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Carpe diem mit Franz

Franz hatte schon lange einen Plan: Hilmar und Ulla am Attersee zu besuchen. Spontan fragte er mich bei einem Schraubernachmittag auf der Hahnweide – ist 6:30 am Flugplatz ok? Meine Frage war noch – sollen wir die Tage vorher schon tanken? Nein, das geht ja schnell meint er. Wir sind ein eingespieltes Team. 7:10 waren wir genau nach Flugplan in der Luft! Franz hat die Planung mit FL95 gemacht. Der Wind hat uns mit Kraft geschoben – direkt von hinten, bei 115 km/h IAS hatten wir 180 km/h über Grund. Das langsame Fliegen hat einen Vorteil: es spart Sprit für den längeren Rückflug – der Wind legte sich an diesem Sturmtag erst, als wir schon wieder im Bett lagen. Außerdem kannte Hilmar unsere geplante Ankunftszeit. Franz hatte ja einen Flugplan aufgegeben und Hilmar konnte immer über Flightradar24 unsere Position sehen.

Der Flug am frühen Morgen war wunderschön und die Sicht großartig. Das Licht zeichnete malerisch lange Schatten, beim Rückflug wird es wieder so sein. Vorbei an Ammersee, Starnberger See und Chiemsee näherten wir uns Salzburg für ein midfieldcrossing in 3000ft. Kein Problem, der freundliche Fluglotse hat unsere Wünsche erfüllt und wir haben Dank unserem Navi seine Pflichtmeldepunkte ganz leicht gefunden. Östlich Salzburg wird die Szenerie noch traumhafter. Die Seen des Salzkammerguts begrüßen uns wie glitzernde Edelsteine, sie fließen förmlich aus dem Gebirgsstock des Karwendel heraus. Fuschlsee, Mondsee, weiter entfernt rechter Hand der Wolfgangsee, dann Attersee und Traunsee. Teilweise liegen sie mit ihrer südlichen Hälfte zwischen steilen Felswänden, manche kleinere Seen sind auch komplett umarmt vom Fels. Die Berge wachsen ohne Vorgeplänkel aus der Ebene heraus und stehen ganz mächtig da!

Bei der Landung auf dem gepflegten Verkehrslandeplatz Gmunden war der Wind direkt auf unserer Nase, passte also gut. Den ersten Parkplatz haben wir wieder verlassen – der Boden war zu steinig für unsere Erdanker. Aber Franz hat eine schöne Alternative hinter den Hallen gefunden und der Flugleiter war einverstanden.

Es folgt die Sightseeingtour im Tesla über den Höhenrücken vom Traunsee zum Attersee. Das Ufer des Sees ist schmal und begehrt – wie alle Ufer – und deshalb kreativ bebaut. Ältere Villen haben links und rechts vom Haus noch Platz, die neuen Häuser rücken so dicht zusammen wie die Vorschriften erlauben. Da das Ufer steil ist, haben die Menschen in den weiter hinten liegenden Hausreihen auch einen freien Blick zum See – es ist wie im Amphitheater! Wir rollen elektrisch vorbei an Hilmar’s Jugenderinnerungen und wir stoppen beim Fischer. Ulla hat eine Lachsforelle bestellt, die war noch warm vom räuchern. Der Attersee ist das 2. zuhause von Hilmar und Ulla, es war eine große Freude des Wiedersehens bei uns allen. Den vorzüglichen Fisch gab’s mit Kren auf dem Balkon – dazu Sicht auf See, Schiffe und den Brennerin. Das ist der nächste Berg. Was will man mehr?

Sollen wir Segeln? Aaah – es sind starke Böen vorhergesagt. Der Wind steht quer zum See und wird durch das im Weg liegende Gebirge turbulent sein. Bei dieser Windrichtung ist Respekt geboten. Es hat noch andere Boote auf dem See – viele allerdings nicht. Aber gehen wir zum Boot und wollen es wagen. Hilmar hat das Boot vorsorglich schon von der Boje an den Steg gelegt – damit wir bequem einsteigen können – ein Superservice.

