt wurde.

  • Der Verein „Fliegendes Museum Hahnweide“ entschloss sich, den Kranich in den Räumen des Sportfliegerclubs Stuttgart (in Stuttgart Zazenhausen) zu reparieren und wieder flugklar zu machen, dann mit einer deutschen Zulassung: D – 4788.

  • Die Reparatur wurde einer kleinen Gruppe, genannt “die Holzwürmer“, übertragen die sowohl Mitglieder des „Sporfliegerclubs Stuttgart“ als auch des „Fliegenden Museum Hahnweide“ sind.

Ankunft des Kranichh II beim Sportfliegerclub Stuttgart im Vereinsheim/Werkstatt in Stuttgart-Zazenhausen am 28.02.2015

Aus dem Hänger hinein in das Vereinsheim des Sportfliegerclubs Stuttgart.


Der Rumpf war an 2 Stellen eigentlich gebrochen, so entschloss man sich den Rumpf dann in 2 Einzelstücke zu trennen und soweit möglich getrennt wieder aufzubauen.

Im Hintergrund sind die Flügel des zuvor restaurierten „Gö1-Wolf“ zu erkennen.


Der gesamte Kufenbereich einschliesslich Kufe sowie die Rumpfunterseite mit der Kielleiste im Cockpitbereich war zerstört.


So sah der Rumpf unter dem Cockpit aus.


Hier wurde der Vorderumpf abgetrennt und wird so weitgehend getrennt vom Rest restauriert.


Der hintere Bereich der Rumpfröhre ab ca. Spant 11 war noch einigermassen ganz geblieben, musste natürlich komplett „abgeklopft“ werden, ob Leimungen etc. beschädigt wurden.


Teilbereich „Rumpfvorderteil“


Hier ist das beschädigte Rumpfhinterteil zu erkennen.


Teilbereich Rumpfhinterteil. Man kann erkennen, dass hier ein grösserer Bereich der Rumpfröhre rechts ersetzt werden muss, also der Bereich Spant 8 bis Spant 11 rechte Seite.


Die früheren Eigner des Kranich II aus der Schweiz, die Gebrüder Roth, haben uns in der bei ihnen noch vorhanden Formhelling den Kufenrohling angefertigt und mit einem Schokoladengruß (auf der Kufe aufgeklebt) zukommen lassen, herzlichen Dank hierfür.

Auf diesem Bild ist auch fast die gesamte „Kernmannschaft“ der „Holzwürmer“ zu sehen.


In dieser „Helling“ wurde der Kufenrohling angefertigt/verleimt.


Das war in etwa die Ausgangslage in Kurzform für die Rumpfrestaurierung/Reparatur, ab jetzt beginnt die Bildbeschreibung der „Wiederbelebung“ des Kranich II.

Herbert Kersten (unser Werkstattleiter Holz) hat zwischenzeitlich den Befundbericht verfasst.

Als Prüfer konnten wir Andreas Streble wieder gewinnen, der uns von anderen Projekten her sehr gut bekannt ist und sein „Handwerk“ perfekt versteht. Wir vertrauen ihm voll und ganz. Er hat natürlich, bevor wir begonnen haben, alles noch gründlich gesichtet und uns sehr wichtige Tipps gegeben, vielen Dank an ihn.


Der Rohbau – Reparatur des „Rumpfvorderteils“

Hier kann man schon sehen, wie einzelne Stringer eingeleimt und Spantbereiche repariert werden.


Auch hier kann man schon sehen, wie einzelne Stringer eingeleimt und Spantbereiche repariert werden.


Die unteren Spantbereiche im Cockpitbereich werden neu aufgebaut.


Beim Aufbau der Spanten im unteren Vorderteil wird richtig gründlich repariert.


Hier kann man schon die Kontur erkennen, die das Rumpfunterteil erhalten muss.


Die Spanten und Stringer im Cockpitbereich unten müssen komplett neu aufgebaut werden, dies braucht auch seine Zeit und muss auch „Massgenau“ sein, damit nachher alles zusammengeführt werden kann.


