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Wasserfarben – die Farben der Gewässer im Alpenvorland

Jochen’s Plan für unseren Ausflug mit dem Mose war: zum Essen nach Vilshofen, dann am Gebirg‘ entlang wieder nach Westen. Ich war sofort einverstanden. In Vilshofen auf der Terrasse sitzen, bewirtet werden und nebenher den Flugzeugen zuschauen – das gefällt uns. Das schönste Flugzeug war diesmal – außer unserem Mose – eine Aeronca Chief 11 AC, Baujahr 1947 mit 65 PS in herrlichem Zustand. Sie ist ohne Motorhauben mit leise tuckerndem Motor an uns vorbei gerollt.

Von Vilshofen aus ging’s zuerst nach Süden bis zum Alpenrand – dann kommen die herrlichen Seen: Chiemsee, Schliersee, Tegernsee, Walchensee, Staffelsee, Forggensee. Und dazwischen kommen Inn, Lech und Isar. An Wasserfarben gibt’s von trübem braun und gelb über grün bis zu türkis. Und wenn der See spiegelt, wird’s ein strahlendes Weiß! Weiß gibt’s auch, wenn in den Bach Hindernisse eingebaut werden. Sie dienen zur Sauerstoffanreicherung. Wir konnten es sehen in der Vils. Blau gibt’s auf unserer Route nicht, dafür müssen wir ans Meer fliegen. Kommt – – Geduld.

An der Tankstelle in Kempten sind wir in einen Stau geraten. Aber außer Mogas tanken konnten wir noch Eiskaffee und Bienenstich mit echter Sahnen genießen und waren rechtzeitig zurück auf der Hahnweide: am Mittwoch gehört ab 1800LT der Platz den Modellfliegern.

Und für die Profis haben wir drei Flugplatzrätsel eingestreut!

Text: woki Fotos: Jochen, woki

Gebirgssegelflug in Südfrankreich

Das Jahr 2021 begann so, wie das Jahr 2020 aufgehört hatte. Die Pandemie hatte uns nach wie vor fest im Griff und unser Fluglager in Sondrio, wo wir jedes Jahr im April die Gebirgsflugsaison eröffnen, musste auch dieses Jahr wieder Cornona bedingt annulliert werden. Die ganze Hoffnung ruhte darauf, dass sich bis Ende Mai die Situation verbessern würde und man wieder reisen konnte.

Südfrankreich steht bei mir jedes Jahr im Mai fest im Kalender und ich hoffte sehr, dass sich Reiselockerungen breit machen würden. Ich hatte Franz gefragt, was er davon halten würde in diesem Jahr mitzukommen, und er musste nicht lange überzeugt werden….

Wir vereinbarten in diesem Jahr dorthin zu fahren, wo es möglich war hinreisen zu können und wo das Wetter vielversprechend erschien. Neben Serres in den französischen Seealpen, hatten wir noch Niederöblarn im Auge und Ohlstadt in Bayern, sollten die Reisebeschränkungen nicht aufgehoben werden oder in den Zielorten Pandemie bedingt keine ausreichende Infrastruktur zu Verfügung stehen.

Es wurde Mitte Mai und endlich meldete sich auch der Flugplatz Serres wieder auf unsere Anfrage. Platz hatte es mehr als genug und eine Schleppmaschine war auch am bereit. Ganz alleine wären wir auch nicht, denn es wurde auch Erwin aus Fürstenfeldbruck erwartet, Robert aus Genf, sowie auch Marcel und Francis aus dem Elsaß waren am Platz – alte Bekannte.

Noch schauten wir auf das Wetter und Niederöblarn blieb eine Option. Dort waren Norbert Sommer und ein paar andere, die sich ebenfalls über etwas Gesellschaft freuen würden.


Das Reisen wurde wieder möglich jetzt musste noch das Wetter genau beobachtet werden. Wir warteten noch ab, bis das Wetter fliegbar wurde und mit ein paar Tagen Verspätung sind wir dann Richtung Serres in die französischen Seealpen aufgebrochen – in Österreich sah das Wetter nicht ganz so gut aus.

Endlich ging es los – die Vorfreude war riesengroß. Die Hänger auf der Hahnweide angehängt und ab Richtung Süden. Die ersten Stunden ging es noch durch strömenden Regen und erst ab dem südlichen Jura empfing uns die Sonne.

An der Raststelle Rose de la Broye machten wir eine Pause und genossen bei Cappuccino die Sonne auf der Terrasse und bekamen obendrein das Spektakel der tief überfliegenden F 18 Jäger der Schweizer Luftwaffe geboten, die fleißig Ihre Platzrunden am nahen Stützpunkt trainierten.

Am frühen Abend waren wir dann endlich in Südfrankreich angekommen und für Franz war es das erste Mal auf dem wunderschönen Flugplatz in Serres. Als wir die Hänger parkten, landete gerade Robert mit seiner ASG 29 nach, wie üblich, spektakulärem Überflug und die ASH 25 von Marcel und Francis.

Normalerweise ist um dies Jahreszeit schon alles voll mit Hängern und Flugzeugen – diesmal erschien der Flugplatz total verwaist – alles leer , nur eine handvoll Flieger.

Wir bezogen unser schönes Chalet direkt am Flugfeld und freuten uns, das wir nun da waren und es morgen losgehen sollte. In der Nacht kam Erwin noch an und wir trafen uns um kurz nach zehn zum morgendlichen Briefing mit Klaus Ohlmann. Wie immer gut gelaunt studierte Klaus mit uns die Möglichkeiten für den Tag und machte Einschätzungen für die jeweiligen Routen. Das Wetter sah jetzt nicht wirklich sehr vielversprechend aus, aber wir sahen, wie sich zuhause bombastisches Streckenflugwetter abzeichnete . Oh jeh – sind wir dem guten Wetter jetzt davon gefahren, das darf doch nicht wahr sein ! Aber es kam alles ganz anders – wir durften wunderschöne Flüge erleben mit atemberaubenden Ausblicken auf die schönsten Massive der Alpen und gerade weil das Wetter nicht so gut war, bewegten wir uns nicht immer auf den gewohnten Standartrouten und haben dabei viel Neues erlebt.

