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Schesaplana – hin und zurück

Thomas hatte mich eingeladen, am Sonntag mit ihm Mose zu fliegen. Eigentlich wollte er mit Max mehrtägig nach NRW fliegen, aber die Wettervorhersage war für den Rückflug zu schlecht. Deshalb kam ich in den Genuss des Alternativprogramms. Thomas wollte erst am Sonntag die Route besprechen – wenn das Wetter übersichtlich wird. Am Abend dachte ich an eine Tour zur Schesaplana. Am Sonntag hat sich Thomas dann für die Lechtaler Alpen ausgesprochen – passt!

Mose zusammenstecken, Flug planen und losrollen zum tanken. Nix war’s – die Batterie hatte zu wenig Kraft. Sie ist den plötzlichen Herbsttod gestorben (Herbie spricht bei den Batterien vom plötzlichen Wintertod). Kein Problem, die Ersatzbatterie lag bereit und war auch frisch geladen. Mit leichter Verzögerung sind wir in die herrliche Luft gestartet, mit einer Sicht über 100km. Der Flugweg führte in Richtung geschlossener Nebelfelder über der Donau. Auch der Bodensee war komplett mit Wolken zugedeckt. Über der schmalsten Stelle der Wolken haben wir gequert und hatten dann freien Weg nach Süden.

Im Gebirge waren die Berge oberhalb 2500m frisch überzuckert – herrlich weißer Schnee – noch dünn und nicht zum Skifahren geeignet. Thomas kennt im Lechtal alle Berge, Hütten und Wege. Lest die ausführlichen Bildbeschreibungen! An der Schesaplana hatten wir kurz einen Segelflieger im Blickfeld. Er muß in der Welle gewesen sein. Den Abwind der Welle haben wir mitgekriegt.

Auf dem Rückweg war für unsere Stärkung die erste Wahl Stahringen – Nebel. Dann Leutkirch. Jungejunge war da ein Betrieb. Mit Flugzeugen, Fallschirmspringern und Besucher in der Gaststätte. Aussen gab’s keine Sitzplätze mehr – aber wir sind flexibel und haben innen sehr gut gegessen.

Während des Rückflugs konnten wir die schöne Herbstfärbung der Blätter geniesen. Der Neuffen mit seinen Weinbergen und der Talwald tun sich besonders hervor. Es war ein toller Ausflug!

P.S. Die Alpen sind ein mächtiges Gebirge und riesengroß. Ob wir wohl alle Bergnamen richtig gefunden haben? Ergänzungen sind gewünscht!

Text: Thomas, woki

Bilder: woki

Dornbirn, Rheintal und Säntis

Im Hintergrund die markante Rote Wand, vorne rechts der Spullerschafberg und links von der Mitte der Pöngertlekopf – hier lebt eine der größten Steinbockkolonien der Alpen. Wie man sagt, waren die Steinböcke am Arlberg ausgestorben. Bei einer Nacht- und Nebelaktion wurden einige Steinböcke aus der Region um Aosta heimlich gefangen und an den Arlberg verbracht, wo sie sich prächtig vermehrten.

Totalphütte, 2385m. Etwa 1980 war ich (woki) mit einer Wandergruppe dort unterwegs. Wir sind – wie damals üblich – am Freitag Mittag nach der Arbeit ins Gebirg gerast, mit der Lünerseebahn hochgeseilt und zur Totalphütte aufgestiegen. Der Hüttenwirt hat von einem Unglück erzählt. Eine 2er-Gruppe war im Schneetreiben mit Skiern aufgestiegen. Sie hatten die Hütte nicht gefunden und sind 30m vor der Hütte in der Nacht erfroren. Bei unserem Aufstieg zur Schesaplana bei wunderschönem Wetter konnten wir andere gefährliche Sachen sehen: Leute mit Badeschlappen auf dem Weg zum 2965m hohen Gipfel.

Die Hütte war 1958 eine Bauhütte für Arbeiten an einer Rohrleitung für den Lünersee und wurde dann von dem österreichischen Alpenverein übernommen. Im Januar 2019 wurde die Hütte von einer Staublawine stark geschädigt. Sie ist wieder aufgebaut worden und seit Juli 2020 wieder im Betrieb. Quelle: Wikipedia

Es gibt einen super Film zum Wiederaufbau.

in Youtube eingeben: Totalp – Vorarlbergs höchste Baustelle https://www.youtube.com/watch?v=jxmHi_UJIcE

Auf dem Stuttgarter Blatt rumgondeln … oder: sieh‘ das Gute liegt so nah!

