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Sunrise Fliegen

Am Sonntag den 27.06 haben wir uns morgens früh um 04.15 zum Sunrise Fliegen auf der Hahnweide getroffen. Die Flugzeuge hatten wir am Vortag schon aufgebaut stehen gelassen, um am besagten Morgen etwas Zeit zu sparen. Wir haben also unsere beiden Doppelsitzer und unseren Discus an den Start geschoben, gecheckt, Fallschirme und Batterien eingebaut und unseren Start aufgebaut.  Das alles war mit den vom morgendlichen Tau nassen Flugzeugen und im Halbdunkel eine kleine Herausforderung.

Trotz allem hatten wir dann kurz vor 05:00 Uhr unseren Start und unsere Flugzeuge soweit stehen, und konnten unseren ersten Start um 04.55 rausschicken, fast eine halbe Stunde vor dem offiziellen Sunrise.

Und das war wirklich ein tolles Erlebnis, für das sich das frühe Aufstehen und der ganze Aufwand auf jeden Fall gelohnt haben. Die Luft war ruhig und unsere Aussicht traumhaft!

Bei meinem ersten Flug habe ich die Morgendämmerung im Osten gesehen. Beim zweiten Start dann auch die Sonne tief am Horizont, unten dazu Bilder.

Den Rest des Tages haben wir Fliegerisch noch gut ausgenutzt und ich denke alle waren am Nachmittag, nach dem Abbauen, erstmal geschafft.

Im Großen und Ganzen ein sehr gelungenes Erlebnis! Vielen Dank auch nochmal an alle, die schändlich früh aufgestanden sind um uns zu unterstützen (Windenfahrer, Startleiter, Fluglehrer) und Sebi, der das alles organisiert hat.

Zum Konzert nach Serres mit dem Motorsegler

Es ist eigentlich schon ein bischen verrückt, ich gebe es ja zu. So weit mit dem Motorsegler fliegen, nur um ein kleines Konzert auf einer Flugplatzwiese zu hören? Aber manchmal ist halt der Weg das Ziel und das Ziel nur der Anlass um den Weg zu begründen 🙂

Am 23. waren für die Zentralalpen gute Wetterbedingungen vorhergesagt. Und so flogen Thomas und ich unsere Lieblingsroute über den Bodensee, Mollis, Oberalp Pass, Furka, Matterhorn nach Gap/Tallard. Es war ungewohnt diesig, Sahara Staub trübte den Himmel. Am Grand Paradiso standen Hammerwolken in 4200m und es gab Welle. Wir saßen eindeutig im falschen Flugzeug, der DUO Discus wäre jetzt das Gerät der Wahl gewesen 🙂 In Gap bekam unser Motorsegler frischen Sprit , wir einen Cafe au lait und wir schauten ein wenig den Fallschirmspringern zu. Weiter ging es nach Serres und bei 30 Grad erst mal ab in den Pool. Um 18 Uhr waren wir rechtzeitig zum Soundcheck der Rockband bei Lison auf der Terrasse und genossen bis kurz vor Mitternacht Classic Rock vom Feinsten in der milden Provence Luft mit gewohnt köstlichem Essen.

Am nächsten Morgen brachen wir rechtzeitig auf, ein herannahendes Tief drohte den Rückflug zu erschweren. Doch es ging alles rasend schnell, in Flugfläche 90 schoben uns bis zu 60 km/h Rückenwind kräftig an. Der Genfer Lotse war pfiffig und bot uns eine alternative Route von Chambery direkt nach Fribourg und Olten an. Das war sehr gut, wir konnten die Höhe halten und damit den Rückenwind weiter nutzen. Im Jura sah es ziemlich regenerisch aus, während wir über dem Mittelland schön im Trockenen flogen. Im Südschwarzwald schien uns eine Schauerlinie den Weg zu versperren, doch Internet sei Dank erkannten wir im Regenradar eine Lücke bei St. Blasien und so wurden wir kaum nass und ab dem Feldberg hatten wir wieder bis zur Hahnweide beste Sichten. Nach 2:45 Std erreichten wir die Hahnweide, genau rechtzeitig zum Mittagessen mit der Familie.

Das nächste Konzert ist am 20. August, mal sehen wie das Wetter wird 🙂

Hahnweide-Engadin im Segelflug

Am 19.Juli 2021 war es wieder soweit. Wieder wurden gute Bedingungen im Engadin vorhergesagt mit Basis um die 4000m und guten Steigwerten. Allerdings der Weg über Biberach-Leutkirch nach Oberstdorf nicht so gut aber meiner Meinung nach ausreichend, um es zumindest zu probieren. Es hatte in der Vorwoche überall viel geregnet mit den bekannten Folgen und somit war klar, die Thermik würde sicherlich in den ersten Hochdrucktagen noch von der Bodenfeuchtigkeit mächtig ausgebremst werden. Und so war es auch. Der Weg nach Isny war sehr mühsam, es ging nicht gerade hoch, 1500m waren nur mit viel Geduld und mit max 0,7 m/s zu erreichen. Wenn mich das Engadin nicht so gelockt hätte, wäre ich längst umgedreht. bei Isny kam ich so tief, dass ich fast hätte „zünden“ müssen. Und auch als ich endlich wieder an der Basis war dachte ich mehrmals, dass es ziemlich wenig Sinn macht weiter nach Süden zu fliegen. Denn bei Sonthofen sah ich an den Hängen tiefe Cumuluswolken, weit unter mir. Es war aber erst 12:30 Uhr und so probierte ich es weiter westlich wo es im höheren Gelände über den Gräten immer wieder kleinere Wolkenfetzen gab. Mit viel Geduld und jeden noch so kleinen Aufwind bis zur maximal möglichen Höhe mitnehmend gelang es mir dann doch Stück für Stück höher zu kommen. Und im Arlberggebiet gab es dann die ersten brauchbaren Aufwinde. Bei Sankt Anton sah es nach Osten gut aus, allerdings im Süden Richtung Engadin gab es nur ganz vereinzelte Fetzen mit unscharfer Basis, die wenig einladend wirkten. Und so gab ich zunächst mein Vorhaben ins Engadin zu fliegen auf und wollte wieder zurück fliegen. Doch dann entwickelte sich plötzlich bei Ischgl eine sehr gut aussehende Wolke und ich entschloss diese zu testen und bei Mißerfolg wieder die guten Aufwinde bei Sankt Anton zu nutzen. Ab da fing es an richtig gut zu werden. Die Wolke gab das her, was sie versprach, 3400m Höhe erlaubten einen risikolosen Weiterflug. Wie wenn jemand einen Schalter umlegt auf „Thermik an“, bauten sich im Engadin nach und nach die schönsten Wolken auf. Die Sicht wurde typisch für das Engadin sehr gut und es ging auf 4000m. Die Beschränkungsgebiete R11 bei Samedan waren dieses Mal nicht aktiv und so flog ich an Samedan vorbei bis kurz hinter Pontresina. Der Blick über Sankt Moritz und den Silvaplana See und die Berninagruppe war wieder einmal umwerfend. Jede/r, der hier schon mal geflogen ist, wird das bestätigen können. Der Weg zur Bernina wäre gut machbar gewesen. Aber ich dachte um 15:15 Uhr zunehmed an den Rückweg, am Alpenrand gab es laut Vorhersage eine leichte Gefahr von Überentwicklungen für den Spätnachmittag. Also drehte ich um und konzentrierte mich auf den Rückweg. Die Strecke zurück lief im Gegensatz zum Hinflug spielend leicht. Das letzte Mal gekurbelt habe ich südlich von Sankt Anton auf 3000m. Der Sprung nach Oberstdorf war nochmal etwas spannend. Tatsächlich hatte die Bewölkung soweit zugenommen, dass zunächst nicht klar war ob ein Vorbeiflug an den Wolken möglich war. Alternativ hätte ich ins Rheintal rausfliegen können, was ein großer Umweg gewesen wäre. Schließlich gab es aber ausreichend große Lücken und Erdsicht. Der Ventus glitt gut und sank nur langsam, so dass ich nur noch zwei mal kreisen musste bis zur Hahnweide, bei Leutkirch und Biberach.

Was für ein Flug! Oft war ich kurz vor dem Aufgeben und kann es eigentlich immer noch kaum glauben, dass es letztendlich so gut geklappt hat.

Gebirgssegelflug in Südfrankreich

Das Jahr 2021 begann so, wie das Jahr 2020 aufgehört hatte. Die Pandemie hatte uns nach wie vor fest im Griff und unser Fluglager in Sondrio, wo wir jedes Jahr im April die Gebirgsflugsaison eröffnen, musste auch dieses Jahr wieder Cornona bedingt annulliert werden. Die ganze Hoffnung ruhte darauf, dass sich bis Ende Mai die Situation verbessern würde und man wieder reisen konnte.

Südfrankreich steht bei mir jedes Jahr im Mai fest im Kalender und ich hoffte sehr, dass sich Reiselockerungen breit machen würden. Ich hatte Franz gefragt, was er davon halten würde in diesem Jahr mitzukommen, und er musste nicht lange überzeugt werden….

Wir vereinbarten in diesem Jahr dorthin zu fahren, wo es möglich war hinreisen zu können und wo das Wetter vielversprechend erschien. Neben Serres in den französischen Seealpen, hatten wir noch Niederöblarn im Auge und Ohlstadt in Bayern, sollten die Reisebeschränkungen nicht aufgehoben werden oder in den Zielorten Pandemie bedingt keine ausreichende Infrastruktur zu Verfügung stehen.

Es wurde Mitte Mai und endlich meldete sich auch der Flugplatz Serres wieder auf unsere Anfrage. Platz hatte es mehr als genug und eine Schleppmaschine war auch am bereit. Ganz alleine wären wir auch nicht, denn es wurde auch Erwin aus Fürstenfeldbruck erwartet, Robert aus Genf, sowie auch Marcel und Francis aus dem Elsaß waren am Platz – alte Bekannte.

Noch schauten wir auf das Wetter und Niederöblarn blieb eine Option. Dort waren Norbert Sommer und ein paar andere, die sich ebenfalls über etwas Gesellschaft freuen würden.


Das Reisen wurde wieder möglich jetzt musste noch das Wetter genau beobachtet werden. Wir warteten noch ab, bis das Wetter fliegbar wurde und mit ein paar Tagen Verspätung sind wir dann Richtung Serres in die französischen Seealpen aufgebrochen – in Österreich sah das Wetter nicht ganz so gut aus.

Endlich ging es los – die Vorfreude war riesengroß. Die Hänger auf der Hahnweide angehängt und ab Richtung Süden. Die ersten Stunden ging es noch durch strömenden Regen und erst ab dem südlichen Jura empfing uns die Sonne.

An der Raststelle Rose de la Broye machten wir eine Pause und genossen bei Cappuccino die Sonne auf der Terrasse und bekamen obendrein das Spektakel der tief überfliegenden F 18 Jäger der Schweizer Luftwaffe geboten, die fleißig Ihre Platzrunden am nahen Stützpunkt trainierten.

Am frühen Abend waren wir dann endlich in Südfrankreich angekommen und für Franz war es das erste Mal auf dem wunderschönen Flugplatz in Serres. Als wir die Hänger parkten, landete gerade Robert mit seiner ASG 29 nach, wie üblich, spektakulärem Überflug und die ASH 25 von Marcel und Francis.

Normalerweise ist um dies Jahreszeit schon alles voll mit Hängern und Flugzeugen – diesmal erschien der Flugplatz total verwaist – alles leer , nur eine handvoll Flieger.

