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Ein paar Tage in Ohlstadt

Eigentlich waren wir ja von einer Schweizer Segelfliegerin mit dem AMF (Angelika Machinek Förderverein Frauensegelflug) nach Courtelary im Jura eingeladen worden. Dieses Lager musste aber wegen Corona wie so viele Wettbewerbe auch abgesagt werden. Ein kleines Grüppchen Mädels und Abi Kiessling waren sich einig, dass da eine Alternative gefunden werden musste. Der Flugplatz Ohlstadt in der Nähe von Garmisch Partenkirchen hat sich da schnell als ideal herauskristallisiert. Wir haben beschlossen, dass wir den Termin wetterabhängig flexibel halten und Abi der Wetter-Guru ist, der das Signal zum Aufbruch geben würde. Zum Glück hat mein Chef da auch mitgespielt, was flexible Urlaubstage angeht.

Am letzten Mai-Wochenende wurde für Baden-Württemberg sehr gutes Flugwetter vorhergesagt und wir haben beschlossen, diese beiden Tage noch von zuhause aus zu nutzen. Den Samstag nutze ich, um in den Pfälzer Wald und ins Saarland zu fliegen.

Pfälzer Wald, Blick nach Norden
Pfälzer Wald, Blick nach Süden

Dann kam das Signal zum Aufbruch, Mo Anreise, gute Bedingungen ab jetzt auch in den Bergen. Die Fliegergruppe Wolf-Hirth hatte ihr Fluglager auch für diese Woche in Ohlstadt geplant. Wir sind dann zu dritt eingetrudelt, Nina, Abi und ich. Der Rest konnte es dann doch nicht einrichten.

Der Flug beginnt am Kloster Ettal

Unser erster Flugtag war der Dienstag. Früher Thermikbeginn und gute Kaltluft. Unser Ziel war das Engadin, das wir sonst von Süden her aus Alzate schon angeflogen sind. Der Einstieg führte auf der Ostseite des Lechtals ins Gebirge. Vorbei an der Parseierspitze wechselten wir ins Inntal. Ich kannte mich recht gut aus, weil ich im Vorfeld verschiedene Folgen des late night soaring nochmal durchgearbeitet hatte, wo Berge, Routen und Außenlandemöglichkeiten durchgesprochen wurden. Vor dem Piz Nuna, wo der Inn einen großen Bogen macht, wechselten wir die Talseite und überquerten den Ofenpass. Die hohen Berge sind alle noch tief verschneit und die Optik ist traumhaft schön. Spielend einfach war der Weg bis Samedan, wo die Basis auf 3700 m war. Abi meinte, im Addatal sieht’s auch gut aus. Ich schaute den Berninapass entlang. Stimmt, aber wie kommen wir zurück? Wir sind dann „nur“ eine Runde an der Bernina entlanggeflogen und lieber auf demselben Weg zurück. Andächtige Stille in Anbetracht des eisigen Riesen.

Anflug auf die Bernina
Bernina, nur Eis und Schnee
Der Reschensee wartet auf die Schneeschmelze

Im Rückflug bleibt man auf der süd-östlichen Talseite, sie ist wegen der Tageszeit jetzt günstiger. Den Kaunergrat entlang und über’s Pitztal und Ötztal. Dann folgte die Querung der TMA Innsbruck, wo sehr freundliche Kontroller zur Zeit fast nur Arbeit mit Segelfliegern haben. Ein kleiner Trip zum Rofan am Achensee und natürlich ein Besuch bei der Zugspitze rundete den Flug ab. Zufriedene Menschen am Abend.

Wettersteingrat, dahinter Zugspitzplateau
Zugspitze von Nord-Osten

Am Mittwoch besuchten wir viele bekannte Skigebiete, von denen ich einige auch vom Boden her kenne. Den Anfang machte wieder das Lechtal bis Bach, direkt angrenzend der Arlberg. „Servus Fiss Ladies“ hieß es dann, aber das eigentliche Ziel war Vent ganz hinten im Ötztal, wo wir zusammen mit der Frauen NM schon oft zum Skifahren waren. Tatsächlich erlaubte es die hohe Basis, bis ganz nach hinten bei der 3768m hohen Wildspitze reinzufliegen. Es folgte wieder die Querung des Inntals westl. von Innsbruck, von wo aus wir über der Wettersteinwand entlang nach Osten flogen. Unser Weg führte weiter durch’s Karwendelgebirge, wo die Isar entspringt, zum Achensee.