Große Reisepläne werden manchmal von harten Randbedingungen zackig reduziert. Meistens ist das Wetter die Randbedingung. Was ist das Stuttgarter Blatt? Für die Nichtflieger: Deutschland ist für Sichtflieger auf 8 Flugkarten verteilt – von Stuttgart im Südwesten bis Rostock im Nordosten. Am liebsten möchten wir immer weit weg fliegen – und jetzt zeige ich Euch wie schön es allein auf dem Stuttgarter Blatt ist!

Flug mit Jochen im August

Die Idee war, ins Allgäu zu fliegen und dort ohne Motor zu segeln. Die Thermikvorhersage für die Alb war nicht gut, ganz anders für das Allgäu! Die Wolken über der Nagelfluhkette – da gehört der Hochgrat dazu – sahen von der Ferne ganz gut aus. Die ersten Mitstreiter sahen wir am Osthang von Bolsterlang. 7 Gleitschirmflieger auf einem Haufen am Hang – das ist kein deutliches Zeichen für Thermik! Wir haben’s ein paar mal probiert, aber so richtig geklappt hat’s nicht. Also sind wir zum Sightseeing übergegangen: Gottesackerwände, Widderstein, Trettachspitze. Alles wunderbare Touren – auch zum Bergsteigen.

Für unsere Stärkung sind wir in Leutkirch gelandet. Jochen meinte, die Kutteln seien nicht vegan – aber sie waren ausgezeichnet! Anschließend wollte Jochen noch einen Kaffee trinken – in Albstadt Degerfeld. Die Wirtschaft war noch zu – wir müssen die Flugvorbereitung verbessern.

Flug mit Stephan 30. September

Die Randbedingungen diesmal: später Start und Landung vor 1800LT. Immer ein schönes Ziel: der Bodensee und nebenher lange Schatten finden. Per Funk haben wir in Stahringen nachgefragt, ob wir landen dürfen. Wir durften. Das nehmen nicht alle Plätze, bei denen man vor der Landung per Telefon um Erlaubnis fragen muß, so locker wie die Stahringer. Der Platz ist wunderschön – und es hat auch für einen schnellen Kaffee im Restaurant gereicht. Kaum waren wir auf der Hahnweide gelandet – es war rechtzeitig – waren die Modellflieger in der Luft.

Burg Altbodman in Spornlage über Bodman – es ist die linke Ruine. Die Vorgängerburg an der Stelle des jetzigen Klosters Frauenburg (rechts an der Kante) ist während einer Familienfeier abgebrannt. Nur der 1-jährige Heinrich hat überlebt – weil ihn seine Amme mit Decken in einen Kessel gepackt und dann aus dem Fenster geworfen hat. Zumindest eine schöne Legende (Quelle: Ruine Altbodman von Joseph Schlippe). Heinrich hat die Burg 1309 neu gebaut.

Link zu 3D Darstellung

https://sketchfab.com/3d-models/burgruine-altbodman-6bd98b9697ad4e2ba7b9328af37af2d9

Flug mit Stephan 1. Oktober

Der Besuch der Bauhausikone Kornhaus in Dessau war zu weit für einen Tag, und die Vorhersage für einen mehrtägigen Flug nicht so, wie sich’s VFR-Flieger wünschen. Das zweite Ziel Burg Feuerstein hat Stephan mit FL95.de fertig ausgearbeitet. Also ging’s mit Kurs NNO von der Hahnweide los – bis wir über Ellwangen an der nahezu geschlossenen Wolkendecke abgeprallt sind. Unter den Wolken durch haben wir gar nicht probiert. Also war’s nix mit dem Mittagessen in der schönen Wirtschaft am Flugplatz Burg Feuerstein. Was jetzt? Wirtschaft am Flugplatz Leutkirch! Aber die Randbedingung tiefe Wolken wollte das nicht. Winzeln war nicht offen – so haben wir wieder Heimatkunde betrieben und Burgen bewundert. Zum Ausklang gab’s zuhause mit Sonja Kaffee und Kuchen.

Wir wollen immer noch weit weg, aber es geht eben nicht an jedem Tag – und auf dem Stuttgarter Blatt gibt’s noch viel zu entdecken!