Wir bezogen unser schönes Chalet direkt am Flugfeld und freuten uns, das wir nun da waren und es morgen losgehen sollte. In der Nacht kam Erwin noch an und wir trafen uns um kurz nach zehn zum morgendlichen Briefing mit Klaus Ohlmann. Wie immer gut gelaunt studierte Klaus mit uns die Möglichkeiten für den Tag und machte Einschätzungen für die jeweiligen Routen. Das Wetter sah jetzt nicht wirklich sehr vielversprechend aus, aber wir sahen, wie sich zuhause bombastisches Streckenflugwetter abzeichnete . Oh jeh – sind wir dem guten Wetter jetzt davon gefahren, das darf doch nicht wahr sein ! Aber es kam alles ganz anders – wir durften wunderschöne Flüge erleben mit atemberaubenden Ausblicken auf die schönsten Massive der Alpen und gerade weil das Wetter nicht so gut war, bewegten wir uns nicht immer auf den gewohnten Standartrouten und haben dabei viel Neues erlebt.

Unser Chalet auf dem Flugplatz Serres

Gleich am ersten Tag ging es Richtung Norden, vorbei am Apotres und am Pic de Bure querten wir das Ecrin auf der Direttissima. Die Wolken hingen noch tief und so schlängelten wir uns um die Felsen. Spätestens jetzt wußten wir, warum wir hier waren!Diese Eindrücke in den noch tief verschneiten Alpen mit dem Segelflugzeug zu fliegen, sind einfach atemberaubend. Briacon östlich liegen gelassen, flogen wir schnurstracks an Bardoneccia vorbei über das Modane Tal in Richtung Aosta. Das Ziel sollte heute das Matterhorn sein, und wir wollten soweit fliegen, wie es ging. Schon bald erkannten wir aber, dass der Weg nach Aosta schwer werden würde. Das Überqueren des Passes östlich des Col de Iseran gelang uns nicht. Wir kamen sehr tief im Arc Tal und versuchten es mit zwei Anläufen, aber es gab heute kein Durchkommen – wie schade, kannte ich diese Route ja noch nicht und hätte zu gerne mit Franz diesen Weg erkundet. Er kennt sich hier aus wie in seiner Westentasche. Es blieb uns nichts anders übrig als umzudrehen. Schnell war ein neuer Plan gefasst und wir wollten Richtung Westen: Vorbei am Skigebiet von Val Thorens ging es Richtung Albertville und weiter über Chambery und den Lac du Bourget in den den südlichen französischen Jura. Nach einer langen Gleitstrecke kamen wir tief am Grand Colombier an und mussten erst mal Höhe tanken. Der Luftraum hier ist etwas tricky und viel Luft an den Deckel von Genf hat man nicht. Nach kurzem Überlegen entschlossen wir uns an dieser Stelle umzudrehen. Das Erkunden dieser Gegend sollte auch einem weiteren Vorhaben dienen – einem Flug von der Hahnweide aus nach Südfrankreich. Im vorigen Jahr war ich bereits mit Franz von der Hahnweide aus ins Jura geflogen und Franz hatte schon einige Flüge ins Jura unternommen – aber der südliche Part fehlte noch und so war es interessant und reizvoll.

Neuland war auch der Rückflug über die Chartreuse – der Gebirgszug zwischen Chambery und Grenoble. Nach einiger Bastelei an der Mont Grelle, wo wir uns die Hangkante mit zahlreichen Paraglidern teilten, gelang uns er Sprung in die Chartreuse und das Durchqueren sollte heute problemlos sein. Wie beherzigten den Ratschlag von Klaus und machten an der nord-östlichen Kante des Chamchaude ausreichende Höhe, um das Talbecken von Grenoble sicher zu überfliegen, um dann am Vercors Anschluß zu bekommen. Das lief dann auch wie geschmiert und so sind wir ohne einen einzigen Kreis von Grenoble über den Vercors bis zurück nach Serres geflogen. Was für ein Tag !

Der nächste Tag war wettertechnisch sehr ernüchternd. Der Norden war zu und so entschlossen wir uns mal den Westen auszuprobieren. Der Plan war schnell gefasst und wir wollten das Rhonetal Richtung Zentralmassiv überqueren. Wir flogen Richtung Aubenasson und konnten auf der anderen Seite des Rhonetals im Zentralmassiv auch schöne Quellungen sehen.

Entlang der großen „Badewanne“ südlich von Aubenasson flogen wir dann in total toter Luft über das Rhonetal. Das Vario zuckte nicht ein einziges Mal und der monotone Varioton unterstrich dies eindeutig. Wir mussten dann einsehen, das die Quellungen auf der anderen Seite des Tals heute für uns nicht zu erreichen waren und entschieden uns umzudrehen. An der imposanten Glandasse am südliche Vercors vorbei, flogen wir über das Vogelschutzgebiet an die östliche Kante des Vercors Richtung Grenoble. Auf halbem Weg war aber auch hier Schluß und wir drehten um, um Richtung Süden unser Glück zu versuchen. Der Mont Ventoux zeigte sich uns in seiner ganzen kargen Schönheit. Der berühmte Berg, den viele von der Tour des France kennen, gibt den Blick Richtung Mittelmeer frei. An der Hangkante der Lure glitten wir Richtung Saint Auban, um über den Lac de Saint Croix in den Parcours einzusteigen. Am Ufer des Sees bin ich dann auch glatt abgekellert und musste mich ausgraben. Franz nutze die Zeit und flog noch etwas weiter Richtung Süden. Wir trafen uns dann wieder, um den Parcours nach Norden Richtung Lac des Serre Poncon zu fliegen, was an diesem Tag ein echter Spaß sein sollte. Bei wunderschönem Nachmittagslicht mit dramatischem Wolkenkino, konnten wir den tief verschneiten Parcours Richtung Norden fliegen ohne einen einzigen Kreis zu drehen. Total ungewöhnlich – wir hatten nur einen einzigen Flieger an dieser berühmten Rennstrecke getroffen – die Pandemie hatte die Fliegerei hier noch fest im Griff – das war der eindeutige Beweise dafür. An der Dormilouse ohne Kreis Richtung Gap abgeflogen, konnten wir bis Serres durchgleiten. Ein absoluter Genuß und wieder ein wunderschöner ergebnisreicher Tag.

Am Abend waren wir dann zum Essen bei Lison im kleinen Flugplatzrestaurant, das an diesem Tag erstmalig wieder eröffnete. Normalerweise ist es hier voll und einmal in der Woche gibt es die tollste Livemusik weit und breit – aber das musste noch warten….Wir waren zusammen mit Marcel, Francis, Erwin, Gerd und Markus die einzigen Gäste, aber das Essen war wie immer köstlich und mit viel Liebe gemacht. Drinnen durfte man noch nicht sitzen uns so hatten wir dicke Jacken an und der Rotwein machte es behaglich.

Der nächste Tag versprach wieder nicht sehr viel und Klaus war im Briefing der Meinung, dass weder der Norden, noch der Weg über den Vercors heute funktionieren sollten. Wir machten keine großen Pläne und starteten. Nachdem wir am Hausberg Höhe gemacht hatten, erschien uns erneut der Weg Richtung Vercors der Beste zu sein und so glitten wir Richtung Grenoble. Der Sprung vom Vercors in die Chartreuse gelang uns noch problemlos aber nord-östlich von Chambery. im „Massiv des Bauges“ wurde es etwas tricky. An der Le Treu kamen wir richtig tief und vorbei an den tiefen Hängen ohne Steigen achterten wir uns aus dem Keller heraus und fanden wieder Anschluss. Richtung Chamonix ging es dann wieder richtig gut und vorbei an Meribel wurde der Blick auf den Mont Blanc frei. Welch gigantischer Berg – für mich war es das erste Mal, dass ich hier war – ein überwältigendes Erlebnis! Wir flogen noch weiter Richtung Nord-Osten und das Rhone Tal eröffnete uns den Blick auf Martigny und Sion. Hier war das Wetter grandios und an diesem Morgen hätten wir keinen Pfennig darauf gewettet, bis hierher zu kommen. Eine Wettervorhersage ist halt eine Vorhersage und oft kommt alles ganz anders – wer es nicht probiert wird es nicht wissen. Wir wurden reich belohnt, weil wir einfach losgeflogen sind !

Es war zwar sehr verlockend weiter ins Rhonetal zu fliegen, wollten aber unser Glück mit dem Wetter nicht überstrapazieren und entschlossen uns, für heute das Erlebte zu genießen und umzudrehen – der Weg war noch weit und es war auch nicht mehr früh am Tag. Da wir sehr hoch waren, ging der Weg zurück relativ leicht und der Vercors war wieder ein Genuß. Wir verlängerten dann den Flug nach Süden und schauten nochmals am Mont Ventoux vorbei und landeten glücklich in Serres.

Am nächsten Morgen war Klaus dann doch etwas überrascht, dass uns dieser Flug gelungen war. Somit war klar, auch heute werden wir es bei ähnlicher Wetter Prognose wieder probieren und so flogen wir auf der inzwischen vertrauten Route über den Vercors und die Chartreuse wieder am den westlichen Mont Blanc vorbei, um diesmal das Rhonetal hoch zu fliegen, soweit wir kommen. Franz konnte mir auch heute wieder neue Wege zeigen welche ich vorher noch nie gesehen hatte. Es ist wirklich toll, wenn man einen Mitflieger hat, welcher sich so gut auskennt – alleine hätte ich es nicht gewagt. Über das Skigebiet von Verbier und Haute Nandaz– hier wurde tolle Erinnerungen an zahlreiche Skitouren in diesem tollen Gebiet wach, ging es weiter am Rothorn vorbei bis zum Eingang in das Mattertal. Unterhalb des großen Bigerhorns drehten wir um. Der Blick Richtung Matterhorn war beeindruckend. Zu schön wäre es gewesen, hier über Aosta zurück in die Seealpen zu fliegen, aber der Weg war durch Wolken und Gewitter versperrt und so flogen wir wieder über Chamonix Richtung Westen. Heute war der Rückweg über den Vercors teilweise durch Schauer versperrt und somit mussten wir Richtung Westen ausweichen.

Östlich von Aubenasson wurde es dann nochmals spannend. Am Col des Cabres standen bereits heftige Regenschauer und wir wussten nicht, ob wir überhaupt in Serres landen konnten. Über Funk hatten wir niemanden erreichen können, der uns eine Info darüber geben konnte, wie es am Platz aussieht und somit entschlossen wir erst mal zu parken. Ich konnte dann über Telefon noch unseren Schleppiloten erreichen, aber die Verbindung war nicht gut. Ein Foto vom Platz über SMS brachte die Erkenntnis, dass Landen noch möglich ist. Wir sind dann von der Parkposition aufgebrochen und an den Hängen entlang nach Serres gesegelt. Ein paar Regentropfen im Endanflug und trocken gelandet – das war dann doch noch spannend.

In der Zwischenzeit haben wir keine Gedanken mehr an das Flugwetter von zuhause mehr verschwendet. Die Eindrücke und die Erlebnisse hier im Gebirge von Südfrankreich haben uns bereits mehr als entlohnt und jeder Tag war bis jetzt faszinierend.

