Archiv der Kategorie: Motorsegler

Der leise Steigflug

In diesem Beitrag geht’s um lautes oder leises Steigen mit dem motorgetriebenen Flugzeug. Der Pilot kann mit Startstellung des Propellers und hoher Drehzahl schnell auf seine Reiseflughöhe steigen – oder leiser mit Reisestellung des Props. Was ist der bessere Steigflug?

Mit den Flugleistungsdaten für Grob 109B habe ich zwei verschiedene Steigflüge vom Meereshöhe auf 1000m bis zur gleichen Position verglichen. Für andere Flugzeuge muß man natürlich neu rechnen.

Die Berechnung zeigt: Der Steigflug mit Reisestellung des Propellers dauert nicht länger, er verbraucht weniger Kraftstoff und er ist leiser! Nicht nur für die Leute am Boden – auch für die Piloten im Flugzeug.

Meine Empfehlung: Auf Reisestellung umschalten, sobald die eigene Sicherheits-Flughöhe es zuläßt. Wie laut ein Flugzeug ist, hat der Pilot zu einem großen Teil selbst in der Hand !

Quelle: Adlerbeitrag 1993 woki

Erlebnisse rund um den Mose in 2017

gefräste Rohlinge
  • Besuch bei Fa. Propeller Hoffmann. Unser Propeller brauchte eine Überprüfung. Während den Arbeiten am Propeller durfte ich die Produktion besichtigen. Die Rohlinge der Holzpropeller werden aus Rotbuche und Fichte lamelliert, dann grob gefräst, von Hand in Form gebracht, mit GFK überzogen – und am Schluß lackiert. Diese Bauart gibt’s bei den Propellern vom Mose bis zum Hoovercraft. Bei der Überholung werden die Befestigungsschrauben der Blätter an der Nabe abgeschraubt. Wenn Fett ins Holz eingedrungen ist, war’s das für das Blatt. An den Rohlingen könnt Ihr sehen, dass die Blätter außen ganz zart gebaut sind – deshalb darf man nie aussen am Propeller ein Flugzeug ziehen wollen. In der Mittagspause – bis unser Prop wieder zusammengebaut war – konnte ich den Chiemsee besuchen und direkt am See Eglifilets geniesen. Die Betreuung bei Fa. Hoffmann war astrein.
Reichenau – gleich nach dem Start
  • Lustflug mit Christoph nach Konstanz. Die netten Damen (Cessnaschülerin und Flugleiterin) haben uns mit alkoholfreien Pralinen versorgt. Aus Lärmschutzgründen sollten wir mit Rückenwind starten – leichtem Rückenwind. Na ja, die Konstanzer durften uns dann trotzdem hören.
Martin und woki auf dem Weg zur                       Transponderprüfung
  • Flug nach Aalen mit Martin zum Transpondertest durch Fa. Gehring. Dort steht eine Goumhouria – ägyptischer Lizenzbau einer Bücker 181. Die arme Goumhouria muß immer im Freien stehen – ohne Jaxidahemd.
  • Mit nicht funktionierendem Transponder sind Peter und ich nach Mannheim zum Einkaufen bie Fa. Friebe geflogen. Da war’s gut, dass ich vorher angerufen hatte und nach einer transponderlosen Landung gefragt hatte. Ging dann ohne Probleme – aber der Flugleiter hat sich rückversichert.
  • Die Diagnose war, der Mose braucht ein neues Antennenkabel. Das alte war so weit vorne im Fußraum verlegt, dass ich für das Kabel einen neuen Weg geschlungen habe. Und nachdem wir den Transponder zu Becker geschickt hatten funktionierte auch alles wieder – bis zum heutigen Tag!
Bodmann
  • Rundflug mit Thomas nach Stahringen zum Kaffee trinken. Dann am See entlang – an den Yachthäfen und Villen entlang bis zum Wankel Institut. Es war mittwochs – wir haben ab dem See ordentlich Gas gegeben, damit wir vor 1800 landen können – und die Modellflieger in die Luft dürfen.
  • Letztes Foto vor den Rätseln: Reisetrichter aus Karton zum Öl einfüllen. Also, benützen, wenn Ihr mal unterwegs Öl nachfüllen müßt. Der Kartontrichter ist in der Bordtasche. Bitte nicht auf der HW verwenden – dort haben wir Hilfsmittel aus Kunststoff!

Fluglager im Gebirge – Der SCS war wieder in St. Crépin

Ihr habt bestimmt schon sehnsüchtig auf den Bericht und die Bilder gewartet – aber im Sommer gibt’s so eine dichte Folge von schönen Erlebnissen, dass es auch Berichtsverzug geben kann.

Jedes Jahr das große Raten. Damit’s schwieriger wird haben wir mehr Stangen als nötig!

Wie jedes Jahr war der SCS 2017 wieder in St. Crépin – und diesmal nach längerer Zeit wieder mit Fangruppe. Die Fans sind Nichtpiloten, die mit uns urlauben wollen, weil’s in St. Crépin so toll ist. Wir haben immer das gleiche Emplacement, unter herrlichen Bäumen und nicht zu weit weg von der Keramikabteilung. Am ersten Tag fliegen die Erfahrenen nicht – dem Körper tut’s gut, wenn er sich akklimatisieren kann. Außerdem gibt’s viel zu tun: Das Küchenzelt will aufgebaut und eingerichtet werden, Verpflegung muß gekauft werden, am Flugplatz Grüß Gott sagen, bei Michelle anmelden und die neuen Flugbeschränkungen verinnerlichen.

Schön hier! Woki im Lieblingsflugzeug ASW28

Dann am ersten Flugtag nicht übertreiben – 5h reichen für’s erste. Der Plan ist: Prüfen, ob die Aufwinde noch an der gleichen Stelle sind wie im letzten Jahr und die herrliche Aussicht aus dem Cockpit geniesen. Beim ersten Flug bin ich zwischen den Wolken in einer leichten Welle über dem Varstal auf 4300m gekommen. Das ist so gut – da kann man sich ein Jahr lang darauf freuen!