Aus Aluprofilen beginnt nun die Montage einer „Rumpfhelling“.


Hier sieht man schon, wie die beiden Rumpfteile zueinander finden.


Beide Rumpfteile werden nun in die Helling eingesetzt und vorausgerichtet.


Ab jetzt kann am Gesamtrumpf parallel gearbeitet werden.


Die Feinausrichtung erfolgt nun mit einer „Laser- Messeinrichtung“, denn ab jetzt muss alles sehr genau stimmen.


Messen, justieren und prüfen.


Da dies nicht die erste Rumpfreparatur war, ergaben sich beim „Einmessen“ in die Helling doch einige Dinge, mit denen wir nicht gerechnet hatten.


Es wird aber weiter mit viel Geduld weitervermessen und nachgerichtet, denn wenn es jetzt nicht stimmen würde, nicht auszudenken.


Hier ist schon deutlich zu erkennen, wie die beiden Rumpfteile zueinander finden.
Wenn eine Achse etc. nachjustiert werden musste, so waren andere Positionen mitbetroffen und mussten auch wieder eingemessen werden usw…
Es war ein zeitintensives Unterfangen, das aber letztendlich erfolgreich abgeschlossen wurde.

Das Schöne bei unserer „Holzwurmtätigkeit“ ist ja, dass Zeit keine Rolle spielt und diese „Holzwürmer“ alles bis zur Perfektion treiben können und auch tun.
Alles was dort gemacht wird sind mindestens 100% , wo kann man das sonst noch tun.


Jetzt sind die beiden Rumpfteile um alle Achsen ausgerichtet und auch fixiert, sodass dem weiteren Zusammenbau nichts mehr im Wege steht… Es gibt noch viel, viel zu tun und die „Holzwürmer“ laufen richtig zur „Form“ auf.
Trotz der Mühen sind alle mit Freude an der Sache dran.


Hier kann man den fehlenden Rumpfröhrenbereich rechte Seite zwischen Spant 8 und Spant 11 sehen.


Der Rohbau – Zusammenfügen der beiden Rumpfbereiche

Wir wollten die fehlenden rechtseitigen Spantenteile nach Zeichnung anfertigen, aber leider, wohl durch frühere Reparaturen, haben die Zeichnungen nicht mit den noch vorhandenen Spanten links übereingestimmt.

So haben wir uns entschlossen die linken Spantenseiten abzuformen und mit diesen Konturen die rechten Spantenteile anzufertigen, hat halt etwas gedauert.


Die abgeformten Spantkonturen wurden dann auf eine „Helling“ übertragen, auf der dann die fehlenden Spannenseiten spiegelbildlich gefertigt wurden.


Spant 10 ist eingeleimt und mit den Seitenstringern verleimt.


Die rechte Rumpfhälfte von Spant 8 bis Spant 11 ist komplett eingeleimt.
Jetzt kann mit der „Feinkonturarbeit“ begonnen werden.


Verleimung der Kielleiste.


Jetzt ist die Kielleiste, die den Verbund des vorderen mit dem hinteren Rumpfteil verbindet, eingeleimt. Hierbei wird einiges an Aerodux-Leim verstrichen.

Alle Verleimungen werden mit Schraubzwingen verpresst, so dass eine optimale Leimverbindung gewährleistet ist.


Nun ist die Kielleiste auf den Vorderrumpf aufgeleimt, ein grosser Schritt.
Nun muss „gestraakt“ werden mit Hobel und „Schleiflatte“.


Richtfest mit den „Holzwürmern“.


Nachdem die Kielleiste eingeleimt war, gab es ein kleines Richtfest mit den „Holzwürmern“, deshalb der „Baum“, leider konnten einige nicht dabei sein.


Innenverleimungen etc. in Hülle und Fülle, hier nur ein Beispiel.