Am nächsten Tag sah es für den Norden wieder ganz brauchbar aus und wir sind wieder auf der bekannten Route vorbei am Pic de Bure und Piolit über St. Crepin in die hohen Berge im Norden eingestiegen. Das Aostatal sah leider wieder nicht so toll aus und so flogen wir diesmal an die Ostflanke de Mont Blanc. Vorbei an Courchevel mit seinem berühmten Altiport ging es über Bourg Saint Maurice und über den großen Sankt Bernhard Pass Richtung Mont Blanc. Unten waren die italienischen Skigebiete von La Thuile und Courmayeur gut zu sehen und nun direkt vor uns – der gigantische Mont Blanc. An der Bergstation der Gondel haben wir ein paar Kreise gezogen, um die Gletscher zu bewundern und sind dann noch ein bisschen weiter der Flanke entlang zur berühmten Grandes Jorasses geflogen. Es gibt wenige, welche diese eindrucksvolle Perspektive genießen dürfen – Segelfliegen ermöglicht einem dies ! Am imposanten Gletscher des Grand Combin haben wir noch etliche Kreise gedreht, bevor wir umgekehrt sind. Das Wetter war sehr labil und so entwickelten sich wieder zahlreiche große Quellungen und wir bekamen auch schon wieder die ersten Regentropfen zu spüren. Welcher Weg zurück würde heute funktionieren? Wir waren schon auf Kurs Richtung Albertville, als wir ganz schwach im Funk Markus Erdmann hörten, der am Morgen mit uns gestartet war und gemeldet hatte, dass der Col de Galibier offen war. Die Info kam goldrichtig und im letzten Moment – wir drehten sofort 90 Grad ab und nahmen Kurs Richtung Süden, um über den Galibier und das Ecrin wieder nach Serres zu kommen. Wir überquerten das Maurienne Tal und schlichen vorbei an den Türmen der Arves in das Massiv der Ecrin und wurden auf dieser Seite mit bestem Wetter begrüßt. Ein Abstecher zum Glacier Blanc musste noch sein. Tief verschneit präsentierte er sich in seiner ganzen Schönheit. Im Sommer sieht er immer so schmutzig aus, aber jetzt mit all dem Schnee – wunderschön! Über den Parcours Royal ging es zurück an die Südflanke des Ecrin. Das Wetter baute jetzt massiv ab und die Querung zum Pic de Bure wurde nochmals spannend. An den Süd-Ost Flanken angekommen, fehlten mir ein paar Meter um drüber zu kommen und ich musste außen herum und kam sehr tief. Am äußersten Zipfel teilte ich mir den Hang mit ein paar Paragliedern und mühte mich ab, 100 mt höher zu kommen. Franz, der den Sprung über den Sattel geschafft hatte, meldete aber, dass die unteren Hänge gut tragen würden, denn wir hatten Südwind. So gelang mir der Heimflug in der unteren Etage doch noch problemlos und Serres hatte uns wieder.

Der nächste Tag war dann wie erwartet nicht fliegbar. Nachdem Klaus uns schon ein bisschen von seinem sensationellen Flug von Serres nach Griechenland berichtet hatte, haben wir ihm am Abend noch eine Nachricht geschickt, uns doch am nächsten Tag ausführlich zu berichten, wie dieser absolute Rekordflug denn abgelaufen war.

Klaus kam pünktlich um 10 Uhr mit Labtop und bester Laune und wir kamen in unserer kleinen Gruppe in den Genuss einen total interessanten und professionellen Vortrag von diesem Flugabenteuer geboten zu bekommen und wer Klaus kennt, der weiß, wenn Klaus über das Fliegen erzählt, gibt es kein Halten mehr. Am frühen Nachmittag haben wir glücklich und mit vielen Details bereichert, den Briefingraum verlassen, dankbar für dieses exklusive Erlebnis und die tiefen Einblicke in seine Fliegerei .

Der nächste Tag war dann eher wieder sehr durchwachsen, aber wir hatten ja die Erfahrung gemacht, dass auch bei schlechten Vorhersagen, vieles möglich sein kann. Also gestartet und über unsere zwischenzeitliche Standartroute Vercors Richtung Norden geflogen.

Die Bewölkung war an diesem Vormittag sichtlich tief und so flogen wir im Wolkenslalom den Vercors Richtung Grenoble. Die Bewölkung sank im tiefer und der Sprung in die Chartreuse war nicht gesichert. Am äußersten Ende des Vercors kamen wir dann immer tiefer und ich rutschte in die berühmte Talinversion von Grenoble ab. Hier gab es für mich kein Entrinnen, was ich auch versuchte, es ging nicht mehr nach oben. Franz hatte den Sprung noch geschafft und wir verabredeten uns später im Funk. Ich war in der Zwischenzeit sehr tief und musste zünden. Trotz des Turbos war es schwer aus der Inversion raus zu kommen und nur langsam machte ich Höhe. Am Fuße des Chamechaude angekommen, vibrierte der Motor plötzlich so stark, dass ich nach einigem Probieren entschied, den Motor abzuschalten. Ich rettet mich noch an die Ostflanke der Chartreuse überhalb des Flugplatzes Versoud, aber das Wetter wurde zunehmend schlechter. Als der Vercors zumachte, erreichte ich Franz am Funk, der Richtung Albertville weitergeflogen war, und berichtete. Franz wollte umdrehen und wir wollten versuchen, über den Westen nach Hause zu kommen. In der Zwischenzeit fing es aber an zu regnen und ich entschloss mich zu einer Landung in Grenoble Versoud, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde.

Nachdem die gröbsten Regenschauer durchgezogen waren, hatte man mich nach Hause geschleppt – ein Schlepp Royal – na ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Franz hatte es an diesem Tag noch geschafft nach Haue zu kommen. Über die Westroute, außen vorbei an den Gewittern und über Aubenausson, ist er zurück nach Serres geflogen.

Am nächsten Tag hatten wir noch einen schönen Flug gemacht und am Abend bei einem tollen und leckeren Essen mit den Freunden bei Lison, diesen unvergesslichen Fliegerurlaub ausklingen lassen.

Mit vielen tollen Erlebnissen bereichert, sind wir nach Hause gefahren und werden sicher wieder zurückkehren – Serres ist immer eine Reise wert !

Wandersegelflug nach Serres la Batie Südfrankreich

Um es vorweg zu sagen: Ein Streckensegelflug als Zielflug, an dem man abends ganz woanders ist, als zu Hause auf der Hahnweide ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

Für Georg und mich ging am 11. und 12.Juni 2021 ein Traum in Erfüllung. Immer wieder angedacht, aber letztendlich nie verwirklicht wollten wir schon immer im reinen Segelflug dorthin fliegen, wo es uns jeden Sommer ins Fluglager hinzieht: nach Südfrankreich.

Eine Woche zuvor waren Thomas und ich in Serres und sind dort eine Woche lang recht schön zum Fliegen gekommen. Entscheidend dabei war, dass wir gleich am ersten Tag einen Flug über Chambery zum Grand Colombier, einem Höhenzug westlich von Genf, unternommen haben. Wir hätten gut weiter ins Jura fliegen können, waren uns aber zu unsicher wegen der Lufträume. Danach sind wir fast jeden Tag die Route über den Vercors und die Chartreuse nach Chambery geflogen, insofern kannte ich mich dort nun ganz gut aus.

In Serres findet man auf dem Flugplatz beste Bedingungen vor, um dort als Segelflieger zu landen: Es gibt neben zahlreichen an Flieger zu vermieteten Chalets auch Gästezimmer für Außenlander, eine Allgemeinküche, ein Flugplatzrestaurant, zahlreiche deutsche Segelflieger und nicht zuletzt natürlich Klaus Ohlmann mit seinem täglichen ausführlichen Wetterbriefing (auf deutsch!)

Tja, und nachdem ich in der letzten Zeit öfters von der Hahnweide bis weit in den Jura und zurück geflogen war und nach dem Serres-Fluglager waren die Vorraussetzungen nun ziemlich gut, es einfach mal anzugehen. Und die geeignete Wetterlage bahnte sich viel früher an, als gedacht. Die gewittrige Luft über den Alpen und Süddeutschland sollte allmählich unter Hochdruckeinfluss gelangen und nach Osten abgedrängt werden. Und so konnte ich, kaum aus Serres zurück, zunehmend ernsthaft den Flug planen. Am Mittwoch war klar: es könnte, es müsste eigentlich klappen. Freitag hin, Samstag zurück. Günther hatte erfreulicher Weise nichts dagegen, schon wieder stand mir unser feiner Ventus als perfekter Flieger für so eine Unternehmung zur Verfügung. Natürlich wollte ich diesen Flug am liebsten zu zweit machen. Georg hatte sich diese Woche sowieso zum Fliegen frei genommen. Ein ganz klein wenig musste ich ihn dann doch überreden, aber schließlich war klar, wir ziehen das durch, Georg mit dem Vereins-Ventus „S2“ und ich mit dem Ventus „GK“. Britta übernahm dankenswerter Weise den Turmdienst von Georg am Samstag Nachmittag. Den Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir beide mit intensiven Vorbereitungen: Kartenstudium, Funkfrequenzen rausschreiben, Route mit „SeeYou“ für den Hin-und Rückflug planen und in die Segelflugrechner programmieren und immer wieder Wetter checken. Wir schauten uns auf Youtube das Video „Wege nach Südfrankreich“ von „Late Night Soaring“ an. Markus Frank („Murks“) hat dort eine perfekte Gebrauchsanleitung für den Hinflug über das Schweizer Jura präsentiert. Für den Flug nach Frankreich mussten wir einen Flugplan aufgeben, ich habe uns als Formationsflug mit 2 Segelflugzeugen angemeldet und für die Flugzeiten habe ich unter Bemerkungen „all times are estimates depending on weather and gliding conditions“ geschrieben. Den Tipp bekam ich von Klaus Ohlmann. In Serres meldete ich unseren Besuch an, die Gästezimmer gingen klar, am Flugplatzrestaurant haben wir bei „Lison“ 2 Plätze reserviert. Georg reiste schon am Donnerstag aus Egelsbach an, machte noch mal sicherheitshalber einen Testflug mit der S2 und bereitete den Flieger bestmöglich vor. Wir waren beide überrascht, was ins „Gepäckfach“ alles reingeht: nicht nur die berühmte Zahnbürste und Unterhose sondern 2 Ladegeräte, Leder und Schwamm, Haubenbezug, Handtuch, Jacke, Proviant, passte alles problemlos rein.

Am Freitag hatten wir mit dem Schlepper 11 Uhr vereinbart, da begann der offizielle Flugplan. Früh standen wir voller Vorfreude auf, der Himmel war blau! Noch ein letztes Mal im PC-Met das Wetter checken, alles klar, mindestens 3 brauchbare Flugtage wurden vorhergesagt, der Samstag als Rückflugtag sogar noch besser als der Freitag. Als wir uns von zu Hause mit den Worten verabschiedeten „bis heute Abend, wir melden uns aus Serres“ kam uns das irgendwie unwirklich vor, so eine Reise mit dem Zug, Auto oder Verkehrsflugzeug, klar, aber mit dem Segelflugzeug? Mit geplantem Landeort? Irgendwie ist das schon ein seltsames Gefühl. Ein Hauch von Abenteuer halt!

Auf der Hahnweide angekommen, stellten wir fest, dass auch andere den Wetterbericht gelesen hatten. Es wurde fleißig aufgebaut, Tilo meldete ein 1000km-Dreieck rund um Stuttgart an! So gut hatte ich den Tag gar nicht eingeschätzt, aber besser so 🙂 Unser Vorhaben hatte sich schon rumgesprochen, alle wünschten uns viel Erfolg und Georg durfte als erster in der F-Schlepp Reihe starten! Britta als Flugleiterin und Günther halfen uns bestens bei den Startvorbereitungen, sogar unsere Autos wurden von Günther geparkt, welch eine Unterstützung und nochmals vielen Dank!