Inntalquerung westlich Kufstein

Östlich von Innsbruck querten wir wieder nach Süden, wo der Pinzgauer Spaziergang lockte. Es ging super dort, aber ein Regenschirm war so langsam angebracht. Wir düsten bis zur Schmittenhöhe bei Zell am See und dann nichts wie heim.

Oberammergau und der Kofel

Am Donnerstag schob sich die labile Gewitterluft von Westen her auf uns zu, im Osten sollte es aber nochmal sehr gut werden. Die Basis heute etwas niedriger, aber Thermik am Platz ging gut. Nina brauchte eine Pause und Abi musste nochmal landen wegen nicht schließender Fahrwerksklappe. Ich habe auf ihn gewartet und mit einiger Verzögerung sind wir dann nach Osten los. Ohne Fahrwerksklappe war der Ventus unangenehm laut und hatte deutliche Verluste beim Gleiten. Über die Benediktenwand und die bayerischen Alpen ging’s trotzdem weiter nach Kufstein. Heute stand die Thermik am wilden Kaiser nicht direkt am Hang sondern unter einer riesigen Wolke mitten über dem Tal, was mir eine gigantische Aussicht auf den ganzen Klotz mit seinem sonst immer thermisch sehr aktiven langen Südhang eröffnete.

Wilder Kaiser

Westlich von St. Johann haben wir das Skigebiet überquert, das uns wegen Corona im März 2020 nicht vergönnt war. Jetzt kamen wir endlich in die Zone mit den richtig guten Bedingungen, Basis stieg inzwischen auf 3300 m an und auch das Steigen war leichter zu finden. Die Blick ging zum Großglockner, eine weiße Pracht soweit das Auge reicht.

Blick Richtung Großglockner
Großes Wiesbachhorn
Steinernes Meer
Dachstein
Dachstein

Nach dem Kitzsteinhorn überquert man zuerst das Gasteiner Tal, danach die Tauernautobahn. Ich wollte gern bis nach Niederöblarn fliegen, zwischendurch ging es sogar bis auf 3800m. Hinter uns sahen wir schon, dass die Gewitter aufziehen und uns eventuell den Rückweg abschneiden würden. Oder macht’s danach nochmal auf? Der Rückweg aus dem Osten lief wieder problemlos, der Plan war das Pinzgau entlang in den hohen Bergen zu fliegen und dann über den Gerlospass zum Achensee. Tilo sagte im Funk, dass es südlich von Innsbruck am Brenner noch mit 2 m/s geht und wir probierten das auch. Leider war das nicht mehr so, als wir kamen und ich musste einsehen, dass der Heimweg mit der LS 8 nicht mehr machbar sein würde. Am Ausgang des Zillertals habe ich bei Innsbruck Approach angefragt, ob dort noch ein F-Schlepp zu bekommen wäre. Der freundliche Controller meinte, die Segelflieger haben den Betrieb schon abgemeldet, aber er fragt mal nach. Kurz darauf hat er sich wieder gemeldet, dass leider niemand mehr zu erreichen wäre, er aber in Kufstein angerufen hätte und die mich gerne heimschleppen würden. Und das alles auf der Frequenz der Anflugkontrolle eines Verkehrsflughafens. Toll. Nach 7 ½ Stunden landete ich in Kufstein, wo mein Vater jahrelang ein regelmäßiger Gast war.

Den 4. Tag in Folge ließ ich dann aus, weil es nur recht lokal und eher im Flachland vor den Alpen gehen sollte, danach kam der Regen. Ein geselliges Abschlussessen mit der FGWH im Flugplatzrestaurant rundete das ganze Unternehmen ab. Es war ein toller Ausflug und ich bin sicher, dass er wiederholt wird, vielleicht sogar noch dieses Jahr. Meine Flüge habe ich unter weglide.org hochgeladen.