 

Ein besonderes Highlight ist ein Flug mit Franz im Arcus M. Es geht weiter und schneller und höher, und für den Passagier total entspannt. Im Einsitzer muß ich immer kalkulieren, wie fliege ich zurück, wo sind die anderen, wer steigt besser als ich – mit Franz im Arcus fällt das alles weg und es bleibt zu schauen, staunen und versuchen die Eindrücke in Bilder zu bannen. Der Gänsegeier hat sich durch uns nicht stören lassen – nachdem er uns überstiegen hatte ist er abgedreht.

jetzt hat er uns überstiegen
Blick durchs Susatal nach Turin
Über Susa. Wo ist das andere Flugzeug?
Franz fliegt
St. Crépin
Queranflug auf die trente quatre
Das war ein schöner Tag für Franz und woki.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parallel zum fliegen läuft das tägliche Prozedere: einkaufen und kochen. Wenn die Piloten ermattet und hungrig vom fliegen kommen, wird geschlemmt – zu spät am Tag, aber anderes geht’s halt nicht. Weil bei uns so gut gekocht wird, verdienen die Lokale in der Gegend wenig an uns. Dann die spannende Frage – wer spült. Ein paar von uns scheuen sich zu kochen – für 20 Leute ist das nicht ohne – und die spülen dann freiwillig. Es findet sich also immer schnell einer, der anfängt – und auch HelferInnen kriegt. Das Wichtigste ist ein guter Ablauf: Vorspülen, Hauptspülen, Endkontrolle….

Gewölbe in Romans, schwach gekrümmt

Neben dem Fliegen gibt’s noch andere Attraktionen: Märkte und Wanderungen. Ich bin wieder nach Romans gelaufen, vor 2 Jahren mit Laurent, diesmal alleine. In dem schönen Tal (so von Micha getauft, in Wirklichkeit heißt es Val des Freissinières, aber früher waren wir sehr kreativ und haben schneller eigenen Namen gegeben, als die richtigen zu lernen) steigt der Weg langsam und meistens mit gleichmäßiger Steigung auf 1765m. Das Dorf ist mit dem Auto nicht erreichbar. Nach einer Phase des Verfalls und einer 1. Wiederbelebung durch Hippies haben die Eigentümer die Hippies vertrieben und bauen die Häuser wieder auf. Die erste Besiedelung des Hochtals war eine Flucht: Die Bevölkerung wollte nichts mit Cäsar zu tun haben. Ein paar Häuser sind noch kaputt. Dort bewundere ich immer die Gewölbe – nur schwach gekrümmt und aus unbehauenen Steinen. In der Wirtschaft kriegt man feines Omelett aus dort gelegten Eiern und dort geernteten Kartoffeln.

Windenstart

Der Start in St. Crérin geht normal so: der Wind aus Süden beginnt 12:45, 13:15 sind die Franzosen fertig mit Essen und der Parchaval funktioniert aus der Winde oder einem kurzen F-Schlepp. Am 31. Juli war das anders. Der Wind hat nicht gestimmt und ein paar sind am Parchaval wieder abgesoffen. Patrick hat mich dann ohne Vorwarnung an den gegenüberliegenden Hang geschleppt. Holla, war das ruppig – aber hoch interessant und ich konnte Höhe gewinnen. Das war nicht ohne! Zum Glück waren wir nur zu dritt am Hang. In 1750 m habe ich dann die Talseite gewechselt und der Parchaval hat schönes Steigen geboten. Bei einem anderen Flug bin ich den Parcour entlang geflogen. Die Regel ist so: nur geradeaus fliegen – nicht kreisen. An der Montagne de Coupe war ich dann kurz über den weiteren Flugweg im Zweifel: soll ich noch bis zur Brücke? Nix da – die Brücke muß sein. Blöd war halt, dass ich am Rückweg kein gescheites Steigen mehr gefunden habe. Also Richtung Puimoisson fliegen und den Motor werfen. Blöd nur, dass er nur 5cm rauskam. Also normale Landung in Pui. Die Regeln dort für den Anflug – mit Meldungen im „Sektor 1 und 2“ – kannte ich nicht und bin eben ganz normal gelandet. Die Leute sind dort nett – ich bin dort jetzt schon 3 mal gestrandet und habe mich diesmal für den Rückschlepp entschieden. Übernachtet hatte ich dort schon 2 mal und durfte so den teuersten Schlepp meines Lebens hinter einer Morane erleben – 343€.

Jedes Jahr gibt’s zu Ehren von Michelle einen vom SCS veranstalteten Caipirinha Abend. Und jedes Jahr kauft der SCS die Supermärkte leer: alle Limetten und der richtige Rum müssen her. Das sind schöne Abende, bei denen man mit den Franzosen, Belgiern und Holländern gut ins Gespräch kommt.

 

Mont Blanc in Sicht – aber ich habe hier umgedreht.

In jedem Urlaub sind natürlich Mont Blanc und Matterhorn die Ziele der Träume. Oft ist’s so, dass Franz hinfliegt – und sonst keiner. Aber auf dem Weg dorthin ist das Gebirge herrlich, und auch die kleineren Runden ergeben zufriedene FliegerInnen.

Kathi, Christoph und Max bei der Wartung

Diesmal gab’s eine Besonderheit: Britta und Christoph reisten mit unserem Mose an. Und so wurde das Flugzeug ausgiebig als Segelflugzeug betrieben. Florian und Christoph zeigten, wie gut das geht: 3,5h am Parcour ohne Motor. Und noch eine Premiere gab’s: die erste 50h Kontrolle außerhalb der Hahnweide. Ich war ausgerüstet, da das schon vorher klar war.