Wir legen mit elektrischem Innenborder ab und setzen Segel – dem Wetterbericht geschuldet lässt Hilmar das erste Reff drin. Es ist eine Kajütyacht mit Rennbesegelung – hat also alle Trimmmöglichkeiten für die Segel. Das Einlernen eines erfahrenen Windsurfers (Franz) auf das Boot dauert ja seine Zeit. So war’s gut, dass uns nicht gleich die harten Böen erwischt hatten. In welcher Drehrichtung legt man die Schot um die Winsch? Aha – die Winsch hat zwei Gänge – links rum kurbeln langsam – rechts rum schnell – ein geniales Teil. Dann muß der Vorschoter noch die Holepunkte für die Genuaschoten bedienen – Hilmar hat Franz ganz schön auf Trab gehalten.

Gechillt wurde auf einem anderen Boot. Direkt neben unserem Steg hatten junge Leute eine Schwimminsel an das Motorrennboot gebunden und sind damit elektrisch zum Baden auf den See geschlichen – mit Benzinmotor darf man erst wieder im Herbst fahren. Der See war herrlich, die Temperaturen perfekt zum Wohlfühlen und der Wind launisch. Ständig wechselte er die Richtung und die Stärke – jedes mal dicht holen oder fieren und natürlich den Holepunkt korrigieren! Aber so ist das auf einem Rennboot. Ich durfte fotografieren.

Unser Tag war ja exakt durch getaktet, deshalb gab’s feste Zeiten für die Rückkehr zum Steg und zum Flugplatz. Dazwischen muß Kaffee und Kuchen passen. Franz ist noch ins glasklare Wasser gesprungen, ich bin Hilmar beim Aufräumen zur Hand gegangen.

In Gmunden angekommen sind wir 1 Minute vor dem Flugplan (wieder über AIS im Internet aufgeben) in der Luft gewesen und bei dem heftigen Gegenwind gestiegen wie ein Ballon! Jetzt musste sich unser Mose gegen den starken Wind durchsetzen. Die Route war gleich wie beim Hinflug – der Wind eher noch einen Tick stärker – wir hatten Wind in Spitzen bis 80km/h, gemittelt 60km/h. Unser Flugweg führte diesmal nördlich der Salzburger Piste durch die Kontrollzone und sollten ein-zwei Minuten wegen Verkehrs warten. Aber der Lotse hat sicher übersehen, dass wir wegen dem Wind gaanz laangsam sind. Egal, auf der Hahnweide angekommen hatten wir noch 25 Minuten bis zum Sonnenuntergang. Wie beim Hinflug war wenig los im Funk, wenig Verkehr und wieder grandiose Flugsicht. Das schwächelnde Headset war von Ilhan repariert worden und funktioniert wieder perfekt.

Bei starkem Wind ist klar: man fliegt tief, weil der Wind dann schwächer ist. So tief, dass man einen Vorteil hätte, konnte man aber gar nicht fliegen. Franz ist dann 1000ft höher gestiegen – und oh Wunder – die Luft war ruhig und der Wind auch nicht stärker! So konnten wir die Taktik zu Routen und Höhenplanung bei starkem Gegenwind theoretisch und praktisch behandeln.

Frage 1: Bringt es was, einen Umweg über ein Gebiet mit weniger Wind zu wählen? An diesem Tag wäre das gut möglich gewesen. Das Starkwindfeld endete am Rand der Alpen. Ich hab’s hinterher mit FL95 gerechnet – der Umwegflug hätte länger gedauert. Der vorhergesagte Gegenwind war eben nicht null sondern auch noch 20km/h und wegen dem Gelände hätten wir mehr steigen müssen.