Text: woki Fotos: Jochen, woki

Carpe diem mit Franz

Franz hatte schon lange einen Plan: Hilmar und Ulla am Attersee zu besuchen. Spontan fragte er mich bei einem Schraubernachmittag auf der Hahnweide – ist 6:30 am Flugplatz ok? Meine Frage war noch – sollen wir die Tage vorher schon tanken? Nein, das geht ja schnell meint er. Wir sind ein eingespieltes Team. 7:10 waren wir genau nach Flugplan in der Luft! Franz hat die Planung mit FL95 gemacht. Der Wind hat uns mit Kraft geschoben – direkt von hinten, bei 115 km/h IAS hatten wir 180 km/h über Grund. Das langsame Fliegen hat einen Vorteil: es spart Sprit für den längeren Rückflug – der Wind legte sich an diesem Sturmtag erst, als wir schon wieder im Bett lagen. Außerdem kannte Hilmar unsere geplante Ankunftszeit. Franz hatte ja einen Flugplan aufgegeben und Hilmar konnte immer über Flightradar24 unsere Position sehen.

Der Flug am frühen Morgen war wunderschön und die Sicht großartig. Das Licht zeichnete malerisch lange Schatten, beim Rückflug wird es wieder so sein. Vorbei an Ammersee, Starnberger See und Chiemsee näherten wir uns Salzburg für ein midfieldcrossing in 3000ft. Kein Problem, der freundliche Fluglotse hat unsere Wünsche erfüllt und wir haben Dank unserem Navi seine Pflichtmeldepunkte ganz leicht gefunden. Östlich Salzburg wird die Szenerie noch traumhafter. Die Seen des Salzkammerguts begrüßen uns wie glitzernde Edelsteine, sie fließen förmlich aus dem Gebirgsstock des Karwendel heraus. Fuschlsee, Mondsee, weiter entfernt rechter Hand der Wolfgangsee, dann Attersee und Traunsee. Teilweise liegen sie mit ihrer südlichen Hälfte zwischen steilen Felswänden, manche kleinere Seen sind auch komplett umarmt vom Fels. Die Berge wachsen ohne Vorgeplänkel aus der Ebene heraus und stehen ganz mächtig da!

Bei der Landung auf dem gepflegten Verkehrslandeplatz Gmunden war der Wind direkt auf unserer Nase, passte also gut. Den ersten Parkplatz haben wir wieder verlassen – der Boden war zu steinig für unsere Erdanker. Aber Franz hat eine schöne Alternative hinter den Hallen gefunden und der Flugleiter war einverstanden.

Es folgt die Sightseeingtour im Tesla über den Höhenrücken vom Traunsee zum Attersee. Das Ufer des Sees ist schmal und begehrt – wie alle Ufer – und deshalb kreativ bebaut. Ältere Villen haben links und rechts vom Haus noch Platz, die neuen Häuser rücken so dicht zusammen wie die Vorschriften erlauben. Da das Ufer steil ist, haben die Menschen in den weiter hinten liegenden Hausreihen auch einen freien Blick zum See – es ist wie im Amphitheater! Wir rollen elektrisch vorbei an Hilmar’s Jugenderinnerungen und wir stoppen beim Fischer. Ulla hat eine Lachsforelle bestellt, die war noch warm vom räuchern. Der Attersee ist das 2. zuhause von Hilmar und Ulla, es war eine große Freude des Wiedersehens bei uns allen. Den vorzüglichen Fisch gab’s mit Kren auf dem Balkon – dazu Sicht auf See, Schiffe und den Brennerin. Das ist der nächste Berg. Was will man mehr?

Sollen wir Segeln? Aaah – es sind starke Böen vorhergesagt. Der Wind steht quer zum See und wird durch das im Weg liegende Gebirge turbulent sein. Bei dieser Windrichtung ist Respekt geboten. Es hat noch andere Boote auf dem See – viele allerdings nicht. Aber gehen wir zum Boot und wollen es wagen. Hilmar hat das Boot vorsorglich schon von der Boje an den Steg gelegt – damit wir bequem einsteigen können – ein Superservice.

Wir legen mit elektrischem Innenborder ab und setzen Segel – dem Wetterbericht geschuldet lässt Hilmar das erste Reff drin. Es ist eine Kajütyacht mit Rennbesegelung – hat also alle Trimmmöglichkeiten für die Segel. Das Einlernen eines erfahrenen Windsurfers (Franz) auf das Boot dauert ja seine Zeit. So war’s gut, dass uns nicht gleich die harten Böen erwischt hatten. In welcher Drehrichtung legt man die Schot um die Winsch? Aha – die Winsch hat zwei Gänge – links rum kurbeln langsam – rechts rum schnell – ein geniales Teil. Dann muß der Vorschoter noch die Holepunkte für die Genuaschoten bedienen – Hilmar hat Franz ganz schön auf Trab gehalten.