Unser Chalet auf dem Flugplatz Serres

Gleich am ersten Tag ging es Richtung Norden, vorbei am Apotres und am Pic de Bure querten wir das Ecrin auf der Direttissima. Die Wolken hingen noch tief und so schlängelten wir uns um die Felsen. Spätestens jetzt wußten wir, warum wir hier waren!Diese Eindrücke in den noch tief verschneiten Alpen mit dem Segelflugzeug zu fliegen, sind einfach atemberaubend. Briacon östlich liegen gelassen, flogen wir schnurstracks an Bardoneccia vorbei über das Modane Tal in Richtung Aosta. Das Ziel sollte heute das Matterhorn sein, und wir wollten soweit fliegen, wie es ging. Schon bald erkannten wir aber, dass der Weg nach Aosta schwer werden würde. Das Überqueren des Passes östlich des Col de Iseran gelang uns nicht. Wir kamen sehr tief im Arc Tal und versuchten es mit zwei Anläufen, aber es gab heute kein Durchkommen – wie schade, kannte ich diese Route ja noch nicht und hätte zu gerne mit Franz diesen Weg erkundet. Er kennt sich hier aus wie in seiner Westentasche. Es blieb uns nichts anders übrig als umzudrehen. Schnell war ein neuer Plan gefasst und wir wollten Richtung Westen: Vorbei am Skigebiet von Val Thorens ging es Richtung Albertville und weiter über Chambery und den Lac du Bourget in den den südlichen französischen Jura. Nach einer langen Gleitstrecke kamen wir tief am Grand Colombier an und mussten erst mal Höhe tanken. Der Luftraum hier ist etwas tricky und viel Luft an den Deckel von Genf hat man nicht. Nach kurzem Überlegen entschlossen wir uns an dieser Stelle umzudrehen. Das Erkunden dieser Gegend sollte auch einem weiteren Vorhaben dienen – einem Flug von der Hahnweide aus nach Südfrankreich. Im vorigen Jahr war ich bereits mit Franz von der Hahnweide aus ins Jura geflogen und Franz hatte schon einige Flüge ins Jura unternommen – aber der südliche Part fehlte noch und so war es interessant und reizvoll.

Neuland war auch der Rückflug über die Chartreuse – der Gebirgszug zwischen Chambery und Grenoble. Nach einiger Bastelei an der Mont Grelle, wo wir uns die Hangkante mit zahlreichen Paraglidern teilten, gelang uns er Sprung in die Chartreuse und das Durchqueren sollte heute problemlos sein. Wie beherzigten den Ratschlag von Klaus und machten an der nord-östlichen Kante des Chamchaude ausreichende Höhe, um das Talbecken von Grenoble sicher zu überfliegen, um dann am Vercors Anschluß zu bekommen. Das lief dann auch wie geschmiert und so sind wir ohne einen einzigen Kreis von Grenoble über den Vercors bis zurück nach Serres geflogen. Was für ein Tag !

Der nächste Tag war wettertechnisch sehr ernüchternd. Der Norden war zu und so entschlossen wir uns mal den Westen auszuprobieren. Der Plan war schnell gefasst und wir wollten das Rhonetal Richtung Zentralmassiv überqueren. Wir flogen Richtung Aubenasson und konnten auf der anderen Seite des Rhonetals im Zentralmassiv auch schöne Quellungen sehen.

Entlang der großen „Badewanne“ südlich von Aubenasson flogen wir dann in total toter Luft über das Rhonetal. Das Vario zuckte nicht ein einziges Mal und der monotone Varioton unterstrich dies eindeutig. Wir mussten dann einsehen, das die Quellungen auf der anderen Seite des Tals heute für uns nicht zu erreichen waren und entschieden uns umzudrehen. An der imposanten Glandasse am südliche Vercors vorbei, flogen wir über das Vogelschutzgebiet an die östliche Kante des Vercors Richtung Grenoble. Auf halbem Weg war aber auch hier Schluß und wir drehten um, um Richtung Süden unser Glück zu versuchen. Der Mont Ventoux zeigte sich uns in seiner ganzen kargen Schönheit. Der berühmte Berg, den viele von der Tour des France kennen, gibt den Blick Richtung Mittelmeer frei. An der Hangkante der Lure glitten wir Richtung Saint Auban, um über den Lac de Saint Croix in den Parcours einzusteigen. Am Ufer des Sees bin ich dann auch glatt abgekellert und musste mich ausgraben. Franz nutze die Zeit und flog noch etwas weiter Richtung Süden. Wir trafen uns dann wieder, um den Parcours nach Norden Richtung Lac des Serre Poncon zu fliegen, was an diesem Tag ein echter Spaß sein sollte. Bei wunderschönem Nachmittagslicht mit dramatischem Wolkenkino, konnten wir den tief verschneiten Parcours Richtung Norden fliegen ohne einen einzigen Kreis zu drehen. Total ungewöhnlich – wir hatten nur einen einzigen Flieger an dieser berühmten Rennstrecke getroffen – die Pandemie hatte die Fliegerei hier noch fest im Griff – das war der eindeutige Beweise dafür. An der Dormilouse ohne Kreis Richtung Gap abgeflogen, konnten wir bis Serres durchgleiten. Ein absoluter Genuß und wieder ein wunderschöner ergebnisreicher Tag.

Am Abend waren wir dann zum Essen bei Lison im kleinen Flugplatzrestaurant, das an diesem Tag erstmalig wieder eröffnete. Normalerweise ist es hier voll und einmal in der Woche gibt es die tollste Livemusik weit und breit – aber das musste noch warten….Wir waren zusammen mit Marcel, Francis, Erwin, Gerd und Markus die einzigen Gäste, aber das Essen war wie immer köstlich und mit viel Liebe gemacht. Drinnen durfte man noch nicht sitzen uns so hatten wir dicke Jacken an und der Rotwein machte es behaglich.

Der nächste Tag versprach wieder nicht sehr viel und Klaus war im Briefing der Meinung, dass weder der Norden, noch der Weg über den Vercors heute funktionieren sollten. Wir machten keine großen Pläne und starteten. Nachdem wir am Hausberg Höhe gemacht hatten, erschien uns erneut der Weg Richtung Vercors der Beste zu sein und so glitten wir Richtung Grenoble. Der Sprung vom Vercors in die Chartreuse gelang uns noch problemlos aber nord-östlich von Chambery. im „Massiv des Bauges“ wurde es etwas tricky. An der Le Treu kamen wir richtig tief und vorbei an den tiefen Hängen ohne Steigen achterten wir uns aus dem Keller heraus und fanden wieder Anschluss. Richtung Chamonix ging es dann wieder richtig gut und vorbei an Meribel wurde der Blick auf den Mont Blanc frei. Welch gigantischer Berg – für mich war es das erste Mal, dass ich hier war – ein überwältigendes Erlebnis! Wir flogen noch weiter Richtung Nord-Osten und das Rhone Tal eröffnete uns den Blick auf Martigny und Sion. Hier war das Wetter grandios und an diesem Morgen hätten wir keinen Pfennig darauf gewettet, bis hierher zu kommen. Eine Wettervorhersage ist halt eine Vorhersage und oft kommt alles ganz anders – wer es nicht probiert wird es nicht wissen. Wir wurden reich belohnt, weil wir einfach losgeflogen sind !

Es war zwar sehr verlockend weiter ins Rhonetal zu fliegen, wollten aber unser Glück mit dem Wetter nicht überstrapazieren und entschlossen uns, für heute das Erlebte zu genießen und umzudrehen – der Weg war noch weit und es war auch nicht mehr früh am Tag. Da wir sehr hoch waren, ging der Weg zurück relativ leicht und der Vercors war wieder ein Genuß. Wir verlängerten dann den Flug nach Süden und schauten nochmals am Mont Ventoux vorbei und landeten glücklich in Serres.