Der Hinflug

Das Wetter ließ einen früheren Start zu, Georg wurde schon um 10:20 Uhr geschleppt, also musste ich noch den Flugplan vorverlegen. Ich folgte 20 Minuten später, motorte hoch rauf, öffnete über Funk den Flugplan und flog gleich nach Südwesten ab. Georg war schon voraus, drehte nochmal um, und wir trafen uns dann am Übersberg. Von da an flogen wir im Teamflug, wir waren ja auch ein „formation flight“ 🙂

7 Std Flugzeit waren geplant, als späteste Überflugzeiten hatten wir 14 Uhr Flugplatz Hütten/Hotzenwald und 17 Uhr querab Genf anvisiert, alles mit tüchtig Reserve, wir konnten uns Zeit lassen, die Strecke ist „nur“ 595km lang.

Der erste Streckenabschnitt nach Hütten bereitete mir am meisten Sorgen, hier sollte es schon früh am Tag zu Überentwicklungen kommen. Tilo war vor uns gestartet und meldete hinter dem Klippeneck schon erste Tendenzen zu Schauern. Er hatte als erste Wende die Rothausbrauerei gewählt und flog über Blumberg dorthin. Wir folgten ihm und kamen entlang einer dicken Wolkenwurst recht gut vorwärts. Am Schluchsee und St. Blasien vorbei erreichten wir bereits um 12:20 Uhr den Flugplatz Hütten/Hotzenwald, also lang vor unserem Zeitlimit.

1. Schlüsselstelle: Vom Schwarzwald zum Jura

 Jetzt hieß es maximale Höhe zu machen für die Rheintal Überquerung zum Schweizer Jura. Höher als 1900m kamen wir aber nicht, also Gas rausnehmen und vorsichtig mit 120km/h gleiten, gleiten, gleiten. Völlig ruhige Luft umgab uns, die ersten Wölkchen standen wie immer erst über der Jura Kette. Georg verlor auf der Strecke etwas mehr Höhe als ich und er musste den ersten Aufwind am Jura knapp über Hangkante annehmen. Das gelang ihm aber gut und kurz darauf waren wir wieder gleich hoch und mit guter Wolkenoptik über dem Jura ging es jetzt gut gelaunt auf die vor uns liegende Rennstrecke. Basel Info gab die Tangosektoren frei und so hatten wir keine Höhenbeschränkungen mehr. Jetzt war klar: Umgedreht wird nicht mehr, das Wetter zu Hause interessierte uns nicht mehr, nur noch der Blick Richtung Ziel war jetzt relevant.  Der Bieler See, der Chasseral, der Neuenburger See zogen an uns vorbei. Die Basis stieg auf bis zu 2400 Meter an, so hatten wir eine sehr komfortable Arbeitshöhe. Am Genfer See gibt es einige Segelflugsektoren und es ist nicht ganz so einfach zu interpretieren, trotz einer Segelflug-ATIS, wo man wie hoch steigen darf. Also meldeten wir uns bei Genf Info, bekamen einen Transpondercode und eine sehr freundliche Fluglotsin unterstützte uns bestens: „please let me know if you need higher“. Es gelang ihr sogar bei Genf Radar eine Freigabe für uns zu organisieren, so dass wir westlich von Genf bis 7000Fuß anstatt der sonst möglichen 5500Fuß steigen durften. Damit war der Weg zum Grand Colombier deutlich vereinfacht, zumal bei Bellegard ein Schauer stand, den wir zwar umfliegen hätten können, aber mit 500 Meter mehr Höhe konnten wir locker auch ein Abwindfeld durchfliegen. Ein paar Tropfen bekamen wir ab, dafür waren unsere mit Mücken beschmutzten Tragflächen wieder blitzsauber und hinter dem Schauer lachte wieder die Sonne und kräftiges Steigen trug uns immer noch im leichten Regen wieder auf die maximalen 7000 Fuß. Dann ging es weiter zum Grand Colombier, einem der wichtigsten Berge auf der Route. Dort angekommen entwickelten sich gerade zum rechten Zeitpunkt kleine zerzauste Wolkenfetzchen. Hier konnten wir nun frei vom Genfer Luftraum wieder maximale Höhe kurbeln.

2. Schlüsselstelle: Vom Grand Colombier zur Chartreuse bei Chambery

Mit viel Geduld also stiegen wir mit mittelprächtigen Aufwinden schließlich auf stolze 2700Meter und so hieß es wieder langsam fliegen und gleiten, gleiten durch tote Luftmassen. Der Lac de Bourget zog an uns vorbei, was für ein herrlicher Anblick! Die Chartreuse rückte langsam näher. Kurz vor Chambery noch vor dem eigentlichen Höhenzug der Chartreuse konnten wir noch ein wenig Höhe dazu machen und so kamen wir genau in Hangkantenhöhe am ersten Hang der Chartreuse an. Die Basis war aber deutlich niedriger als vorhergesagt und sank auf Kurs sogar noch teils unter Hangkante ab. Im Süden im Zielgebiet waren ein paar Gewitterambosse zu sehen, so dass zumindest ganz leichte Zweifel aufkamen, ob wir gut durchkommen würden. Andererseits war es erst 15:30 Uhr, wir hatten also noch massig Zeit und konnten jederzeit auch irgendwo parken, falls es nicht weiter gegangen wäre. Letztendlich lief dann die Chartreuse aber doch besser als gedacht, wir mussten halt teils über und neben den tiefer liegenden Wolken vorbei und hatten somit nur beschränkte Sicht nach vorne Richtung Ziel. An der Chamechaude, dem Hotspot der Chartreuse kurz vor Grenoble fanden wir kein Steigen an der üblichen Stelle, dann aber etwas westlich davon schließlich doch ging es mühsam und langsam mit 0,7m/s rauf auf 2100 Meter, mehr war nicht rauszuholen.

3. Schlüsselstelle: Talquerung bei Grenoble zum Einstieg in den Vercors

Und ein drittes Mal hieß es vorsichtig und langsam gleiten. Den Vercors im Blick sahen wir deutlich die dicke Tal-Inversion über Grenoble. Jetzt bloß nicht in diese Suppe reinsinken bevor die nächsten Hänge erreicht werden. Aber schließlich hatten wir bei der Talquerung richtig Glück und haben eine tragende Linie gefunden. Somit bekamen wir problemlos Anschluss an den Vercors, die Basis stieg an und mit Ihr wir mit unseren beiden Seglern im Geradeausflug. Wie im Parcours ging es jetzt zügig voran über diese herrliche Landschaft mit Ihren steil abfallenden Felswänden und Monolithen nach Osten und einem flachen auf eine Hochebene auslaufenden dicht bewaldeten Hang nach Westen, unbesiedelt und als Naturschutzgebiet deklariert. Noch in dieser Geradeausflugphase zeigten unsere Rechner zum ersten Mal „Endanflughöhe erreicht“. Doch ein direkter Weiterflug nach Serres war nicht möglich. Vor uns wurde es deutlich dunkler, zwischen der Glandasse und dem Pic de Bure stand ein Schauer. So holten wir im Westen aus, wo es noch genug Sonneneinstrahlung gab. An der Glandasse vorbei sahen wir Richtung Serres einen weiteren fetten Schauer stehen. Das beunruhigte uns aber wenig, denn wir waren früh dran, hatten genug Höhe und konnten im Bedarfsfall lange parken, bis der Schauer abzog. Nach einer längeren Gleitstrecke, fanden wir wieder Steigen, klassisch an einem Sonnenhang mit Wolke drüber. Nach unglaublichen 5m/s Steigen konnten wir uns aus 2400 Meter mit 1000Meter Sicherheit dem Flugplatz Serres nähern. Schließlich konnten wir feststellen, dass der doch recht kräftige Schauer knapp südlich vom Platz mit Zugrichtung Süd eine sichere Landung nicht verhindern konnte 🙂 Es war erst 16:50 Uhr, klar wir hätten noch ein bisschen in der Gegend rumfliegen können, waren uns dann aber schnell einig, lieber gleich zu landen und gemütlich anzukommen.

Der Aufenthalt in Serres

Grundsätzlich landet man in Serres nach Süden und startet nach Norden. Just zu unserer Ankunft wurde von Michele, dem Flugplatzchef, die Bahn gemäht, gerade rechtzeitig nahm er uns wahr und entfernte sich, als wir im Endteil waren, mit seinem Traktor von der Landebahnmitte. Wir rollten lange aus und kamen schließlich direkt vor dem Flugplatz Restaurant von Lison zum Stehen. Haube auf und als erstes atmeten wir den warmen Duft der Provence ein, herrlich. Leute, was für ein Glücksgefühl, unbeschreiblich. Im Schnelldurchlauf durchdenkt man noch mal den Flug mit seinen vollkommen verschiedenen Landschaften und Wetterräumen: die Schwäbische Alb, der Südschwarzwald, der Rhein, der Jura, die Chartreuse und zum Schluß der Vercors und die Provence. Schnell waren wir obendrein, 100er Schnitt, obwohl wir gemütlich fliegen wollten, es ging halt so gut 🙂 Dann nahmen wir vor Lisons Restaurant einen VW-Bus wahr und eine Band packte gerade Ihr Equipment aus! Nee, was? Ausgerechnet heute spielt ne Band? Wie geil ist das denn? Manchmal passt einfach alles perfekt! Also putzten wir die Flieger, stellten Sie schön dekorativ etwas abseits neben die Kneipe und liefen zu den Chalets rüber, um nach dem Gästezimmer Ausschau zu halten. Dort trafen wir Gerhard, Markus und Erwin, die ich die Woche zuvor kennengelernt habe und noch eine Woche länger geblieben waren.  Sie freuten sich über unseren erfolgreichen Flug, waren aber auch etwas erstaunt, weil sie selbst gar nicht geflogen waren: zu schlechtes Wetter! Unser Gästezimmer war vorbereitet, kurz Duschen und ab ging es zu Lison, wo die Band bereits mit recht vielversprechenden Soundchecks zu spielen begann. Der Abend war einfach zu schön, nach und nach kamen immer mehr Leute, die wenigsten waren Flieger, mehr so aus der sagen wir Flower Power Szene. Das Essen war köstlich, und es war noch  lange sonnig und warm. Vor uns tanzten die Leute (selbstverständlich stets mit 1,5m Abstand) ausgelassen auf der Flugplatzwiese. Die Band war wirklich Spitze . Georg und ich lieben ja solche Konzerte. Und sogar Klaus Ohlmann kam dann noch und setzte sich zu uns an den Tisch und es wurde noch lange über Elektrofliegerei und Visionen gefachsimpelt.