Gechillt wurde auf einem anderen Boot. Direkt neben unserem Steg hatten junge Leute eine Schwimminsel an das Motorrennboot gebunden und sind damit elektrisch zum Baden auf den See geschlichen – mit Benzinmotor darf man erst wieder im Herbst fahren. Der See war herrlich, die Temperaturen perfekt zum Wohlfühlen und der Wind launisch. Ständig wechselte er die Richtung und die Stärke – jedes mal dicht holen oder fieren und natürlich den Holepunkt korrigieren! Aber so ist das auf einem Rennboot. Ich durfte fotografieren.

Unser Tag war ja exakt durch getaktet, deshalb gab’s feste Zeiten für die Rückkehr zum Steg und zum Flugplatz. Dazwischen muß Kaffee und Kuchen passen. Franz ist noch ins glasklare Wasser gesprungen, ich bin Hilmar beim Aufräumen zur Hand gegangen.

In Gmunden angekommen sind wir 1 Minute vor dem Flugplan (wieder über AIS im Internet aufgeben) in der Luft gewesen und bei dem heftigen Gegenwind gestiegen wie ein Ballon! Jetzt musste sich unser Mose gegen den starken Wind durchsetzen. Die Route war gleich wie beim Hinflug – der Wind eher noch einen Tick stärker – wir hatten Wind in Spitzen bis 80km/h, gemittelt 60km/h. Unser Flugweg führte diesmal nördlich der Salzburger Piste durch die Kontrollzone und sollten ein-zwei Minuten wegen Verkehrs warten. Aber der Lotse hat sicher übersehen, dass wir wegen dem Wind gaanz laangsam sind. Egal, auf der Hahnweide angekommen hatten wir noch 25 Minuten bis zum Sonnenuntergang. Wie beim Hinflug war wenig los im Funk, wenig Verkehr und wieder grandiose Flugsicht. Das schwächelnde Headset war von Ilhan repariert worden und funktioniert wieder perfekt.

Bei starkem Wind ist klar: man fliegt tief, weil der Wind dann schwächer ist. So tief, dass man einen Vorteil hätte, konnte man aber gar nicht fliegen. Franz ist dann 1000ft höher gestiegen – und oh Wunder – die Luft war ruhig und der Wind auch nicht stärker! So konnten wir die Taktik zu Routen und Höhenplanung bei starkem Gegenwind theoretisch und praktisch behandeln.

Frage 1: Bringt es was, einen Umweg über ein Gebiet mit weniger Wind zu wählen? An diesem Tag wäre das gut möglich gewesen. Das Starkwindfeld endete am Rand der Alpen. Ich hab’s hinterher mit FL95 gerechnet – der Umwegflug hätte länger gedauert. Der vorhergesagte Gegenwind war eben nicht null sondern auch noch 20km/h und wegen dem Gelände hätten wir mehr steigen müssen.

Frage 2: Bringt es was, schneller zu fliegen? Man wäre dann ja früher am Ziel. Die Flugzeit wäre natürlich kürzer, aber wir würden mehr Sprit verbrauchen. Die Formeln dazu zeigen: erhöhte Geschwindigkeit reduziert die Flugzeit linear, der Spritverbrauch steigt in erster Näherung mit der dritten Potenz – zumindest in dem Bereich 140 – 190 km/h. Für eine festgelegte Strecke steigt der Spritverbrauch dann quadratisch: Wenn ich 10% schneller fliege brauche ich 21% mehr Sprit.

Mit unserem alten Mose D-KATB, eine SF25B mit Stamo 45PS wären wir an diesem Tag nicht zurück gekommen. 100 km/h TAS und 60km/h Wind = 9h Flug plus 2 mal tanken. Aber Ulla und Hilmar hatten sich schon ausgedacht, wie sie uns im Fall des Falls gebettet hätten. Uns ging’s da richtig gut an dem See! Herzlichen Dank an die beiden für diesen tollen Tag!

Auf der HW ist der Flugbetrieb mittags wegen Starkwind beendet worden, Franz hat für die Modellflieger gefunkt und wir sind bei eingeschlafenem Wind auf der 31 butterweich gelandet. Im Norden hat ein Modeller seine Kapriolen gedreht. Wir haben noch bei Dämmerlicht aufgeräumt und hatten einen perfekten Tag!

Text: Franz, woki

Bilder: woki, Bernhard F.

Hier noch ein Link zu der tollen Webcam auf dem Schafberg:

https://schafberg.panomax.com/#

Mit dem Duo unterwegs über die Wälder

Matthias (Dezi) hat mich gefragt, was ich samstags vorhätte. Nach HDH fahren – wieso? Er wollte mich im Duo zu einem Überlandflug mitnehmen. Also habe ich zuhause den Termin auf Sonntag verschoben und Dezi zugesagt. Die Idee war, ins Gebirge zu fliegen. Der Plan hatte nur bis Samstag Bestand. Der neue Plan war: Grabenstetten – Feldberg – Michelstadt im Odenwald – Aalen – Grabenstetten.

