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Zum Konzert nach Serres mit dem Motorsegler

Es ist eigentlich schon ein bischen verrückt, ich gebe es ja zu. So weit mit dem Motorsegler fliegen, nur um ein kleines Konzert auf einer Flugplatzwiese zu hören? Aber manchmal ist halt der Weg das Ziel und das Ziel nur der Anlass um den Weg zu begründen 🙂

Am 23. waren für die Zentralalpen gute Wetterbedingungen vorhergesagt. Und so flogen Thomas und ich unsere Lieblingsroute über den Bodensee, Mollis, Oberalp Pass, Furka, Matterhorn nach Gap/Tallard. Es war ungewohnt diesig, Sahara Staub trübte den Himmel. Am Grand Paradiso standen Hammerwolken in 4200m und es gab Welle. Wir saßen eindeutig im falschen Flugzeug, der DUO Discus wäre jetzt das Gerät der Wahl gewesen 🙂 In Gap bekam unser Motorsegler frischen Sprit , wir einen Cafe au lait und wir schauten ein wenig den Fallschirmspringern zu. Weiter ging es nach Serres und bei 30 Grad erst mal ab in den Pool. Um 18 Uhr waren wir rechtzeitig zum Soundcheck der Rockband bei Lison auf der Terrasse und genossen bis kurz vor Mitternacht Classic Rock vom Feinsten in der milden Provence Luft mit gewohnt köstlichem Essen.

Am nächsten Morgen brachen wir rechtzeitig auf, ein herannahendes Tief drohte den Rückflug zu erschweren. Doch es ging alles rasend schnell, in Flugfläche 90 schoben uns bis zu 60 km/h Rückenwind kräftig an. Der Genfer Lotse war pfiffig und bot uns eine alternative Route von Chambery direkt nach Fribourg und Olten an. Das war sehr gut, wir konnten die Höhe halten und damit den Rückenwind weiter nutzen. Im Jura sah es ziemlich regenerisch aus, während wir über dem Mittelland schön im Trockenen flogen. Im Südschwarzwald schien uns eine Schauerlinie den Weg zu versperren, doch Internet sei Dank erkannten wir im Regenradar eine Lücke bei St. Blasien und so wurden wir kaum nass und ab dem Feldberg hatten wir wieder bis zur Hahnweide beste Sichten. Nach 2:45 Std erreichten wir die Hahnweide, genau rechtzeitig zum Mittagessen mit der Familie.

Das nächste Konzert ist am 20. August, mal sehen wie das Wetter wird 🙂

Hahnweide-Engadin im Segelflug

Am 19.Juli 2021 war es wieder soweit. Wieder wurden gute Bedingungen im Engadin vorhergesagt mit Basis um die 4000m und guten Steigwerten. Allerdings der Weg über Biberach-Leutkirch nach Oberstdorf nicht so gut aber meiner Meinung nach ausreichend, um es zumindest zu probieren. Es hatte in der Vorwoche überall viel geregnet mit den bekannten Folgen und somit war klar, die Thermik würde sicherlich in den ersten Hochdrucktagen noch von der Bodenfeuchtigkeit mächtig ausgebremst werden. Und so war es auch. Der Weg nach Isny war sehr mühsam, es ging nicht gerade hoch, 1500m waren nur mit viel Geduld und mit max 0,7 m/s zu erreichen. Wenn mich das Engadin nicht so gelockt hätte, wäre ich längst umgedreht. bei Isny kam ich so tief, dass ich fast hätte „zünden“ müssen. Und auch als ich endlich wieder an der Basis war dachte ich mehrmals, dass es ziemlich wenig Sinn macht weiter nach Süden zu fliegen. Denn bei Sonthofen sah ich an den Hängen tiefe Cumuluswolken, weit unter mir. Es war aber erst 12:30 Uhr und so probierte ich es weiter westlich wo es im höheren Gelände über den Gräten immer wieder kleinere Wolkenfetzen gab. Mit viel Geduld und jeden noch so kleinen Aufwind bis zur maximal möglichen Höhe mitnehmend gelang es mir dann doch Stück für Stück höher zu kommen. Und im Arlberggebiet gab es dann die ersten brauchbaren Aufwinde. Bei Sankt Anton sah es nach Osten gut aus, allerdings im Süden Richtung Engadin gab es nur ganz vereinzelte Fetzen mit unscharfer Basis, die wenig einladend wirkten. Und so gab ich zunächst mein Vorhaben ins Engadin zu fliegen auf und wollte wieder zurück fliegen. Doch dann entwickelte sich plötzlich bei Ischgl eine sehr gut aussehende Wolke und ich entschloss diese zu testen und bei Mißerfolg wieder die guten Aufwinde bei Sankt Anton zu nutzen. Ab da fing es an richtig gut zu werden. Die Wolke gab das her, was sie versprach, 3400m Höhe erlaubten einen risikolosen Weiterflug. Wie wenn jemand einen Schalter umlegt auf „Thermik an“, bauten sich im Engadin nach und nach die schönsten Wolken auf. Die Sicht wurde typisch für das Engadin sehr gut und es ging auf 4000m. Die Beschränkungsgebiete R11 bei Samedan waren dieses Mal nicht aktiv und so flog ich an Samedan vorbei bis kurz hinter Pontresina. Der Blick über Sankt Moritz und den Silvaplana See und die Berninagruppe war wieder einmal umwerfend. Jede/r, der hier schon mal geflogen ist, wird das bestätigen können. Der Weg zur Bernina wäre gut machbar gewesen. Aber ich dachte um 15:15 Uhr zunehmed an den Rückweg, am Alpenrand gab es laut Vorhersage eine leichte Gefahr von Überentwicklungen für den Spätnachmittag. Also drehte ich um und konzentrierte mich auf den Rückweg. Die Strecke zurück lief im Gegensatz zum Hinflug spielend leicht. Das letzte Mal gekurbelt habe ich südlich von Sankt Anton auf 3000m. Der Sprung nach Oberstdorf war nochmal etwas spannend. Tatsächlich hatte die Bewölkung soweit zugenommen, dass zunächst nicht klar war ob ein Vorbeiflug an den Wolken möglich war. Alternativ hätte ich ins Rheintal rausfliegen können, was ein großer Umweg gewesen wäre. Schließlich gab es aber ausreichend große Lücken und Erdsicht. Der Ventus glitt gut und sank nur langsam, so dass ich nur noch zwei mal kreisen musste bis zur Hahnweide, bei Leutkirch und Biberach.

Was für ein Flug! Oft war ich kurz vor dem Aufgeben und kann es eigentlich immer noch kaum glauben, dass es letztendlich so gut geklappt hat.

Wandersegelflug nach Serres la Batie Südfrankreich

Um es vorweg zu sagen: Ein Streckensegelflug als Zielflug, an dem man abends ganz woanders ist, als zu Hause auf der Hahnweide ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

Für Georg und mich ging am 11. und 12.Juni 2021 ein Traum in Erfüllung. Immer wieder angedacht, aber letztendlich nie verwirklicht wollten wir schon immer im reinen Segelflug dorthin fliegen, wo es uns jeden Sommer ins Fluglager hinzieht: nach Südfrankreich.

Eine Woche zuvor waren Thomas und ich in Serres und sind dort eine Woche lang recht schön zum Fliegen gekommen. Entscheidend dabei war, dass wir gleich am ersten Tag einen Flug über Chambery zum Grand Colombier, einem Höhenzug westlich von Genf, unternommen haben. Wir hätten gut weiter ins Jura fliegen können, waren uns aber zu unsicher wegen der Lufträume. Danach sind wir fast jeden Tag die Route über den Vercors und die Chartreuse nach Chambery geflogen, insofern kannte ich mich dort nun ganz gut aus.

In Serres findet man auf dem Flugplatz beste Bedingungen vor, um dort als Segelflieger zu landen: Es gibt neben zahlreichen an Flieger zu vermieteten Chalets auch Gästezimmer für Außenlander, eine Allgemeinküche, ein Flugplatzrestaurant, zahlreiche deutsche Segelflieger und nicht zuletzt natürlich Klaus Ohlmann mit seinem täglichen ausführlichen Wetterbriefing (auf deutsch!)