Unser Transportwohnwagen – der Wohnwagen von Inki und Christoph ist in die Jahre gekommen und einige von uns trauen dem Wagen nichts mehr zu. Aber der Ersatz war schon geregelt. Im Winter sind Franz und Florian mit dem Mose in St. Crépin gewesen und haben damals von Bada einen Wohnwagen geschenkt bekommen. Wir haben dann die Polster und die Insektenleichen entsorgt und besitzen einen intakten und trockenen Hänger für unsere Küchenausstattung!

Jetzt waren wir also 2017 in St. Crépin, 2016 auch. Ratet mal, wo wir 2018 hingehen?!

Text und Fotos: woki, Jochen

Zu dritt erstmalig in Reutte – der Mose, Hilmar und woki

Hilmar und ich wollten einen Ausflug mit dem Mose machen. Erste Idee war Oberschleißheim. Das geht aber erst nächstes Jahr wieder – weil deren Kontingent für Fremde in diesem Jahr schon verbraucht ist. Nächste Idee: Reutte. Der Platz ist PPR und man muss seine Wünsche mindestens 24h vorher kundtun – per Mail.

Unser Start verzögerte sich etwas – weil die Startbatterie nicht mitspielen wollte. Unsere Ersatzbatterie war zwar nicht ganz so leer wie die erste, aber für den Start des kalten Motors reichte es nicht. Tobias Krüger von der Motorflugschule konnte uns mit der Startbatterie auf dem Handwagen helfen. Herzlichen Dank dafür!

Bei herrlichem Wetter sind wir also nach Süden geflogen – Hilmar hat sich in Memmingen gemeldet und wir sind per Transponder überwacht durch die TMZ geflogen. Der Lotse hat den Verkehrspiloten am Start gefragt, ob er warten wolle, bis der powerd glider durch sei. Nein, wollte er nicht und ist knapp hinter uns steil in den Himmel gejettet.

Wir sind dann am Grünten vorbei ins Kleinwalsertal geflogen und haben die Hütte der Skizunft Zuffenhausen, Ifen, Widderstein und Trettach gesichtet. Dann ging’s wieder zurück, um den Grünten rum – Richtung Reutte. Der Anflug ins Tal von Reutte ist herrlich. Die Platzrunde ist ganz schön pfiffig. Es gibt viele Regeln, die beachtet werden wollen, Anflug nach N, Start nach S. Am nördlichen Ende der Piste steht aktuell ein gelber Kran – das wußten wir aus den NOTAMS. Im Gegenanflug sieht man die Piste nicht, weil man um einen Berg rumkreiselt. Der Queranflug liegt kurz vor dem nächsten Dorf und geht über die Schotterfelder im Lech – und die ganze Zeit antwortet keiner auf Hilmar’s Funksprüche. Es war ein übersichtlicher Verkehr am Platz. Ausser uns war noch ein C-Falke aus D da. In der Fliegerklause gab’s leckere Schnitzel, aber Vorsicht: Montag ist Ruhetag in der Klause! Der Start mit leichtem Rückenwind geht tief über eine Fabrik, links die Pappeln am Lech – attraktive Sache.

Beim Rückflug konnte ich Hilmar dann noch das rekonstruierte Einfallstor von Erkenbrechtsweiler aus dem Neolithikum zeigen. Insgesamt gab’s ganz schön viel Neues für uns. Wir können Reutte als Flugziel sehr empfehlen!

Text und Bilder woki

 

Mit dem Mose durch die Pfalz

Am 1. Oktober sind Stephan und ich mit dem Mose losgeflogen. Ziel war Traben-Trarbach oder Trier. Gleich nach dem Start kam die erste Übung: Durchflug durch die Kontrollzone Stuttgart. Die Kontrollerin hat uns diagonal über den Platz fliegen lassen – von Oscar nach Whiskey! Das durfte ich vorher noch nie und es macht richtig Laune.

Die Bewölkung wechselte in der Pfalz von aufgelockert auf geschlossen. Und wir von über den Wolken zu unter den Wolken. Der Pfälzerwald war noch schön zu fliegen, aber kurz vor Idar-Oberstein war uns die Sicht nicht mehr gefällig. Also sind wir zurück und in Lachen-Speyerdorf gelandet. Gleich neben diesem Platz gibt’s das Segelfluggelände Haßloch. Es ist ein schmaler Platz mit Bäumen ringsum. Nicht ohne, wenn’s dort mal voll ist.

Nächster Halt war Worms. Der Platz ist schön – die Türmer wollten das Lärmschutzzeugnis sehen. Empfehlung: nehmt immer das Bordbuch mit, das spart Gebühren. Und gleich wieder gings weiter nach Koblenz. Dort hatten wir  im Flugplatzrestaurant feine Rinderleber. Viel Zeit hatten wir nicht mehr – aber die Küche und die Kellner waren zügig unterwegs.

Der Rückflug in wunderbarem Wetter führte wieder von Whiskey nach Oscar. Diesmal mit mir am Steuer und Funk. Alles nachlesen ist die Übung – hat ganz gut geklappt, diesmal über die Schwelle 25. Mit uns wollten noch zwei Flugzeuge den Platz überfliegen – der Kontroller hatte ordentlich zu tun.

Nach dem Flug mußte ich feststellen, dass mein Objektiv kaputt ist – deshalb ist nicht jedes Bild scharf. Wenigstens weiß ich jetzt , dass das Objektiv die Ursache ist.

Das war ein schöner Ausflug. Und wenn das Wetter passt, fliegen wir das nächste Mal nach Idar-Oberstein – dort soll ein gutes Restaurant sein.

Text und Fotos woki

Die Reise nach Chichester zum Goodwood Revival und zurück zur Hahnweide

Der Pfälzerwald hat uns nicht zum ersten mal eingebremst. Weil die Wolken uns nicht nach Pirmasens fliegen liesen, haben wir in Rheinstetten einen wetterbedingten Zwischenstop eingelegt. Der schon aufgegebene Flugplan für Sonntag, den 3. Sept. war natürlich futsch – aber der Flugleiter in Pirmasens konnte eine neue Startzeit für uns per Telefon regeln.