Auf der HW war für die gute Wettervorhersage um halb zehn eigentlich wenig los. Wir sind schon als 2ter Segler um 10:30 gestartet – hinter der Husky. Ab Grabenstetten ging’s über die Alb zum ersten Wendepunkt Feldberg. Wir fanden gutes Steigen und zuverlässige Thermik. Vorbei am Titisee mit Blick zum Schluchsee – in der Ferne war auch der Bodensee im leichten Dunst zu sehen. Über der Alb waren wir noch ziemlich alleine in der Luft gewesen – im Schwarzwald rasten schon deutlich mehr Segelflugzeuge über die Kämme.

Der Weg zum Nordschwarzwald war spannend, die Thermik lief in die Breite und war unzuverlässiger als vorher. Aber wir hatten Hilfe durch kreisende Mitflieger – es waren ein paar ASW’s und eine JS3. Das Kraichgau hat es sehr gut mit uns gemeint. Wir sind flott in den Odenwald geglitten – den Neckar gesehen – und am Flugplatz Michelstadt gewendet. Dezi kennt den Odenwald in und auswendig. Er hat mir den Melibokus gezeigt und die Rennstrecke: an der westlichen Handkante werden die großen Jojos geflogen. Für die noch nicht Eingewiesenen: Jojo fliegen bedeutet hier: die Hangkante hin- und herflitzen bis es dunkelt – es braucht dazu Wind aus West.

Nächste Wende Aalen – breitlaufende Abschirmung erschwerte es, die richtige Route zu finden. Naja – es ging immer noch passabel – aber eben mit Kursabweichungen von 30°. Unten raus schien’s schwer – wir haben Aussengelandete auf den Äckern und Wiesen gesehen. Da gibt’s nur eins: oben bleiben.

Auf unserem Flug sahen wir viele neue Windräder – bei denen sich aber nix drehte!

Hoho – es waren erst die Masten gesetzt! Dezi hat sich vorbildlich in Schwäbisch Hall gemeldet und nach Springern gefragt. Wir wurden freundlich durchgewunken, da die Absetzmachine erst am starten war.

Über dem Flugplatz Aalen haben wir gewendet – es haben noch 500 Meter für den Endanflug gefehlt. Wenn ich da Dezi auf diesen und jenen tollen Ort oder Flugplatz hingewiesen habe hat er nicht zugehört – er war ganz auf die Thermik fokussiert. Das war gut so – querab Bartholomä hatten wir die Endanflughöhe und es folgte für Dezi der reine Genussflug über die Alb. Ich hatte schon ab dem Start den reinen Genussflug! Jetzt hatte Dezi auch Augen für das rekonstruierte neolithische Einfallstor bei Erkenbrechtsweiler.

Es war ein super Tag und die Aufgabe hat genau gepasst!

Details zum Flug:

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7985378

Text und Bilder: Dezi, woki

Mehr als 200 Jahre in der Luft.

Nachträgliche Anmerkung des Autors: Der Titel ist etwas rätselhaft – eigentlich etwas lax – formuliert. Aber im Text klärt sich dann alles auf!

Wir hatten die Prüfung für das ARC (Airworthiness Review Certificate) unserer Slingsby T21B mit Andreas. Diesmal mit neuen Regeln und Formularen – also Extraarbeit für Andreas. Martin und ich haben das Flugzeug vorbereitet und zwei kleine Verletzungen der Stoffbespannung am Rumpf repariert. Mit Bespannstoff aus Baumwolle, Klebelack und Spannlack. Der Endlack und die Beschriftung „Lift here“ kommen noch drauf.

Die Abnahme war zeitgleich mit dem Kranich vom FMH (Fliegendes Museum Hahnweide, https://fmh.club). So waren genügend Leute da, um die Halle ab 8:30 für die Abnahme frei zu räumen. Und genügend Leute um die Slingsby ab- und aufzumontieren. Vielen Dank an die Helfer von ACS (Aero Club Stuttgart), FMH und SCS (Sportflieger-Club Stuttgart)! Die Prüfung lief glatt über die Bühne und das edle Stück hat sie ohne Mängel bestanden! Andreas hat ausgerechnet, dass wir in 20 Jahren 220h geflogen sind. So als Summe ist das ganz schön viel. Die 20 Jahre natürlich auch.