Der Rückflug

Markus lud uns zum Frühstück ein und später bekamen wir von Klaus ein ausführliches Wetterbriefing und speziell für uns die zu erwartenden Bedingungen für unseren Rückflug. Er riet zu einem Start nicht vor 11 Uhr. Am besten war aber, dass der Königsweg über das Matterhorn gut möglich schien. Auch diese Route hatten Georg und ich vorbereitet und Sie war sozusagen als Aufgabe B alternativ zur Jura-Route bereits im LX9000 programmiert. Wir beide kennen den Weg bis zum Furka-Pass gut, neu würde für uns der Abzweig über den Grimsel Pass und den Napf nach Olten werden. Auch hier sagte Toptherm gute Bedingungen voraus. Für das Oberwallis wurden Basishöhen von knapp 4000Meter vorhergesagt. Wir beschlossen also es zu probieren, falls das Modane-Tal wie so oft den Weiterflug verhindern würde, könnte man immer noch Richtung Chambery raus gleiten und die klassische Jura Route nehmen. Die F-Schlepp Schlange bestand aus nur 3 Flugzeugen, Georg durfte als erster starten, ich folgte ihm unmittelbar im Eigenstart um kurz nach 11 Uhr. Den Flugplan konnte ich dieses Mal nicht über Funk eröffnen, bei Marseille Info war niemand zu ereichen. (Eröffnen heißt übrigens nur Startzeit durchgeben). Wie gut, dass man in den Bergen meistens guten Handy Empfang hat und ich die richtige Nummer gespeichert hatte. Der Aufstieg in Platznähe gestaltete sich recht schwierig, erst nach mühsamen 45 Minuten hatten wir beide die nötige Ausgangshöhe erreicht, um uns auf den Weg zu machen. Es ging daraufhin am Pic de Bure vorbei nach Osten und nach langem Gleiten erreichten wir zwar unter Hangkante aber mit zuverlässigen Steigen den Pic des Chabrières, von da aus ging es klassisch, wie wenn man vom Parcours zurück kommt, über den Guillaume, die Clotinaille, und den Furon nach St. Crépin. Aus irgendeinem Grund flogen wir dann nicht den allseits bekannten Haushang von St. Crépin, den Prachaval an, sondern blieben auf der Westseite, verloren dort wieder unnötig viel Zeit in schwachen Aufwinden, bis endlich einer von uns auf die richtige Idee kam es wie immer über die „Schildkröte“ (tête du peyron) zu probieren. Und die geht seit dem wir dort fliegen zu 90 Prozent so: mit 150 auf den Grat/die Nase, die ins Tal runterführt, zufliegen, direkt über dem Grat 45 Grad Schräglage nach links und schön durchziehen, dann drin bleiben, auch wenn es anfangs nur ein Nullschieber ist. Bei uns ging es aber sofort gut rauf und kurz darauf waren wir an der „Pyramide“ auf 3400m, endlich! Nach 2 Std Flugzeit, 50er Schnitt. Uns war klar, ab jetzt mussten wir deutlich schneller werden, sonst würde es nichts mehr werden mit Matterhorn und Co. Tja, und dann lief es auch wie geschmiert, die Bedingungen waren so wie wir es von unseren St.Crépin Fluglagern kennen. Nördlich von St. Crépin geht´s halt immer am besten. Also flogen wir über Briancon und Bardonechia ins Modane Tal. Die Nordseite sah gut aus und Richtung Grand Paradiso sah es brauchbar aus, nicht hammermäßig, aber fliegbar. Auch ohne Hammerbärte und Basis bei „nur“ 3400Meter ging es stets über Hangkante bequem und zügig weiter. Jetzt halfen uns natürlich die zahlreichen Flüge ans Matterhorn sehr. Man fühlt sich in bekanntem Terrain einfach wohler und kennt die Hotspots ,die Landemöglichkeiten und Lufträume. Nur die Optik mit wesentlich mehr Schnee auf den Bergen sah im Vergleich zum August etwas ungewohnt aus, dafür aber umso schöner! Am Grand Paradiso mussten wir kaum kreisen, die Hänge trugen gut im Westwind. Das Tal von Aosta war schnell gequert, endlich mal ohne das vorsichtige langsame Gleiten, denn die Wolken Richtung Matterhorn sahen gut aus und zogen zuverlässig. Die nötige Höhe zum Passieren des Matterhorns holten wir uns etwas unkonventionell mitten über dem Tal bei Cervinia. Tja und dann war der Höhepunkt des Fluges erreicht: das Mattertal! Zunächst konzentrierten wir uns auf den nächsten Aufwind, den wir dann auch  am Gornergrat fanden. Es gab auf dem ganzen Flug bestimmt keine schönere Stelle zum Kreisen. Die Gletscherwelt Richtung Monte Rosa ist einfach immer wieder faszinierend, besonders aus der Perspektive eines Segelflugzeugs. Das Matterhorn strahlte uns von seiner schönsten „Postkartenseite“ an. Es war genau 3 Uhr, wir hatten gut aufgeholt und lagen wieder im Zeitplan. Das Oberwallis lief auf der Südseite des Rhonetals gut, wir bemühten uns nun zunehmend gut oben zu bleiben, je näher wir dem Grimselpass hinter Münster kamen. Hier wollten wir möglichst mit maximaler Höhe abfliegen, was uns dann auch mit 3700Metern gelang. Jetzt hieß es Abschied nehmen vom Wallis mit der glasklaren Luft. Nördlich vom Grimselpass, wurde es deutlich dunstiger, die Basis sank entsprechend ab. Im LX hatten wir einen Punkt im Jura etwas westlich von Olten programmiert. Das half uns sehr in der dunstigen Luft die richtige Richtung einzuschlagen. Bei Zürich Info bekam ich die Information, dass der Militärflugplatz Meiringen , es war Samstag, außer Betrieb war und somit der Luftraum darüber ohne Einschränkungen nutzbar. Kaum hatten wir Meiringen und den Brienzersee passiert wurde die Sicht deutlich besser und die Wolkenoptik sah hervorragend aus. Denn, so sagte man uns, der Weg über den Napf und das Mittelland zum Jura ist oft zäh und mühsam. Die Wolken zogen zwar nicht so gut, wie sie aussahen, aber wir erreichten Olten dann doch in sehr komfortablen 1700Metern und natürlich gab es an der Jura Kante wieder gutes Steigen. Jetzt noch kurz den Sprung zurück in den Schwarzwald und dann ab nach Hause, so dachten wir es uns. Tja, und dann wurde es immer dunkler, bedeckter und schattiger voraus. Der gesamte Südschwarzwald war komplett bedeckt. Wie schade. Wir erreichten den Flugplatz Hütten in Platzrundenhöhe, der Hang trug zwar, aber an ein Weiterkommen war nicht zu denken, keine Chance. Das war so nicht vorhergesagt. Es schien weiter nordöstlich sogar zu regnen. Ok, egal, genau dafür hat man ja den Motor. Georg zündete direkt am Flugplatz, ich versuchte noch die Hänge bei Schönau, gab dann  aber auch auf und zündete. Leider kam der Motor der S2 nicht auf Leistung und so blieb Georg nichts anderes übrig als in Hütten zu Landen. Dort wurde er aber freudig empfangen, sind wir doch von früheren Wettbewerben dort (lang ist´s her) alte Bekannte. Sogleich wurde ein Rückschlepp für ihn organisiert. Ich konnte den Motor kurz vor Villingen schon wieder ausmachen, denn da gab es wieder Einstrahlung und 4 Achtel Cumulus. Es wehte ein kräftiger Nordwestwind und mit schwächsten 0,5 er Bärten schlich ich mich zum Plettenberg rüber, den ich knapp über Hangkante erreichte. 30km/h Nordwest sind ohne Regen eine Seltenheit und ideale Bedingungen zum Hangfliegen, wie Tilo weiß. Ich versuchte dann gar nicht mehr die zerrissene Thermik auszukurbeln sondern flog von da an die letzten 60km im Hangflug zurück zur Hahnweide. Das war noch mal eine mordsgaudi und für mich auch das erste Mal, die gesamte Albkante im Hangwind zu erfliegen. Am Farrenberg vorbei erschien wieder die S2 im Flarmdisplay, 600Meter über mir und so landeten wir letztendlich wieder beisammen kurz hintereinander um 18.45 Uhr auf der Hahnweide.

Etwas erschöpft, aber überglücklich und vor allem in dem Bewußtsein, zwei unvergessliche Tage mit sensationellen Flügen erlebt zu haben, bauten wir unsere Flieger mit Hilfe unserer Vereinsjugend, die uns schon erwartete, ab. Diese beiden Tage werden wir bestimmt nie vergessen.

Ein paar Tage in Ohlstadt

Eigentlich waren wir ja von einer Schweizer Segelfliegerin mit dem AMF (Angelika Machinek Förderverein Frauensegelflug) nach Courtelary im Jura eingeladen worden. Dieses Lager musste aber wegen Corona wie so viele Wettbewerbe auch abgesagt werden. Ein kleines Grüppchen Mädels und Abi Kiessling waren sich einig, dass da eine Alternative gefunden werden musste. Der Flugplatz Ohlstadt in der Nähe von Garmisch Partenkirchen hat sich da schnell als ideal herauskristallisiert. Wir haben beschlossen, dass wir den Termin wetterabhängig flexibel halten und Abi der Wetter-Guru ist, der das Signal zum Aufbruch geben würde. Zum Glück hat mein Chef da auch mitgespielt, was flexible Urlaubstage angeht.

Am letzten Mai-Wochenende wurde für Baden-Württemberg sehr gutes Flugwetter vorhergesagt und wir haben beschlossen, diese beiden Tage noch von zuhause aus zu nutzen. Den Samstag nutze ich, um in den Pfälzer Wald und ins Saarland zu fliegen.

Pfälzer Wald, Blick nach Norden
Pfälzer Wald, Blick nach Süden

Dann kam das Signal zum Aufbruch, Mo Anreise, gute Bedingungen ab jetzt auch in den Bergen. Die Fliegergruppe Wolf-Hirth hatte ihr Fluglager auch für diese Woche in Ohlstadt geplant. Wir sind dann zu dritt eingetrudelt, Nina, Abi und ich. Der Rest konnte es dann doch nicht einrichten.

Der Flug beginnt am Kloster Ettal

Unser erster Flugtag war der Dienstag. Früher Thermikbeginn und gute Kaltluft. Unser Ziel war das Engadin, das wir sonst von Süden her aus Alzate schon angeflogen sind. Der Einstieg führte auf der Ostseite des Lechtals ins Gebirge. Vorbei an der Parseierspitze wechselten wir ins Inntal. Ich kannte mich recht gut aus, weil ich im Vorfeld verschiedene Folgen des late night soaring nochmal durchgearbeitet hatte, wo Berge, Routen und Außenlandemöglichkeiten durchgesprochen wurden. Vor dem Piz Nuna, wo der Inn einen großen Bogen macht, wechselten wir die Talseite und überquerten den Ofenpass. Die hohen Berge sind alle noch tief verschneit und die Optik ist traumhaft schön. Spielend einfach war der Weg bis Samedan, wo die Basis auf 3700 m war. Abi meinte, im Addatal sieht’s auch gut aus. Ich schaute den Berninapass entlang. Stimmt, aber wie kommen wir zurück? Wir sind dann „nur“ eine Runde an der Bernina entlanggeflogen und lieber auf demselben Weg zurück. Andächtige Stille in Anbetracht des eisigen Riesen.

Anflug auf die Bernina
Bernina, nur Eis und Schnee
Der Reschensee wartet auf die Schneeschmelze

Im Rückflug bleibt man auf der süd-östlichen Talseite, sie ist wegen der Tageszeit jetzt günstiger. Den Kaunergrat entlang und über’s Pitztal und Ötztal. Dann folgte die Querung der TMA Innsbruck, wo sehr freundliche Kontroller zur Zeit fast nur Arbeit mit Segelfliegern haben. Ein kleiner Trip zum Rofan am Achensee und natürlich ein Besuch bei der Zugspitze rundete den Flug ab. Zufriedene Menschen am Abend.