Tja, und nachdem ich in der letzten Zeit öfters von der Hahnweide bis weit in den Jura und zurück geflogen war und nach dem Serres-Fluglager waren die Vorraussetzungen nun ziemlich gut, es einfach mal anzugehen. Und die geeignete Wetterlage bahnte sich viel früher an, als gedacht. Die gewittrige Luft über den Alpen und Süddeutschland sollte allmählich unter Hochdruckeinfluss gelangen und nach Osten abgedrängt werden. Und so konnte ich, kaum aus Serres zurück, zunehmend ernsthaft den Flug planen. Am Mittwoch war klar: es könnte, es müsste eigentlich klappen. Freitag hin, Samstag zurück. Günther hatte erfreulicher Weise nichts dagegen, schon wieder stand mir unser feiner Ventus als perfekter Flieger für so eine Unternehmung zur Verfügung. Natürlich wollte ich diesen Flug am liebsten zu zweit machen. Georg hatte sich diese Woche sowieso zum Fliegen frei genommen. Ein ganz klein wenig musste ich ihn dann doch überreden, aber schließlich war klar, wir ziehen das durch, Georg mit dem Vereins-Ventus „S2“ und ich mit dem Ventus „GK“. Britta übernahm dankenswerter Weise den Turmdienst von Georg am Samstag Nachmittag. Den Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir beide mit intensiven Vorbereitungen: Kartenstudium, Funkfrequenzen rausschreiben, Route mit „SeeYou“ für den Hin-und Rückflug planen und in die Segelflugrechner programmieren und immer wieder Wetter checken. Wir schauten uns auf Youtube das Video „Wege nach Südfrankreich“ von „Late Night Soaring“ an. Markus Frank („Murks“) hat dort eine perfekte Gebrauchsanleitung für den Hinflug über das Schweizer Jura präsentiert. Für den Flug nach Frankreich mussten wir einen Flugplan aufgeben, ich habe uns als Formationsflug mit 2 Segelflugzeugen angemeldet und für die Flugzeiten habe ich unter Bemerkungen „all times are estimates depending on weather and gliding conditions“ geschrieben. Den Tipp bekam ich von Klaus Ohlmann. In Serres meldete ich unseren Besuch an, die Gästezimmer gingen klar, am Flugplatzrestaurant haben wir bei „Lison“ 2 Plätze reserviert. Georg reiste schon am Donnerstag aus Egelsbach an, machte noch mal sicherheitshalber einen Testflug mit der S2 und bereitete den Flieger bestmöglich vor. Wir waren beide überrascht, was ins „Gepäckfach“ alles reingeht: nicht nur die berühmte Zahnbürste und Unterhose sondern 2 Ladegeräte, Leder und Schwamm, Haubenbezug, Handtuch, Jacke, Proviant, passte alles problemlos rein.

Am Freitag hatten wir mit dem Schlepper 11 Uhr vereinbart, da begann der offizielle Flugplan. Früh standen wir voller Vorfreude auf, der Himmel war blau! Noch ein letztes Mal im PC-Met das Wetter checken, alles klar, mindestens 3 brauchbare Flugtage wurden vorhergesagt, der Samstag als Rückflugtag sogar noch besser als der Freitag. Als wir uns von zu Hause mit den Worten verabschiedeten „bis heute Abend, wir melden uns aus Serres“ kam uns das irgendwie unwirklich vor, so eine Reise mit dem Zug, Auto oder Verkehrsflugzeug, klar, aber mit dem Segelflugzeug? Mit geplantem Landeort? Irgendwie ist das schon ein seltsames Gefühl. Ein Hauch von Abenteuer halt!

Auf der Hahnweide angekommen, stellten wir fest, dass auch andere den Wetterbericht gelesen hatten. Es wurde fleißig aufgebaut, Tilo meldete ein 1000km-Dreieck rund um Stuttgart an! So gut hatte ich den Tag gar nicht eingeschätzt, aber besser so 🙂 Unser Vorhaben hatte sich schon rumgesprochen, alle wünschten uns viel Erfolg und Georg durfte als erster in der F-Schlepp Reihe starten! Britta als Flugleiterin und Günther halfen uns bestens bei den Startvorbereitungen, sogar unsere Autos wurden von Günther geparkt, welch eine Unterstützung und nochmals vielen Dank!

Der Hinflug

Das Wetter ließ einen früheren Start zu, Georg wurde schon um 10:20 Uhr geschleppt, also musste ich noch den Flugplan vorverlegen. Ich folgte 20 Minuten später, motorte hoch rauf, öffnete über Funk den Flugplan und flog gleich nach Südwesten ab. Georg war schon voraus, drehte nochmal um, und wir trafen uns dann am Übersberg. Von da an flogen wir im Teamflug, wir waren ja auch ein „formation flight“ 🙂

7 Std Flugzeit waren geplant, als späteste Überflugzeiten hatten wir 14 Uhr Flugplatz Hütten/Hotzenwald und 17 Uhr querab Genf anvisiert, alles mit tüchtig Reserve, wir konnten uns Zeit lassen, die Strecke ist „nur“ 595km lang.

Der erste Streckenabschnitt nach Hütten bereitete mir am meisten Sorgen, hier sollte es schon früh am Tag zu Überentwicklungen kommen. Tilo war vor uns gestartet und meldete hinter dem Klippeneck schon erste Tendenzen zu Schauern. Er hatte als erste Wende die Rothausbrauerei gewählt und flog über Blumberg dorthin. Wir folgten ihm und kamen entlang einer dicken Wolkenwurst recht gut vorwärts. Am Schluchsee und St. Blasien vorbei erreichten wir bereits um 12:20 Uhr den Flugplatz Hütten/Hotzenwald, also lang vor unserem Zeitlimit.

1. Schlüsselstelle: Vom Schwarzwald zum Jura

 Jetzt hieß es maximale Höhe zu machen für die Rheintal Überquerung zum Schweizer Jura. Höher als 1900m kamen wir aber nicht, also Gas rausnehmen und vorsichtig mit 120km/h gleiten, gleiten, gleiten. Völlig ruhige Luft umgab uns, die ersten Wölkchen standen wie immer erst über der Jura Kette. Georg verlor auf der Strecke etwas mehr Höhe als ich und er musste den ersten Aufwind am Jura knapp über Hangkante annehmen. Das gelang ihm aber gut und kurz darauf waren wir wieder gleich hoch und mit guter Wolkenoptik über dem Jura ging es jetzt gut gelaunt auf die vor uns liegende Rennstrecke. Basel Info gab die Tangosektoren frei und so hatten wir keine Höhenbeschränkungen mehr. Jetzt war klar: Umgedreht wird nicht mehr, das Wetter zu Hause interessierte uns nicht mehr, nur noch der Blick Richtung Ziel war jetzt relevant.  Der Bieler See, der Chasseral, der Neuenburger See zogen an uns vorbei. Die Basis stieg auf bis zu 2400 Meter an, so hatten wir eine sehr komfortable Arbeitshöhe. Am Genfer See gibt es einige Segelflugsektoren und es ist nicht ganz so einfach zu interpretieren, trotz einer Segelflug-ATIS, wo man wie hoch steigen darf. Also meldeten wir uns bei Genf Info, bekamen einen Transpondercode und eine sehr freundliche Fluglotsin unterstützte uns bestens: „please let me know if you need higher“. Es gelang ihr sogar bei Genf Radar eine Freigabe für uns zu organisieren, so dass wir westlich von Genf bis 7000Fuß anstatt der sonst möglichen 5500Fuß steigen durften. Damit war der Weg zum Grand Colombier deutlich vereinfacht, zumal bei Bellegard ein Schauer stand, den wir zwar umfliegen hätten können, aber mit 500 Meter mehr Höhe konnten wir locker auch ein Abwindfeld durchfliegen. Ein paar Tropfen bekamen wir ab, dafür waren unsere mit Mücken beschmutzten Tragflächen wieder blitzsauber und hinter dem Schauer lachte wieder die Sonne und kräftiges Steigen trug uns immer noch im leichten Regen wieder auf die maximalen 7000 Fuß. Dann ging es weiter zum Grand Colombier, einem der wichtigsten Berge auf der Route. Dort angekommen entwickelten sich gerade zum rechten Zeitpunkt kleine zerzauste Wolkenfetzchen. Hier konnten wir nun frei vom Genfer Luftraum wieder maximale Höhe kurbeln.

2. Schlüsselstelle: Vom Grand Colombier zur Chartreuse bei Chambery

Mit viel Geduld also stiegen wir mit mittelprächtigen Aufwinden schließlich auf stolze 2700Meter und so hieß es wieder langsam fliegen und gleiten, gleiten durch tote Luftmassen. Der Lac de Bourget zog an uns vorbei, was für ein herrlicher Anblick! Die Chartreuse rückte langsam näher. Kurz vor Chambery noch vor dem eigentlichen Höhenzug der Chartreuse konnten wir noch ein wenig Höhe dazu machen und so kamen wir genau in Hangkantenhöhe am ersten Hang der Chartreuse an. Die Basis war aber deutlich niedriger als vorhergesagt und sank auf Kurs sogar noch teils unter Hangkante ab. Im Süden im Zielgebiet waren ein paar Gewitterambosse zu sehen, so dass zumindest ganz leichte Zweifel aufkamen, ob wir gut durchkommen würden. Andererseits war es erst 15:30 Uhr, wir hatten also noch massig Zeit und konnten jederzeit auch irgendwo parken, falls es nicht weiter gegangen wäre. Letztendlich lief dann die Chartreuse aber doch besser als gedacht, wir mussten halt teils über und neben den tiefer liegenden Wolken vorbei und hatten somit nur beschränkte Sicht nach vorne Richtung Ziel. An der Chamechaude, dem Hotspot der Chartreuse kurz vor Grenoble fanden wir kein Steigen an der üblichen Stelle, dann aber etwas westlich davon schließlich doch ging es mühsam und langsam mit 0,7m/s rauf auf 2100 Meter, mehr war nicht rauszuholen.