Das Wetter war top, so haben wir mit Peter’s Hilfe die Slingsby zum F-Schlepp geschoben. Es war toll wieder abzuheben – für mich das erste mal nach 9 Monaten. Wenn wir mit der Slingsby fliegen, sind mehr als 200 Jahre in der Luft. In der Reihenfolge das Alters: Slingsby, ich, dann Martin. Wir sind mit Masken geflogen – und mit der Zeit konnten wir die Zusatzwirkung des Virenschutzes geniesen – er wurde für uns zum Kälteschutz. Wir haben die Dinger bis zur Landung draufgelassen! Nach 20 Minuten war’s von der Temperatur her nicht mehr gemütlich und wir waren eine ganze Stunde in der Luft.

Sicht und Thermik waren super – ein sehr schöner Flug.


Text: woki Bilder: B. Pfau, woki

Winterwartung – 5 auf einen Streich

Zuhause gibt’s Einiges, was man tun kann – also habe ich die alten Unterlagen von meinem Zellenwartlehrgang 1996 durchgeblättert und ein Gedicht gefunden, der Autor ist nicht genannt:

Fliegen, Warten, Segelflugzeug warten tut Not.

Der Reifen platt, das Vario lügt
und auch der Kompass stets betrügt.
Die Steuerung klemmt wohl hin und wieder
ein Jammer ist’s mit dem Gefieder.
Polieren sollt‘ man mit ’nem Lappen
die Flügel bis hin zu den Klappen.
Die Bolzen quietschen, schrei’n nach Fett,
vom Leitwerk platzt der Spachtel weg.
Ein Stein schlug Löcher in den Rumpf,
seitdem klingt’s eigenartig dumpf –
beim Starten und auch stets beim Landen,
das ist das Wasser hinterm Spanten.
Wo’s so aussieht, da muß man warten
das Flugzeug vor dem nächsten starten.

Solange wie im Gedicht haben wir im SCS noch nie die Reparatur rausgeschoben!
Für die Nichtflieger: das ist ein Scherzgedicht.

Winterwartung und Jahresnachprüfung 2020 – 5 auf einen Streich

Wie jedes Jahr haben wir den Winter über die Flugzeuge für die neue Flugsaison vorbereitet. Die Gewerke sind putzen, kontrollieren, lackieren, Elektronik verbessern, Hilfsmotor warten, Gurte erneuern. Dann war die Nachprüfung angesagt – und Florian wollte 5 Flugzeuge an einem Tag prüfen lassen. Weil 5 zu viele sind, haben wir im letzten Jahr die Flugzeuge auf 2 Termine verteilt. War total vernünftig.

Aber Florian hatte eine neue Idee zum Ablauf: alle Rümpfe stehen in der Werkstatt, die Flügel in den Hängern. Hier die Details zum Ablauf:

Andreas prüft den ersten Rumpf, gleichzeitig werden die zugehörigen Flügel und das Höhenruder aus dem Hänger raus auf Böcken für die Prüfung bereitgelegt. Wenn der erste Rumpf fertig geprüft ist, wird die Sitzschale wieder eingebaut – und Andreas prüft gleichtzeitig die Flügel. Dann wird das Flugzeug zusammengebaut und fertig geprüft.

Während das erste Flugzeug wieder abgebaut wird, geht Andreas zum 2ten Rumpf. Das lief so astrein, dass ich platt war! Super geplant – Florian! Und vielen Dank an Andreas und die Helfer vom SCS! Mit auf unserer Seite war das Wetter – wir konnten die Flugzeuge im Freien aufbauen.

So – jetzt ist alles fertig zum in die Luft gehen – und wir hoffen auf die Zeit nach dem Virus.

Text: woki               Bilder: Wolfgang Kuhn, woki

Ein besonderes Erlebnis war der Tausch der Gasdruckfeder an der Cockpithaube an der ASW. Franz hatte ein übles Erlebnis beim Flugzeug ziehen – die Haube ist ohne Windeinfluß zugeknallt und hat ihm die Hand eingeklemmt – war sehr schmerzhaft!

Wir hatten eine neue Feder bestellt und wollten sie tauschen. Ein Holländer hat uns auf der Hahnweide erklärt, dass es nicht die kleine Reparatur auf dem Flugplatz ist. Er hatte recht. Ich habe mich telefonisch bei Fa. Schleicher aufklären lassen – und wir sind’s dann in unserer Werkstatt angegangen. Es hat mehr als einen Werkstattabend gekostet. Zwischendrin dachte ich, wir müssen das Flugzeug in die Röhn fahren. Mit ein paar Hilfswerkzeugen und viel Schweiß geht’s – und so stolz waren wir auf uns, als das Ding endlich drin war!