Frage 2: Bringt es was, schneller zu fliegen? Man wäre dann ja früher am Ziel. Die Flugzeit wäre natürlich kürzer, aber wir würden mehr Sprit verbrauchen. Die Formeln dazu zeigen: erhöhte Geschwindigkeit reduziert die Flugzeit linear, der Spritverbrauch steigt in erster Näherung mit der dritten Potenz – zumindest in dem Bereich 140 – 190 km/h. Für eine festgelegte Strecke steigt der Spritverbrauch dann quadratisch: Wenn ich 10% schneller fliege brauche ich 21% mehr Sprit.

Mit unserem alten Mose D-KATB, eine SF25B mit Stamo 45PS wären wir an diesem Tag nicht zurück gekommen. 100 km/h TAS und 60km/h Wind = 9h Flug plus 2 mal tanken. Aber Ulla und Hilmar hatten sich schon ausgedacht, wie sie uns im Fall des Falls gebettet hätten. Uns ging’s da richtig gut an dem See! Herzlichen Dank an die beiden für diesen tollen Tag!

Auf der HW ist der Flugbetrieb mittags wegen Starkwind beendet worden, Franz hat für die Modellflieger gefunkt und wir sind bei eingeschlafenem Wind auf der 31 butterweich gelandet. Im Norden hat ein Modeller seine Kapriolen gedreht. Wir haben noch bei Dämmerlicht aufgeräumt und hatten einen perfekten Tag!

Text: Franz, woki

Bilder: woki, Bernhard F.

Hier noch ein Link zu der tollen Webcam auf dem Schafberg:

https://schafberg.panomax.com/#

Zu Gast im Hangar 7

Seit längerem wollte Maximilian gerne den Hangar 7 am Flugplatz Salzburg besuchen, um sich das Museum von RED BULL anzuschauen.
Neben vielen Exponaten der Formel 1, gibt es dort in erster Linie die unglaublich schönen Flugzeuge der FLYING BULLS zu bewundern. Ähnlich unseres FMH (fliegendes Museum Hahnweide) https://fmh.club/ sind alle Flugzeuge voll einsatzfähig und werden ständig durch die Piloten der FLYING BULLS auf Flugtagen und anderen Events vorgeführt.

Somit war der Plan gefasst und es sollte mit unserer Grob 109B nach Salzburg gehen. Eine kurze Recherche auf der Internetseite des HANGAR 7 ergab, daß man nach Voranmeldung auch direkt auf dem APRON EAST direkt vor dem HANGAR 7 parken kann.
Der weitere Ablauf war durch das RED BULL TEAM perfekt organisiert und sogar die Landegebühren wurden online abgebucht, ohne die GA auf dem anderen Seite des Flugplatzes aufsuchen zu müssen.

Beim Frühstück am Morgen hatte es noch in Strömen geregnet und auf dem Weg zur Hahnweide war es nicht viel besser. Aber der Wetterbericht war positiv und später sollte das Wetter sehr gut werden.
Beim Aufbauen sind wir noch ein bisschen naß geworden und die Abflugzeit unseres Flugplans mussten wir nochmals verschieben – aber dann ging es los.

Unser Flug führte südlich an Ulm vorbei Richtung Memmingen. Kleinere Schauer auf der Alb waren bald durchflogen und das Wetter wurde sehr schnell besser, ziemlich genau wie es der DWD vorhergesagt hatte. Bald schon konnte man die bayrischen Seen sehen und die Alpen waren wunderschön vor uns gelegen.

Über den Ammersee und Starnbergersee ging es Richtung Rosenheim, Simssee und Chiemsee. Schon bald konnte man die Herreninsel erkennen, auf welcher sich KÖNIG LUDWIG II den Nachbau von Versailles errichten ließ – ein wirklich prachtvolles Schloß mit imposanten Gartenanlagen. Daneben die Krautinsel und die Fraueninsel mit der Abtei Frauenwörth.

Jetzt konnte man schon Salzburg hinter den Bergen gelegen erahnen und wir nahmen Kontakt mit Salzburg Turm auf. Wir wurden zügig über Whisky auf die 33 beordert und konnten im Queranflug noch die schöne Stadt aus der Luft bewundern.