3. Schlüsselstelle: Talquerung bei Grenoble zum Einstieg in den Vercors

Und ein drittes Mal hieß es vorsichtig und langsam gleiten. Den Vercors im Blick sahen wir deutlich die dicke Tal-Inversion über Grenoble. Jetzt bloß nicht in diese Suppe reinsinken bevor die nächsten Hänge erreicht werden. Aber schließlich hatten wir bei der Talquerung richtig Glück und haben eine tragende Linie gefunden. Somit bekamen wir problemlos Anschluss an den Vercors, die Basis stieg an und mit Ihr wir mit unseren beiden Seglern im Geradeausflug. Wie im Parcours ging es jetzt zügig voran über diese herrliche Landschaft mit Ihren steil abfallenden Felswänden und Monolithen nach Osten und einem flachen auf eine Hochebene auslaufenden dicht bewaldeten Hang nach Westen, unbesiedelt und als Naturschutzgebiet deklariert. Noch in dieser Geradeausflugphase zeigten unsere Rechner zum ersten Mal „Endanflughöhe erreicht“. Doch ein direkter Weiterflug nach Serres war nicht möglich. Vor uns wurde es deutlich dunkler, zwischen der Glandasse und dem Pic de Bure stand ein Schauer. So holten wir im Westen aus, wo es noch genug Sonneneinstrahlung gab. An der Glandasse vorbei sahen wir Richtung Serres einen weiteren fetten Schauer stehen. Das beunruhigte uns aber wenig, denn wir waren früh dran, hatten genug Höhe und konnten im Bedarfsfall lange parken, bis der Schauer abzog. Nach einer längeren Gleitstrecke, fanden wir wieder Steigen, klassisch an einem Sonnenhang mit Wolke drüber. Nach unglaublichen 5m/s Steigen konnten wir uns aus 2400 Meter mit 1000Meter Sicherheit dem Flugplatz Serres nähern. Schließlich konnten wir feststellen, dass der doch recht kräftige Schauer knapp südlich vom Platz mit Zugrichtung Süd eine sichere Landung nicht verhindern konnte 🙂 Es war erst 16:50 Uhr, klar wir hätten noch ein bisschen in der Gegend rumfliegen können, waren uns dann aber schnell einig, lieber gleich zu landen und gemütlich anzukommen.

Der Aufenthalt in Serres

Grundsätzlich landet man in Serres nach Süden und startet nach Norden. Just zu unserer Ankunft wurde von Michele, dem Flugplatzchef, die Bahn gemäht, gerade rechtzeitig nahm er uns wahr und entfernte sich, als wir im Endteil waren, mit seinem Traktor von der Landebahnmitte. Wir rollten lange aus und kamen schließlich direkt vor dem Flugplatz Restaurant von Lison zum Stehen. Haube auf und als erstes atmeten wir den warmen Duft der Provence ein, herrlich. Leute, was für ein Glücksgefühl, unbeschreiblich. Im Schnelldurchlauf durchdenkt man noch mal den Flug mit seinen vollkommen verschiedenen Landschaften und Wetterräumen: die Schwäbische Alb, der Südschwarzwald, der Rhein, der Jura, die Chartreuse und zum Schluß der Vercors und die Provence. Schnell waren wir obendrein, 100er Schnitt, obwohl wir gemütlich fliegen wollten, es ging halt so gut 🙂 Dann nahmen wir vor Lisons Restaurant einen VW-Bus wahr und eine Band packte gerade Ihr Equipment aus! Nee, was? Ausgerechnet heute spielt ne Band? Wie geil ist das denn? Manchmal passt einfach alles perfekt! Also putzten wir die Flieger, stellten Sie schön dekorativ etwas abseits neben die Kneipe und liefen zu den Chalets rüber, um nach dem Gästezimmer Ausschau zu halten. Dort trafen wir Gerhard, Markus und Erwin, die ich die Woche zuvor kennengelernt habe und noch eine Woche länger geblieben waren.  Sie freuten sich über unseren erfolgreichen Flug, waren aber auch etwas erstaunt, weil sie selbst gar nicht geflogen waren: zu schlechtes Wetter! Unser Gästezimmer war vorbereitet, kurz Duschen und ab ging es zu Lison, wo die Band bereits mit recht vielversprechenden Soundchecks zu spielen begann. Der Abend war einfach zu schön, nach und nach kamen immer mehr Leute, die wenigsten waren Flieger, mehr so aus der sagen wir Flower Power Szene. Das Essen war köstlich, und es war noch  lange sonnig und warm. Vor uns tanzten die Leute (selbstverständlich stets mit 1,5m Abstand) ausgelassen auf der Flugplatzwiese. Die Band war wirklich Spitze . Georg und ich lieben ja solche Konzerte. Und sogar Klaus Ohlmann kam dann noch und setzte sich zu uns an den Tisch und es wurde noch lange über Elektrofliegerei und Visionen gefachsimpelt.

Der Rückflug

Markus lud uns zum Frühstück ein und später bekamen wir von Klaus ein ausführliches Wetterbriefing und speziell für uns die zu erwartenden Bedingungen für unseren Rückflug. Er riet zu einem Start nicht vor 11 Uhr. Am besten war aber, dass der Königsweg über das Matterhorn gut möglich schien. Auch diese Route hatten Georg und ich vorbereitet und Sie war sozusagen als Aufgabe B alternativ zur Jura-Route bereits im LX9000 programmiert. Wir beide kennen den Weg bis zum Furka-Pass gut, neu würde für uns der Abzweig über den Grimsel Pass und den Napf nach Olten werden. Auch hier sagte Toptherm gute Bedingungen voraus. Für das Oberwallis wurden Basishöhen von knapp 4000Meter vorhergesagt. Wir beschlossen also es zu probieren, falls das Modane-Tal wie so oft den Weiterflug verhindern würde, könnte man immer noch Richtung Chambery raus gleiten und die klassische Jura Route nehmen. Die F-Schlepp Schlange bestand aus nur 3 Flugzeugen, Georg durfte als erster starten, ich folgte ihm unmittelbar im Eigenstart um kurz nach 11 Uhr. Den Flugplan konnte ich dieses Mal nicht über Funk eröffnen, bei Marseille Info war niemand zu ereichen. (Eröffnen heißt übrigens nur Startzeit durchgeben). Wie gut, dass man in den Bergen meistens guten Handy Empfang hat und ich die richtige Nummer gespeichert hatte. Der Aufstieg in Platznähe gestaltete sich recht schwierig, erst nach mühsamen 45 Minuten hatten wir beide die nötige Ausgangshöhe erreicht, um uns auf den Weg zu machen. Es ging daraufhin am Pic de Bure vorbei nach Osten und nach langem Gleiten erreichten wir zwar unter Hangkante aber mit zuverlässigen Steigen den Pic des Chabrières, von da aus ging es klassisch, wie wenn man vom Parcours zurück kommt, über den Guillaume, die Clotinaille, und den Furon nach St. Crépin. Aus irgendeinem Grund flogen wir dann nicht den allseits bekannten Haushang von St. Crépin, den Prachaval an, sondern blieben auf der Westseite, verloren dort wieder unnötig viel Zeit in schwachen Aufwinden, bis endlich einer von uns auf die richtige Idee kam es wie immer über die „Schildkröte“ (tête du peyron) zu probieren. Und die geht seit dem wir dort fliegen zu 90 Prozent so: mit 150 auf den Grat/die Nase, die ins Tal runterführt, zufliegen, direkt über dem Grat 45 Grad Schräglage nach links und schön durchziehen, dann drin bleiben, auch wenn es anfangs nur ein Nullschieber ist. Bei uns ging es aber sofort gut rauf und kurz darauf waren wir an der „Pyramide“ auf 3400m, endlich! Nach 2 Std Flugzeit, 50er Schnitt. Uns war klar, ab jetzt mussten wir deutlich schneller werden, sonst würde es nichts mehr werden mit Matterhorn und Co. Tja, und dann lief es auch wie geschmiert, die Bedingungen waren so wie wir es von unseren St.Crépin Fluglagern kennen. Nördlich von St. Crépin geht´s halt immer am besten. Also flogen wir über Briancon und Bardonechia ins Modane Tal. Die Nordseite sah gut aus und Richtung Grand Paradiso sah es brauchbar aus, nicht hammermäßig, aber fliegbar. Auch ohne Hammerbärte und Basis bei „nur“ 3400Meter ging es stets über Hangkante bequem und zügig weiter. Jetzt halfen uns natürlich die zahlreichen Flüge ans Matterhorn sehr. Man fühlt sich in bekanntem Terrain einfach wohler und kennt die Hotspots ,die Landemöglichkeiten und Lufträume. Nur die Optik mit wesentlich mehr Schnee auf den Bergen sah im Vergleich zum August etwas ungewohnt aus, dafür aber umso schöner! Am Grand Paradiso mussten wir kaum kreisen, die Hänge trugen gut im Westwind. Das Tal von Aosta war schnell gequert, endlich mal ohne das vorsichtige langsame Gleiten, denn die Wolken Richtung Matterhorn sahen gut aus und zogen zuverlässig. Die nötige Höhe zum Passieren des Matterhorns holten wir uns etwas unkonventionell mitten über dem Tal bei Cervinia. Tja und dann war der Höhepunkt des Fluges erreicht: das Mattertal! Zunächst konzentrierten wir uns auf den nächsten Aufwind, den wir dann auch  am Gornergrat fanden. Es gab auf dem ganzen Flug bestimmt keine schönere Stelle zum Kreisen. Die Gletscherwelt Richtung Monte Rosa ist einfach immer wieder faszinierend, besonders aus der Perspektive eines Segelflugzeugs. Das Matterhorn strahlte uns von seiner schönsten „Postkartenseite“ an. Es war genau 3 Uhr, wir hatten gut aufgeholt und lagen wieder im Zeitplan. Das Oberwallis lief auf der Südseite des Rhonetals gut, wir bemühten uns nun zunehmend gut oben zu bleiben, je näher wir dem Grimselpass hinter Münster kamen. Hier wollten wir möglichst mit maximaler Höhe abfliegen, was uns dann auch mit 3700Metern gelang. Jetzt hieß es Abschied nehmen vom Wallis mit der glasklaren Luft. Nördlich vom Grimselpass, wurde es deutlich dunstiger, die Basis sank entsprechend ab. Im LX hatten wir einen Punkt im Jura etwas westlich von Olten programmiert. Das half uns sehr in der dunstigen Luft die richtige Richtung einzuschlagen. Bei Zürich Info bekam ich die Information, dass der Militärflugplatz Meiringen , es war Samstag, außer Betrieb war und somit der Luftraum darüber ohne Einschränkungen nutzbar. Kaum hatten wir Meiringen und den Brienzersee passiert wurde die Sicht deutlich besser und die Wolkenoptik sah hervorragend aus. Denn, so sagte man uns, der Weg über den Napf und das Mittelland zum Jura ist oft zäh und mühsam. Die Wolken zogen zwar nicht so gut, wie sie aussahen, aber wir erreichten Olten dann doch in sehr komfortablen 1700Metern und natürlich gab es an der Jura Kante wieder gutes Steigen. Jetzt noch kurz den Sprung zurück in den Schwarzwald und dann ab nach Hause, so dachten wir es uns. Tja, und dann wurde es immer dunkler, bedeckter und schattiger voraus. Der gesamte Südschwarzwald war komplett bedeckt. Wie schade. Wir erreichten den Flugplatz Hütten in Platzrundenhöhe, der Hang trug zwar, aber an ein Weiterkommen war nicht zu denken, keine Chance. Das war so nicht vorhergesagt. Es schien weiter nordöstlich sogar zu regnen. Ok, egal, genau dafür hat man ja den Motor. Georg zündete direkt am Flugplatz, ich versuchte noch die Hänge bei Schönau, gab dann  aber auch auf und zündete. Leider kam der Motor der S2 nicht auf Leistung und so blieb Georg nichts anderes übrig als in Hütten zu Landen. Dort wurde er aber freudig empfangen, sind wir doch von früheren Wettbewerben dort (lang ist´s her) alte Bekannte. Sogleich wurde ein Rückschlepp für ihn organisiert. Ich konnte den Motor kurz vor Villingen schon wieder ausmachen, denn da gab es wieder Einstrahlung und 4 Achtel Cumulus. Es wehte ein kräftiger Nordwestwind und mit schwächsten 0,5 er Bärten schlich ich mich zum Plettenberg rüber, den ich knapp über Hangkante erreichte. 30km/h Nordwest sind ohne Regen eine Seltenheit und ideale Bedingungen zum Hangfliegen, wie Tilo weiß. Ich versuchte dann gar nicht mehr die zerrissene Thermik auszukurbeln sondern flog von da an die letzten 60km im Hangflug zurück zur Hahnweide. Das war noch mal eine mordsgaudi und für mich auch das erste Mal, die gesamte Albkante im Hangwind zu erfliegen. Am Farrenberg vorbei erschien wieder die S2 im Flarmdisplay, 600Meter über mir und so landeten wir letztendlich wieder beisammen kurz hintereinander um 18.45 Uhr auf der Hahnweide.