Am nächsten Morgen war Klaus dann doch etwas überrascht, dass uns dieser Flug gelungen war. Somit war klar, auch heute werden wir es bei ähnlicher Wetter Prognose wieder probieren und so flogen wir auf der inzwischen vertrauten Route über den Vercors und die Chartreuse wieder am den westlichen Mont Blanc vorbei, um diesmal das Rhonetal hoch zu fliegen, soweit wir kommen. Franz konnte mir auch heute wieder neue Wege zeigen welche ich vorher noch nie gesehen hatte. Es ist wirklich toll, wenn man einen Mitflieger hat, welcher sich so gut auskennt – alleine hätte ich es nicht gewagt. Über das Skigebiet von Verbier und Haute Nandaz– hier wurde tolle Erinnerungen an zahlreiche Skitouren in diesem tollen Gebiet wach, ging es weiter am Rothorn vorbei bis zum Eingang in das Mattertal. Unterhalb des großen Bigerhorns drehten wir um. Der Blick Richtung Matterhorn war beeindruckend. Zu schön wäre es gewesen, hier über Aosta zurück in die Seealpen zu fliegen, aber der Weg war durch Wolken und Gewitter versperrt und so flogen wir wieder über Chamonix Richtung Westen. Heute war der Rückweg über den Vercors teilweise durch Schauer versperrt und somit mussten wir Richtung Westen ausweichen.

Östlich von Aubenasson wurde es dann nochmals spannend. Am Col des Cabres standen bereits heftige Regenschauer und wir wussten nicht, ob wir überhaupt in Serres landen konnten. Über Funk hatten wir niemanden erreichen können, der uns eine Info darüber geben konnte, wie es am Platz aussieht und somit entschlossen wir erst mal zu parken. Ich konnte dann über Telefon noch unseren Schleppiloten erreichen, aber die Verbindung war nicht gut. Ein Foto vom Platz über SMS brachte die Erkenntnis, dass Landen noch möglich ist. Wir sind dann von der Parkposition aufgebrochen und an den Hängen entlang nach Serres gesegelt. Ein paar Regentropfen im Endanflug und trocken gelandet – das war dann doch noch spannend.

In der Zwischenzeit haben wir keine Gedanken mehr an das Flugwetter von zuhause mehr verschwendet. Die Eindrücke und die Erlebnisse hier im Gebirge von Südfrankreich haben uns bereits mehr als entlohnt und jeder Tag war bis jetzt faszinierend.

Am nächsten Tag sah es für den Norden wieder ganz brauchbar aus und wir sind wieder auf der bekannten Route vorbei am Pic de Bure und Piolit über St. Crepin in die hohen Berge im Norden eingestiegen. Das Aostatal sah leider wieder nicht so toll aus und so flogen wir diesmal an die Ostflanke de Mont Blanc. Vorbei an Courchevel mit seinem berühmten Altiport ging es über Bourg Saint Maurice und über den großen Sankt Bernhard Pass Richtung Mont Blanc. Unten waren die italienischen Skigebiete von La Thuile und Courmayeur gut zu sehen und nun direkt vor uns – der gigantische Mont Blanc. An der Bergstation der Gondel haben wir ein paar Kreise gezogen, um die Gletscher zu bewundern und sind dann noch ein bisschen weiter der Flanke entlang zur berühmten Grandes Jorasses geflogen. Es gibt wenige, welche diese eindrucksvolle Perspektive genießen dürfen – Segelfliegen ermöglicht einem dies ! Am imposanten Gletscher des Grand Combin haben wir noch etliche Kreise gedreht, bevor wir umgekehrt sind. Das Wetter war sehr labil und so entwickelten sich wieder zahlreiche große Quellungen und wir bekamen auch schon wieder die ersten Regentropfen zu spüren. Welcher Weg zurück würde heute funktionieren? Wir waren schon auf Kurs Richtung Albertville, als wir ganz schwach im Funk Markus Erdmann hörten, der am Morgen mit uns gestartet war und gemeldet hatte, dass der Col de Galibier offen war. Die Info kam goldrichtig und im letzten Moment – wir drehten sofort 90 Grad ab und nahmen Kurs Richtung Süden, um über den Galibier und das Ecrin wieder nach Serres zu kommen. Wir überquerten das Maurienne Tal und schlichen vorbei an den Türmen der Arves in das Massiv der Ecrin und wurden auf dieser Seite mit bestem Wetter begrüßt. Ein Abstecher zum Glacier Blanc musste noch sein. Tief verschneit präsentierte er sich in seiner ganzen Schönheit. Im Sommer sieht er immer so schmutzig aus, aber jetzt mit all dem Schnee – wunderschön! Über den Parcours Royal ging es zurück an die Südflanke des Ecrin. Das Wetter baute jetzt massiv ab und die Querung zum Pic de Bure wurde nochmals spannend. An den Süd-Ost Flanken angekommen, fehlten mir ein paar Meter um drüber zu kommen und ich musste außen herum und kam sehr tief. Am äußersten Zipfel teilte ich mir den Hang mit ein paar Paragliedern und mühte mich ab, 100 mt höher zu kommen. Franz, der den Sprung über den Sattel geschafft hatte, meldete aber, dass die unteren Hänge gut tragen würden, denn wir hatten Südwind. So gelang mir der Heimflug in der unteren Etage doch noch problemlos und Serres hatte uns wieder.

Der nächste Tag war dann wie erwartet nicht fliegbar. Nachdem Klaus uns schon ein bisschen von seinem sensationellen Flug von Serres nach Griechenland berichtet hatte, haben wir ihm am Abend noch eine Nachricht geschickt, uns doch am nächsten Tag ausführlich zu berichten, wie dieser absolute Rekordflug denn abgelaufen war.

Klaus kam pünktlich um 10 Uhr mit Labtop und bester Laune und wir kamen in unserer kleinen Gruppe in den Genuss einen total interessanten und professionellen Vortrag von diesem Flugabenteuer geboten zu bekommen und wer Klaus kennt, der weiß, wenn Klaus über das Fliegen erzählt, gibt es kein Halten mehr. Am frühen Nachmittag haben wir glücklich und mit vielen Details bereichert, den Briefingraum verlassen, dankbar für dieses exklusive Erlebnis und die tiefen Einblicke in seine Fliegerei .

Der nächste Tag war dann eher wieder sehr durchwachsen, aber wir hatten ja die Erfahrung gemacht, dass auch bei schlechten Vorhersagen, vieles möglich sein kann. Also gestartet und über unsere zwischenzeitliche Standartroute Vercors Richtung Norden geflogen.