Nach der Landung durften wir dann direkt auf das Vorfeld des Hangar 7 rollen, da wir ja angemeldet waren. Ein riesßiges Rolltor öffnet sich und auf dem Vorfeld wartete schon ein Einweiser und eine Empfangsdame. Österreichische Gastfreundschaft pur ! Wir parkten unsere TB neben den berühmten Flugzeugen der FLYING BULLS – das hat schon was ! Zuminest mit der Spannweite konnten wir ganz gut mithalten -)))

Die freundliche Dame begleitete uns dann in das Innere des archtiektonisch wirklich sehr außergewöhlichen Hangar 7 !!
Eine geschwungene Form ganz aus Glas und Stahl, welche im Zusammenspiel des gegenüberliegenden Hangar 8 an die Schwingen eines Flügels erinnert. Im Hangar 8 werden übrigens die Flugzeuge der FLYINGG BULLS gewartet.

Nachdem wir uns bei einem super BBQ in der Lounge gestärkt hatten, ging es auf die Endeckungtour des Museums.

Es ist wirlich sehenswert und wie man uns berichet hat, in seiner Art weltweit einzigartig. Ein Besuch lohnt sich.

In der Zwischenzeit hatten wir einen stahlblauen Himmel und hochsommerliche Temperaturen. Am Nachmittag ging es dann wieder zurück auf die HW.

Beim Flug über die bayrischen Seen kam uns dann auch gleich das nächste Projekt in den Sinn. Das Erfliegen aller oberbayrischen Seen mit Badestopp – einen geeigneten Platz in Nähe zur Badestelle haben wir bereits endeckt – Wir werden berichten !!!

Mit dem Duo unterwegs über die Wälder

Matthias (Dezi) hat mich gefragt, was ich samstags vorhätte. Nach HDH fahren – wieso? Er wollte mich im Duo zu einem Überlandflug mitnehmen. Also habe ich zuhause den Termin auf Sonntag verschoben und Dezi zugesagt. Die Idee war, ins Gebirge zu fliegen. Der Plan hatte nur bis Samstag Bestand. Der neue Plan war: Grabenstetten – Feldberg – Michelstadt im Odenwald – Aalen – Grabenstetten.

Auf der HW war für die gute Wettervorhersage um halb zehn eigentlich wenig los. Wir sind schon als 2ter Segler um 10:30 gestartet – hinter der Husky. Ab Grabenstetten ging’s über die Alb zum ersten Wendepunkt Feldberg. Wir fanden gutes Steigen und zuverlässige Thermik. Vorbei am Titisee mit Blick zum Schluchsee – in der Ferne war auch der Bodensee im leichten Dunst zu sehen. Über der Alb waren wir noch ziemlich alleine in der Luft gewesen – im Schwarzwald rasten schon deutlich mehr Segelflugzeuge über die Kämme.

Der Weg zum Nordschwarzwald war spannend, die Thermik lief in die Breite und war unzuverlässiger als vorher. Aber wir hatten Hilfe durch kreisende Mitflieger – es waren ein paar ASW’s und eine JS3. Das Kraichgau hat es sehr gut mit uns gemeint. Wir sind flott in den Odenwald geglitten – den Neckar gesehen – und am Flugplatz Michelstadt gewendet. Dezi kennt den Odenwald in und auswendig. Er hat mir den Melibokus gezeigt und die Rennstrecke: an der westlichen Handkante werden die großen Jojos geflogen. Für die noch nicht Eingewiesenen: Jojo fliegen bedeutet hier: die Hangkante hin- und herflitzen bis es dunkelt – es braucht dazu Wind aus West.

Nächste Wende Aalen – breitlaufende Abschirmung erschwerte es, die richtige Route zu finden. Naja – es ging immer noch passabel – aber eben mit Kursabweichungen von 30°. Unten raus schien’s schwer – wir haben Aussengelandete auf den Äckern und Wiesen gesehen. Da gibt’s nur eins: oben bleiben.

Auf unserem Flug sahen wir viele neue Windräder – bei denen sich aber nix drehte!