Mit angelegten Westen sind wir also nach Westen gestartet – durch ein ruhiges Frankreich. Ruhig war’s auch im Funk – Paris Info hat uns zwischen Strasbourg und Chambrai nicht gehört. Gelandet sind wir in leichtem Niesel in Headcorn Lashenden. Zuerst haben wir im Cafe eine Stärkung zu uns genommen. Groß war die Freude einen Bekannten zu treffen – er hat uns zur The Chequers Inn nach Smarden gefahren. Mist – Sonntag ist dort Ruhetag. Unser Bekannter hat uns freiwillig nach Headcorn ins George & Dragon gefahren. Ein Superservice für uns! Aber es geht weiter: Für die Heimfahrt war kein Taxi zu kriegen – ein nettes Ehepaar hat mitgehört und uns zum Flugplatz gefahren.

Die Nacht für mich unter dem Flügel bei sanftem Niesel war gemütlich. Martin hat neben der Cessna Caravan genächtigt, unter dem planeport (wie carport). Es war trocken, aber für Martin laut durch den Regen auf dem Wellblechdach. Duschen fiel aus, weil trotz Zugangscode die Tür geschlossen blieb. Aber so früh am morgen duschen – wenn’s dann hinterher im Freien kalt ist – gefährdet die Gesundheit. Wir waren noch am Aufräumen am Flugzeug, da kam die Borderpolice. 2 Polizistinnen, 1 Polizist und 1 Polizeihund. Pässe sehen, wo wir übernachtet hätten – solche Fragen kamen. Sie waren freundlich und der Hund mußte uns nicht nach verbotenen Mitteln untersuchen. Und dass wir nicht geduscht hatten wurde nicht bemängelt. Der Code: es wäre eine 2 gewesen und nicht z.

Der Tag taugte nicht zum fliegen und gehörte Headcorn – Kultur mit Kirche und Friedhof, shopping im Antiquitätenladen und noch ein Kaffee. Abends war natürlich The Chequers Inn angesagt. Man erreicht es zu Fuß in 1h, das geht aber nur bei Tag. Es gibt keine Fußwege, die Tour wäre nachts lebensgefährlich. An der Bar traffen wir einen Vertrauten von Bernie Ecclestone. Er war früher Formel 1 Fahrer, dann Bernie’s Learjet Pilot und darf jetzt für Bernie bei Auktionen Autos kaufen. Der Abend war kurzweilig.

Am Dienstag sind wir nach Old Warden geflogen – siehe Bericht von Martin (Link am Ende des Beitrags). Dort ist die berühmte Kollektion Shuttleworth zu sehen – ein Flugzeug schöner als das andere. Los ging’s 1928 in Old Warden so: Lord S. verletzte sich bei einem Autorennen. Seine Mutter fand Autorennen zu gefährlich für ihren Sohn kaufte ihm deshalb ein Flugzeug – aber natürlich gleich mit Flugplatz am Haus und Schuppen für die Tiger Moth. Für das interessante Plakat – siehe Foto – habe ich Jahre gebraucht, um es zu verstehen. Keep mum heißt: Halt’s Maul.

Am Mittwoch war das Wetter im Süden ordentlich, wir sind nach Bembridge auf der Isle of Wight geflogen. Den Anrufbeantworter besprechen, hinfliegen, Blindsendung vor der Landung absetzen, landen, Flugzeug vertauen, in der renovierten Propeller Inn die Landegebühr im Kuvert abgeben und schon fertig. Wir waren 2012 das erste Mal auf der Insel und sind wieder an der Windmühle vorbei zum Strand spaziert. Es war Ebbe, das ist wegen den trockengefallenen Booten besonders malerisch. Mitten im Meeresarm zwischen der Insel und Portsmouth stehen von Napoleon beauftragte Wehranlagen – die Solent Forts. Erzählt hat uns das der Besitzer des Tollgate Cafe’s. Wir haben dort für’s Frühstück selbstgebackene Küchlein eingekauft. Der Pub öffnet erst um 1100 – also wird’s zum Frühstück nur diese Küchlein und Wasser geben. Das Abendessen nahmen wir in der Popeller Inn zu uns, sie war gut besucht – nach der Neueröffnung 2015 ist sie wieder eine Attraktion. Nach dem Essen wurden wir vom Quizmaster zur Teilnahme überredet – 1 £. Einen Teil der Fragen konnten wir richtig beantworten, in Summe reichte es für den letzten Platz. Die Siegergruppe hat 16 £ eingestrichen. Es war lustig, das ganze Lokal hatte mitgemacht.

Nach unserem kargen Frühstück wollten wir über die Insel fliegen, an den Needles vorbei und dann nach Chichester. Die Sicht war wieder so mies, dass wir abgekürzt haben und direkt über den Solent nach Chichester geflogen sind. Nach der Landung geht der Vollservice los. Wir wurden mit dem Auto am Flugzeug abgeholt, durften unser Gepäck im Besprechungszimmer der Feuerwehr abstellen und konnten in die herrliche Goodwoodatmosphäre eintauchen. An vielen Stellen wurde noch geschraubt und gehämmert, der Earl hat den frisch gelegten roten Teppich geprüft. Ausser ihm hat sich niemand getraut darüber zu laufen. Für das Ruftaxi hatten wir von Adrian die Telefonnummer, so lief alles ohne Verzögerung: Fahrt nach Pagham, Gepäck ins Haus schaffen, zum The Lamb laufen und das erste Bitter ordern. Alles war so, wie wir’s kennen und lieben. Die Erlebnisse vom Revival Freitag bis Sonntag: siehe Bericht von Martin (Link am Ende des Beitrags).