Etwas erschöpft, aber überglücklich und vor allem in dem Bewußtsein, zwei unvergessliche Tage mit sensationellen Flügen erlebt zu haben, bauten wir unsere Flieger mit Hilfe unserer Vereinsjugend, die uns schon erwartete, ab. Diese beiden Tage werden wir bestimmt nie vergessen.

Mit dem Ventus von der Hahnweide ins Engadin

Am Montag, den 03.05.21 ist mir ein sehr schöner Flug in die Alpen bis nach Zernez im Engadin gelungen. Wie es dazu kam, und warum der Flug für mich so außergewöhnlich war, möchte ich Euch gerne erzählen.

Irgendwie habe ich mich in der Vergangenheit nie so recht damit beschäftigt, wie man von der Hahnweide aus mit dem Segelflugzeug in die Alpen fliegen kann. Durch meine jährliche Teilnahme an 2 Alpenfluglagern im April und August kam ich bisher eigentlich immer genug zum Fliegen in den Bergen. Aber dadurch, dass coronabedingt unser Frühjahrsfluglager in Sondrio schon zum 2. Mal ausfallen musste, habe ich doch verstärkte Sehnsucht nach den von mir so geliebten Flugregionen in den Alpen bekommen. Meine Sehnsucht wurde noch verstärkt, nachdem ich mehrere „late night soaring“ Youtube Videos in der Winterpause angeschaut habe. Besonders interessant fand ich den Beitrag „Flugtaktik im Engadin“.

Nachdem dann in den letzten Wochen noch vermehrt Flüge von den Cracks auf der Hahnweide in die Alpen durchgeführt wurden, stand mein Entschluss entgültig fest: das will ich auch mal probieren. Also fing ich an, mich intensiv damit zu beschäftigen. Das oben erwähnte Video habe ich zumindest in Ausschnitten bestimmt 10 Mal angeschaut, mir Screenshots ausgedruckt, Notizen gemacht, Lufträume studiert und viel mit google earth in 3D die Berge studiert und mich mit den empfohlenen Außenlandeplätzen beschäftigt. Dann kam noch was ganz entscheidendes dazu. Abi Kießling gelang Ende April genau der Flug, von dem ich anfing zu träumen. Er flog bis zum Bernina Gletscher und zurück. Diesen Flug habe ich genau studiert: Wann ist er gestartet, welche Route ist er bis an den Alpenrand geflogen, wie hoch kam er wo an, wo hat er den Einstieg in die Berge gemacht, wo hat er die Täler gequert, hat er bestimmte Pässe überflogen, um welche Uhrzeit war er wo? Eine hervorragende Möglichkeit der Fluganalyse besteht über „soaringlab.eu“. Echt genial, wie anschaulich man in 3D Flüge nachfliegen und von anderen lernen kann. Zu guter letzt habe ich mir dann über seeyou eine Route für das LX9000 programmiert, die praktisch genau dem Flugweg entsprach, den Abi genommen hat. Und diese Route hat mir dann bei meinem eigentlichen Flug am 3. Mai sehr geholfen.

Jetzt musste nur noch eine geeignete Wetterlage kommen, also: zunächst Mal natürlich gute bis sehr gute Bedingungen im Zielgebiet, im Engadin. Und dann zumindest passable Bedingungen für den Weg dorthin, sprich ausreichend hohe Basis in den Allgäuer Alpen, um ins Inntal zu gelangen und natürlich sollte man auch thermisch irgendwie von der Hahnweide an den Alpenrand gelangen. Am besten noch früh einsetzende Thermik, dann hat man für das ganze Vorhaben ausreichend Zeit. Tja, und dann kam so eine Wetterlage viel früher als gedacht. Am 3. Mai waren im Engadin gute Steigwerte bis 3500m MSL angekündigt. Süddeutschland sollte nach Durchzug einer Kaltfont unter Zwischenhocheinfluss kommen, die Luftmasse im Tagesverlauf abtrocknen, je südlicher desto früher sollte die Abtrocknung einsetzen, wobei mit Abtrocknung in diesem Fall nicht Blauthermik gemeint ist, sondern weniger Überentwicklungen und Ausbreitungen.