Die Bewölkung war an diesem Vormittag sichtlich tief und so flogen wir im Wolkenslalom den Vercors Richtung Grenoble. Die Bewölkung sank im tiefer und der Sprung in die Chartreuse war nicht gesichert. Am äußersten Ende des Vercors kamen wir dann immer tiefer und ich rutschte in die berühmte Talinversion von Grenoble ab. Hier gab es für mich kein Entrinnen, was ich auch versuchte, es ging nicht mehr nach oben. Franz hatte den Sprung noch geschafft und wir verabredeten uns später im Funk. Ich war in der Zwischenzeit sehr tief und musste zünden. Trotz des Turbos war es schwer aus der Inversion raus zu kommen und nur langsam machte ich Höhe. Am Fuße des Chamechaude angekommen, vibrierte der Motor plötzlich so stark, dass ich nach einigem Probieren entschied, den Motor abzuschalten. Ich rettet mich noch an die Ostflanke der Chartreuse überhalb des Flugplatzes Versoud, aber das Wetter wurde zunehmend schlechter. Als der Vercors zumachte, erreichte ich Franz am Funk, der Richtung Albertville weitergeflogen war, und berichtete. Franz wollte umdrehen und wir wollten versuchen, über den Westen nach Hause zu kommen. In der Zwischenzeit fing es aber an zu regnen und ich entschloss mich zu einer Landung in Grenoble Versoud, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde.

Nachdem die gröbsten Regenschauer durchgezogen waren, hatte man mich nach Hause geschleppt – ein Schlepp Royal – na ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Franz hatte es an diesem Tag noch geschafft nach Haue zu kommen. Über die Westroute, außen vorbei an den Gewittern und über Aubenausson, ist er zurück nach Serres geflogen.

Am nächsten Tag hatten wir noch einen schönen Flug gemacht und am Abend bei einem tollen und leckeren Essen mit den Freunden bei Lison, diesen unvergesslichen Fliegerurlaub ausklingen lassen.

Mit vielen tollen Erlebnissen bereichert, sind wir nach Hause gefahren und werden sicher wieder zurückkehren – Serres ist immer eine Reise wert !

Ein paar Tage in Ohlstadt

Eigentlich waren wir ja von einer Schweizer Segelfliegerin mit dem AMF (Angelika Machinek Förderverein Frauensegelflug) nach Courtelary im Jura eingeladen worden. Dieses Lager musste aber wegen Corona wie so viele Wettbewerbe auch abgesagt werden. Ein kleines Grüppchen Mädels und Abi Kiessling waren sich einig, dass da eine Alternative gefunden werden musste. Der Flugplatz Ohlstadt in der Nähe von Garmisch Partenkirchen hat sich da schnell als ideal herauskristallisiert. Wir haben beschlossen, dass wir den Termin wetterabhängig flexibel halten und Abi der Wetter-Guru ist, der das Signal zum Aufbruch geben würde. Zum Glück hat mein Chef da auch mitgespielt, was flexible Urlaubstage angeht.

Am letzten Mai-Wochenende wurde für Baden-Württemberg sehr gutes Flugwetter vorhergesagt und wir haben beschlossen, diese beiden Tage noch von zuhause aus zu nutzen. Den Samstag nutze ich, um in den Pfälzer Wald und ins Saarland zu fliegen.

Pfälzer Wald, Blick nach Norden
Pfälzer Wald, Blick nach Süden

Dann kam das Signal zum Aufbruch, Mo Anreise, gute Bedingungen ab jetzt auch in den Bergen. Die Fliegergruppe Wolf-Hirth hatte ihr Fluglager auch für diese Woche in Ohlstadt geplant. Wir sind dann zu dritt eingetrudelt, Nina, Abi und ich. Der Rest konnte es dann doch nicht einrichten.

Der Flug beginnt am Kloster Ettal

Unser erster Flugtag war der Dienstag. Früher Thermikbeginn und gute Kaltluft. Unser Ziel war das Engadin, das wir sonst von Süden her aus Alzate schon angeflogen sind. Der Einstieg führte auf der Ostseite des Lechtals ins Gebirge. Vorbei an der Parseierspitze wechselten wir ins Inntal. Ich kannte mich recht gut aus, weil ich im Vorfeld verschiedene Folgen des late night soaring nochmal durchgearbeitet hatte, wo Berge, Routen und Außenlandemöglichkeiten durchgesprochen wurden. Vor dem Piz Nuna, wo der Inn einen großen Bogen macht, wechselten wir die Talseite und überquerten den Ofenpass. Die hohen Berge sind alle noch tief verschneit und die Optik ist traumhaft schön. Spielend einfach war der Weg bis Samedan, wo die Basis auf 3700 m war. Abi meinte, im Addatal sieht’s auch gut aus. Ich schaute den Berninapass entlang. Stimmt, aber wie kommen wir zurück? Wir sind dann „nur“ eine Runde an der Bernina entlanggeflogen und lieber auf demselben Weg zurück. Andächtige Stille in Anbetracht des eisigen Riesen.

Anflug auf die Bernina
Bernina, nur Eis und Schnee
Der Reschensee wartet auf die Schneeschmelze

Im Rückflug bleibt man auf der süd-östlichen Talseite, sie ist wegen der Tageszeit jetzt günstiger. Den Kaunergrat entlang und über’s Pitztal und Ötztal. Dann folgte die Querung der TMA Innsbruck, wo sehr freundliche Kontroller zur Zeit fast nur Arbeit mit Segelfliegern haben. Ein kleiner Trip zum Rofan am Achensee und natürlich ein Besuch bei der Zugspitze rundete den Flug ab. Zufriedene Menschen am Abend.

Wettersteingrat, dahinter Zugspitzplateau
Zugspitze von Nord-Osten

Am Mittwoch besuchten wir viele bekannte Skigebiete, von denen ich einige auch vom Boden her kenne. Den Anfang machte wieder das Lechtal bis Bach, direkt angrenzend der Arlberg. „Servus Fiss Ladies“ hieß es dann, aber das eigentliche Ziel war Vent ganz hinten im Ötztal, wo wir zusammen mit der Frauen NM schon oft zum Skifahren waren. Tatsächlich erlaubte es die hohe Basis, bis ganz nach hinten bei der 3768m hohen Wildspitze reinzufliegen. Es folgte wieder die Querung des Inntals westl. von Innsbruck, von wo aus wir über der Wettersteinwand entlang nach Osten flogen. Unser Weg führte weiter durch’s Karwendelgebirge, wo die Isar entspringt, zum Achensee.

Inntalquerung westlich Kufstein

Östlich von Innsbruck querten wir wieder nach Süden, wo der Pinzgauer Spaziergang lockte. Es ging super dort, aber ein Regenschirm war so langsam angebracht. Wir düsten bis zur Schmittenhöhe bei Zell am See und dann nichts wie heim.

Oberammergau und der Kofel

Am Donnerstag schob sich die labile Gewitterluft von Westen her auf uns zu, im Osten sollte es aber nochmal sehr gut werden. Die Basis heute etwas niedriger, aber Thermik am Platz ging gut. Nina brauchte eine Pause und Abi musste nochmal landen wegen nicht schließender Fahrwerksklappe. Ich habe auf ihn gewartet und mit einiger Verzögerung sind wir dann nach Osten los. Ohne Fahrwerksklappe war der Ventus unangenehm laut und hatte deutliche Verluste beim Gleiten. Über die Benediktenwand und die bayerischen Alpen ging’s trotzdem weiter nach Kufstein. Heute stand die Thermik am wilden Kaiser nicht direkt am Hang sondern unter einer riesigen Wolke mitten über dem Tal, was mir eine gigantische Aussicht auf den ganzen Klotz mit seinem sonst immer thermisch sehr aktiven langen Südhang eröffnete.