Flugtage im Juni 2019

Unseren Schnuppertermin „Pilot für einen Tag“ im SCS mußten wir wetterbedingt verschieben (siehe Bericht vom 9. Juni auf der homepage) – und am neuen Termin konnten nicht alle Interessierten teilnehmen. Deshalb haben wir einen 2ten Flugtag ermöglicht. Diesmal war zusätzlich zu den modernen Doppelsitzern die Slingsby T21B, Bj. 1948, am Start.

Es war der erste Slingsbyflug für Martin und mich in diesem Jahr – und es war herrlich! Wie jedesmal! Es ist der Logenplatz am Himmel! Die Schnupperer waren so begeistert wie wir und konnten schöne Eindrücke mit nach Hause nehmen – Flug mit modernem Flugzeug und im Vergleich dazu mit dem offenem Oldtimer. Wer’s noch nicht gehört hat: Die Slingsby T21B hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist das einzige offene Segelflugzeug, bei dem man nebeneinander sitzt!

Was war sonst noch los bei uns? Jochen hat mit Lehrer Stephan die letzten Schulungsflüge vor seinem Prüfungsflug mit dem Mose gemacht. Robin durfte mit Franz Seilrißübungen machen. Inzwischen ist Robin allein geflogen (siehe letzter Beitrag) und Jochen hat die Moseprüfung bestanden!

Eine Woche später war das Programm, Martin in der Gö1 in die Luft zu bringen. Dann hatte ich unerwartetes Glück. Walter hat mich zum Mitfliegen im Kranich des FMH-Clubs eingeladen! Die Eingangsprüfung ist: Schafft’s der Copilot ins Flugzeug? Die Flügelhinterkante ist ziemlich hoch – wenn die erklommen ist geht’s relativ einfach weiter. Die Sicht im Flugzeug nach oben ist super – der Rest ist vom hintern Sitz aus ziemlich eingeschränkt. Es ist bequem hinten drin im Kranich – also ein gemütlicher Genuß. Nach mir konnte Iris ihren ersten Flug im Kranich mit Walter machen – weil sie die Eingangsprüfung auch bestanden hat.

Ein paar Tage später hat mich Stephan zum Duo fliegen eingeladen. Der erste F-Schlepp hat nicht für einen längeren Flug gereicht. Es gibt aus Lärmschutzgründen eine Regel für Flugzeugschlepps: Wenn die Hahnweide keine Höhenfreigabe hat, darf nicht auf die Alb geschleppt werden. Weil wir nicht so hoch waren, konnte ich den gelben Felsen und den Breitenstein in Hangkantenhöhe und darunter geniesen. Das ist nicht zu verachten.
Beim 2ten Anlauf waren die Aufwinde dann freundlicher zu uns und wir sind gut bis zum Steinheimer Becken gekommen. Stephan wollte wieder zurück zur Hahnweide – und ich habe ihm die schönen Wolken von N bis O gezeigt. Also sind wir weitergeflogen bis Ellwangen und dann doch nach Westen. Es war nicht mehr prall – der Flugplatz Weipertshofen hat für uns nicht einladend ausgesehen – die Wolken Richtung SW dafür verlockend. Aber es ging dann trotzdem zügig zur Aussenlandewiese mit Senke bei Rosenberg. Nach der geglückten Aussenlandung hat der noch nicht wieder eingefahrene Mückenputzer gefehlt und später entdeckte ich noch, dass eine Fahrwerksklappe nicht mehr am Flugzeug war.

Kaum waren wir gelandet, kam der freundliche Jungbauer Patrick um Unsere Landewiese zu mähen. Er hat gleich seinen Vater Hubert hertelefoniert, damit der uns aus der Wiese zieht – wir waren für’s Mähen im Weg. Das Rausziehen hat auch gut geklappt und Hubert fragte uns, ob wir Teile verloren hätten – die machen das Mähwerk kaputt. Ich hatte schon zu Fuß gesucht – und nichts gefunden. Hmhm. Stephan hat ihn beruhigt – wir sind ja versichert. Zum Glück hat Thorsten – der Dritte mit Schlepper – alle unsere Teile vor dem Überfahren gefunden. Thorsten hat sich über das Trinkgeld gefreut – nötig wär’s nicht, meinte er. Aber wir waren schon sehr froh über die Fundstücke. Anstrengend ist dann nur noch, dass das Wetter besonders gut aussieht, wenn man bei den Kühen ist.