Am Montag war das Wetter in GB gut – aber schlecht auf der 2ten Hälfte der Strecke in Frankreich. Deshalb sind wir mit dem Zug nach Portsmouth Habor gefahren ins Historic Dockyard. Ich war vor 2 Jahren schon dort, aber inzwischen ist das Boatshouse eröffnet – eine Orgie in Holz. 30 halbfertige Boote, die meisten alt und teilweise verrottet, stehen in der Halle und werden renoviert. Dann haben wir in gebeugter Haltung die HMS Victory von 1765 besucht, das Flaggschiff von Admiral Nelson. Die Deckenhöhe ist sehr sparsam gewählt. Das Schiff ist ein Kunstwerk in Holz. Sehr eindrucksvoll ist auch die Mary Rose. Das Kriegsschiff sank 1545 und wurde 1982 gehoben. Es gab für das Unglück viele Ausreden, wahrscheinlich war die Ursache Überladung – es waren 500 Leute an Bord. Als Abschluß des Museumsbesuchs wurden wir in einem kleinen Motorboot übergesetzt zum U-Boot Museum nach Gosport. Dort darf man durch die HMS Alliance Bj. 1945 laufen – und staunen. Da ist eine Enge – alles gepresst voll mit Technik – da brauchte es gute Leute für den Betrieb.

Am Dienstag hat uns Adrian auf den Flugplatz gefahren. Herzlichen Dank an Susie und Adrian, sie kümmern sich immer wunderbar um uns. Am Flugplatz hat uns der nette Türmer Tim Constance den Flugplan gemacht. Wegen dem vorhergesagten Regen über Saarbrücken haben wir den Start rausgezögert und sind erst 1200 LT gestartet. Auf dem Turm habe ich mitgekriegt, dass der Pilot der Fox Moth nach Rendcombe fliegen will. Ich erzählte ihm, dass Henry Labuchere meinen Sohn Johannes und mich 1997 in der Dragonfly nach Rendcombe mitgenommen hat. Er: Yes, it’s all the same, we only get older and fater.

In den Westen diesmal nach Osten, an der starkt besiedelten Bäderküste von England entlang, mit Rückenwind über den Kanal und vielen Schauern in Frankreich nach Saarbrücken – wegen der Grenzpolizei. Nach dem Pfälzerwald war die Sicht glasklar und die Hahnweide hatte uns wieder. Wir hatten nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen und Goodwood war trotz dem vielen Wasser von oben nur gut!

 

Text und Bilder: woki

Old Warden: https://fmh.club/2017/10/03/besuch-bei-der-shuttleworth-collection/

Goodwood Revival: https://fmh.club/2017/10/02/goodwood-revival/

Ausflug mit dem Mose ins Gebirg‘

Neulich haben wir mit dem Mose die Hochdruckwetterlage genossen. Bei so einem Wetter hilft es, nicht früh los zu wollen, damit der Nebel sich verziehen kann – und Streckenvarianten mit und ohne Zwischenlandung planen. Es wird derzeit ziemlich früh duster. Die bevorzugten Ziele waren Schwarzwald, Bodensee und Allgäu.

Bald nach dem Start haben wir dann das Allgäu gewählt. Der Bodensee hatte sich eine geschlossene Nebeldecke angezogen. Der Blick nach Süden war herrlich. Auf der Albhochfläche gab’s noch vereinzelte Nebelfetzen und die Alpen strahlten im Sonnenlicht. Meinem Co konnte ich die Route mit dem Segler ins Allgäu zeigen – sie geht über den schwarzen Grat. Am Grünten vorbei sind wir bis Oberstdorf geflogen, dann am Schneck Richtung Zugspitze abgebogen. Auf dem Zugspitzplateau sind die Lifte in Betrieb. Weiter nach Osten gab’s dann wieder geschlossene Wolkendecken. Nach der Zugspitze haben wir noch Schloss Neuschwanstein überflogen – es lag im Wolkenschatten – deshalb gibt’s hier jetzt kein Bild.

Christoph ist unlängst von Balderschwang aus zur Burgl Hütte gewandert. Was wir gefunden haben war nur fast die Burgl Hütte. Vor langen Jahren hat mir ein Allgäuer eine Geschichte aus dem Balderschwanger Tal erzählt: Ein Wanderer hatte in einem Hof übernachtet. Am nächsten Morgen hat er auf Nachfrage geantwortet, dass er gut geschlafen habe – aber was wären das für Geräusche auf der Bühne gewesen? Aah – des wared d‘ Boola. Dia send am Ehne.
Übersetzt: Die Katzen waren am toten Großvater. Da der Boden noch gefroren war, konnte man ihn nicht beerdigen. Keine Ahnung, ob das wahr war. Die hätten den Großvater ja auch in einen Sarg legen können.

Über Hittisau hatten wir einen schönen Blick rheinaufwärts mit Nebel im Tal und mit richtig guter Fernsicht. Auf dem Heimflug haben wir übungshalber noch die Segelflugplätze Isny und Schlechtenfeld gesucht. Es waren 3 astreine Stunden im Flieger!

Zwei Tage später wollte ich mit Thomas wieder den Hochnebel verlassen. Claudia Kleinert hatte gesagt, wenn der Nebel weg ginge, sei es schön sonnig. An dem Tag ging er nicht weg und wir sind nach einer halben Stunde rumgenebele wieder gelandet.

Lang, lang ist’s her – Rolampont mit der SF25B

Christoph und ich sind mit dem B-Falken D-KATB am 14. Juli 1989 nach Frankreich geflogen. Für mich war’s der erste Flug über die Grenze. Christoph hatte schon einschlägige Erfahrung. Der Plan war, meine Schwester Cornelia und ihre Familie zu besuchen. Sie wohnen in Renève bei Dijon. Die Flugplätze in der Nähe sind Til Chatel – LFET – und Gray.  Gray hat nur Segelflugbetrieb – also Til Chatel.