Hoho – es waren erst die Masten gesetzt! Dezi hat sich vorbildlich in Schwäbisch Hall gemeldet und nach Springern gefragt. Wir wurden freundlich durchgewunken, da die Absetzmachine erst am starten war.

Über dem Flugplatz Aalen haben wir gewendet – es haben noch 500 Meter für den Endanflug gefehlt. Wenn ich da Dezi auf diesen und jenen tollen Ort oder Flugplatz hingewiesen habe hat er nicht zugehört – er war ganz auf die Thermik fokussiert. Das war gut so – querab Bartholomä hatten wir die Endanflughöhe und es folgte für Dezi der reine Genussflug über die Alb. Ich hatte schon ab dem Start den reinen Genussflug! Jetzt hatte Dezi auch Augen für das rekonstruierte neolithische Einfallstor bei Erkenbrechtsweiler.

Es war ein super Tag und die Aufgabe hat genau gepasst!

Details zum Flug:

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7985378

Text und Bilder: Dezi, woki

Mehr als 200 Jahre in der Luft.

Nachträgliche Anmerkung des Autors: Der Titel ist etwas rätselhaft – eigentlich etwas lax – formuliert. Aber im Text klärt sich dann alles auf!

Wir hatten die Prüfung für das ARC (Airworthiness Review Certificate) unserer Slingsby T21B mit Andreas. Diesmal mit neuen Regeln und Formularen – also Extraarbeit für Andreas. Martin und ich haben das Flugzeug vorbereitet und zwei kleine Verletzungen der Stoffbespannung am Rumpf repariert. Mit Bespannstoff aus Baumwolle, Klebelack und Spannlack. Der Endlack und die Beschriftung „Lift here“ kommen noch drauf.

Die Abnahme war zeitgleich mit dem Kranich vom FMH (Fliegendes Museum Hahnweide, https://fmh.club). So waren genügend Leute da, um die Halle ab 8:30 für die Abnahme frei zu räumen. Und genügend Leute um die Slingsby ab- und aufzumontieren. Vielen Dank an die Helfer von ACS (Aero Club Stuttgart), FMH und SCS (Sportflieger-Club Stuttgart)! Die Prüfung lief glatt über die Bühne und das edle Stück hat sie ohne Mängel bestanden! Andreas hat ausgerechnet, dass wir in 20 Jahren 220h geflogen sind. So als Summe ist das ganz schön viel. Die 20 Jahre natürlich auch.

Das Wetter war top, so haben wir mit Peter’s Hilfe die Slingsby zum F-Schlepp geschoben. Es war toll wieder abzuheben – für mich das erste mal nach 9 Monaten. Wenn wir mit der Slingsby fliegen, sind mehr als 200 Jahre in der Luft. In der Reihenfolge das Alters: Slingsby, ich, dann Martin. Wir sind mit Masken geflogen – und mit der Zeit konnten wir die Zusatzwirkung des Virenschutzes geniesen – er wurde für uns zum Kälteschutz. Wir haben die Dinger bis zur Landung draufgelassen! Nach 20 Minuten war’s von der Temperatur her nicht mehr gemütlich und wir waren eine ganze Stunde in der Luft.

Sicht und Thermik waren super – ein sehr schöner Flug.


Text: woki Bilder: B. Pfau, woki

Winterwartung – 5 auf einen Streich

Zuhause gibt’s Einiges, was man tun kann – also habe ich die alten Unterlagen von meinem Zellenwartlehrgang 1996 durchgeblättert und ein Gedicht gefunden, der Autor ist nicht genannt:

Fliegen, Warten, Segelflugzeug warten tut Not.

Der Reifen platt, das Vario lügt
und auch der Kompass stets betrügt.
Die Steuerung klemmt wohl hin und wieder
ein Jammer ist’s mit dem Gefieder.
Polieren sollt‘ man mit ’nem Lappen
die Flügel bis hin zu den Klappen.
Die Bolzen quietschen, schrei’n nach Fett,
vom Leitwerk platzt der Spachtel weg.
Ein Stein schlug Löcher in den Rumpf,
seitdem klingt’s eigenartig dumpf –
beim Starten und auch stets beim Landen,
das ist das Wasser hinterm Spanten.
Wo’s so aussieht, da muß man warten
das Flugzeug vor dem nächsten starten.