Gestärkt haben wir uns in der Bäckerei – eine Wirtschaft gibt’s in Rosenberg nicht. Unser Rückholer Christoph hat uns dank moderner Technik gefunden – das Flugzeug wurde eingeladen und dann gab’s gekühltes Landebier! Da ist’s uns richtig gut gegangen. Vor einigen Jahrzehnten bin ich mit der Ka6E bei Beuren außengelandet – ein junges Mädchen hat mir damals Most auf die Landewiese gebracht. Und hinterher ist die ganze Rückholmannschaft bei ihrer Familie zum Vesper eingeladen gewesen. Das war auch eine feine Aktion. Auf jeden Fall kriegt Christoph ein Extralob für die perfekte Rückholung! Die Fahrwerksklappe und der Mückenputzer sind inzwischen wieder am Flugzeug – alles ist wie vorher, bis auf die bleibenden Erinnerungen an die Flüge.

Text und Bilder: woki

Alpensegelflug vom Feinsten in Sondrio 2017

 

Alle Jahre wieder wird im April die Reise in das Segelfliegerparadies nach Sondrio (Italien) aktuell. So fand sich in diesem Jahr die gleiche Fangruppe des SCS wie im letzten Jahr zusammen, Franz, Fred, Thomas, Bernhard und zeitweise Michael. Und man soll es nicht glauben, das Wetter war wie in den letzten drei Jahren traumhaft gut. Alles war möglich: extreme Strecken (877 km) und Wellenflüge über der Bernina, dem Ortler und dem Matterhorn. Das Teamfliegen wurde ausgiebig gepflegt zum Vorteil und zur Begeisterung der Beteiligten. Es war alles geboten, was Segelfliegen so interessant macht, unter anderem ein Streckenflug zum Millstätter See mit dem phantastischen Panorama der Dolomiten und anschließend ein gelungener, spannender Rückflug in ungewöhnlich tiefen Flughöhen.  Am Abend war bei Osvaldo wieder ein legendäres 5-Gänge-Menu zur Stärkung der Segelflieger gerichtet.                                         Fotos: Franz (GoPro Kamera) und Bernhard (Canon)

 

Mit der SHK in der Luft

Am 27. August durfte ich das Traumflugzeug SHK fliegen. Seit ein paar Monaten ist es in der Obhut des FMH. In meiner früheren Zeit als Segelflieger war das zusammen mit der Ka6E das Flugzeug schlechthin. Die Ka6E hatten wir im Verein – es war mein Lieblingsflugzeug, die SHK war unerreichbar.
Am Samstag war ein super Wetter – und die SHK ist ein wunderbares Flugzeug. Sie steigt so gut wie moderne Flieger – ich war auf 2400m. Und gleitet mit 38 bei 90km/h. Das ist besser als die frühen Standardflugzeuge mit 15m Spannweite waren. Von Tilo hatte ich gehört, die SHK sei einfach zu fliegen. So war’s dann auch – dass hinten ein V-Leitwerk dran ist, merkt man nicht. Und die Fahrwerksbedienung ist leichtgängig. Als ich eingestiegen bin, dachte ich oh, kein Polster auf dem Sitzbrett. Es hat mir nicht gefehlt.
Bis zum Hohenzollern bin ich geflogen – es wäre prächtig weitergegangen, die Wolken haben gelockt – aber es war mein erster Flug. Und da wäre eine Aussenlandung schon ziemlich peinlich gewesen. 4,5 h war ich in der Luft – ohne E-Vario, ohne Navi. Geht gut! Ich habe wie früher im Kopf die erforderliche Höhe zur Hahnweide gerechnet und immer nach den Flugplätzen geschaut. Michael Maier hat das vor vielen Jahren sehr plastisch erklärt: Über jedem Flugplatz kann man innerhalb eines Trichters fliegen – und immer problemlos zurückfliegen. So einen Trichter gibt’s über jedem Flugplatz. Wenn man hoch genug ist, überschneiden sich die Trichter und kann man einfach geradeaus fliegen. Jetzt mal ich mir wieder wie früher Entfernungskreise in die Flugkarte mit Zentrum Hahnweide.
Herzlichen Dank an die Verantwortlichen für die Beschaffung und Inbetriebnahme des Flugzeugs.
Die super Bilder vom Anflug und am Boden hat Wolfgang Kuhn gemacht.
Mit dabei sind zwei Rätselbilder: Flugplatz benennen und Flugzeug im Bild finden.