Wettersteingrat, dahinter Zugspitzplateau
Zugspitze von Nord-Osten

Am Mittwoch besuchten wir viele bekannte Skigebiete, von denen ich einige auch vom Boden her kenne. Den Anfang machte wieder das Lechtal bis Bach, direkt angrenzend der Arlberg. „Servus Fiss Ladies“ hieß es dann, aber das eigentliche Ziel war Vent ganz hinten im Ötztal, wo wir zusammen mit der Frauen NM schon oft zum Skifahren waren. Tatsächlich erlaubte es die hohe Basis, bis ganz nach hinten bei der 3768m hohen Wildspitze reinzufliegen. Es folgte wieder die Querung des Inntals westl. von Innsbruck, von wo aus wir über der Wettersteinwand entlang nach Osten flogen. Unser Weg führte weiter durch’s Karwendelgebirge, wo die Isar entspringt, zum Achensee.

Inntalquerung westlich Kufstein

Östlich von Innsbruck querten wir wieder nach Süden, wo der Pinzgauer Spaziergang lockte. Es ging super dort, aber ein Regenschirm war so langsam angebracht. Wir düsten bis zur Schmittenhöhe bei Zell am See und dann nichts wie heim.

Oberammergau und der Kofel

Am Donnerstag schob sich die labile Gewitterluft von Westen her auf uns zu, im Osten sollte es aber nochmal sehr gut werden. Die Basis heute etwas niedriger, aber Thermik am Platz ging gut. Nina brauchte eine Pause und Abi musste nochmal landen wegen nicht schließender Fahrwerksklappe. Ich habe auf ihn gewartet und mit einiger Verzögerung sind wir dann nach Osten los. Ohne Fahrwerksklappe war der Ventus unangenehm laut und hatte deutliche Verluste beim Gleiten. Über die Benediktenwand und die bayerischen Alpen ging’s trotzdem weiter nach Kufstein. Heute stand die Thermik am wilden Kaiser nicht direkt am Hang sondern unter einer riesigen Wolke mitten über dem Tal, was mir eine gigantische Aussicht auf den ganzen Klotz mit seinem sonst immer thermisch sehr aktiven langen Südhang eröffnete.

Wilder Kaiser

Westlich von St. Johann haben wir das Skigebiet überquert, das uns wegen Corona im März 2020 nicht vergönnt war. Jetzt kamen wir endlich in die Zone mit den richtig guten Bedingungen, Basis stieg inzwischen auf 3300 m an und auch das Steigen war leichter zu finden. Die Blick ging zum Großglockner, eine weiße Pracht soweit das Auge reicht.

Blick Richtung Großglockner
Großes Wiesbachhorn
Steinernes Meer
Dachstein
Dachstein

Nach dem Kitzsteinhorn überquert man zuerst das Gasteiner Tal, danach die Tauernautobahn. Ich wollte gern bis nach Niederöblarn fliegen, zwischendurch ging es sogar bis auf 3800m. Hinter uns sahen wir schon, dass die Gewitter aufziehen und uns eventuell den Rückweg abschneiden würden. Oder macht’s danach nochmal auf? Der Rückweg aus dem Osten lief wieder problemlos, der Plan war das Pinzgau entlang in den hohen Bergen zu fliegen und dann über den Gerlospass zum Achensee. Tilo sagte im Funk, dass es südlich von Innsbruck am Brenner noch mit 2 m/s geht und wir probierten das auch. Leider war das nicht mehr so, als wir kamen und ich musste einsehen, dass der Heimweg mit der LS 8 nicht mehr machbar sein würde. Am Ausgang des Zillertals habe ich bei Innsbruck Approach angefragt, ob dort noch ein F-Schlepp zu bekommen wäre. Der freundliche Controller meinte, die Segelflieger haben den Betrieb schon abgemeldet, aber er fragt mal nach. Kurz darauf hat er sich wieder gemeldet, dass leider niemand mehr zu erreichen wäre, er aber in Kufstein angerufen hätte und die mich gerne heimschleppen würden. Und das alles auf der Frequenz der Anflugkontrolle eines Verkehrsflughafens. Toll. Nach 7 ½ Stunden landete ich in Kufstein, wo mein Vater jahrelang ein regelmäßiger Gast war.

Den 4. Tag in Folge ließ ich dann aus, weil es nur recht lokal und eher im Flachland vor den Alpen gehen sollte, danach kam der Regen. Ein geselliges Abschlussessen mit der FGWH im Flugplatzrestaurant rundete das ganze Unternehmen ab. Es war ein toller Ausflug und ich bin sicher, dass er wiederholt wird, vielleicht sogar noch dieses Jahr. Meine Flüge habe ich unter weglide.org hochgeladen.

Hahnweide – Cuxhaven und zurück, ein Wochenendflug mit unserem Motorsegler

Jürgen und ich hatten den Motorsegler schon eine Woche vor dem 23. April (einem Freitag) reserviert und hofften sehr, dass Petrus uns wohl gesonnen sein würde, um das Wochenende fliegerisch genießen zu können. Die in Offenbach fernmündlich eingeholte Langfristwettervorhersage klang vielversprechend: Ein sich über England ausbildendes kräftiges Hoch würde bei Abtrocknung die kühle, arktisch angehauchte Luft über Deutschland mit starker, kalter Strömung nach Süden transportieren. Die dann im Verlauf der Woche über flugwetter.de eingeholten Informationen verfeinerten diese Aussage, und es wurde klar, dass wir für unser Vorhaben ein fantastisches Wetterfenster – vielleicht sogar bis hin zum 26. April – zur Verfügung haben würden.

Als Zielflugplatz suchten wir Nordholz-Spieka aus, ein Katzensprung weg von Jürgens Haus in Dorum und ebenso nah zu Cuxhaven gelegen. Ein Freund würde uns seinen Zweitwagen zur Verfügung stellen, damit wir mobil unterwegs sein konnten – welch ein Geschenk.
Während ich nach alter Väter Sitte und mit Wokis Tabellenwerk den Flug vorbereitete, besorgte sich Jürgen zusätzlich noch das von Thomas bereits viel genutzte und gelobte Softwarepaket Skydemon. Thomas gab uns am Abend vor dem Flug freundlicherweise noch einen Crashkurs in die Bedienung und gute Tipps.

Mit geringstmöglichem Gepäck und – wegen des vorherrschenden Gegenwindes – gut vollgetankt ging es am Freitagmittag los. Kontrollpunkte waren Unterschüpf, Fulda-Jossa, Fritzlar, Porta Westfalica (Oerlinghausen) und Oldenburg-Hatten. Das Kennenlernen bzw. Wiedererkennen von Deutschland aus der Luft der Länge nach von Süd nach Nord bei besten Sichtbedingungen war einfach ein Erlebnis. Da fiel dann das parallele Navigieren mit dem eingebauten Peschges und dem Skydemon und zusätzlich dem VOR nicht schwer. Dennoch sahen wir beide, dass man zum Kennenlernen und Ausnützen dieses zusätzlichen wirklich umfangreichen und hilfreichen Tools von Thomas noch mehr Übung benötigt. Für meine händische Vorbereitung hatte ich einen Gegenwind von 20 km/h angenommen und damit eine Gesamtflugzeit von 4 Stunden und 1 Minute errechnet. Tatsächlich brauchten wir exakt 4 Stunden. Landung also mit stolzgeschwellter Brust.

Was haben wir auf diesem Hinflug erlebt? Für mich war es – außer der Freude am Fliegen und der Landschaft – insbesondere der neu empfundene Spaß beim Fliegen mit dem Finger auf der Landkarte und beim Funken mit den diversen Langen-Controllern. Das ist sehr hilfreich. Meine Tangierung des Kontrollraumes D von Bremen wurde aufmerksam und allerdings auch nicht allzu freundlich mit der Bemerkung versehen, ich solle doch nach links rausfliegen. Den darin steckenden Tadel haben wir nur zu gerne akzeptiert.

Über meinen zeitweiligen Arbeitsort Bremerhaven und Jürgens Heimatort Dorum hinweg ging es an der Weser entlang nach Nordholz mit Meldung am Pflichtmeldepunkt Sierra.

Das Anflugverfahren unseres Landeortes ist generell mit erstem Kontakt bei Nordholz Turm geregelt. Erst bei der Landung wird auf die Spieka-Frequenz gerastet. Es war aber bereits kurz nach 14.00 Uhr UTC, da war das Militär wohl schon im Wochenende, und wir nahmen dann den direkten Spieka-Kontakt auf.

Da das Abstellen von unserem Mose im Spiekaer Hangar nicht möglich war, kam das mitgenommene Ankerzeug wieder zu Ehren. Hierzu gibt es kleine Videosequenz mit Jürgen, dem Verzurr-Meister.

Jürgen kann es ohne den Hebel

Samstag besuchten wir den Hafen mit dem berühmten Steubenhöft.

Am Sonntag war Zeit für den geplanten Rundflug um und über Cuxhaven.

Die Thermik war berauschend, so dass immerhin noch eine gute Viertelstunde lang auch Aufwindfreuden mit abgestelltem Motor mitgenommen werden konnten.

Da es eiskalt war, musste aber nachher dem Motor gut zugeredet werden, bis er wieder warm genug für die Landung war.

Für die Übernachtungen stand Jürgens Haus in Dorum zur Verfügung. Dort lässt es sich hervorragend leben und schlafen.

Früh am nächsten Morgen ging es neben der wiederum händischen Flugvorbereitung, die wieder bestes Wetter erwarten ließ, vor allem um die Frage, ob die vorhergesagten Minusgrade in geplanten 4000 ft Flughöhe nicht einen Wärmeschutz für den Motor empfehlenswert machen würden. Jürgen fing schon an, ein Ersatz-Alublech vorzubereiten. Auf das weise fernmündliche Abraten von Woki hin jedoch verzichteten wir auf diese Maßnahme.

Der Heimflug war wieder ein Sichtfluggenuss, und das bei bestem Überlandflugwetter. Da wir ziemlich weit unter der Basis flogen, bekamen wir die Thermik deutlich zu spüren, was den Motorflieger vielleicht zum Einhalten einer exakt vorgegebenen Höhe ständig zu Energie-vernichtenden Korrekturen veranlasst hätte. So aber gereichte dies dem Segelflieger in uns zur Freude.

Vielleicht konnten wir durch „dynamischen“ Segelflug und trotz leichtem Gegenwind etwas Sprit sparen und erreichten nach dreieinhalb Stunden Flug den Heimatflugplatz mit immer noch 30 ltr. im Tank.

Jürgen und ich durften ein wunderbares Flugwochenende erleben. Rechnet man die gesamte Flugvorbereitung mit ein, brauchten wir wahrscheinlich genauso viel Zeit, wie eine Auto- oder Bahnreise nach Norddeutschland gedauert hätte. Aber wo wären Spaß und Freude geblieben? Und der Nicht-Routinier in uns hat eine Herausforderung gemeistert, und das kann man vielleicht als ein zusätzliches Bonbon im Fliegerstammbuch vermerken.

Im Nachhinein, beim Reflektieren über all das schöne Erlebte, möchten wir nicht vergessen, dass wir dies als Hobbyflieger, die wir sind, nur im Rahmen eines Vereins machen können. Wir dürfen einen Motorsegler genießen, der durch die Arbeit eines Teams von fachlich versierten Freunden tadellos in Schuss gehalten wird. Und wir können uns auf einen Motor verlassen, der wie ein Uhrwerk läuft.