Am Freitag sind wir auf der Hahnweide gestartet, das mit dem Zoll haben wir über Freiburg und Colmar-Houssen erledigt. Die Etappen waren relativ kurz, die Reichweite des Falken ist nicht üppig – zumindest verglichen mit unserer Grob 109B. 30L gehen in den Tank, das reicht für 350km ohne Reserve. Wir flogen ohne Zusatztank. Erzählt wurde damals in der Szene von einer als Tank gebauten Rückenlehne – naja, so was gibt’s aber bei Vereinsflugzeugen nicht.

In Til Chatel hat uns dann die Flugplatzchefin erklärt, was unsere Möglichkeiten sind. Entweder gleich wieder starten – oder in einer Woche, wenn das Training der französischen Nationalmannschaft im Motorkunstflug beendet ist. Wir hatten – oh Schande – das Notam ihres Platzes nicht gelesen. Meine Schwester war mit dem Auto schon vor Ort – wir hatten schlau von Colmar aus telefoniert – und sie mußte dann 57km bis Rolampont fahren. Warum wir nicht nach Dijon geflogen sind, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war irgendwas wegen dem Nationalfeiertag. Es war 200jähriger Nationalfeiertag. Wir Banausen wußten auch das nicht. Zur Geschichtsnachhilfe durften Christoph und ich abends mit zum Festessen in die Renèver Sporthalle, es gab Paella. Jedenfalls waren wir von der Flugplatzchefin durch ihre Rüge deutlich beeinflußt und sie wird uns nach Rolampont geschickt haben.

Der Samstag war gemütlich – Besichtigung von Dijon bei herrlichem Wetter und Genuß der Verpflegung durch Cornelia und Patrick. Sonntags sind wir dann nach Passagierflügen über Colmar wieder zur HW geflogen. Es war ein wunderbarer Ausflug mit viel Unterstützung durch unsere Mitmenschen.

Details zum Flugzeug

In unserem B-Falken war ein Stamo mit 45 PS eingebaut – Basis VW 1500ccm. Diese Leistung hat der Motor aber im Flugzeug nicht, weil er mit Propeller nie auf die Drehzahl für 45 PS kommt, das geht nur in einem Auto. Beim Start hat der B-Falke irgendwas mit 40 PS. Für den Reiseflug kennen wir einen Trick, um 110km/h zu fliegen. Vor meiner Aufklärung durch einen Piloten bin ich immer mit 100 über die Lande gezogen. Der Trick: andrücken bis etwa 120 und langsam wieder auf Hotizontalflug ziehen. Damit kommt der Motor auf eine höhere Drehzahl – im Geradeausflug kommt der Motor mit seiner steilen Drehmomentkurve nie auf 110. Der Verbrauch steigt allerdings von 8 auf 9 L/h.

Inzwischen studieren wir natürlich die Notams und nicht nur die von Deutschland. Oft passiert es ja nicht, dass Flugplätze plötzlich gesperrt sind. Aber es passiert: Speyer kann überflutet sein, Vilshofen auch und Konstanz wird beim Seenachtsfest als Parkplatz benützt. Dieses Jahr wollten Martin und ich in Rerik landen – das ging dann nicht, weil auf der Piste ein Pferd gegrast hat. Das stand aber nicht in den Notams – das war die PPR Auskunft.

Mit dem Motorsegler nach Stockholm

Da Martin und ich dieses Jahr total heftige Terminprobleme hatten – das Hahnweide Oldtimertreffen und das Goodwood Revival finden zeitgleich statt! – wollten wir Skandinavien aus der Luft erkunden: auf der Wunschliste standen drei Flugzeugmuseen und in Stockholm die Wasa (das Kriegsschiff, das bei der Jungfernfahrt 1628 gesunken ist).

Am Donnerstag 16. Juni sind wir bei nicht günstigem Wetter gestartet – und waren nach 1 Stunde wieder auf der Hahnweide. Hinter Schwäbisch Hall waren einfach zu viel Wolken vor uns. Auf der HW hat uns dann Tobias Krüger von der Motorflugschule beraten und uns den Flugweg westlich um Stuttgart herum empfohlen – unterstützt durch ein Programm, das entlang dem eingegebenen Flugweg Webcams findet. So ging’s dann auch, hinter Heilbronn war die Sicht super, nur die Wolken gingen noch tief runter. Wir fliegen also so dahin, geplant war Landung in Rerik, auftanken in Dessau. Bei der Kontrolle der Tankanzeige sehen wir, dass wir mehr Sprit verbrauchen als normal. Vergaser verstellt? Tankdeckel fehlt? Alles nicht toll, deshalb landen wir schon in Eisenach und es geht viel weniger in den Tank, als die Anzeige vorgab. Also war nur die Anzeige defekt. Wir haben dann den Sprit nach Flugzeit kalkuliert. In Dessau habe ich die vorher per Mail geklärte PPR Anfrage in Rerik aktualisiert. Ob wir mit der Hälfte der Bahn zurecht kämen? In der Mitte steht gerade ein Pferd. Wir haben dann dankend abgelehnt. Wer weiß schon, was so einem Pferd alles einfällt, wenn das Gras woanders schöner ist.

Die Übernachtung hat der Dessauer Flugleiter organisiert und uns auch hingefahren. Die Zimmer waren ok, aber das Köstritzer war aus und das Fleisch nicht wie bestellt rare sondern durch. Naja, man kann nicht alles haben. Der Freitag war sehr regnerisch, also haben wir das Technikmuseum „Hugo Junkers“ besucht. Gasbadeöfen, Kalorimeter und die herrliche F13. Ein paar Zimmer der Junkersblechhäuser gibt’s auch. Im Freigelände stehen Teile des alten Junkers Windkanals. Dann ging’s weiter mit dem Touriprogramm: Bauhaus und Meisterhäuser. Das wieder neu gebaute Gropiushaus ist sehr kühl innen, es hat in Beton gegossenen Bücherregale. Die Häuser von Feininger und Klee sind innen wohnlicher als das Gropiushaus. Es lohnt sich.