Dreiländerflug

Für den interessierten Leser gibt es hier ausnahmsweise einen etwas ausführlicheren Flugbericht.

Am Dienstag, 7. Juni 2016, war für Baden-Württemberg durchwachsenes Wetter vorhergesagt. Schon ab Mittag sollte es auf der Alb und dem Schwarzwald Schauer und Gewitter geben. Von Osten näherte sich jedoch ein Hochdruckgebiet, wodurch es im nördlichen Ba-Wü – sozusagen im Flachland – und vor allem in Nord- und Ostbayern gute bis sehr gute Thermik geben müsste.

Damit war für mich die Flugwegplanung klar: So bald wie möglich runter von der sonst so guten Schwäbischen Alb und Richtung Norden. Vielleicht könnte ich es bis zum Thüringer Wald schaffen, was für mich persönlich ein Novum wäre.

Hier klicken, um den Flugweg interaktiv zu betrachten.

Und ausnahmsweise ging der Plan auf. Mit ein bisschen Hilfe des zuverlässigen Hilfsmotors unserer ASW 28-18E (Rufzeichen S5) kam ich von der Hahnweide los und lies mich von einer hübschen Wolkenstraße unter dem Segelflugsektor Göppingen nach Norden leiten. Weiter lieferte der Schwäbische Wald zuverlässiges Steigen von über 2 m/s. Noch weiter auf Kurs 020° kam der Steigerwald und lies Nürnberg erstaunlich bequem rechts an mir vorbeiziehen. So toll hat es bei mir noch nie auf dieser Strecke geklappt.

Steigerwald2 Steigerwald1
Steigerwald

Überhaupt kam ich so weit nach Norden wie noch nie. Ich erreichte Suhl (Thüringen), wo allerdings die Grenze des guten Wetters erreicht war.

ThueringerWald1 ThueringerWald2
Thüringer Wald

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Blick Richtung Franken

Deswegen entschied ich mich über Coburg wieder zu den flauschigen Schäfchenwolken auf der fränkischen Alb zu fliegen. In dieser Richtung lief es hervorragend gut, sodass ich mit nahezu 100 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit die auffällige, märchenhafte Kreuzbergkirche in Schwandorf erreichte. Leider hatte ich keine Gelegenheit ein Foto von ihr zu machen.

Coburg
Coburg

Der Heimweg war dann allerdings sehr schwierig, was zu erwarten war. Gute 100 Kilometer vor der Hahnweide zündete ich erneut den Motor und flog mit dessen Hilfe heimwärts.

FraenkischeAlb
 Die letzten Wölkchen, nördlich Ingolstadt

Düster war es hier, in Schwaben. Knapp vor 20 Uhr landete ich nach über 8 Stunden Flugzeit, ein weiteres Novum für mich. Ein alles in allem eindrucksreicher und sehr schöner Tag.

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Ostern in Italien

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Foto Holger Leicht

Über Ostern waren Thomas und ich wieder mal mit 2 Segelflugzeugen und einer Gruppe Freunden in Alzate Brianza. Das Wetter hat uns zwar dieses Jahr nicht so sehr verwöhnt, aber die Landschaft zwischen den großen oberitalienischen Seen ist einfach immer wieder schön. Dieses Jahr war das Motto: mal sehn, was man mit niedrigster Basis trotzdem noch unternehmen kann. Einmal hatten wir auch das Glück  eine Welle zu finden und waren schließlich in fast 5000 m über dem Addatal. Und Ausflüge und Wanderungen gab’s auch.

Hitze

Der erste Überlandbericht (aus dem April, siehe unten) trägt den Titel „Warmwerden“. Zufälliger und bedauernswerter Weise stellte sich danach ein Sommer nie gekannter Härte ein, der der Natur noch immer enorm zu schaffen macht. Hier soll aber nicht über die Temperatur- und Trockenheitsrekorde geklagt werden, sondern über die Rekordchancen berichtet, die dieses Wetter in fliegerischer Hinsicht bietet.