Wilder Kaiser

Westlich von St. Johann haben wir das Skigebiet überquert, das uns wegen Corona im März 2020 nicht vergönnt war. Jetzt kamen wir endlich in die Zone mit den richtig guten Bedingungen, Basis stieg inzwischen auf 3300 m an und auch das Steigen war leichter zu finden. Die Blick ging zum Großglockner, eine weiße Pracht soweit das Auge reicht.

Blick Richtung Großglockner
Großes Wiesbachhorn
Steinernes Meer
Dachstein
Dachstein

Nach dem Kitzsteinhorn überquert man zuerst das Gasteiner Tal, danach die Tauernautobahn. Ich wollte gern bis nach Niederöblarn fliegen, zwischendurch ging es sogar bis auf 3800m. Hinter uns sahen wir schon, dass die Gewitter aufziehen und uns eventuell den Rückweg abschneiden würden. Oder macht’s danach nochmal auf? Der Rückweg aus dem Osten lief wieder problemlos, der Plan war das Pinzgau entlang in den hohen Bergen zu fliegen und dann über den Gerlospass zum Achensee. Tilo sagte im Funk, dass es südlich von Innsbruck am Brenner noch mit 2 m/s geht und wir probierten das auch. Leider war das nicht mehr so, als wir kamen und ich musste einsehen, dass der Heimweg mit der LS 8 nicht mehr machbar sein würde. Am Ausgang des Zillertals habe ich bei Innsbruck Approach angefragt, ob dort noch ein F-Schlepp zu bekommen wäre. Der freundliche Controller meinte, die Segelflieger haben den Betrieb schon abgemeldet, aber er fragt mal nach. Kurz darauf hat er sich wieder gemeldet, dass leider niemand mehr zu erreichen wäre, er aber in Kufstein angerufen hätte und die mich gerne heimschleppen würden. Und das alles auf der Frequenz der Anflugkontrolle eines Verkehrsflughafens. Toll. Nach 7 ½ Stunden landete ich in Kufstein, wo mein Vater jahrelang ein regelmäßiger Gast war.

Den 4. Tag in Folge ließ ich dann aus, weil es nur recht lokal und eher im Flachland vor den Alpen gehen sollte, danach kam der Regen. Ein geselliges Abschlussessen mit der FGWH im Flugplatzrestaurant rundete das ganze Unternehmen ab. Es war ein toller Ausflug und ich bin sicher, dass er wiederholt wird, vielleicht sogar noch dieses Jahr. Meine Flüge habe ich unter weglide.org hochgeladen.

Geschichten im Herbst rund um den Mose

Christoph und ich mussten dringend ein Ersatzteil für den Kompass in Bremgarten holen: Wenn Sonne auf den Kompass scheint, trielt er. Kurz vor unserer Landung hat sich der Dunst über Bremgarten dann für uns in fliegbare Bedingungen gewandelt. Nach einem Spaziergang durch das lokale Industriegebiet hatten wir die Dichtung und die Kompassflüssigkeit. Kurz haben wir noch an der Tür zur Meiermotors gestaunt. Und bei schönem Wetter – nicht gestört durch Thermik – ging’s zurück zur Hahnweide.

Eine Woche später wollten Wolfgang und ich Mose fliegen – wir hatten auch ein hübsches Ziel. Auf der Hahnweide sind ausser uns noch mehr Flugwillige im Nebel rumgestanden. Wir haben dann den Anfang gemacht und verkündet, dass wir das mit dem fliegen für diesen Tag sein lassen und auf die Teck wandern. Dort haben wir die Reste der Halle am Sattelbogen in der Nähe des Startplatzes Gelber Fels und das Fundament des Aufzugmotors besichtigt. Die Gleise gibt’s nicht mehr, aber die alte Schneise hat’s Wolfgang angetan. Unter ständiger Rutschgefahr hat er sich in seine gewünschte Fotografierposition vorgetastet. „Archäologen müssen Gefahren in Kauf nehmen“ war seine Ansage. Es ging noch mal gut und wir konnten uns im Burghof stärken. Das hübsche Ziel wird nachgeholt.

Kurz darauf war 100h Kontrolle – diesmal mit dem Schmankerl Schlauch am Einfüllstutzen zum Tank tauschen. D.h. Tank ausbauen und das heißt Sprit ablassen. Ein anstrengende Arbeit für gelenkige Leute. Wir waren zu 5en – Kathi, Stephan, Jürgen, Jochen und ich – die Arbeit lief dadurch so gut, dass wir am gleichen Tag noch unseren Bauprüfer Andreas rufen konnten.

Drei Tage später wechselten Christoph und ich noch das Öl, dann kam der von uns geschätzte Werkstattflug. Die Sicht war hervorragend, wir konnten von der Albkante aus die Alpenkette sehen!

Text und Bilder: woki

 

Saint-Crépin, die Zweite – Kultur

der Boden brauchts

Flugplatz Mont Dauphin

 

Es soll nicht verschwiegen werden – in Saint-Crépin gibt es auch Tage, an denen man mit einem Segelflugzeug nicht weit kommt. Aber die Region ist reich an Ausflugszielen für Bodenprogramme. Es gibt in Argentiere ein Silberbergwerk zu besichtigen, Rafting auf der Durance wird angeboten, auf dem Serre-Ponçon gibt’s Motorboote zu mieten, in Gap kann man Schuhe und mehr kaufen – oder man kann das Kloster Boscodon besichtigen. Die Abtei Notre-Dame de Boscodon wurde ab 1142 von den Mönchen des Chalais-Ordens über 32 Jahre erbaut. Romanisch, wunderschön schlicht – nur ein Schiff und kein Zierrat. Vor etwa 200 Jahren ging das Kloster in private Hände und wurde runtergewirtschaftet – es war als Stall und Scheune benutzt worden.

1972 gründete sich ein Verein zur Erhaltung des Klosters und baute 40 Jahre lang. Der eingestürzte Turm wurde wieder errichtet, der Innenhof mit Kreuzgang und Wirtschaftsgebäude erneuert. Das Dach ist von 1997, 20 Jahre zuvor war es schon mal neu gemacht worden – aber das hat nix getaugt. Irgendwoher kenn‘ ich das. Jetzt sind alle Dächer des Klosters mit Lärchenschindeln bedeckt, immer 3-lagig.

Seit ein paar Jahren gibt es ein Museum, in dem die Baukunst erklärt und Werkzeuge zu sehen sind. Mit Holzklötzen können die Besucher romanische Gewölbebogen aufbauen und die Tragfähigkeit bestaunen. Die Steine im Kloster sind alle gehauen. Erstaunlich ist, dass sogar schwach gekrümmte Gewölbe sich mit unbehauenen Steinen errichten lassen. So wurden die weltlichen Häuser gebaut.

In Boscodon gibt es für die Öffentlichkeit Konzerte und Ausstellungen. Vor drei Jahren gab es die eine faszinierende Installation mit 20000 (in Worten: zwanzigtausend) Papierschwalben. Wenn Ihr genügend Kultur genossen habt, könnt Ihr Euch in dem Bistro nebenan stärken.