5 auf einen Streich

Wolken im Frühjahr

Ihr habt ja alle die Wolken letzte Woche gesehen. Uahh – ist das anstrengend! Die Luft brodelt – die Geier drehen auf! Und wir dürfen nicht fliegen!

Für die Nichtflieger: Die Raubvögel steigen in der Thermik und mein Kollege, ein Drachenflieger, hat das so gesagt: die drehen auf. Klar – andere haben jetzt viel größere Schwierigkeiten zu bewältigen. Aber jetzt ist die gute Frühjahrsthermik – und wir dürfen nur den Vögeln zuschauen.

Christian’s Text zu Wolken ist mir beim schauen wieder eingefallen – SCS Festschrift zum 50sten Vereinsjubiläum im Jahr 2000, Seite 68. Hier ist er:

Wolken – von Christian Gall

Wolken sind unsere Freunde. Sie zeigen uns wo Thermik ist. Oder sein könnte.

Sie sind trickreich und vergänglich, von unstetem Wesen. Bis Du zu einer Wolke kommst, kann sie schon erloschen sein, kein Aufwind vielleicht sogar Abwind.

Wolken sind schön. Wenn starker Aufwind bei trockener kühler Luft kondensiert bilden sich Pilze – sie quellen wie Blumenkohl zu abenteuerlichen Formen. Hat man das Glück, an einer Wolke vorbeizusteigen und sieht sie von der Seite.

Oder die bunten Halo und Ringe, die das Sonnenlicht brechen und beugen.

Vor der Wellenwolke, sie sich wie ein Berg vor Dir türmt entlangzufliegen oder gar über sie hinweg an ihren Rändern streifen.

Wolken können uns arg ärgern. Die Schichtwolken, die den Himmel verdecken und jede Thermilk verhindern, oder gar die Regenwolken.

Wolken können bedrohlich sein, wenn sich ein Gewitter vor Dir auftürmt und Dir den Weg versperrt.

Wolken können verführerisch sein, wenn an der Basis das Steigen zunimmt und Dich in die Wolke hineinziehen will zu ungeahnter Höhe, aber du darfst nicht und bist auch zu vernünftig, um blind zu fliegen.

Wie oft sitze ich am Boden und schaue den Wolken zu, suche ihre Geheimnisse zu ergründen, ihr werden und vergehen, die Formen wenn sie sich ganz plötzlich entwickeln, wachsen und sich allmählich wieder auflösen.

Oder warum treiben Wolken unverändert am Himmel hin ohne sichtbares Zeichen von Veränderungen.

Wassersäcke groß und mächtig aber ohne Aufwind.

Nebel und Hochnebel gehören auch zur Familie der Wolken und wir lieben sie gar nicht weil sie uns schon so manchen Flugtag verdorben haben.

Christian Gall 2000 Fotos: woki

Hier haben die Wolken ihr Spiel mit uns getrieben - wir sind zu oft zu den falschen geflogen und schon waren wir bei den Kühen.

Die Wolken haben ihr Spiel mit uns getrieben – wir sind zu oft zu den falschen geflogen und schon waren wir bei den Kühen.

Kloster Untermarchtal – ein Versuch für ein Luftbild

Christoph und ich haben uns mit dem Mose in die Luft geschwungen. Bei Kälte ist das Anlassen immer spannend: Läuft er oder brauchen wir Starthilfe? Aber mit 20 Kurbelwellenumdrehungen von Hand haben wir richtig gute Chancen.

Da wir erst nachmittags Zeit hatten, sollte es kein Kaffeeflug werden sondern einfach ein schöner Rundflug über der Alb. Kurz nach dem Start hatten wir herrliche Sicht bis zu den Alpen – und waren rundum eingeschlossen von einem Meer aus Bodennebel. Also sind wir zur Übung „Flugplatz finden“ geflogen – bei den Bildern gibt’s zwei Flugplatzrätsel für Euch zu lösen. Nicht arg schwer – es ist alles auf dem Stuttgarter Blatt.

Und dann sind mir die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal eingefallen. Die Schwestern haben eine interessante Kirche. Die 1972 eingeweihte Vinzenzkirche wurde nach den Plänen von Architekt Professor Hermann Baur, Basel, einem Zeitgenossen von Le Corbusier, erbaut. Das Kloster ist in der Nähe von Zwiefalten. Aber wir werden noch mal hinfliegen müssen.

Entlang der Nebelgrenze ging unser Flug nach Osten bis Heidenheim. Auf dem West-Kurs zur Hahnweide ist dann frappierend, wie schlecht die Sicht unter der Inversion im Gegenlicht von der Ferne aussieht. Die Inversion ist mit dem Lineal gezogen und wir hatten 10°C Aussentemperatur.