Solange wie im Gedicht haben wir im SCS noch nie die Reparatur rausgeschoben!
Für die Nichtflieger: das ist ein Scherzgedicht.

Winterwartung und Jahresnachprüfung 2020 – 5 auf einen Streich

Wie jedes Jahr haben wir den Winter über die Flugzeuge für die neue Flugsaison vorbereitet. Die Gewerke sind putzen, kontrollieren, lackieren, Elektronik verbessern, Hilfsmotor warten, Gurte erneuern. Dann war die Nachprüfung angesagt – und Florian wollte 5 Flugzeuge an einem Tag prüfen lassen. Weil 5 zu viele sind, haben wir im letzten Jahr die Flugzeuge auf 2 Termine verteilt. War total vernünftig.

Aber Florian hatte eine neue Idee zum Ablauf: alle Rümpfe stehen in der Werkstatt, die Flügel in den Hängern. Hier die Details zum Ablauf:

Andreas prüft den ersten Rumpf, gleichzeitig werden die zugehörigen Flügel und das Höhenruder aus dem Hänger raus auf Böcken für die Prüfung bereitgelegt. Wenn der erste Rumpf fertig geprüft ist, wird die Sitzschale wieder eingebaut – und Andreas prüft gleichtzeitig die Flügel. Dann wird das Flugzeug zusammengebaut und fertig geprüft.

Während das erste Flugzeug wieder abgebaut wird, geht Andreas zum 2ten Rumpf. Das lief so astrein, dass ich platt war! Super geplant – Florian! Und vielen Dank an Andreas und die Helfer vom SCS! Mit auf unserer Seite war das Wetter – wir konnten die Flugzeuge im Freien aufbauen.

So – jetzt ist alles fertig zum in die Luft gehen – und wir hoffen auf die Zeit nach dem Virus.

Text: woki               Bilder: Wolfgang Kuhn, woki

Ein besonderes Erlebnis war der Tausch der Gasdruckfeder an der Cockpithaube an der ASW. Franz hatte ein übles Erlebnis beim Flugzeug ziehen – die Haube ist ohne Windeinfluß zugeknallt und hat ihm die Hand eingeklemmt – war sehr schmerzhaft!

Wir hatten eine neue Feder bestellt und wollten sie tauschen. Ein Holländer hat uns auf der Hahnweide erklärt, dass es nicht die kleine Reparatur auf dem Flugplatz ist. Er hatte recht. Ich habe mich telefonisch bei Fa. Schleicher aufklären lassen – und wir sind’s dann in unserer Werkstatt angegangen. Es hat mehr als einen Werkstattabend gekostet. Zwischendrin dachte ich, wir müssen das Flugzeug in die Röhn fahren. Mit ein paar Hilfswerkzeugen und viel Schweiß geht’s – und so stolz waren wir auf uns, als das Ding endlich drin war!

5 auf einen Streich

Wolken im Frühjahr

Ihr habt ja alle die Wolken letzte Woche gesehen. Uahh – ist das anstrengend! Die Luft brodelt – die Geier drehen auf! Und wir dürfen nicht fliegen!

Für die Nichtflieger: Die Raubvögel steigen in der Thermik und mein Kollege, ein Drachenflieger, hat das so gesagt: die drehen auf. Klar – andere haben jetzt viel größere Schwierigkeiten zu bewältigen. Aber jetzt ist die gute Frühjahrsthermik – und wir dürfen nur den Vögeln zuschauen.

Christian’s Text zu Wolken ist mir beim schauen wieder eingefallen – SCS Festschrift zum 50sten Vereinsjubiläum im Jahr 2000, Seite 68. Hier ist er:

Wolken – von Christian Gall

Wolken sind unsere Freunde. Sie zeigen uns wo Thermik ist. Oder sein könnte.