Text und Fotos: woki und soki

 

Von Saint-Crépin nach L‘ Alpe d’Huez, ein Ausflug mit der Jodel

Es war vorher zu sehen – der Sportflieger-Club Stuttgart ist wieder nach Saint- Crépin gegangen. Diesmal erzähl‘ ich die Geschichten zeitlich verkehrt herum.

Seit ein paar Jahren hat Fred vom Aéroclub des 4 Valles in Saint-Crépin einen Oldtimer: Jodel D120 mit Continental C90 F14. Fred sagt: als der Motor neu war hatte er 100PS. Der Rumpf ist aus den 60’ern, der Flügel 12 Jahre alt. Mit dieser Jodel wollte ich mitfliegen. Mitfiegen auf den Altiport L‘ Alpe d’Huez. Fred fragte, ob ich Erfahrung mit Spornradflugzeugen hätte – ich wollte aber nicht schulen sondern nur als Passagier mitfliegen. Also Sonntag 8:00 an der Halle.

Fred’s Jodel hat einen Komfortplatz im Hangar: Hallentor aufschieben, zwei Schwellenbleche legen, Jodel rausziehen, Bleche wegräumen, Hallentor zuschieben – fertig. Zum Start ging’s auf die 34. Nach dem Abheben einfach weiter nach N. Für mich mit neuer Perspektive – als Segelflieger sind wir natürlich nie so niedrig über Argentière – halt stimmt nicht: im F-Schlepp bei Nordwind ist’s auch so. Der Flugweg ging an Valloise vorbei auf die Westflanke des Tête d’Amont und den folgenden Spitzen. Der Conti brachte 1m/s Steigen. Bevor ich mit dem Raten über den Flugweg fertig war machte Fred einen Vollkreis, um dann über den Col de L‘ Eychauda zu schlüpfen: 2 429 m Passhöhe. Jetzt fliegen wir nach NW, es geht am Galibier vorbei und über den Col de Lautaret. Nach ein paar Quergräten kommt das Ziel in Sicht. Fred fliegt die 8-förmige Platzrunde über den Platz weit nach SW für die 06. Der Anflug war ruhig – und es sieht alles einfach aus. Ist’s aber garantiert nicht. Die Jodel hat keine Landeklappen oder so neumodisches Zeug, die Piste ist mit dem ebenen Teil 448m lang, 30m breit und hat im Bereich des Aufsetzens 16% Steigung. Im Ausschweben gibt Fred Gas – damit der Schwung auch auf den ebenen Teil reicht. Der Standschub würde nicht reichen.

Jetzt hab‘ ich gedacht, es gibt meinen ersten Kaffee des Tages dort – aber wir sind gar nicht ausgestiegen und gleich wieder gestartet. Vor geschätzt 15 Jahren war ich mit Patrick und Florian mit der Robin schon mal in L‘ Alpe d’Huez. Beim Start den Berg runter – man kann das Ende der Piste sehen und sonst nicht mehr viel – es ist ein besonderes Erlebnis. Nach kürzerer Zeit als sonst abheben – und das Flugzeug fliegt wieder über die zerklüfteten Wiesen, wie wenn’s nichts Besonderes wäre. Etienne vom Aéroclub des 4 Valles in Saint-Crépin ist schon mal dort mit dem Segelflugzeug gelandet – und wieder gestartet. Hinweis von ihm: Beim Start im F-Schlepp müßt Ihr bremsen, damit das Seil nicht überrollt wird.

Zurück durfte ich steuern. Die Jodel hat eine Trimmung am Höhenruder – aber mit bescheidener Wirkung. Über den Winter will Fred mit Patrick die Trimmklappe vergrößern. Diesmal fliegen wir nicht mehr über den Col de la Pisse. Einmal muß ich den Kurs wegen dem Naturschutzgebiet Ecrins korrigieren. Die Jodel rennt jetzt mit 110 Kn. Im Gegenanflug zur 34 gebe ich die Flugzeugführung dann wieder an Fred ab. Die Segelflieger sind gerade am Halle ausräumen – und wir sind mit unserem herrlichen Flug schon fertig. Für mich war es der krönende Abschluß der diesjährigen Flüge in Saint-Crépin. Ich empfehle es zur Nachahmung! Vielen Dank an Fred!

Text und Fotos: woki

AMF Gebirgsflugtraining

Noch im Winter habe ich unsere Fluglehrerin Conny gefragt, wie ich meine Technik auch nach dem Schein verbessern könnte. Sie empfahl mir das Bergflugtraining in Bled vom Angelika Machinek Förderverein für Frauensegelflug .

Bled 2018 AMF Angelika Machinek Gebirgsflugtraining

Gesagt getan habe ich mich angemeldet, Flugzeug und Helfer organisiert. Klingt einfach, aber bis dahin sind einige Schritte und Nettigkeiten nötig. Familie Schaich trägt mit Skodi zur Mobilität bei und gibt Ratschläge. Die ASW28 – S5 – die ich von unserem Verein für die Zeit bekomme. Ein Freund kommt mit und leiht mir seine Zeit. Im Lager bilden uns erfahrene Trainer aus, die mich erstmal im Doppelsitzer mitnehmen. Vielen Dank dafür!

Durch viele Helfer mit S5 in Bled angekommen

Tag 1:
Es wird aufgebaut. Es ist der klassische Start eines Lagers. Zwischen Anspannung und Vorfreude arbeiten wir uns im Chaos zur Startbereitschaft vor.
Heute fliege ich im Doppelsitzer mit. Ich bin froh, dass ich erstmal Alles in Ruhe kennen lernen darf. Meine erste Einweisung in der Gegend und das erste Mal Training. Ich lasse es auf mich zukommen.
Wir üben das Kreisen in der Thermik und erkunden die Gegend. Beim Wurzenpass kehren wir um und wagen uns noch etwas Richtung Osten vor. Wir fliegen im Team mit Manu. Ich freue mich, wenn ich gut steige und Walter erkärt geduldig was zu tun ist.

Tag2:
Die Gruppe hat sich langsam eingependelt. Der Flugbetrieb läuft reibungsfrei und die Gruppen sind schnell startbereit.
Wieder mit Walter im Doppelsitzer. Diesmal mit zwei weiteren Flugzeugen im Team. Lena und Caro kreisen um die Wette. Wir fliegen diesmal bis fast nach Lienz und wieder nach Osten.
Am Abend tolle Stimmung. Ich darf morgen mit S5, unserem Einsitzer los fliegen. Das ist etwas besonderes für mich. Im Einsitzer trifft man wirklich eigene Entscheidungen und kann die Fehler machen, die man zum lernen braucht. Im Doppelsitzer gewinnt man Sicherheit und kann an seiner Technik feilen.
Ich sage Walter er soll mich in eine langsame Gruppe stecken. Ich will nicht, dass jemand auf mich warten muss. Er scherzt und antwortet, dass er mich in die schnellste Gruppe stecken wird.