Die Vorarbeiten an der Kufe benötigen einiges an Zeit.
Die Aufnahmen für die Tennisbälle für die Kufenfederung werden vorbereitet bzw. aufgeleimt.


An der Kufe gibt es erstaunlich viel Kleinarbeit. Der Fahrwerksaufnahmebeschlag (ganz links) ist bereits montiert.


Die ersten Anpassungen der Kufe beginnen.


Es werden viele „Straakarbeiten“ ausgeführt sowie der Rumpf für die Beplankung vorbereitet.
Bevor wir beplanken können muss unser Bauprüfer, Andreas Streble, alles noch genau prüfen.


Unser Bauprüfer Andreas Streble hat sich zur Rohbaubesichtigung eingefunden, er war sehr zufrieden mit unserem tun.
Da mussten vorher natürlich alle Seile, Seilrollen, Beschläge und vieles mehr in den finalen
Zustand gebracht werden, was sehr zeitintensiv war. Die gesamte Knüppelsteuerung musste justiert werden. Wir mussten ja alle Seilklemmen austauschen, denn die eingebauten waren in Deutschland nicht zugelassen, aber auch das wurde geschafft.
Nachdem unser Bauprüfer Andreas Streble „grünes Licht“ gegeben hatte konnte mit der Beplankung des Rumpfes gestartet werden.
Jetzt hies es Nagelleisten in Hülle und Fülle herstellen. Diese werden zur Pressung der Sperrholzbeplankung auf den jeweiligen „Leimuntergrund“ benötigt.


Auf die Kielleiste musste noch Sperrholz aufgeleimt werden.


Das „Abklopfen“ des Rumpfes hat auch noch zu zusätzlichen Reparaturstellen beigetragen


Einige Überraschungen an der Rumpfröhre hatten wir auch zu reparieren.


Die rechte Rumpfunterseite von Spant 8 bis Spant 11 ist aufgeleimt und mit Nagelleisten und Klammern verpresst.
Schäftungen anschleifen war jetzt in Hülle und Fülle angesagt.


An der rechten Rumpfunterseite beginnt die Beplankung.
Hier eine „Pergamentfolie“ um die einzelnen Leimkonturen zu kennzeichnen, wo nachher die Nagelleisten aufgebracht werden müssen


Jetzt heißt es Leim (Aerodux) an den richtigen Stellen aufzutragen und auch alle Innenseiten mit Isolierlack einstreichen.
Der Leim (Aerodux) muss beidseitig aufgetragen werden, also auf das aufzuleimende Sperrholz und auch auf die damit zu verleimenden Stringer und Spanten.


Das mit Leim und Isolierlack gestrichene Sperrholz wird angedrückt und geheftet.
Dann wird die „Pergamentfolie“ aufgelegt um dann an den richtigen Stellen mit den Nagelleisten auf die Stringer und Rippen etc. das Sperrholz aufzupressen (aufzunageln).
So müssen alle Sperrhölzer in entspechenden Teilstücken aufgebracht werden.


Es geht mit der Beplankung der Rumpfunterseiten rechts und …


… auch links flott voran.


Die Rumpfunterseiten sind jetzt soweit beplankt, dass der Rumpf jetzt „eigenstabil“ genug ist und aus der Helling genommen werden kann.
Auch das Seitenleitwerk ist wieder repariert/beplankt.


Die Kufe wurde aufgebracht. Hier sieht man die Kufen-Tennisballfederung.


Die gesamte Rumpfkontur hinter dem 2. Sitz muss filigran aufgebaut und an das hintere feste Haubenteil und den zerstörten Pylon (ganz links erkennbar) angepasst werden.
Dieses hintere Haubenteil wurde neu verglast (hier noch nicht zu sehen), was unser Spezialist Michael Mayer zusammen mit einem Bekannten perfekt gelöst hat.

Die Flügel-Rumpfübergänge (beidseitig) im hinteren Flügelbereich müssen wieder angepasst und eingeleimt werden.


Der Rumpfbereich hinter dem 2. Sitz nimmt Kontur an.