Um 9 Uhr stand ich also hochmotiviert am Hänger bei blauem Himmel, ein paar hohe Wolkenfelder noch im Osten zu sehen, der Boden klatschnass, es hatte noch in der Nacht geregnet. Das Regenradar zeigte noch in der Früh ein größeres Schauergebiet im Allgäu, oh weh. Außer mir war nur ein Sportsoldat am Platz, wollte ein 750er FAI Dreieck um Stuttgart fliegen mit verhaltenem Optimismus. Günther half mir netterweise beim Aufbauen. Um 09:30 Uhr schon begann es auf der Alb kräftig zu quellen, meine Vorfreude stieg und war ungebremst bis zu dem Moment als ich etwas Sprit nachtanken wollte und den Hauptschalter anmachte: tot, nichts ging, alle Sicherungen gecheckt, nichts. Die Motorbatterie war nicht zum Leben zu erwecken. Also Fehlersúche, Spannung messen: 0,0 Volt. Bei Schempp angerufen: die Lifepos schalten schon mal komplett ab beim Unterschreiten einer bestimmten Spannung, wir sollten 15 Minuten laden, dann sei alles wieder ok. Gesagt, getan, die Zeit ran nur so davon, der F-Schlepp mit dem Sportsoldaten ging hinter mir raus und ich musste mich ziemlich zwingen cool zu bleiben. Nach 15 Min immer noch nichts, das Ladegerät schien noch nicht mal richtig an zuspringen. Also fuhr Günther zu Schempp rüber um eine Ersatzbatterie zu organisieren. Die Zwischenzeit nutzte ich für die letzten Vorbereitungen: Motor checken, Cockpit beladen, Route ins LX laden. Und schon kam Günther mit einer geladenen Ersatzbatterie zurück, nach rekordverdächtigen 20 Minuten. Jetzt lief alles gut, ich hatte wieder Strom, kurz nachtanken und auf gings zur 25, zum Start auf Asphalt, auch hier noch mal meinen herzlichen Dank an Günther, der noch mitgelaufen war. Um 10:50 Uhr war ich in der Luft, zwar eine Stunde später als möglich, letztendlich aber nur 10 Min nach Abis Flug vor einer Woche. Ich motorte deutlich höher als notwendig, um gleich auf Kurs gehen und wieder etwas Zeit aufholen zu können. Die Bewölkung hatte stark zugenommen, alles war breit gelaufen und schon großflächig verschattet. Aber bei Münsingen fand ich noch einen Sonnenfleck und gutes Steigen trug mich auf stolze 2000 Meter. Mein nächster Wegpunkt war Biberach an der Riß, aber dorthin schien der Weg versperrt, ziemlich dunkel war es vor mir, ein größerer Schauer hatte sich leider entwickelt. Also gut, was machen? Außen rum fliegen? Da war auch überall nur Schatten. Die Außentemperatur zeigte -4 Grad, 700m Sicherheit zurück zur Hahnweide, ein Stück rein ins dunkle kann ich ja mal fliegen, Niederschlag in Form von Schnee oder Schneegriesel wäscht einen ja deutlich weniger runter als Regen, so meine Überrlegung. Und tatsächlich, verlor ich nur wenig Höhe und nach einigen Minuten konnte ich schon erkennen wie es vorne wieder heller wurde und es genügend Einstrahlung gab. Die programmierte Route half mir jetzt sehr trotz der eingeschränkten Sicht den Weg nach Biberach zu finden. Die Wettervorhersage schien richtig zu sein: je südlicher, desto trockener. Die Basis sank zwar wieder auf etwa 1600m ab, dafür gab es zunehmed weniger Ausbreitungen und genügend Einstrahlung. Bei Biberach fand ich wieder Aufwind und von da ab lief es gut über den Flugplatz von Leutkirch bis Immenstadt im Allgäu. Schon hatte ich also die Berge erreicht und an Hand der Wolken war eigentlich klar, wie man weiterfliegt. Leider lief es dann aber ab Oberstdorf deutlich schlechter als die Wolkenoptik versprach und ich war eine ganze Weile am rumbasteln ohne wesentlich an Höhe zu gewinnen. Die hätte ich aber dringend gebraucht um entspannt nach Süden weiterfliegen zu können. Im Lechtal standen ein paar kleine Wölkchen mit deutlich höherer Basis die ich aber nicht direkt anfliegen konnte. Schließlich bog ich fast 90 Grad von meiner geplanten Route nach rechts (südwest) ab und fand am Schrofenpass direkt über dem Skiort Warth Steigen, dass mich endlich auf 2600 und etwas weiter östlich sogar auf 3000 Meter hob. Jetzt war entspanntes Weiterfliegen auf Abis Route Richtung Landeck möglich und im Inntal lockte weitere 1/8 Bewölkung mit noch höherer Basis. Ich bins dann erst mal langsam und vorsichtig angegangen und habe auf der Südseite vom Lechtal alles an Steigen mitgenommen was ich über den Gräten so gefunden habe. Viel war es nicht, es lag auch noch gut Schnee überall, optisch natürlich ein Hochgenuss. Die Luft war jetzt glasklar, nach Südwesten kaum noch Bewölkung, eine unglaubliche Fernsicht nach allen Richtungen. Nach Norden schaute ich jetzt über die Wolken. Ein Blick auf die Uhr: 13:30 Uhr etwas über 100km bis nach St. Moritz. Abi hatte an der Bernina gegen 15 Uhr gewendet. Ich lag also ziemlich gut im Zeitplan. Plötzlich war ich also im Inntal, Landeck zu meiner rechten und an einem dunklen steinigen voll in der Sonne liegenden Geröllhang fand ich gutes Steigen bis auf 3300Meter. Von nun an kam mir durch meine intensive Vorbereitung alles vollkommen vertraut vor, obwohl ich defacto zum allerersten Mal dort flog. Auch die Namen der Berge, die Benjamin Bach im late night soaring Video aufgezählt hatte, kamen mir sofort wieder ins Gedächtnis. So ging es also über den Venet zum Hexenkopf, an den gut einsehbaren Außenlandefeldern von Tösens vorbei zum Muttler, wo ich genau wie von Benjamin beschrieben dann auch gutes Steigen bis sagenhafte 3800Meter fand. Kalt war es da oben, -12 Grad, die Skyboots halfen sehr, ne lange Unterhose wäre noch schöner gewesen. Egal, die atemberaubende Fernsicht entschädigte für alles. Es ist einer der Momente, an dem einem wieder mal klar wird, warum man den ganzen Aufwand betreibt, mit der vielen ehrenamtlichen Arbeit im Verein und auch der Pflege des eigenen Flugzeugs. Nach Süden konnte man einwandfrei über den Reschenpass ins Vinschgau schauen, dahinter sogar schon die Dolomiten erkennen. Rechts vorraus der Ortler, an dem ich von Sondrio aus schon so oft war. Und natürlich rückte mein Ziel, die Bernina jetzt in greifbare Nähe. Ich fühlte mich großartig, was für ein Logenplatz am Himmel! Die nächste Wolke stand etwas weiter weg am Piz Nuna, sah aber perfekt aus. Wegen meiner guten Höhe konnte ich nun wie von „Schunki“ beschrieben direkt diagonal das Tal queren und einiges abkürzen. Tja und dann hat sich die Wolke natürlich kurz vor meiner Ankunft aufgelöst, Steigen war dann entsprechend nicht so toll. Aber der Maloja Wind stand voll auf dem Prallhang, die Nuna war also eine sichere „Bank“. 14:30 Uhr war es mittlerweile und vor mir war jetzt alles blau. Nicht weit vor mir lagen die 2 Beschränkungsgebiete R11 und R11A, die leider beide aktiv waren. Eigentlich hatte ich geplant zu versuchen eine Freigabe für den Durchflug zu bekommen. Wenn ich an der Nuna auch noch mal auf 3800 gekommen wäre, hätte ich bestimmt den Mut gehabt weiter zu fliegen. So aber aus 3300 ins Blaue weitergleiten trotz Malojawind, was ja angeblich ein sicheres Zeichen für Thermik ist, mit der Unsicherheit der Beschränkungsgebiete und nachdem bis hierher alles so gut gelaufen war, beschloss ich dann doch umzudrehen. Der Rückweg lief dann ziemlich entspannt, geradezu einfach. Die paar Wolkenfetzen, die es im Unterengadin noch gab, lieferten zuverlässiges Steigen und als ich wieder an dem oben beschriebenen Geröllhang hinter Landeck auf 3500m kam, zeigte das LX nur noch -600m für den Endanflug auf die Hahnweide an. Mit dieser Höhe konnte ich wunderbar ohne zu Kreisen das Lechtal queren und kam ganz entspannt wieder nach Oberstdorf und Sonthofen. Die Basis hatte sich zwischenzeitlich deutlich angehoben und so wurde der Rückweg noch einfacher. Linker Hand zog der Alpsee vorbei und im Hintergrund konnte man im Dunst den Bodensee erkennen. Ich suchte und fand zu meiner rechten den Flugplatz von Agathazell und später links Isny. Zwischen Leutkirch und Biberach zeigte der Rechner zum ersten mal Endanflughöhe und die Optik vorraus zeigte, dass jetzt nichts mehr schief gehen konnte. Und weil kurz vor Münsingen eine schöne Wolkenstraße Richtung Osten verlief, folgte ich Ihr noch eine Weile bis ich dann bei Giengen an der Brenz endgültig den Endanflug einleitete, ein kleiner Schlenker über unser zu Hause in Heiningen musste noch sein, und schließlich landete ich bei schöner Abendstimmung nach 6:45 Std überglücklich wieder auf der Hahnweide. Was für ein Flug! Unglaublich, was man mit so einem Segelflugzeug alles anstellen kann. Natürlich war der Flug weit weg von irgendwelchen Rekorden. Aber für mich persönlich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Kein Flug, den man so schnell vergisst. Und klar, die Bernina knack ich irgendwann auch noch, ich lege mich auf die Lauer und halte nach einer geeigneten Wetterlage Ausschau!