Tag3:
Heute ist das Wetter schlecht vorhergesagt. Wir verschieben den Start in den Nachmittag. Die Gruppen werden spontan verteilt. Ich fliege mit Christina und bin aufgeregt. Egal, wir bleiben sowieso nur am Hang – heißt es.
In der S5 fühle ich mich gleich wohl. Wir fliegen los und das Wetter ist überraschend gut. Christina ist schnell unterwegs. Wir kreisen kaum ein, sondern fliegen entschieden vor. Bei Nötsch komme ich tief und lande dort. Leider ist der Platz naß vom Unwetter und ich kann nicht zurück geschleppt werden. Christina und der Helfer Thomas holen mich ab und wir machen ein ausführliches Debriefing. Jede kleine Entscheidung wird nochmal besprochen.

Tag 4:
Wieder mit Walter in der Gruppe. Wir diskutieren wie gut die verschiedenen Flugzeuge im Team harmonieren werden. Alles halb so wild, sagt Walter. Und er hat Recht. Das Team harmoniert wunderbar und wir steigen gemeinsam durch die Berge. Ich setze das gelernte um und fliege gut mit. Das Team trägt sich von Kilometer zu Kilometer. Wir kommen gut voran.

Tag5:
Heute Regen?
Eine Front zieht heute durch. Wir machen einen freien Tag. Manche lassen sich in der Stadt verzaubern und die anderen suchen die Ruhe der Natur. Alles ist heute drin – nur fliegen wurde abgesagt. Schade, denke ich mir sobald kurz die Sonne herauskommt.

Tag6:
Schon morgens hängen die Wolken tief. Die Prognose ist nicht vielverprechend. Eine niedrige Basis wird uns zu schaffen machen. Ich komme kaum weg vom Platz, aber ich nutze die gute Gelegenheit. Die Menge der Flugzeuge am Berg sind eine echte Herausforderung. Jetzt kann ich Kreisen und Hangflug mit vielen Flugzeugen üben. Mein persönlicher Stresstest.
Bei der Landung haben alle gute Laune. Wir haben viel gelernt und sind diszipliniert geflogen. So kann man arbeiten.

Tag7:
Endlich wieder auf Strecke. Mit der Hoffnung auf Wellenflüge packe ich mich warm ein und habe den Sauerstoff bereit. Es fängt gut an. Der Wind bläst zuverlässig auf den Stol und ich kann schnell aufsteigen. Wir ziehen in Richtung Nötsch los und ich gewinne gut an Höhe. Auf einem Mal bin ich in der Welle drin. Über mir steigt ein anderes Flugzeug auf. Die anderen sind unten und werden immer kleiner. Die Landschaft aus Wolken baut sich um mich herum auf und ich gleite friedlich in der ruhigen Luft.

Heute ist der Abschiedstag und wir packen alles ein. Schön war es. Hoffentlich bis nächstes Jahr…

Sondrio und viel Schnee

Der Zufall wollte es, dass ich spontan von Franz eingeladen wurde, seinem Arcus zu einer besseren Flächenbelastung in Sondrio zu verhelfen. Nach einer superkomfortablen Tramptour von Berlin nach Stuttgart (hiermit ein dickes Dankeschön an den netten Peugeot(!)fahrer – ja, mit dem Flieger wärs nicht schneller gewesen 🙂 ) Abfahrt bei schönstem Sonnenschein Samstag morgens von der Hahnweide. Mit dabei, Fred, S5, Thomas und S2.

Schon bei der Einfahrt in die Schweiz merkten wir, dass dieses Jahr ein bisschen anders werden würde als sonst. Soviel Schnee!! Die beiden Pässe Julier und Bernina waren zwar gut befahrbar, aber rechts und links der Straße türmten sich die Schneemassen. Die Aussicht war einmalig beeindruckend. Allerdings war die spannende Frage, wie sich bei der weißen Landschaft irgendwo Thermik bilden sollte. Na das würden wir ja am nächsten Tag ausprobieren.

Essen und Unterkunft muss, wie in allen Berichten zuvor auch hier wieder lobend erwähnt werden – einfach ein Traum. Und Sorbetto di Braulio geht zum Schluss natürlich immer!

Der mäßigen Vorhersage zum Trotz starten wir so früh wie möglich nach dem obligatorischen Checkflug. Und das sollte sich bewähren. Unter der tiefen Basis kamen wir zügig Richtung Bormio voran und erreichten dort eine mehr weiß als schwarze Wand, die trotz Südwind erstmal nicht so recht tragen wollte. Aber die wunderbare Aussicht und der Blick zurück ins dunstige Tal Richtung Sondrio bestätigte uns dass wir alles richtig gemacht hatten. Die Schleier, die über die scharfen Zacken geblasen wurden, waren zwar wunderschön anzusehen, trugen uns aber nur mühsam über 3000m.

Dann aber ging alles ziemlich zügig, und über dem Foscagno Pass fielen wir mehr oder weniger in die erste Welle. Nette Züricher Lotsen ließen uns dann weiter Richtung Bernina auf FL 180 steigen. Wo man nur hinschaute Schnee und Eismassen und zwischen den Bergen tiefhängende Wolkendecke. Es war deutlich, runter war keine Option, und damit auch ein weiterer Streckenflug nicht besonders einladend, aber aus 5500m ist auch so der Aktionsradius nicht zu verachten und wir machten noch ein bisschen Sightseeing bis wir dann kurz vor Sonnenuntergang durch die trübe Suppe im Tal wieder den Weg nach Hause antreten mussten.

Die nächsten zwei Tage brachten dann weniger Flugglück, dafür umso mehr Regen und Schnee. Nur der Modellsegler durfte ein paar Runden drehen, ansonsten war die Therme von Bormio eine gute Alternative. Im Gegensatz zu einigen Wagemutigen ließ ich mein Handy aber in der Umkleide, sodass es keine Bildbeweise gibt, wie wir uns im dampfenden Blubberwasser mit Blick auf die Berge vom Nichtstun ausruhen – vielleicht ja auch ganz gut so…

Ohne Aussicht auf meteorologische Verbesserungen wurde die schwere Entscheidung gefällt es bei diesem einen Flugtag zu belassen und zurück zum Sonnenschein auf der Hahnweide zu fahren.

Danke Franz! war zwar diesmal kurz, aber nicht weniger grandios!

Fluglager im Gebirge – Der SCS war wieder in St. Crépin

Ihr habt bestimmt schon sehnsüchtig auf den Bericht und die Bilder gewartet – aber im Sommer gibt’s so eine dichte Folge von schönen Erlebnissen, dass es auch Berichtsverzug geben kann.

Jedes Jahr das große Raten. Damit’s schwieriger wird haben wir mehr Stangen als nötig!

Wie jedes Jahr war der SCS 2017 wieder in St. Crépin – und diesmal nach längerer Zeit wieder mit Fangruppe. Die Fans sind Nichtpiloten, die mit uns urlauben wollen, weil’s in St. Crépin so toll ist. Wir haben immer das gleiche Emplacement, unter herrlichen Bäumen und nicht zu weit weg von der Keramikabteilung. Am ersten Tag fliegen die Erfahrenen nicht – dem Körper tut’s gut, wenn er sich akklimatisieren kann. Außerdem gibt’s viel zu tun: Das Küchenzelt will aufgebaut und eingerichtet werden, Verpflegung muß gekauft werden, am Flugplatz Grüß Gott sagen, bei Michelle anmelden und die neuen Flugbeschränkungen verinnerlichen.