Das hintere feste Haubenteil ist angepasst auf den Rumpf, auch der dahinter beginnende Sperrholzpylon ist angepasst.


Die Rumpfoberseite hinter dem 2. Sitz ist jetzt zubeplankt.
Der hintere Holzpylon muss noch aufgeleimt werden.


Nachdem auch der Holzpylon aufgebracht wurde, ist der Kranichrumpf fast „bespannbereit“.
Die Flügelrumpfübergänge hinterer Bereich müssen noch eingepasst und aufgeleimt werden.


Um die Flügelrumpfübergänge anzupassen und einzuleimen musste der Kranich mal wieder aufmontiert werden.
Der Kranich passt gerade so in unseren Werkstattraum hinein.


Der Rohbau des Kranichrumpfes ist soweit fertiggestellt, ab jetzt kann mit der Rumpfbespannung mit „Ceconite“ begonnen werden.


Bespannen und Lackieren

Die Bespannung des Rumpfes steht an. Hierzu muss dieser 3x mal mit Klebelack vorgestrichen werden.
Hat gottseidank im Hof stattfinden können, die Geruchsbelästigung hält sich da in Grenzen.


Mit der Bespannung des hinteren Rumpfbereichs wurde begonnen.


Stück für Stück wird da mit Verdünnung „aufgerubbelt“ und auch bei Bedarf „Glattgeföhnt“.


Stück für Stück wird aufgebracht.


Feintuning vor der Lackierung muss da auch sein.


Nachdem alles sorgfältig abgeklebt war konnte mit dem Spritzvogang gestartet werden.
Herbert hat ja schon richtig viel Übung damit.


Die Spritzlackierung konnte in der „Spritzbox“ des Sportfliegerclubs Stuttgart stattfinden.


Das Lackierergebnis kann sich wahrlich sehen lassen, danke Herbert.


Vor dem Aufbringen der blauen „Streifen“ muss sorgfältig abgeklebt werden.
Wenn es „um die Kurve“ geht manchmal sehr kniffelig.


Die Feinheiten der blauen Streifenlackierung erfordern viel Geduld.


Wie man sieht ist auch dies bewältigt.
Jetzt fehlt nur noch das „Kranichbild“, das kommt beidseitig in den Bereich des unterbrochenen Streifens.


Michael hat über einen Bekannten (siehe Bild) das Foto des ursprünglichen Kranichbildes sehr sauber retuschieren lassen und anschliessend die beiden Kranichbilder in je 3 Folien, die genau übereinander geklebt wurden, auf den Rumpf auf beide Seiten aufkleben lassen.
Ein richtiges Kunstwerk.


So sieht das Kunstwerk „Kranich“ jetzt aus.



Das neue Kennzeichen des Kranich II, D – 4788 , wurde auf Rumpf …


… und Tragfläche aufgebracht.


Nicht nur im Rumpf, sondern auch an den Tragflügeln mussten alle Seilklemmen (gesamt in den Tragflügeln 16 Stück) gegen zugelassene getauscht werden.
Eine sehr kniffelige Tätigkeit, durfte ja kein Seil verletzt werden. Herbert hat dies mit Ausdauer durchgeführt.


So sehen dann die neu verpressten Seilklemmen aus.


Die Kufe mit der „Tennisballfederung“ ist komplett montiert und muss noch verkleidet werden.
Die ersten Blechstreifen sind schon angeschraubt.


Die Kufenverkleidung geht flott voran.


Jetzt ist auch der gesamte Fahrwerksbereich verkleidet.


Das Edelstahlblech, das Herbert dankenswerterweise angefertigt hat, wurde auf die Kufe geschraubt.


Jetzt steht der Kranich II wieder auf eigenen Füssen.


Die beiden Klapphauben wurden nachlackiert, da ihre Ursprungsfarbe etwas von der neuen Rumpffarbe abgewichen ist.