Screenshot late night soaring
hinter Münsingen musste ich ins Dunkle
dahinter, bei Biberach
deutlich besser
südlich Leutkirch, an der markierten Stelle gab es den nächsten Aufwind
wieder oben am Alpsee
über Oberstdorf, die Wolken zogen nicht so gut
noch viel Schnee, von dieser Stelle konnte ich die Wolken im Lechtal nicht erreichen
Einstieg ins Inntal gelungen, Venet voraus, rechts Landeck
Anflug auf den Hexenkopf mit noch höherer Basis
am Muttler vorbei, Piz Nuna in Sicht
links unterhalb der 2 Wolkenfetzen der Ortler
wieder auf dem Rückweg kurz vor Scuol
nördlich Landeck kurz vor dem Lechtal
der Lech
am Ende des Tals liegt Warth
kurz vor Oberstdorf noch über der Basis
über dem Winglet: der Grünten
wieder am Alpsee hinten im Dunst der Bodensee
Federsee
hinter Biberach war klar, der Einstieg auf die Alb sollte gelingen
Endanflug von Osten, Blick zur Teck
Hahnweide in Sicht

Mit dem Motorsegler nach Samedan / Engadin

eigentlich wollten Thomas und ich schon ein Wochende zuvor nach Samedan fliegen, aus Spaß an der Freude aber auch um seinen Geschäftsfreund Edoardo zu treffen. Doch leider regnete es den ganzen Tag. Und so verschoben wir unser Vorhaben auf

Samstag, den 07.11.2020. Hochdruckwetter war angesagt, die Alpen sollten komplett sonnig sein, nur – und das ist der Nachteil an Hochdruckwetterlagen im Winter- das Gebiet um die Donau und am Bodensee sollte nebelig werden. Thomas hatte den Flug gewissenhaft vorbereitet. Weil Samedan ein sehr hochgelegener Flugplatz ist, muss man, um dort landen zu dürfen, sich ausführlich mit den Gegebenheiten des Platzes vertraut machen. Am problematischsten ist die Dichtehöhe, die besonders im Sommer bei hohen Temperaturen so machen Flieger an seine Leistungsgrenze bringen kann, vor allem bei hoher Beladung. Also liest man sich im Internet die Zusammenhänge durch und macht anschließend online einen recht umfangreichen Test, den es zu bestehen gilt. Dann bekommt man ein Zertifikat und erhält für 2 Jahre Landeerlaubnis. Den Test haben wir größtenteils gemeinsam am Telefon gemacht, ich war gerade im Auto unterwegs und Thomas meinte ich könnte meine Mehrfachbelastbarkeit unter Beweis stellen. Für die eigentliche Flugvorbereitung benutzt Thomas die SkyDemon Software. Damit ist das Planen von Motorflugstrecken und später das Navigieren an Bord sehr einfach. Selbst der für die Schweiz erforderliche Flugplan wird vollautomatisch erstellt, sehr praktisch.

Wir trafen uns also um 08:00 Uhr auf der Hahnweide, die um diese Zeit noch menschenleer war und bauten auf. Auch für die Hahnweide war Nebel vorhergesagt aber glücklicherweise blieb dieser westlich vom Platz und war auch nur sehr dünn. So konnten wir wie geplant um kurz vor 9 starten. Bei „Langen Information“ eröffneten wir unseren Flugplan und blieben gleich auf der Welle, aber außer uns schien so früh noch keiner unterwegs zu sein. Als wir die Alb erreichten sahen wir das vorhergesagte Nebelgebiet. Also hieß es ordentlich Höhe tanken, um im Falle eines Motorausfalls entweder sicher zurückgleiten oder ab dem Entscheidungspunkt geradeaus weiter fliegen zu können. Das Gebiet östlich vom Bodensee war nebelfrei und so war ein Überfliegen des Nebelgebiets problemlos möglich. Wir flogen zunächst die selbe Route wie 2 Wochen zuvor Thomas mit Woki zur Schesaplana. Die Sicht war grandios nach allen Seiten. Die Alpen empfingen uns mit glasklarer Luft und frisch beschneiten Hängen. Südlich der Schesaplana waren wir beide noch nie mit dem Flieger unterwegs, es war für uns beide Neuland. wir passsierten Klosters und Davos zu unserer linken und zu unser Verwunderung herrschte dort bereits reger Skibetrieb. Jetzt mussten wir den Abula-Pass finden und ansteuern, denn dies ist einer der Anflugpunkte für Samedan aus Norden kommend. Mit Hilfe des GPS und mit reichlich terrestrischer Navigation ist uns dies ganz gut gelungen. Wir konnten problemlos mit Samedan Turm Funkkontakt aufnehmen, obwohl zwischen uns und dem Flugplatz noch einige hohe Berge lagen. Offensichtlich gibt es eine Relaystation. Die Anflugroute ist recht simpel: man folgt vom Abulapass (2300 m NN) dem Tal bis man die Ortschaft La Punt im Inntal erreicht. Dort befindet man sich entweder schon im Endteil der Landebahn 21 oder im langen Gegenanflug für die 03. Da der Platz 1700m hoch ist muss man bis zur Platzrunde gar nicht so viel Höhe abbauen, eigentlich ganz praktisch. Für uns war die 03 vorgesehen, wir bekamen im Anflug schon einen Vorgeschmack auf den Abflug mit grandioser Aussicht auf die Berninagruppe und die beiden Seen. Pünktlich nach 1Std und 35 Min Flugzeit, genau wie berechnet setzen wir auf, unglaublich wie schnell das ging. Nach der Landung gings hinter dem Followme zum Parkplatz auf dem Vorfeld, wir waren das erste ausländische Flugzeug an diesem Tag. Wenn man nach so einem Flug die Hauben öffnet, empfängt einen jedes Mal das faszinierende Gefühl irgendwo gänzlich woanders zu sein, komplett andere Landschaft, anderes Klima, anderes Land, und das nach so kurzer Flugzeit. Für solche Unternehmungen ist unser Motorsegler einfach unschlagbar. Tja und Edoardo? Konnte nicht kommen, wegen Corona-Lockdown durfte er Mailand nicht mehr verlassen, keine Chance. Dafür gab es ein paar Restaurant Tipps per WhatsApp. Nach einer halben Std zu Fuß saßen wir schließlich auf der Sonnenterrasse des Cafe Laager und genossen die Aussicht und regionale Pastagerichte. Zurück auf dem Flugplatz mussten wir doch etwas schlucken ob der hohen Landegebühr, wenigstens kann man sie sich ja teilen. Mittlerweile standen auch ein paar Privatjets um unsere TB herum, eine junge Dame im Pelzmäntelchen und Schoßhündchen an der Leine lief gerade quer übers Vorfeld, ja klar wir sind ja auch bei St. Moritz! Nun freuten wir uns aber sehr auf den Rückflug mit der weiter westlichen Route.

Der Start war problemlos, dieses Mal von der 21 bei leichtem Maloja Wind, aber die Höhe merkten wir schon, bei hohen Temperaturen im Sommer hätten wir sicherlich in der Platzrunde erst Höhe gewinnen müssen, so aber ging es recht gut im Geradeausflug. Zunächst flogen wir an St. Moritz vorbei, dann über die 3 Seen hinweg, der größte davon der Silvaplanasee. Das Panorama hat uns so sehr begeistert, dass wir mehrere Kreise flogen, bevor wir das Tal Richtung Julier Pass verließen. Dieses Gebiet kannten wir entweder nur von unten durch unsere zahlreichen Fahrten ins Frühjahrsfluglager nach Sondrio oder von hoch oben aus 4000 Meter bei unseren Wellenflügen von Sondrio aus. Die Perspektive von ein paar hundert Metern über Grund hat, wie wir feststellten, seinen ganz besonderen Reiz. Die 4000er im Süden mit ihren frisch beschneiten reinweißen Gletschern, darunter die tiefblauen Seen im Tal, der weite Blick nach Westen über den Maloja hinweg und nach Norden die uns so vertraute Passstraße zum Julier. Auch das Gebiet um den Julier mussten wir bei Bivio durch ein paar Kreise nochmal genauer betrachten, einfach zu schön dort. Von dort aus flogen wir am Lenzerhorn, dann etwas westlich des Weisshorn und Hochwang vorbei und weiter am Osthang des Rheintals über Feldkirch nach Friedrichshafen. Dort hatte sich der Nebel zwar etwas zurückgezogen aber wir blieben wieder hoch genug für ein sicheres Überfliegen des Nebelgebietes bis wir einen langgestreckten Sinkflug bei herrlicher spätnachmittaglicher Dunststimmung an der Albkante zurück zur Hahnweide einleiten konnten.

Nach der Landung waren wir einfach überglücklich, wieder einmal war es ein ganz besonderer Tag für uns. Als ich 1 Std später zu Hause beim Kaffee saß, konnte ich es einfach nicht glauben, dass ich nur ein paar Std zuvor noch mitten im Egadin war. Thomas und ich waren uns einig: Samedan ist defintiv ein ganz besonderes Ausflugsziel, zur Nachahmung sehr zu empfehlen!