Zurück auf der Hahnweide hat uns Steffen begrüßt – zufällig – es war ein feiner Tag!

Quelle: www.untermarchtal.de

Text und Bilder: woki

Jetzt kommt der Abschnitt mit den Rätseln!

Zum nachmachen: Besuch der Reichenau mit dem Mose

Wie soll das gehen? Die Reichnau hat viele Gemüsebeete aber keinen Flugplatz!

Der Plan war: nach Konstanz fliegen, am Flugplatz Fahrräder mieten, auf die Reichenau radeln, Fisch essen und wieder zurück.

Stephan und ich sind also fröhlich auf die Hahnweide gefahren, haben das Flugzeug aufgebaut – und sind an der Tankstelle von Freunden ausgebremst worden. Aber mein Zeitplan hat an jeder Etappe eine Reserve. Beim Flug zur Reichenau mit Schlenker über den Traum aller Weltreisenden – Burg Hohenzollern – hatten wir perfekte Sicht. Die Alpen waren schon an der Albkante sichtbar. Südlich und östlich des Bodensees sahen wir aber viel geschlossene Wolkendecke – und sind gespannt und mit Föhn von vorn nach Süden gebrummt – wir hatten bis zu 50km/h Gegenwind. Laut GAFOR war Konstanz D3, aber als wir den Funk Konstanz hören konnten, waren wir entspannt. Über Konstanz war leichter Dunst, in der Höhe der stramme Föhn aber am Boden war kein Wind.

Die freundliche Flugleiterin gab uns Hinweise, wo die Fahrräder stehen und zusätzlich einen Geheimtipp für den ersten Kilometer Richtung Reichenau. Der Weg führt über einen schmalen Damm mit herrlicher Allee, links und rechts gibt’s Schilf mit Vogelparadies. In dem Naturschutzgebiet „Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee“ rasten über 50000 Wasservögel. Ich konnte einen großen Schwarm Bläßrallen erkennen.

Die ganze Insel ist Weltkulturerbe, gleich am östlichen Ende der Insel steht die Klosterkirche Peter und Paul – sie war aber diesmal nicht auf unserem Programm. Wir wollten zum Fisch. Am Wasser ist für mich immer der Wunsch, möglichst dirket am Wasser zu laufen oder radeln. Der Uferweg ist aber auf einzelnen Abschnitten nur für Fußgänger freigegeben. Früher war’s anders meinte eine Ortskundige und es gab früher diese Einschränkungen nicht. Wir sind dann so wie früher gefahren – natürlich mit größter Rücksicht den Fußgängern gegenüber.

Stephan war zum ersten mal auf der Reichenau und fand’s so idyllisch – fast nicht auszuhalten! In „Georg’s Fischerhütte“ wählten wir beide das Tagesgericht Zander – vorzüglich! Unsere Zander kamen aus dem Obersee. Die Fische werden zu ungemütlichen Tageszeiten aus dem Wasser gezogen. Vor 3 Jahren durfte ich mit einem Fischer mit raus fahren. Er bangt um seine Existenz – der See ist so sauber, dass die Fische sich nicht so gut wie früher ernähren können – und die Fänge gehen zurück. Er sagt: „Dia hand ons da See gnomma!“ Dia sind die, die vor einigen Jahrzehnten die Kläranlagen haben bauen lassen – dia aus Schduagrd.

Der Bodensee hat ein breite Spanne an Attraktionen – von den alten Burgen und Klöstern über das Schmetterlingshaus auf der Mainau bis zu den Technikmuseen Dornier am Flugplatz Friedrichshafen, Zeppelin in Friedrichshafen und Meersburg und Altenrhein. Und im Wasser fährt der schönste Raddampfer weit und breit!

Zurück am Flugplatz – fix die Räder aufgeräumt und kurz auf den Turm. Die Flugleiterin hat uns mit Trauben von der Reichenau versorgt und ab ging’s zur Hahnweide. Wir hatten nach der Landung noch 75 min bis Sonnenuntergang. Ein herrlicher Ausflug an einem wunderschönen Tag. Könnt Ihr gerne nachmachen!

Text: woki Bilder: Stephan und woki

SCS auf Instagram: https://www.instagram.com/p/B36zzdToxyu/

Schon eine Woche später haben Jochen und Stephan den Ausflug wiederholt. Und diesmal war’s zeitlich anspuchsvoller – weil wieder Winterzeit gilt. Aber mit unserem schnellen Mose ist das kein Problem.

Text: woki Fotos: Jochen