Der Einbau der Instrumentierung wurde begonnen.
Funkgerät, Lautsprecher, Antenne, Sprechtaster, Instrumentenbretter usw. mussten neu eingebaut werden. Da wurde gelötet, verschlaucht, verkabelt bis alles funktioniert hat.


Jetzt wird der Kranich zur Endabnahme vorbereitet.
Also aufmontiert und alles nochmals überprüft bzw. eingestellt.
Die Beschilderung nochmals nachgeschaut.
Alle Ruderausschläge nochmals überpüft bzw. nachgstellt.
Eine Einzelteilwiegung vor der Montage wurde durchgeführt.


Bau-Endabnahme beim SCS

Es ist soweit, der Kranich II, D-4788 (vormals HB-475) wird zur Endabnahme am 02.12.2016 in der Werkstatt des Sportflieger-Club Stuttgart bereitgestellt.

Der „Kranich II“ steht nun bereit für die Endabnahme durch unseren Prüfer Andreas Streble.
Wie zu sehen ist, passt dieser grosse Flieger gerade so in unsere Vereinswerkstatt.
Alle Einzelteile haben wir in Absprache mit Andreas schon gewogen.
Die Ruderausschläge wie Querruder, Höhenruder und Seitenruder waren gemessen sowie die Funktion der Bremsklappen geprüft worden.
Aber es gab dennoch eine Überraschung, davon später…


Andreas (Prüfer, links) ließ sich von Herbert (Werkstattleiter Holz, rechts) nochmals eine Übersicht geben was wir in den letzten Wochen alles noch getan haben.
Hier noch die Erklärung wegen der Venturidüse, die wir nur für die Abnahme des „statischen Drucks“ für die pneumatischen Anzeigeinstrumente brauchen, denn der „Kranich“ hat am Rumpf keine Abnahmestellen für „statischen Druck“.
Die Fahrtmesser hängen am „Staudruck“.


Der Zufall wollte es, dass mit diesem Abnahmetermin der zugesagte Termin für eine Reportage durch die Zeitung „Stuttgarter Nachrichten“ zusammenfiel.
Der sehr gute Bericht von Elke Rutschmann( Mitte, freie Journalistin) wurde am 11.01.2017 in den „Stuttgarter Nachrichten“ und einige Tage später in der „Stuttgarter Zeitung“ veöffentlicht.

Auch an dieser Stelle vielen Dank für den Bericht, der auch hier angehängt ist.


Andreas erläutert Frau Elke Rutschmann, wie so eine Prüfung erfolgt und was da alles sorgfältig nachgesehen wird.
Wie man sieht hat Sie doch einiges zu notieren, was in den nachfolgenden Bericht auch eingeflossen ist.


Hier der Bericht aus den „Stuttgarter Nachrichten“


Seltenes Segelflugzeug wird restauriert

Im Frühjahr soll der Kranich wieder abheben

Von Elke Rutschmann 11. Januar 2017 – 06:00 Uhr

Die Holzwürmer des Sportfliegerclubs Stuttgart (SCS) restaurieren mit ihrem Fachwissen einen Kranich II. Das Modell aus Holz ist eine Rarität unter den Segelflugzeugen und der Stolz des Clubs.


Segelflieger Bernhard Fröschle mit dem Kranich
Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart – Die Werkstatt des Sportfliegerclubs Stuttgart (SCS) in Stuttgart-Zazenhausen ist gut versteckt. Ein schmaler Feldweg führt zu dem schmucken Haus mit der blau gestrichenen Holzfassade, die auf den ersten Blick an ein Bootshaus erinnert. Doch tritt man ein, eröffnet sich dem Besucher ein ganz eigenes Universum. 15 Männer laufen aufgeregt und gleichzeitig ehrfürchtig hin und her. Für sie alle ist es heute ein besonderer Tag, an dem sich alles um einen ganz besonderen Vogel dreht, der gleich der Lufttüchtigkeitsprüfung unterzogen wird. Das Flugzeug nimmt mehr als die Hälfte der Halle ein, ist zwar nur 7,70 Meter lang, bringt es aber auf eine Spannweite von 18 Metern. Das elfenbeinfarbene Flugobjekt ist ein Kranich II, wurde 1937 gebaut, und es gibt nur noch wenige Modelle mit einem durchgehenden Querruder. Im Raum daneben steht ein Segelflugzeug der Gegenwart aus Glasfaser, mit dem man eine Strecke von über 500 Kilometern zurücklegen kann. Der Kranich II, der aus Holz gebaut wurde, schafft gerade mal 200 Kilometer und wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen.