Am Mittwoch den 12. August 2015 startete ich mit unserer ASW 28 (S5) von meinem ersten Heimatflugplatz, Bartholomä (www.edpu.de). Dort habe ich das Fliegen gelernt, und ich möchte mich auch an dieser Stelle bei der Akaflieg für die Abhaltung des sogenannten „Altherrenfluglagers“ herzlich bedanken. Der Tag bot Bedingungen, die man eigentlich in Spanien erwarten würde: Heiße Luft, stechende Sonne und Wolken, die stellenweise über 3 Kilometer hoch standen. Der Flug begann erst um 14:30 Uhr und durfte nicht lange dauern – hier klicken, um ihn anzusehen. Ich entschied mich für eine Spritztour nach Osten und merkte schnell, welches Potenzial die Thermik besaß. Es ging wie im Fahrstuhl nach oben. Um dieser Wucht gerecht zu werden, wählte ich auf den Wegen zwischen den Wolken Fluggeschwindigkeiten von 170 bis 200 km/h. Gemäß meinem Zeitplan wendete ich kurz vor Eichstätt und trat den Heimflug an. Die Thermik war unverändert zuverlässig und hammermäßig. Alles in allem waren nach dem Abflug in 2500 Metern nur fünf Aufwinde nötig, um 138 Kilometer mit 148 km/h zurückzulegen.

Die Instrumente zeigen Steigwerte von über 5 m/s an - traumhaft für deutsche Verhältnisse
Die Instrumente zeigen Steigwerte von über 5 m/s an, und das in großen Höhen – traumhaft für deutsche Verhältnisse

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter geändert: Es war sogar noch heißer geworden. Ich konnte früh starten und mit der ersten nutzbaren Thermik hoch hinaus steigen. Als halbernst gemeintes Ziel programmierte ich „Sonnen“ – der östlichste Flugplatz in Süddeutschland – in mein Navigationsgerät. Hier klicken, um das Ergebnis zu sehen. Aber schon 30 Kilometer nach dem Abflug fand ich mich ohne jede Wolke in niederer Höhe wieder. So ging es wechselhaft weiter und ich gelang bis nach Straubing, ca. 180 Kilometer östlich meines Startplatzes und 90 Kilometer vor Sonnen.

"Wasserflugplatz" Straubing
„Wasserflugplatz“ Straubing

Dort war der Wetterraum, in dem ich gestartet war, eindeutig zu ende. Vor mir tat sich ein brodelndes Wolkenmeer auf, aus dem vereinzelt mächtige Türme emporschossen. Es war auch eine gewaltige, abgelebte Gewitterwolke dabei. Unter diesem Spektakel befand sich trübe, finstere Luft. (Für eine größere Auflösung die Bilder bitte anklicken.)
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Ich entschied mich, dieser Erscheinung nicht zu nahe zu kommen und flog wieder nach Westen. Dort fanden sich stellenweise ähnliche Bedingungen wie am Vortag. Jedoch kam mit der Zeit dichte, hohe Schleierbewölkung auf, die alles etwas verlangsamte. Es erschien mir vernünftig, die restlichen Kilometer in der Nähe des Startplatzes abzugleiten, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Ich finde es immer wieder überwältigend, wie hoch die Thermik abends noch reicht, und dass sie sogar mit zunehmender Höhe länger aktiv bleibt. Das Gefühl, mehr als zwei Kilometer Höhe in ruhiger Abendluft über einer malerischen Landschaft abzugleiten, ist unbeschreiblich. Am Ende des Tages standen 570 Kilometer auf dem Zähler und der Schweiß auf meiner Stirn. Von mir aus kann sich jetzt alles wieder ein bisschen abkühlen.