Teamflug ins Schweizer Jura 25. Juli 2020

am 25. Juli ist Thomas und mir ein traumhaft schöner Flug bis weit in den Schweizer Jura gelungen. Nachdem ich genau eine Woche zuvor einen ähnlichen Flug verwirklichen konnte und sich für das Wochenende wieder eine gute Wetterlage abzeichnete, beschlossen Thomas und ich es nochmal zu probieren, dieses Mal im Teamflug mit unserer ASW28-18E und dem Ventus 2cxT. Die Schlange am F-Schlepp war lang und so kamen wir erst kurz nach zwölf in die Luft. Dafür ging es dann gleich zügig voran, zunächst an der Albkante bis zum Plettenberg, von wo aus wir in den Schwarzwald flogen. Auch im Schwarzwald lief es wie geschmiert, die Wolken zogen zuverlässig und bis deutlich über 2000 Meter. Das Team funktionierte bestens, wir flogen stets eng zusammen und waren fast immer auf gleicher Höhe. Die Leistungsunterschiede der beiden Flugzeuge scheinen zumindest im niedrigeren Geschwindigkeitsbereich minimal zu sein. Vorbei ging es am Titisee und Schluchsee, St. Blasien rüber zum Flugplatz Hütten Hotzenwald. Dort habe ich jahrelang an Wettbewerben teilgenommen und kenn mich gut aus. Es ist landschaftlich einfach traumhaft dort. Nun mussten wir bei Bad Säckingen den Rhein überqueren und es ging über den Flugplatz Fricktal-Schupfart, wo wir zu unserer Freude nochmal Höhe tanken konnten. Damit wurde der Weiterflug zum Jura, den wir querab Olten erreichten zum Kinderspiel. Oft ist dieser Bereich nämlich von thermisch toter Luft geprägt und obwohl man im Basler Luftraum dort bis 2000m steigen darf, erreicht man im reinen Gleitflug den Jura ansonsten nur knapp über Hangkante. Dort angekommen fragte mich Thomas im Funk. „Wie heißt eigentlich der Höhenzug da rechts von uns?“. „Das ist der Schweizer Jura“, war meine Antwort, darauf war Stille im Funk und ich musste etwas grinsen. Ein Blick auf die Uhr: zwanzig nach zwei, Klasse wir sind gut in der Zeit, kein Problem also für einen Weiterflug nach Südwesten. Der Spaß konnte beginnen, die Rennstrecke war erreicht, die Wolkenoptik phantastisch. eine Luftraumbeschränkung zwang uns über etwa 20 km unter 1700m zu fliegen, aber es ging so gut, dass wir kaum kreisen mussten. Die Sicht war bestens, Gleitschirmflieger markierten zuverlässig die Aufwinde vor uns, wenn gleich es nicht ganz so viele waren, wie eine Woche zuvor, und das Flarm- Gleitschirmflieger fliegen zunehmend mit Flarm- ununterbrochen warnte, was sehr anstrengend war. Zur Linken sah man weit ins Berner Oberland und wir genossen auch den Blick auf den Bieler See und später den Neuenburgersee. Voraus liefen schnurgerade die Höhenrücken des Jura mit saftigen Wiesen, Wäldern und Kreidefelsen. Es ist ein landschaftlicher Hochgenuss und wir genossen es in vollen Zügen im Bewusstsein, gerade etwas Besonderes zu erleben. Am Sendeturm des Chasseral war die Wolkenoptik vorraus noch bis zum Horizont gleichbleibend gut. Wir beschlossen aber nicht mehr allzu lang weiter zu fliegen und so drehten wir um 15:30 Uhr am Ende des Neuenburgersees querab von Lausanne immerhin 300 km von der Hahnweide entfernt wieder um. Wer weiß, ob der Rückweg wieder so genial läuft und wir die gute Schnittgeschwindigkeit halten können. Der Rückweg lief aber fast noch besser, durchweg gute Bärte bis zu der Stelle wo wir wieder unter 1700m bleiben mussten. Davor konnten wir ordentlich Höhe „wegdrücken“, und es ist schon eine mordsgaudi, die ersten Bärte mit nahezu Höchstgeschwindigkeit anzufliegen. Den Rhein querten wir wieder bei der gleichen Stelle und fanden im Hotzenwald problemlos den Anschluss an den Schwarzwald. Wir wählten dieses Mal auf Grund der Wolkenoptik eine etwas nordwestliche Route. Direkt bei Rottweil stand eine perfekte lange Wolkenwurst vorgelagert vor der Alb mit genauer Ausrichtung gen Heimat. Nachdem wir dort den ersten Bart zentriert hatten war klar: Dies ist die Rückfahrkarte, der Heimflug war gesichert, die Endanflughöhe erreicht. Was nun begann hat auch Seltenheitswert. Wir schienen, wie sich später rausstellte zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Denn die gesichtete Wolkenwurst stellte sich als Konvergenzlinie raus die weit nach Osten führte und sich erst am frühen Abend gebildet hatte.  Am Farrenberg flogen wir auf die Alb und konnten mühelos im Geradeausflug die Höhe halten, knapp unter der Basis von 2300m. Beim Erreichen der Hahnweide war es erst 18 Uhr, wir waren immer noch 2000m hoch und die Konvergenzlinie schien kein Ende zu nehmen. Also flogen wir weiter nach Osten, bis nach Nördlingen fast ohne einen Kreis zu machen und immer knapp unter der Basis. Schließlich drehten wir bei Nördlingen um und flogen mühelos der Linie folgend nach Hause. Was für ein Abschluß nach so einem Tag! Diesen Flug werden wir beide so schnell nicht vergessen.  740 km mit einem Schnitt von 103 km/h sind wir geflogen. An diesem Tag sind 14 Flüge über 1000km gemacht worden. Die Damen haben bei Ihrem Trainingslager von Aalen aus einige Rekorde geflogen. Auch das zeigt, was für ein außergewöhnlicher Tag es war.

Rennstrecke im Jura
Chasseral
Neuenburgersee
Ende des Neuenburgersees im Hintergrund der Genfer See
kurz vor der Wende, Thermik bis zum Horizont
gewendet im Jura, S2 im Bild
wir queren den Rhein
Wiedereinstieg in den Schwarzwald, Eggberg-Speicherbecken, bei Bad Säckingen
gute Steigwerte im Schwarzwald
Fliegen in der Konvergenz querab Hahnweide

Mit dem Motorsegler über die Alpen nach St.Crépin

Florian und ich brauchten für die Scheinverlängerung noch ein paar Flugstunden auf dem Motorsegler. Da haben wir uns gedacht, warum nicht mal unseren französischen Freunden in St.Crépin mit unserem Motorsegler einen kleinen Besuch abstatten und dies mit einer möglichst schönen Flugroute verbinden? Wir wollten, damit es gemütlich wird, eine Übernachtungspause in St. Crépin einlegen. Schließlich ist es uns gelungen knapp eine Woche vor Scheinablauf  Anfang November  einen gemeinsamenTermin mit geeignetem Wetter zu finden. Am Tag vor unserem Abflug  zog eine Kaltfront über Deutschland hinweg, danach stellte sich für etwa 24 Std Zwischenhocheinfluß ein, was maßgeblich zum Erfolg des Fluges beigetragen hatte. Florian kümmerte sich mit Hilfe von Michele um die Übernachtung bei Philip und ich um die Flugplanung. Dies ist im Internetzeitalter eine bequeme Sache, die FL-95 Planung funktioniert prima,  ein Flugplan ist auch für ungeübte einfach und bequem online aufzugeben.

Gestartet sind wir erst um 12Uhr, morgens gab es noch zu viel Einfluß von der abziehenden Kaltfront. Je weiter wir nach Süden flogen, desto besser wurde das Wetter und über den Alpen hatten wir dann phantastische Bedingungen, glasklare Luft und Windstille.

Nach 3:40 Std Flugzeit gehen wir in den Anflug, wir sind gaaanz laaangsam geflogen, brauchten ja Stunden 🙂

In St. Crépin wurden wir schon erwartet und aufs herzlichste empfangen.

 

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Abends gab es in großer Runde ein köstliches Abendessen bei Philip im Chalet, gekocht hat Michele.

Bada, Florian, Fred, Sandrine, Michele

Philip ist dann zu seiner Freundin gefahren und hat uns sein Chalet für die Nacht überlassen.

Am nächsten Morgen war es bitter kalt…

Boden gefroren

und wir mußten unsern Flieger in der Sonne ein paar mal drehen bis das Eis auf den Tragflächen abgetaut war.

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Diesen Wohnwagen möchte uns Bada für unser nächstes Fluglager schenken!!

Wohnwagen Nr.4 von Bada, innen trocken(!) und fahrbereit (!)

Gestartet sind wir in St. Crépin schon um 10:20 Uhr, die Warmfront war schon im Anmarsch, der Rückflug zur Hahnweide war genauso unkompliziert und schön wie der Hinflug…zur Nachahmung empfohlen!