Die meisten Exemplare wurde am Kriegsende zerstört

Aber mit der spannenden Historie des Oldtimers kann das Formel-1-Modell der Lüfte nicht mithalten. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Kranich II als Schulungsflugzeug der deutschen Wehrmacht. Am 11. Oktober 1940 stellte er einen Weltrekord auf, als der Pilot Erich Klöckner als erster Mensch mit einem Segelflugzeug die Stratosphäre, das ist die zweite Schicht der Erdatmosphäre, in einer Höhe von 11460 Metern erreichte. Am Ende des Krieges wurden diese Flugzeuge meist zerstört, damit sie dem Feind nicht in die Hände fallen. Der Zweisitzer entging diesem Schicksal, weil er von einem Segelflugplatz am Bodensee in die Schweiz verschleppt worden war. Es war ein Diebstahl im Sinne der Sammler, und einer der „Täter“ bekannte sich spät, aber mit einer romantischen Widmung an der Innenseite der Cockpit-Frontscheibe zu seiner Tat. Dort steht in grüner Schrift: „Beim Küssen dieses Kranich II HB fiel mir das Herz nostalgisch in die Hose. Warum, kannst du in meinem Buch ‚Segelflug‘ nachlesen.“ Unterzeichnet war die Liebeserklärung von Hans Nietlispach am 9. September 2006. Zwei Jahre später ist der Segelflugpionier, der 1982 die Lilienthal-Medaille erhielt, 85-jährig gestorben.

Bei einem Unfall war der Rumpf gebrochen

Der Kranich aber steht quicklebendig beim SCS, der ihn von einem Verein in Amlikon erworben hat. Auf einem Tisch liegen noch die alten Pläne. Original ist auch noch der Höhenmesser im Cockpit. Besonders ist auch das kleine Sichtfenster im linken Flügel, damit der hintere Pilot auf den Boden schauen kann. Bei einem kleinen Flugunfall vor zwei Jahren war der Rumpf gebrochen. 1700 Stunden Arbeit haben die Mitglieder des SCS mittlerweile in die Restauration gesteckt.

Bernhard Fröschle hat alles dokumentiert. Jeden Freitag trifft sich die Gruppe, um an ihren Projekten zu arbeiten. Natürlich werden auch die neuen Segelflugzeuge gewartet, aber das meiste dreht sich um Holz. „Wir nennen uns deshalb auch die Holzwürmer“, sagt Bernhard Pfau. Der 77-Jährige verfügt wie die meisten seiner Mitstreiter über enormes Fachwissen und kennt die alten Techniken. Davon profitiert auch Christoph Lichtmannegger, der seit sechs Monaten Mitglied im Verein ist. Bislang interessierte er sich vor allem für Modellfliegen. „Dafür hat mich mein Vater begeistert“, sagt Christoph, der Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Da der Vater Linienpilot ist, liegt das Flug-Gen wohl in der Familie. Der 24-Jährige macht gerade seinen Flugschein. „Ich stehe kurz vor dem ersten Alleinflug“, schwärmt er.