Am Samstag wollten wir nach Stauning, um die Kramme&Zeuthen Flugzeuge anzusehen. Nach einem schönen Flug über Rostock an der Ostsee entlang sind wir in Flensburg gelandet. Stauning war in schlechtem Wetter, wir sind deshalb gleich nach Ærø geflogen. Das geht von Flensburg aus ohne Flugplan – es braucht nur ein Telefonat von Flugleiter zu Flugleiter. Ærø hat einen schönen Grasplatz, Fahrräder kann man ausleihen und die Empfehlung zum Übernachten gibt’s auch von der freundlichen Flugleiterin. Zum Essen sind wir den neuen Uferweg nach Ærøskøbing geradelt. Ein pittoreskes Dorf aus einem Guss. Viele Wohnungen haben Spiegelspione an den Fenstern – die Bewohner können über zwei 45° Spiegel die Straße rauf und runter gucken und sehen, wer da kommt.

Nach einer unruhigen Nacht in einer Privatunterkunft (der Sohn hat für Martin zu lange mit seinem Kumpel gebabbelt) starten wir mit Schwimmwesten über die Ostsee nach Roskilde und erstellen den Flugplan nach Ska Edeby bei Stockholm. Die Schweden wollen Koordinaten und keine Namen – mit Hilfe des freundlichen Flugplatzpersonals wurde der Plan schließlich angenommen. Der Flug ist spannend – die Landschaft ist wunderschön aufregend – Ostsee, Inseln, Seen, Wald, Wald und Wald. Es ist fast anstrengender über die endlosen Wälder zu fliegen als über Wasser. In Ska Edeby werden wir super betreut von Jarl Sundgren. Er kam mit seinem Enkel in einer Dnepr mit Seitenwagen angetuckert. Wir dürfen im Vereinsheim schlafen und kriegen eine Einweisung ins System des öffentlichen Nahverkehrs. Die Nacht war dann unruhig, weil wir neben den Kühltruhen geschlafen haben – und die sind alt und scheppern alle 10 Minuten los. Am nächsten Morgen – nur mit Kaffee versorgt- sind wir mit Bus und U-Bahn 1h bis nach zur Station Karlaplan Stockholm gefahren. Nach einer kurzen Stärkung sind wir ins Wasa Museum gegangen.

Die Wasa ist eine Orgie in Eiche. Riesengroß und über und über verziert. Am Heck sind lauter Gräßlichfiguren montiert – um die Gegner abzuschrecken. Der Trick kann aber eigentlich nur im Hafen funktionieren. Die Spione müssen erschrecken und das dann ihrem Auftraggeber melden. Auf See gab’s bei der Begegnung hauptsächlich volle Breitseite – und da sieht man vom gegnerischen Schiff die Figuren nicht. Die Schweden sehen den Untergang so: Zum Glück ist die Wasa untergegangen, sonst hätte man sie jetzt nicht zum anschauen. Damals wurde die bekannte Ursache vertuscht – als Grund wurden nicht richtig verzurrte Kanonen notiert. Das Schiff war zu rank, weil zu viel Kanonen an Bord waren und deshalb zu wenig Kielballast mitgeführt wurde. Die tatsächliche Ursache war, dass sich niemand getraut hatte dem Chef (König) zu sagen, dass das, was er will, nicht geht. Er wollte auf der Wasa mehr Kanonen haben als sein Gegner auf seinem Schiff.

Nach einem weiteren Schiffsmuseum für kleinere Schiffe sind wir mit unserer 24h Karte mit der Fähre nach Stockholm Slussen Kajen ins historische Stockholm gefahren. Die Stadt ist wunderschön – man spaziert man durch gemütliche Gassen mit Cafés, dort steht die Sankt Nikolai Kyrka – Krönungskirche der schwedischen Könige – und es gibt das Schloss mit stoischen Palastwachen. Am Kai der Ausflugsschiffe lag ein Dampfschiff. Es wurde von der Kapitänin für eine Konzertfahrt vorbereitet und rußte sehr stark. Für uns war dieser Ausflug zu spät – also sind wir mit dem gewöhnlichen Ausflugsboot um den früher königlichen Jagdpark gefahren worden – von einer Bootsführerin.

Auf dem Weg zum Abendessen habe ich eine Familie nach einem Restaurant mit guter schwedischer Küche gefragt. Der Sohn sagte, das gibt es nicht – und seine Eltern haben nicht widersprochen. Das Essen im Restaurant war Spitze – halt nicht spezifisch schwedisch. Vielleicht ist schwedisches Essen einfach nur Köttbular. Im Restaurant hatte wir kurz mit zwei Damen gesprochen, was wir so machen täten und dass wir am nächsten Tag ein Flugzeugmuseum besuchen würden. Sie haben gelacht und gesagt: Ja, was sonst!

Der Rückweg zum Flugplatz war speziell. Unsere 24h-Karte war abgelaufen – und bis zum nächsten Bus hätten wir dann 70min gewartet und zu allem Übel mit abgelaufener Fahrkarte. Fahrkarten kann man nicht beim Fahrer kaufen, sie gibt’s nur im Supermarkt und der war schon geschlossen. Also Autostopp. Wir wollten’s nicht glauben – aber das erste Auto hat angehalten und eine junge Frau hat ihr Strickzeug vom Beifahrersitz geräumt und uns direkt zum Flugplatz gefahren!

Das Flygvapenmuseum ist in Linköping – ein Militärplatz, dort werden die Saab-Flugzeuge gebaut. Gleich nach uns sind 2 Düsenjäger gelandet. Da war’s gut, dass wir schon weggeräumt waren. Das Museum hat Militärmaschinen von einem filigranen Amphibium LII Donnet Lévêque Bj. 1913 über Thummelisa, Bücker Bestmann, Ju86 bis zum modernsten Mehrzweckkampfflugzeug JAS 39 Gripen ist alles da. Schaudernd bin ich um das Wrack der DC3 gelaufen – sie wurde im kalten Krieg 1952 abgeschossen und ist so ausgestellt, wie sie unter Wasser gefunden wurde. Ihr Verschwinden hatte eine diplomatische Krise mit der damaligen Sowjetunion ausgelöst. Gefallen haben mir die vielen verschiedenen Skier unter den Flugzeugen.