Fluglager St. Crépin in Südfrankreich 2016

Auch in diesem Jahr haben sich Ende Juli wieder viele Vereinsmitglieder in St. Crépin zusammen gefunden um in einem Fluglager gemeinsam die Faszination des Alpensegelflugs zu erleben. Zwei Doppelsitzer, 2 Einsitzer vom Verein und 3 Privatflugzeuge wurden im Anhänger den langen Weg nach St. Crépin transportiert.  Der Flugplatz Mont Dauphin (St. Crépin) liegt auf 900 Meter Höhe südlich von Briancon und östlich des Lac de Serre-Poncon im Durance-Tal.  Für uns ist er ein idealer Ausgangspunkt für faszinierende ausgedehnte Streckenflüge in den Alpen. Unsere Flüge führten uns nach Nordosten bis ans Matterhorn, im Norden bis zum Mont Blanc, im Westen bis an den Mont Ventoux und im Süden bis kurz vor die Mittelmeerküste. Dabei überfliegt man sehr verschiedene Landschaften, im Norden das Hochgebirge mit seinen Gletscherwelten, im Westen grüne Waldgebiete durchsetzt mit bizarren Felswänden und weiter südlich die Provence mit ihren Lavendelfeldern. Auch im Alpenflug unerfahrenen Piloten ermöglicht St.Crépin als Startort schon nach kurzer Zeit phantastische Flugerlebnisse. Hat sich bis zum frühen Nachmittag die „Brise“ gut entwickelt ermöglicht sie am Haushang direkt nach dem Windenstart einen einfachen und schnellen Aufstieg. Von dort aus ist der Gletscher Glacier Blanc mit seinem 4000 Meter hohen Gipfel nach 40km gut zu erreichen. Dort oben angekommen kann man dann wunderschön über eine absteigende Gebirgskette der „rue Royal“ zum Lac de Serre-Poncon hinab gleiten. Wer ihn kennt folgt von da aus dem „Parcour“ einer etwa 80km langen Hangkette nach Süden bis zum Lac de Saint-Croix. Wenn die Brise gut bläst, kann man an der Hangkette ohne zu kreisen hin- und zurück entlang fliegen, was mächtig Spass macht. Es ist schon ein tolles Gefühl wenn man abends vom Parcour über den Lac de Serre-Poncon nach St. Crépin zurückfliegt. Nicht selten liegt dann ein über 100km langer Gleitflug in Abendstimmung hinter einem und man freut sich schon auf das abendliche Beisammensein mit seinen Vereinsfreunden auf dem Zeltplatz. Zwei Piloten haben Ihre Wohnwägen mittlerweile fest in St. Crépin stationiert, weil der SCS schon seit vielen Jahren dort sein Sommerfluglager macht und sicherlich auch in Zukunft dort sein wird. In einem Wohnwagen ist mittlerweile ein Küchenzelt mit einer Küchenausrüstung stationiert, die ihres gleichen sucht.  Es kann also nach Herzenslust fast alles gekocht und gegrillt werden, wonach einem gerade lüstet. Einige verbinden Ihren Fliegerurlaub auch mit einem Familienurlaub und fliegen nur jeden zweiten Tag.  Mit ein wenig Glück kann man auch direkt am Flugplatz ein Chalet mieten. Die Umgebung ist gut geeignet für Badeausflüge an benachbarten Seen, man kann auch Reiten, Klettern, wandern, Kanu fahren, Märkte besuchen oder einfach mal am Flugplatz entspannen.  Auch dieses Jahr haben wir wieder unsere französischen Fliegerfreunde an einem Abend zu einem schon traditionellen Umtrunk (pot, soirée Caipirinha) eingeladen.  Es hat sich wieder einmal gezeigt, wir sind dort nicht nur einfach zu Gast, sondern unter lang bekannten Freunden, die Stimmung war bestens und am nächsten Tag waren wohl viele froh, dass das Wetter nicht so gut war 🙂

Das Fluglager in St. Crépin war wieder einmal ein voller Erfolg, fliegerisch sind alle auf Ihre Kosten gekommen.  Für die meisten stellt das Fluglager in Frankreich den Höhepunkt der Flugsaison dar, und sie freuen sich das ganze Jahr darauf.

Es kann also nur heißen: St. Crépin, on revient! A l´année prochaine!

Saint-Crépin, Ergänzungen von woki

Die Behausungen sind ganz unterschiedlich bei den Teilnehmern – die meisten sind im Zelt, dann gibt’s Wohnwagen und Chalets. Die Ernährung stellen wir jedes Jahr fast komplett um – statt Schwarzbrot und Salami gibt es Ficelle und Baguette mit Saucisson und Rilettes, richtig leckere Sachen aus ungesundem Weißmehl. Statt Trollinger und Schwabenbräu gibt’s Cidre und 1664 von Kronenbourg. Wir waren diesmal ganz schön viel Teilnehmer, da ist die Beschaffung des Essens, Vorbereitung, Kochen und Spülen richtig Arbeit. Zusätzlich wird noch die Toleranzgrenze für die sanitären Ansprüche verschoben – also es ist Urlaub.

Am Freitag habe ich mich bei Franz zum Mitfliegen gemeldet – jedes Jahr möchte ich einmal bei Franz im Arcus M mit fliegen und der zweite Sitz ist begehrt. Georg ist die Strecke mit der ASW28 mit geflogen. Zügig ging’s nach Norden. Die Ziele sind in Saint-Crépin immer ähnlich: zerschd nuff (Matterhorn), dann nomm (Col de Rousset), dann naa (Pont Aiguines, Brücke am Lac de Sainte Croix). Wir kamen schnell voran – immer in niedrigerer Höhe als ich mir das getrauen würde. Aosta zieht unter uns durch, das Matterhorn sieht man nur, wenn man weiß wo es ist – es hat Wolken um sein Spitze Richtung Osten. Wenn wir schon am Matterhorn sind könnte es ja auch bis zum Furkapass gehen. Franz versuchte es, aber wir sind halt schon deutlich unter Hangkante, es tut nicht so wirklich gut – und wir drehen auf halbem Weg zwischen Matterhorn und Furka am Ende des Vispatals wieder Richtung Süden. Aber der Mont Blanc muss schon noch sein. Die Nordseite mit den Felszacken ist richtig schönes Gebirge.

An meinem letzten Flugtag in diesem Urlaub war Nordwind. Beim Briefing wurden die Spezialitäten dieser Windrichtung ausführlich behandelt. Der Prachaval funktioniert bei Nordwind nicht – und es gibt viel Turbulenz. Es wurde soviel von Turbulenzen gesprochen, dass ich der einzige im SCS war, der noch in die Luft wollte. Nun hatte ich das Glück, schon mal bei Nordwind geflogen zu sein. Der Schlepp ist etwas länger – er geht bis zum Hang nördlich vom Val de Freissinières dem Tête de la Lauzière. Christoph hat mich am Boden unterstützt. Der Schlepp war normal, am Tête de la Lauzière wie empfohlen in 1600m ausgeklinkt und schon geht’s mit 4m/s aufwärts – genau so wie vor 15 Jahren. Danach war es schwierig, Aufwind zu finden. Am Tête d’Amont gab’s nix, die andere Seite des Tals hatte nur Abwinde parat. Aber mitten in Tal über L’Argentière-la-Bessée hatte ich dann weiteres Steigen und bin seitlich der Wolken schließlich bis auf 4400m gestiegen. Ab dem Névache Tal war eine geschlossenen Wolkendecke Richtung Norden. Ich war über den Wolken – und die Aussicht ist dann einfach überwältigend.

Discus Rumpfboot neu Lackieren

Die Unterseite unseres Discus Rumpf hatte viele tiefe Kratzer, so dass sich eine Neulackierung lohnte. Da das Flugzeug einen PU-Lack hat, ist die Vorbereitung zum Lackieren mit der Spritzpistole recht aufwändig. Der Lack wird zwar nach dem Lackieren noch verschliffen, er wird aber viel dünner aufgetragen als ein „Schwabbellack“ und somit kommen auch kleinste Unebenheiten nach dem Lackieren wieder zum Vorschein und lassen sich in der Regel nicht rausschleifen. Deswegen ist das sorgfältige  Vorbereiten der Lackierung sehr wichtig für das Endergebnis. Der Lackiervorgang selbst beansprucht die wenigste Zeit, am längsten dauert die Vorbereitung der zur lackierenden Stelle einschließlich den Abklebearbeiten und dem Präparieren der Lackierkabine.

 

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LX9000 Variometersystem für Ventus 2cxT

Gerade erst hat unser Ventus „S2“ den Turbo Motor eingebaut bekommen, da gibt es schon die nächste Verbesserung: Soeben hat der SCS ein LX9000 Navigationssystem zusammen mit einem V8 Vario von LX Navigation geliefert bekommen. http://www.lx-avionik.de/produkte/lx9000/  Dieses bauen wir im Querformat in unseren neuen Ventus ein und es ersetzt das ZS1 von Zander, das wiederum in unseren Schüler Discus „S1″eingebaut wird. Das LX9000 hat ein großes auch im Sonnenlicht hervorragend ablesbares Display, das in Punkto Navigation keine Wünsche mehr offen lässt. Verbunden wird es mit dem V8 Variometersystem, das eines der modernsten E-Varios ist, dass zur Zeit verfügbar ist.

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