Sondrio 2015

Seit vielen Jahren wird immer im April in Sondrio (Italien) von der Segelflugschule Oerlinghausen ein Fliegerlager mit Flugbetriebsorganisation angeboten. (Briefing, Startleiter, Schulung, Chartermöglichkeiten, Flugzeugschleppmaschine usw.). In diesem Jahr waren vom SCS Franz Gall, Thomas Püttmann und Bernhard Pfau dort , um den schönen  Alpensegelflug zu betreiben. Franz und Bernhard hatten den Arcus M (7) dabei, Thomas hatte die Möglichkeiten der Ausbildung im Alpensegelflug und den Charterbetrieb wahrgenommen. In diesem Jahr waren wir ausgesprochene „Glückspilze“ was das Wetter anging. Wie in den OLC – Abbildungen zusehen ist, waren an 4 Tagen ausgedehnte Flüge möglich. Die Wetterlage am 13.04.2015 brachte das Highlight. Sie ermöglichte bei Windrichtung um ca. 330 Grad und zunehmender Windgeschwindigkeit in der Höhe bis auf die noch zulässige Höhe von max. 6000 m zu steigen.(-20 Grad). Einstieg in die Welle war an der Monte Rosa. Alle 4 Flüge zusammen gerechnet war der Arcus 24:54 h in der Luft und ist dabei 2087 km weit geflogen! Ein weiterer interessanter Höhepunkt war das Teamfliegen mit Sepp Holzapfel (www.geratshof.de )  mit seinem nagelneuen Arcus M.     Fotos anklicken!

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Sepp Holzapfel mit seinem neuen Arcus M

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Für den Fotofan: Über einen GPS-Empfänger auf der Kamera Canon 650D konnten alle Flüge aufgezeichnet werden und man kann dadurch den Ort der Aufnahme und die Aufnahmerichtung nachträglich ermitteln.

Route zu den Dreizinnen Dolomiten 12.4.2015

 

Warmwerden

Die neue Saison ist noch nicht ein mal zwei Wochen jung und schon gab es die ersten guten Wetterlagen. Der SCS war bereits viel in der Luft und fand in die Routine des Flugbtriebs zurück. Denn die ersten Flüge im Jahr sind nicht nur ein besonders aufregendes Erlebnis, wie bereits im letzten Artikel erwähnt , sondern erfordern auch einen etwas angepassten Flugbetrieb. Das bedeutet, dass der erste Start an unserer Winde zusammen mit einem Fluglehrer in einem Doppelsitzer stattfinden muss. Dadurch wird man „gecheckt“ und kann danach wieder alleine fliegen. Man wird sozusagen unter Aufsicht warm, zumindest was die Flugsicherheit angeht.

Am Sonntag den 05. April ging es richtig los: Kräftige Thermik ermöglichte deutschlandweit viele weite Flüge.  Der SCS war natürlich auch am Start. Doch obwohl auch an diesem Tag Checkflüge gemacht wurden, brauchte man zum warmwerden im wörtlichen Sinn noch mehr als die Freude am Fliegen: Man flog ständig über der Nullgradgrenze, die Thermik endete erst in einer Höhe mit ca. -13 °C. Da kommen sogar Zweifel auf, ob Thermik wirklich etwas mit Wärme zu tun hat…
Jedenfalls war es mit der richtigen Ausrüstung trotzdem möglich, sich wohl im Cockpit zu fühlen. Wer zudem noch etwas Geduld mit in die Luft nahm, konnte gelegentlich zwischen den vielen Schneeschauern einen Blick auf den schneeweißen Schwarzwald werfen. Sogar die Alpen waren durch die kristallklare Luft auszumachen – die Sichtweite betrug also mindestens 130 km.

Am Dienstag den 07. April war zwar nicht ganz so gute Thermik wie am Sonntag angesagt, aber für die Jahreszeit sollte sie doch ordentlich sein. Dafür waren die Temperaturen in niederen Höhen auch über dem Gefrierpunkt prognostiziert. Jan und ich wollten mit dem Duo Discus (S4) einen Überlandflug unternehmen.