Nächster Halt war Västervik. Der Platz ist PPR und es gibt niemand auf dem Turm. Alles wird per Telefon geklärt. Zum Glück war ein Pilot da. Er drehte eine Runde zur Entspannung nach der Arbeit, während wir den Mose gewaschen und für die Nacht festgebunden haben. Mikael fuhr mit uns in die Stadt und brachte uns zum Hotel – einem ein bisschen umgebauten Gefängnis. Jetzt kam ich auch endlich zu meiner Fischsuppe – wobei die von Andrea und Fred in St. Crépin zubereitete Fischsuppe besser war (das ist eine weitere Geschichte).

Der Mittwoch führte uns an der traumhaften Küste Schwedens entlang nach Borglanda auf Öland. Die Inseln liegen wie vom Riesen hingestreute Kiesel im Wasser, zahllose zerklüftete Buchten gibt es – und wenig Häuser. Landung wieder ohne Flugleitung mit Briefkasten für die Gebühren und Fahrrädern zum Ausleihen. Es war keine Fahrradpumpe vor Ort, aber wenig Luft im Schlauch. Im nächsten Dorf habe ich nach Luft gefragt und die Pumpe gleich geschenkt bekommen. Vor dem schwedischen Sommerschloss Solliden gibt es Kaffee und Kuchen. Wir waren zum Ausruhen unterwegs. Abends sind wir zufällig zum Mittwochstreff der Oldtimer gekommen: Buckelvolvo neben Käfer, eine Isabella aus Hamburg, Rover 3500 und amerikanische Straßenkreuzer mit 7L-Motoren. Die blubberten dann in Schleichfahrt um den Marktplatz, um sich zu zeigen. Beim Essen hat uns Thomas Gesellschaft geleistet. Er spricht sehr gut Deutsch – er hatte einen deutschen Vater und eine amerikanische Mutter. Thomas ist dann auch noch mit uns in den Supermarkt gegangen. Wir brauchten was zum Beißen für den nächsten Morgen, weil wir unter den Flügeln schlafen wollten. O-Ton Thomas: Wenn Du über die Straße gehst und dem Auto kein Zeichen zum Anhalten gibst kostet das 200 Kronen! Er hat sich sehr gut um uns gekümmert. Irgendwie sind die Borglander nicht nur freundlich sondern auch streng – z.B. kommt Radfahren in der Fußgängerzone schlecht an. So was!

Nach der Nacht im Freien war das Ziel Heringsdorf – warum wohl? Hangar 10, Flugzeugmuseum. Aber zuerst ein Hüpfer nach Kalmar, um den Flugplan zu machen. Wir sind immer an der Küste entlang geflogen, begleitet von freundlichen Controllern. In Roskilde haben wir die Schwimmwesten angelegt und es folgte unsere längste Strecke über das offene Meer. Der englische Kanal bedeutet 32km Wasser, jetzt waren’s von Falster über die Kadetfinne nach Zingst 35km. Die deutsche Ostseeküste ist sehenswert – langgezogene Sandbänke, schmale Halbinseln und Kreidefelsen. In Heringsdorf war alles einfach. Der Taxifahrer hat für uns das Hotel reserviert und wir sind sofort zum Strand – inkl. Füße im Wasser haben. Anschließend Fischsuppe und Plattfisch im Restaurant Meereswellen und Lübzer Pils dazu – richtig lecker. Dazu haben wir uns prächtig mit einem Ehepaar aus Dresden unterhalten.

Im Museum Hangar 10 sind die Flugzeug tipptopp und flugbereit, ein überholter Merlin stand zum Einbau bereit, aus 2 Argus wird einer zum Laufen gebracht. Die Me108 machte einen kurzen Flug – der Sound des Argus As10 ist Musik! Für die Interessierten: Den Sound gibt’s durch niedrige Verdichtung, viele Zylinder und kurze Flammrohre anstelle eines Auspuffs.

Vom freundlichen Mechaniker habe ich warmes Waschwasser für die TB gekriegt – so gut sind die Mücken noch nie weggegangen. Nach dem Museum sind wir nach Chemnitz geflogen – ein nagelneuer Flugplatz mit allem Komfort. Für die Anzahl der Flugbewegungen dort ist er leicht überdimensioniert – aber sehr zu empfehlen. Die Gewitterwolke haben wir auf 3 Uhr Position gelassen und sind glücklich zur Hahnweide zurückgeflogen.

Insgesamt waren wir 24h in der Luft über herrlicher Landschaft gewesen. Wir durften an allen Orten freundliche Leute kennenlernen. Nicht besucht geblieben sind Stauning und Großenhain. Und dann gibt’s da noch Norwegen. Wenn jemand noch nach Norden will – unsere Karten gelten bis nächstes Frühjahr.

Neuer Versuch mit der Zugspitze

Bei schönem Winterwetter sind wir zur Zugspitze losgeflogen. Stephan hat mit den Fluginformationsdiensten gefunkt – ich durfte fliegen. Der Flugplatz Laupheim gab uns sogar Radarführung. Wir sind dann stetig gestiegen und haben die Luftraumstruktur ausgenutzt. Hinter der 10000ft Grenze ging’s dann mit der Steigstellung bis auf 3800m – das ist günstig für eine herrliche Fernsicht. Stubaier – Lechtaler – Allgäuer – alle Alpen haben sich uns wolkenlos in ihrer ganzen Pracht gezeigt.

Zum Kaffetrinken – klar nach Leutkirch. Der Schnee am Flugplatz, den Conny und Martin vor drei Wochen angetroffen hatten ist weggeschmolzen. Wir sind dann zeitig auf der Hahnweide gelandet – wir hatten noch einen Termin: Flugsicherheitsabend des Vereins zusammen mit dem ACS.