Schön hier! Woki im Lieblingsflugzeug ASW28

Dann am ersten Flugtag nicht übertreiben – 5h reichen für’s erste. Der Plan ist: Prüfen, ob die Aufwinde noch an der gleichen Stelle sind wie im letzten Jahr und die herrliche Aussicht aus dem Cockpit geniesen. Beim ersten Flug bin ich zwischen den Wolken in einer leichten Welle über dem Varstal auf 4300m gekommen. Das ist so gut – da kann man sich ein Jahr lang darauf freuen!

 

Ein besonderes Highlight ist ein Flug mit Franz im Arcus M. Es geht weiter und schneller und höher, und für den Passagier total entspannt. Im Einsitzer muß ich immer kalkulieren, wie fliege ich zurück, wo sind die anderen, wer steigt besser als ich – mit Franz im Arcus fällt das alles weg und es bleibt zu schauen, staunen und versuchen die Eindrücke in Bilder zu bannen. Der Gänsegeier hat sich durch uns nicht stören lassen – nachdem er uns überstiegen hatte ist er abgedreht.

jetzt hat er uns überstiegen

Blick durchs Susatal nach Turin

Über Susa. Wo ist das andere Flugzeug?

Franz fliegt

St. Crépin

Queranflug auf die trente quatre

Das war ein schöner Tag für Franz und woki.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parallel zum fliegen läuft das tägliche Prozedere: einkaufen und kochen. Wenn die Piloten ermattet und hungrig vom fliegen kommen, wird geschlemmt – zu spät am Tag, aber anderes geht’s halt nicht. Weil bei uns so gut gekocht wird, verdienen die Lokale in der Gegend wenig an uns. Dann die spannende Frage – wer spült. Ein paar von uns scheuen sich zu kochen – für 20 Leute ist das nicht ohne – und die spülen dann freiwillig. Es findet sich also immer schnell einer, der anfängt – und auch HelferInnen kriegt. Das Wichtigste ist ein guter Ablauf: Vorspülen, Hauptspülen, Endkontrolle….

Gewölbe in Romans, schwach gekrümmt

Neben dem Fliegen gibt’s noch andere Attraktionen: Märkte und Wanderungen. Ich bin wieder nach Romans gelaufen, vor 2 Jahren mit Laurent, diesmal alleine. In dem schönen Tal (so von Micha getauft, in Wirklichkeit heißt es Val des Freissinières, aber früher waren wir sehr kreativ und haben schneller eigenen Namen gegeben, als die richtigen zu lernen) steigt der Weg langsam und meistens mit gleichmäßiger Steigung auf 1765m. Das Dorf ist mit dem Auto nicht erreichbar. Nach einer Phase des Verfalls und einer 1. Wiederbelebung durch Hippies haben die Eigentümer die Hippies vertrieben und bauen die Häuser wieder auf. Die erste Besiedelung des Hochtals war eine Flucht: Die Bevölkerung wollte nichts mit Cäsar zu tun haben. Ein paar Häuser sind noch kaputt. Dort bewundere ich immer die Gewölbe – nur schwach gekrümmt und aus unbehauenen Steinen. In der Wirtschaft kriegt man feines Omelett aus dort gelegten Eiern und dort geernteten Kartoffeln.

Windenstart

Der Start in St. Crérin geht normal so: der Wind aus Süden beginnt 12:45, 13:15 sind die Franzosen fertig mit Essen und der Parchaval funktioniert aus der Winde oder einem kurzen F-Schlepp. Am 31. Juli war das anders. Der Wind hat nicht gestimmt und ein paar sind am Parchaval wieder abgesoffen. Patrick hat mich dann ohne Vorwarnung an den gegenüberliegenden Hang geschleppt. Holla, war das ruppig – aber hoch interessant und ich konnte Höhe gewinnen. Das war nicht ohne! Zum Glück waren wir nur zu dritt am Hang. In 1750 m habe ich dann die Talseite gewechselt und der Parchaval hat schönes Steigen geboten. Bei einem anderen Flug bin ich den Parcour entlang geflogen. Die Regel ist so: nur geradeaus fliegen – nicht kreisen. An der Montagne de Coupe war ich dann kurz über den weiteren Flugweg im Zweifel: soll ich noch bis zur Brücke? Nix da – die Brücke muß sein. Blöd war halt, dass ich am Rückweg kein gescheites Steigen mehr gefunden habe. Also Richtung Puimoisson fliegen und den Motor werfen. Blöd nur, dass er nur 5cm rauskam. Also normale Landung in Pui. Die Regeln dort für den Anflug – mit Meldungen im „Sektor 1 und 2“ – kannte ich nicht und bin eben ganz normal gelandet. Die Leute sind dort nett – ich bin dort jetzt schon 3 mal gestrandet und habe mich diesmal für den Rückschlepp entschieden. Übernachtet hatte ich dort schon 2 mal und durfte so den teuersten Schlepp meines Lebens hinter einer Morane erleben – 343€.

Jedes Jahr gibt’s zu Ehren von Michelle einen vom SCS veranstalteten Caipirinha Abend. Und jedes Jahr kauft der SCS die Supermärkte leer: alle Limetten und der richtige Rum müssen her. Das sind schöne Abende, bei denen man mit den Franzosen, Belgiern und Holländern gut ins Gespräch kommt.

 

Mont Blanc in Sicht – aber ich habe hier umgedreht.

In jedem Urlaub sind natürlich Mont Blanc und Matterhorn die Ziele der Träume. Oft ist’s so, dass Franz hinfliegt – und sonst keiner. Aber auf dem Weg dorthin ist das Gebirge herrlich, und auch die kleineren Runden ergeben zufriedene FliegerInnen.

Kathi, Christoph und Max bei der Wartung

Diesmal gab’s eine Besonderheit: Britta und Christoph reisten mit unserem Mose an. Und so wurde das Flugzeug ausgiebig als Segelflugzeug betrieben. Florian und Christoph zeigten, wie gut das geht: 3,5h am Parcour ohne Motor. Und noch eine Premiere gab’s: die erste 50h Kontrolle außerhalb der Hahnweide. Ich war ausgerüstet, da das schon vorher klar war.

Unser Transportwohnwagen – der Wohnwagen von Inki und Christoph ist in die Jahre gekommen und einige von uns trauen dem Wagen nichts mehr zu. Aber der Ersatz war schon geregelt. Im Winter sind Franz und Florian mit dem Mose in St. Crépin gewesen und haben damals von Bada einen Wohnwagen geschenkt bekommen. Wir haben dann die Polster und die Insektenleichen entsorgt und besitzen einen intakten und trockenen Hänger für unsere Küchenausstattung!

Jetzt waren wir also 2017 in St. Crépin, 2016 auch. Ratet mal, wo wir 2018 hingehen?!

Text und Fotos: woki, Jochen