Ulm
Ulm

Tatsächlich ließ die Thermik nichts zu wünschen übrig. Wir „hüpften“ problemlos von Wölkchen zu Wölkchen auf der schwäbischen Alb nach Nordosten und entschieden uns bei Aalen umzukehren und in die entgegengesetzte Richtung zu fliegen. Wir peilten zunächst den Schwarzwald an, mussten aber schnell feststellen, dass der Weg dorthin deutlich schwieriger werden würde als die bisherige Strecke. Alle die Thermik anzeigenden Wolken lösten sich von Nordwesten her auf. Wir entschieden uns gegen einen „Schuss ins Blaue“ und änderten stattdessen den Kurs auf Südost. Über Ulm und die Donau hinweg flogen wir so weit in diese Richtung, bis wir durch die Luftraumbeschränkung des „Allgäu Airport“ Memmingen nicht mehr weiter durften. Also flogen wir an der Luftraumgrenze entlang nach Westen und mussten zusehen, wie ringsum auch die allerletzten Wolken verschwanden. Was das Fliegerische anspruchsvoller macht, macht die Fotos umso klarer: Zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen sah ich während eines Segelfluges mit Start auf der Hahnweide die Alpen. Dieses Mal waren sie sogar für meine Handykamera deutlich genug zu erkennen. (Es versteht sich von selbst, dass der reale Anblick ungefähr 10.000 Mal besser und eindrucksvoller war als es diese Bilder sind. Für eine höhere Auflösung bitte die Bilder anklicken.)

Die Alpen Noch mehr Alpen

70 Kilometer von zu Hause entfernt gaben wir unseren Westkurs mit Ziel Schwarzwald endgültig auf und traten den Heimweg an. Das einzige Weiß am Himmel kam von hoher Schleierbewölkung. Außer einem einzigen Greifvogel sahen wir auf dem gesamten Heimflug absolut gar nichts, das auf Thermik hingewiesen hätte. Wir reduzierten also die Geschwindigkeit und tasteten uns „blind“ nach Norden. Nach viel Zeit und Nerven waren wir uns erst 20 Kilometer vor der Hahnweide sicher, genug Höhe für den Gleitflug nach Hause zu haben. Während diesem fiel mir zum ersten Mal die Ruine der Burg Hohenurach auf:

Burg Hohenurach

Den fast 300 Kilometer weiten Flug kann man sich hier ansehen.

Glücklich über das Geschaffte waren wir uns nach der Landung sofort einig: Wir sind jetzt auch mit dem Überlandfliegen wieder warm und bereit für den nächsten Flug.

 

Storchschwarm

Mit S5 bis nach Ramstein

Am Donnerstag 21.08.2014 startete ich am späten Vormittag mit unserer ASW (S5) und hatte nicht wirklich einen Flugweg geplant. Süden, Norden, Osten, sollte alles irgendwie möglich sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bekam ich Anschluss an eine unglaubliche Wolkenstraße, die genau über der schwäbischen Alb verlief. Man hätte von ca. Leibertingen bis Neresheim (~ 120 km) ohne einen Kreis fliegen können. Ich war nie ganz oben und habe deshalb trotzdem ab und zu gekreist, aber nötig wäre es nicht gewesen. Ab Dinkelsbühl entschloss ich mich dazu, es bis zum Pfälzerwald (also nach Westen) zu versuchen, weil ich dort noch nie war und das Wetter es zuließ. Der Weg dort hin war nicht immer einfach, aber südlich Mannheim wurde ich dann für die Mühen belohnt:

Dass das Rheintal so schön ist, hätte ich nicht gedacht. Flussschleifen, tiefblaue Seen, Atomkraftwerke, Autorennbahn, und Flugplätze so weit das Auge reicht… ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hingucken sollte. Deswegen bemerkte ich auch recht spät den Schwarm Störche, der mich „innen“ überholte und gnadenlos überstieg. Diesen Eindruck habe ich versucht per Foto und Video festzuhalten, aber die Bilder sind natürlich nicht annähernd so faszinierend wie die Realität.
>> Video: Storchschwarm bei Hockenheim <<
Es ging tatsächlich bis zum Pfälzerwald, sogar 30 Kilometer hinein, bis zu einem großen Wolkenloch. Auf dem (schlechten) letzten Foto kann man rechts Kaiserslautern und in Verlängerung eine große Waldschneise erkennen, das ist Ramstein. Für eine größere Auflösung bitte die Fotos anklicken.
Der Rückweg war aufgrund der Tageszeit schwierig, und es reichte mir auch nicht ganz bis nach Hause, 20 km haben gefehlt. Danke an Conny für die rekordverdächtig schnelle Rückholtour!

Den größten Teil des Fluges kann man sich hier anschauen:
https://www.skylines.aero/flights/39280/

Grüße,
Oliver