Mit dem Ventus von der Hahnweide ins Engadin

Am Montag, den 03.05.21 ist mir ein sehr schöner Flug in die Alpen bis nach Zernez im Engadin gelungen. Wie es dazu kam, und warum der Flug für mich so außergewöhnlich war, möchte ich Euch gerne erzählen.

Irgendwie habe ich mich in der Vergangenheit nie so recht damit beschäftigt, wie man von der Hahnweide aus mit dem Segelflugzeug in die Alpen fliegen kann. Durch meine jährliche Teilnahme an 2 Alpenfluglagern im April und August kam ich bisher eigentlich immer genug zum Fliegen in den Bergen. Aber dadurch, dass coronabedingt unser Frühjahrsfluglager in Sondrio schon zum 2. Mal ausfallen musste, habe ich doch verstärkte Sehnsucht nach den von mir so geliebten Flugregionen in den Alpen bekommen. Meine Sehnsucht wurde noch verstärkt, nachdem ich mehrere „late night soaring“ Youtube Videos in der Winterpause angeschaut habe. Besonders interessant fand ich den Beitrag „Flugtaktik im Engadin“.

Nachdem dann in den letzten Wochen noch vermehrt Flüge von den Cracks auf der Hahnweide in die Alpen durchgeführt wurden, stand mein Entschluss entgültig fest: das will ich auch mal probieren. Also fing ich an, mich intensiv damit zu beschäftigen. Das oben erwähnte Video habe ich zumindest in Ausschnitten bestimmt 10 Mal angeschaut, mir Screenshots ausgedruckt, Notizen gemacht, Lufträume studiert und viel mit google earth in 3D die Berge studiert und mich mit den empfohlenen Außenlandeplätzen beschäftigt. Dann kam noch was ganz entscheidendes dazu. Abi Kießling gelang Ende April genau der Flug, von dem ich anfing zu träumen. Er flog bis zum Bernina Gletscher und zurück. Diesen Flug habe ich genau studiert: Wann ist er gestartet, welche Route ist er bis an den Alpenrand geflogen, wie hoch kam er wo an, wo hat er den Einstieg in die Berge gemacht, wo hat er die Täler gequert, hat er bestimmte Pässe überflogen, um welche Uhrzeit war er wo? Eine hervorragende Möglichkeit der Fluganalyse besteht über „soaringlab.eu“. Echt genial, wie anschaulich man in 3D Flüge nachfliegen und von anderen lernen kann. Zu guter letzt habe ich mir dann über seeyou eine Route für das LX9000 programmiert, die praktisch genau dem Flugweg entsprach, den Abi genommen hat. Und diese Route hat mir dann bei meinem eigentlichen Flug am 3. Mai sehr geholfen.

Jetzt musste nur noch eine geeignete Wetterlage kommen, also: zunächst Mal natürlich gute bis sehr gute Bedingungen im Zielgebiet, im Engadin. Und dann zumindest passable Bedingungen für den Weg dorthin, sprich ausreichend hohe Basis in den Allgäuer Alpen, um ins Inntal zu gelangen und natürlich sollte man auch thermisch irgendwie von der Hahnweide an den Alpenrand gelangen. Am besten noch früh einsetzende Thermik, dann hat man für das ganze Vorhaben ausreichend Zeit. Tja, und dann kam so eine Wetterlage viel früher als gedacht. Am 3. Mai waren im Engadin gute Steigwerte bis 3500m MSL angekündigt. Süddeutschland sollte nach Durchzug einer Kaltfont unter Zwischenhocheinfluss kommen, die Luftmasse im Tagesverlauf abtrocknen, je südlicher desto früher sollte die Abtrocknung einsetzen, wobei mit Abtrocknung in diesem Fall nicht Blauthermik gemeint ist, sondern weniger Überentwicklungen und Ausbreitungen.

Um 9 Uhr stand ich also hochmotiviert am Hänger bei blauem Himmel, ein paar hohe Wolkenfelder noch im Osten zu sehen, der Boden klatschnass, es hatte noch in der Nacht geregnet. Das Regenradar zeigte noch in der Früh ein größeres Schauergebiet im Allgäu, oh weh. Außer mir war nur ein Sportsoldat am Platz, wollte ein 750er FAI Dreieck um Stuttgart fliegen mit verhaltenem Optimismus. Günther half mir netterweise beim Aufbauen. Um 09:30 Uhr schon begann es auf der Alb kräftig zu quellen, meine Vorfreude stieg und war ungebremst bis zu dem Moment als ich etwas Sprit nachtanken wollte und den Hauptschalter anmachte: tot, nichts ging, alle Sicherungen gecheckt, nichts. Die Motorbatterie war nicht zum Leben zu erwecken. Also Fehlersúche, Spannung messen: 0,0 Volt. Bei Schempp angerufen: die Lifepos schalten schon mal komplett ab beim Unterschreiten einer bestimmten Spannung, wir sollten 15 Minuten laden, dann sei alles wieder ok. Gesagt, getan, die Zeit ran nur so davon, der F-Schlepp mit dem Sportsoldaten ging hinter mir raus und ich musste mich ziemlich zwingen cool zu bleiben. Nach 15 Min immer noch nichts, das Ladegerät schien noch nicht mal richtig an zuspringen. Also fuhr Günther zu Schempp rüber um eine Ersatzbatterie zu organisieren. Die Zwischenzeit nutzte ich für die letzten Vorbereitungen: Motor checken, Cockpit beladen, Route ins LX laden. Und schon kam Günther mit einer geladenen Ersatzbatterie zurück, nach rekordverdächtigen 20 Minuten. Jetzt lief alles gut, ich hatte wieder Strom, kurz nachtanken und auf gings zur 25, zum Start auf Asphalt, auch hier noch mal meinen herzlichen Dank an Günther, der noch mitgelaufen war. Um 10:50 Uhr war ich in der Luft, zwar eine Stunde später als möglich, letztendlich aber nur 10 Min nach Abis Flug vor einer Woche. Ich motorte deutlich höher als notwendig, um gleich auf Kurs gehen und wieder etwas Zeit aufholen zu können. Die Bewölkung hatte stark zugenommen, alles war breit gelaufen und schon großflächig verschattet. Aber bei Münsingen fand ich noch einen Sonnenfleck und gutes Steigen trug mich auf stolze 2000 Meter. Mein nächster Wegpunkt war Biberach an der Riß, aber dorthin schien der Weg versperrt, ziemlich dunkel war es vor mir, ein größerer Schauer hatte sich leider entwickelt. Also gut, was machen? Außen rum fliegen? Da war auch überall nur Schatten. Die Außentemperatur zeigte -4 Grad, 700m Sicherheit zurück zur Hahnweide, ein Stück rein ins dunkle kann ich ja mal fliegen, Niederschlag in Form von Schnee oder Schneegriesel wäscht einen ja deutlich weniger runter als Regen, so meine Überrlegung. Und tatsächlich, verlor ich nur wenig Höhe und nach einigen Minuten konnte ich schon erkennen wie es vorne wieder heller wurde und es genügend Einstrahlung gab. Die programmierte Route half mir jetzt sehr trotz der eingeschränkten Sicht den Weg nach Biberach zu finden. Die Wettervorhersage schien richtig zu sein: je südlicher, desto trockener. Die Basis sank zwar wieder auf etwa 1600m ab, dafür gab es zunehmed weniger Ausbreitungen und genügend Einstrahlung. Bei Biberach fand ich wieder Aufwind und von da ab lief es gut über den Flugplatz von Leutkirch bis Immenstadt im Allgäu. Schon hatte ich also die Berge erreicht und an Hand der Wolken war eigentlich klar, wie man weiterfliegt. Leider lief es dann aber ab Oberstdorf deutlich schlechter als die Wolkenoptik versprach und ich war eine ganze Weile am rumbasteln ohne wesentlich an Höhe zu gewinnen. Die hätte ich aber dringend gebraucht um entspannt nach Süden weiterfliegen zu können. Im Lechtal standen ein paar kleine Wölkchen mit deutlich höherer Basis die ich aber nicht direkt anfliegen konnte. Schließlich bog ich fast 90 Grad von meiner geplanten Route nach rechts (südwest) ab und fand am Schrofenpass direkt über dem Skiort Warth Steigen, dass mich endlich auf 2600 und etwas weiter östlich sogar auf 3000 Meter hob. Jetzt war entspanntes Weiterfliegen auf Abis Route Richtung Landeck möglich und im Inntal lockte weitere 1/8 Bewölkung mit noch höherer Basis. Ich bins dann erst mal langsam und vorsichtig angegangen und habe auf der Südseite vom Lechtal alles an Steigen mitgenommen was ich über den Gräten so gefunden habe. Viel war es nicht, es lag auch noch gut Schnee überall, optisch natürlich ein Hochgenuss. Die Luft war jetzt glasklar, nach Südwesten kaum noch Bewölkung, eine unglaubliche Fernsicht nach allen Richtungen. Nach Norden schaute ich jetzt über die Wolken. Ein Blick auf die Uhr: 13:30 Uhr etwas über 100km bis nach St. Moritz. Abi hatte an der Bernina gegen 15 Uhr gewendet. Ich lag also ziemlich gut im Zeitplan. Plötzlich war ich also im Inntal, Landeck zu meiner rechten und an einem dunklen steinigen voll in der Sonne liegenden Geröllhang fand ich gutes Steigen bis auf 3300Meter. Von nun an kam mir durch meine intensive Vorbereitung alles vollkommen vertraut vor, obwohl ich defacto zum allerersten Mal dort flog. Auch die Namen der Berge, die Benjamin Bach im late night soaring Video aufgezählt hatte, kamen mir sofort wieder ins Gedächtnis. So ging es also über den Venet zum Hexenkopf, an den gut einsehbaren Außenlandefeldern von Tösens vorbei zum Muttler, wo ich genau wie von Benjamin beschrieben dann auch gutes Steigen bis sagenhafte 3800Meter fand. Kalt war es da oben, -12 Grad, die Skyboots halfen sehr, ne lange Unterhose wäre noch schöner gewesen. Egal, die atemberaubende Fernsicht entschädigte für alles. Es ist einer der Momente, an dem einem wieder mal klar wird, warum man den ganzen Aufwand betreibt, mit der vielen ehrenamtlichen Arbeit im Verein und auch der Pflege des eigenen Flugzeugs. Nach Süden konnte man einwandfrei über den Reschenpass ins Vinschgau schauen, dahinter sogar schon die Dolomiten erkennen. Rechts vorraus der Ortler, an dem ich von Sondrio aus schon so oft war. Und natürlich rückte mein Ziel, die Bernina jetzt in greifbare Nähe. Ich fühlte mich großartig, was für ein Logenplatz am Himmel! Die nächste Wolke stand etwas weiter weg am Piz Nuna, sah aber perfekt aus. Wegen meiner guten Höhe konnte ich nun wie von „Schunki“ beschrieben direkt diagonal das Tal queren und einiges abkürzen. Tja und dann hat sich die Wolke natürlich kurz vor meiner Ankunft aufgelöst, Steigen war dann entsprechend nicht so toll. Aber der Maloja Wind stand voll auf dem Prallhang, die Nuna war also eine sichere „Bank“. 14:30 Uhr war es mittlerweile und vor mir war jetzt alles blau. Nicht weit vor mir lagen die 2 Beschränkungsgebiete R11 und R11A, die leider beide aktiv waren. Eigentlich hatte ich geplant zu versuchen eine Freigabe für den Durchflug zu bekommen. Wenn ich an der Nuna auch noch mal auf 3800 gekommen wäre, hätte ich bestimmt den Mut gehabt weiter zu fliegen. So aber aus 3300 ins Blaue weitergleiten trotz Malojawind, was ja angeblich ein sicheres Zeichen für Thermik ist, mit der Unsicherheit der Beschränkungsgebiete und nachdem bis hierher alles so gut gelaufen war, beschloss ich dann doch umzudrehen. Der Rückweg lief dann ziemlich entspannt, geradezu einfach. Die paar Wolkenfetzen, die es im Unterengadin noch gab, lieferten zuverlässiges Steigen und als ich wieder an dem oben beschriebenen Geröllhang hinter Landeck auf 3500m kam, zeigte das LX nur noch -600m für den Endanflug auf die Hahnweide an. Mit dieser Höhe konnte ich wunderbar ohne zu Kreisen das Lechtal queren und kam ganz entspannt wieder nach Oberstdorf und Sonthofen. Die Basis hatte sich zwischenzeitlich deutlich angehoben und so wurde der Rückweg noch einfacher. Linker Hand zog der Alpsee vorbei und im Hintergrund konnte man im Dunst den Bodensee erkennen. Ich suchte und fand zu meiner rechten den Flugplatz von Agathazell und später links Isny. Zwischen Leutkirch und Biberach zeigte der Rechner zum ersten mal Endanflughöhe und die Optik vorraus zeigte, dass jetzt nichts mehr schief gehen konnte. Und weil kurz vor Münsingen eine schöne Wolkenstraße Richtung Osten verlief, folgte ich Ihr noch eine Weile bis ich dann bei Giengen an der Brenz endgültig den Endanflug einleitete, ein kleiner Schlenker über unser zu Hause in Heiningen musste noch sein, und schließlich landete ich bei schöner Abendstimmung nach 6:45 Std überglücklich wieder auf der Hahnweide. Was für ein Flug! Unglaublich, was man mit so einem Segelflugzeug alles anstellen kann. Natürlich war der Flug weit weg von irgendwelchen Rekorden. Aber für mich persönlich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Kein Flug, den man so schnell vergisst. Und klar, die Bernina knack ich irgendwann auch noch, ich lege mich auf die Lauer und halte nach einer geeigneten Wetterlage Ausschau!