Die Faszination vom einfachen Fliegen

Fast alle beim SCS sind auch Mitglied im FMH, dem Fliegenden Museum Hahnweide bei Kirchheim/Teck, wo auch der Kranich seinen Platz finden soll. Der Jungfernflug im Frühjahr steht Andreas Streble zu, der seit zwei Stunden mit der Lufttüchtigkeitsprüfung beschäftigt ist und rund 80 Punkte prüfen muss. Im Moment checkt er das Höhenruder. „Bis jetzt sieht alles sehr gut aus“, sagt der Bauingenieur. Es dauert nicht mehr lange, und der alte Vogel darf wieder abheben. Dazu braucht es keine Turbine, sondern nur die Seilwinde, die den Segelflieger beim Start auf 350 Meter Höhe zieht. Dann ist es die Thermik, die das Flugzeug fliegen lässt. „Und die ganz große Faszination ist das einfache Fliegen, das mit dem Kranich möglich ist“, sagt Thomas Püttmann, Zweiter Vorsitzender beim SCS.

Stolz zeigt er auch das Stockwerk über der Werkstatt. Dort befindet sich das Kasino für die rund 70 Mitglieder und wird freitags nach getaner Arbeit zusammen gekocht und gegessen. „Wer sich für das Segelfliegen entscheidet, für den muss es auch zu einer Passion werden“, sagt Püttmann, der vor vier Jahren wieder in den lautlosen Sport eingestiegen ist.


Bei der Kontrolle des Höhenruders wurde eine kleine Beschädigung an einem inneren Rippenaufleimer entdeckt, deshalb wurde das Ruder demontiert.
Andreas hat doch „Röntgenaugen“.


Die Schwerpunktwägung hat einiges an Unterbauung am Rumpfende erfordert, …


… denn der Kranich muss hierzu „im Wasser“ stehen.


Wo Andreas nicht direkt hinsehen kann kommt die Taschenlampe und der obligatorische Spiegel zum Einsatz.


Alle Ruderausschläge wurden geprüft, auch die Querruderausschläge.
Hier gab es dann eine Überraschung für uns, denn Andreas hat ein neues Kennblatt mitgebracht (Juli 2016) mit neuen Ausschlagabmessungen.
Glücklicherweise haben wir einstellbare Anschläge für die Quersteuerung eingebaut, so dass da nachgestellt werden konnte.

Aber leider mussten im Flügel alle Spannschlösser (je Flügel 4 Stück) nachgestellt werden.
So eine Vier-Fachwaage einzustellen erfordert schon richtig viel Geduld.


Um die Spannschlösser im Flügel wieder zu sichern war dann unser Bernhard Pfau gefragt, denn eigentlich kommt man da mit „normalen Händen“ nicht hin.


Zu prüfen gab es da richtig viel und Andreas hat das mit seiner ruhigen Art alles sehr sorgfälig durchgeführt.


Prüfen ist das „Eine“ und der „Papierkrieg“ ist das „Andere“, aber auch dies muss erfolgen und kostet auch richtig viel Zeit.


Die Prüfung der „Flügelbiegeschwingzahl“ brachte auch das geforderte Ergebnis.


Die gesamte Instrumentierung beider Instrumentenbretter wie Fahrtmesser, Höhenmesser, Variometer und jetzt auch Funk wurden einer Funktionsprobe unterzogen.


Nachdem Andreas alles sorgfältig geprüft hat und „grünes Licht“ zum Abbau des Kranichs gegeben hatte wurde der Kranich wieder zerlegt.

An Andreas auch an dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ für den doch beachtlichen Aufwand einen solchen „Vogel“ zu prüfen und ihm die „Lufttüchtigkeit“ wieder zurückzugeben.





Nun ist die Reparatur des Kranich II beendet und das Flugzeug kann wieder auf das Fluggelände Hahnweide gebracht werden.

An alle, die bei dieser doch sehr anspruchsvollen Reparatur mitgearbeitet haben auch an dieser Stelle vielen Dank.

Für jeden Reparaturtag wurde ein Protokoll verfasst und jeder hat seine Arbeitszeit in den Ordner „Reparatur Kranich II“ eingetragen.
In Summe hatten wir etwas über 1.700 Arbeitsstunden aufgewendet

Jetzt folgt noch die Ankunft des „Kranich II“ auf der Hahnweide und Erstflug im kommenden Frühjahr.