Screenshot late night soaring
hinter Münsingen musste ich ins Dunkle
dahinter, bei Biberach
deutlich besser
südlich Leutkirch, an der markierten Stelle gab es den nächsten Aufwind
wieder oben am Alpsee
über Oberstdorf, die Wolken zogen nicht so gut
noch viel Schnee, von dieser Stelle konnte ich die Wolken im Lechtal nicht erreichen
Einstieg ins Inntal gelungen, Venet voraus, rechts Landeck
Anflug auf den Hexenkopf mit noch höherer Basis
am Muttler vorbei, Piz Nuna in Sicht
links unterhalb der 2 Wolkenfetzen der Ortler
wieder auf dem Rückweg kurz vor Scuol
nördlich Landeck kurz vor dem Lechtal
der Lech
am Ende des Tals liegt Warth
kurz vor Oberstdorf noch über der Basis
über dem Winglet: der Grünten
wieder am Alpsee hinten im Dunst der Bodensee
Federsee
hinter Biberach war klar, der Einstieg auf die Alb sollte gelingen
Endanflug von Osten, Blick zur Teck
Hahnweide in Sicht

Mit dem Motorsegler nach Samedan / Engadin

eigentlich wollten Thomas und ich schon ein Wochende zuvor nach Samedan fliegen, aus Spaß an der Freude aber auch um seinen Geschäftsfreund Edoardo zu treffen. Doch leider regnete es den ganzen Tag. Und so verschoben wir unser Vorhaben auf

Samstag, den 07.11.2020. Hochdruckwetter war angesagt, die Alpen sollten komplett sonnig sein, nur – und das ist der Nachteil an Hochdruckwetterlagen im Winter- das Gebiet um die Donau und am Bodensee sollte nebelig werden. Thomas hatte den Flug gewissenhaft vorbereitet. Weil Samedan ein sehr hochgelegener Flugplatz ist, muss man, um dort landen zu dürfen, sich ausführlich mit den Gegebenheiten des Platzes vertraut machen. Am problematischsten ist die Dichtehöhe, die besonders im Sommer bei hohen Temperaturen so machen Flieger an seine Leistungsgrenze bringen kann, vor allem bei hoher Beladung. Also liest man sich im Internet die Zusammenhänge durch und macht anschließend online einen recht umfangreichen Test, den es zu bestehen gilt. Dann bekommt man ein Zertifikat und erhält für 2 Jahre Landeerlaubnis. Den Test haben wir größtenteils gemeinsam am Telefon gemacht, ich war gerade im Auto unterwegs und Thomas meinte ich könnte meine Mehrfachbelastbarkeit unter Beweis stellen. Für die eigentliche Flugvorbereitung benutzt Thomas die SkyDemon Software. Damit ist das Planen von Motorflugstrecken und später das Navigieren an Bord sehr einfach. Selbst der für die Schweiz erforderliche Flugplan wird vollautomatisch erstellt, sehr praktisch.

Wir trafen uns also um 08:00 Uhr auf der Hahnweide, die um diese Zeit noch menschenleer war und bauten auf. Auch für die Hahnweide war Nebel vorhergesagt aber glücklicherweise blieb dieser westlich vom Platz und war auch nur sehr dünn. So konnten wir wie geplant um kurz vor 9 starten. Bei „Langen Information“ eröffneten wir unseren Flugplan und blieben gleich auf der Welle, aber außer uns schien so früh noch keiner unterwegs zu sein. Als wir die Alb erreichten sahen wir das vorhergesagte Nebelgebiet. Also hieß es ordentlich Höhe tanken, um im Falle eines Motorausfalls entweder sicher zurückgleiten oder ab dem Entscheidungspunkt geradeaus weiter fliegen zu können. Das Gebiet östlich vom Bodensee war nebelfrei und so war ein Überfliegen des Nebelgebiets problemlos möglich. Wir flogen zunächst die selbe Route wie 2 Wochen zuvor Thomas mit Woki zur Schesaplana. Die Sicht war grandios nach allen Seiten. Die Alpen empfingen uns mit glasklarer Luft und frisch beschneiten Hängen. Südlich der Schesaplana waren wir beide noch nie mit dem Flieger unterwegs, es war für uns beide Neuland. wir passsierten Klosters und Davos zu unserer linken und zu unser Verwunderung herrschte dort bereits reger Skibetrieb. Jetzt mussten wir den Abula-Pass finden und ansteuern, denn dies ist einer der Anflugpunkte für Samedan aus Norden kommend. Mit Hilfe des GPS und mit reichlich terrestrischer Navigation ist uns dies ganz gut gelungen. Wir konnten problemlos mit Samedan Turm Funkkontakt aufnehmen, obwohl zwischen uns und dem Flugplatz noch einige hohe Berge lagen. Offensichtlich gibt es eine Relaystation. Die Anflugroute ist recht simpel: man folgt vom Abulapass (2300 m NN) dem Tal bis man die Ortschaft La Punt im Inntal erreicht. Dort befindet man sich entweder schon im Endteil der Landebahn 21 oder im langen Gegenanflug für die 03. Da der Platz 1700m hoch ist muss man bis zur Platzrunde gar nicht so viel Höhe abbauen, eigentlich ganz praktisch. Für uns war die 03 vorgesehen, wir bekamen im Anflug schon einen Vorgeschmack auf den Abflug mit grandioser Aussicht auf die Berninagruppe und die beiden Seen. Pünktlich nach 1Std und 35 Min Flugzeit, genau wie berechnet setzen wir auf, unglaublich wie schnell das ging. Nach der Landung gings hinter dem Followme zum Parkplatz auf dem Vorfeld, wir waren das erste ausländische Flugzeug an diesem Tag. Wenn man nach so einem Flug die Hauben öffnet, empfängt einen jedes Mal das faszinierende Gefühl irgendwo gänzlich woanders zu sein, komplett andere Landschaft, anderes Klima, anderes Land, und das nach so kurzer Flugzeit. Für solche Unternehmungen ist unser Motorsegler einfach unschlagbar. Tja und Edoardo? Konnte nicht kommen, wegen Corona-Lockdown durfte er Mailand nicht mehr verlassen, keine Chance. Dafür gab es ein paar Restaurant Tipps per WhatsApp. Nach einer halben Std zu Fuß saßen wir schließlich auf der Sonnenterrasse des Cafe Laager und genossen die Aussicht und regionale Pastagerichte. Zurück auf dem Flugplatz mussten wir doch etwas schlucken ob der hohen Landegebühr, wenigstens kann man sie sich ja teilen. Mittlerweile standen auch ein paar Privatjets um unsere TB herum, eine junge Dame im Pelzmäntelchen und Schoßhündchen an der Leine lief gerade quer übers Vorfeld, ja klar wir sind ja auch bei St. Moritz! Nun freuten wir uns aber sehr auf den Rückflug mit der weiter westlichen Route.

Der Start war problemlos, dieses Mal von der 21 bei leichtem Maloja Wind, aber die Höhe merkten wir schon, bei hohen Temperaturen im Sommer hätten wir sicherlich in der Platzrunde erst Höhe gewinnen müssen, so aber ging es recht gut im Geradeausflug. Zunächst flogen wir an St. Moritz vorbei, dann über die 3 Seen hinweg, der größte davon der Silvaplanasee. Das Panorama hat uns so sehr begeistert, dass wir mehrere Kreise flogen, bevor wir das Tal Richtung Julier Pass verließen. Dieses Gebiet kannten wir entweder nur von unten durch unsere zahlreichen Fahrten ins Frühjahrsfluglager nach Sondrio oder von hoch oben aus 4000 Meter bei unseren Wellenflügen von Sondrio aus. Die Perspektive von ein paar hundert Metern über Grund hat, wie wir feststellten, seinen ganz besonderen Reiz. Die 4000er im Süden mit ihren frisch beschneiten reinweißen Gletschern, darunter die tiefblauen Seen im Tal, der weite Blick nach Westen über den Maloja hinweg und nach Norden die uns so vertraute Passstraße zum Julier. Auch das Gebiet um den Julier mussten wir bei Bivio durch ein paar Kreise nochmal genauer betrachten, einfach zu schön dort. Von dort aus flogen wir am Lenzerhorn, dann etwas westlich des Weisshorn und Hochwang vorbei und weiter am Osthang des Rheintals über Feldkirch nach Friedrichshafen. Dort hatte sich der Nebel zwar etwas zurückgezogen aber wir blieben wieder hoch genug für ein sicheres Überfliegen des Nebelgebietes bis wir einen langgestreckten Sinkflug bei herrlicher spätnachmittaglicher Dunststimmung an der Albkante zurück zur Hahnweide einleiten konnten.

Nach der Landung waren wir einfach überglücklich, wieder einmal war es ein ganz besonderer Tag für uns. Als ich 1 Std später zu Hause beim Kaffee saß, konnte ich es einfach nicht glauben, dass ich nur ein paar Std zuvor noch mitten im Egadin war. Thomas und ich waren uns einig: Samedan ist defintiv ein ganz besonderes Ausflugsziel, zur Nachahmung sehr zu empfehlen!