Sie sind trickreich und vergänglich, von unstetem Wesen. Bis Du zu einer Wolke kommst, kann sie schon erloschen sein, kein Aufwind vielleicht sogar Abwind.

Wolken sind schön. Wenn starker Aufwind bei trockener kühler Luft kondensiert bilden sich Pilze – sie quellen wie Blumenkohl zu abenteuerlichen Formen. Hat man das Glück, an einer Wolke vorbeizusteigen und sieht sie von der Seite.

Oder die bunten Halo und Ringe, die das Sonnenlicht brechen und beugen.

Vor der Wellenwolke, sie sich wie ein Berg vor Dir türmt entlangzufliegen oder gar über sie hinweg an ihren Rändern streifen.

Wolken können uns arg ärgern. Die Schichtwolken, die den Himmel verdecken und jede Thermilk verhindern, oder gar die Regenwolken.

Wolken können bedrohlich sein, wenn sich ein Gewitter vor Dir auftürmt und Dir den Weg versperrt.

Wolken können verführerisch sein, wenn an der Basis das Steigen zunimmt und Dich in die Wolke hineinziehen will zu ungeahnter Höhe, aber du darfst nicht und bist auch zu vernünftig, um blind zu fliegen.

Wie oft sitze ich am Boden und schaue den Wolken zu, suche ihre Geheimnisse zu ergründen, ihr werden und vergehen, die Formen wenn sie sich ganz plötzlich entwickeln, wachsen und sich allmählich wieder auflösen.

Oder warum treiben Wolken unverändert am Himmel hin ohne sichtbares Zeichen von Veränderungen.

Wassersäcke groß und mächtig aber ohne Aufwind.

Nebel und Hochnebel gehören auch zur Familie der Wolken und wir lieben sie gar nicht weil sie uns schon so manchen Flugtag verdorben haben.

Christian Gall 2000 Fotos: woki

Hier haben die Wolken ihr Spiel mit uns getrieben - wir sind zu oft zu den falschen geflogen und schon waren wir bei den Kühen.

Die Wolken haben ihr Spiel mit uns getrieben – wir sind zu oft zu den falschen geflogen und schon waren wir bei den Kühen.

Frauen-WM in Australien

Die Entscheidung war nicht einfach, nachdem ich wusste, dass ich für die Frauen-WM in Australien qualifiziert bin. Einerseits natürlich spannend, was einen erwartet, Australien bietet ja in unserem Winter ziemlich gute Segelflugbedingungen. Aber auf der anderen Seite ist die Organisation wesentlich aufwändiger als gewohnt und dann ist das Ganze auch noch erheblich teurer.

Eine Bekannte, die nach Australien ausgewandert ist, hat mir eine LS8t vermittelt, die ich chartern konnte. Eine langjährige Freundin und Fördererin des Frauen-Segelflugs – Ingrid Blecher – hat früher selber an internationalen Frauenwettbewerben teilgenommen und hat mich gerne als Rückholerin begleitet.

Ingrid Blecher

Unsere Reise haben wir mit ein paar Tagen in Melbourne begonnen, wo wir vom Flugzeug-Eigentümer Rolf und seiner Frau Nela eingeladen wurden. Die beiden Deutschen sind vor Jahrzehnten ausgewandert und wohnen ca. 1 Autostunde außerhalb von Melbourne. Das Grundstück ist riesig, an den See kommen abends in der Dämmerung Kängurus.

Grundstück „auf dem Land“
Das Haus hat autarke Wasser- und Stromversorgung
Nela, pflanzte Tausende Eukalyptusbäume, das hilft gegen die Ausbreitung der Buschfeuer

Ein Ausflug nach Melbourne zeigte uns den Kontrast: Das moderne Australien mit seinen Wolkenkratzern. Das Stadtbild nimmt wenig Rücksicht auf ältere Gebäude

Skyline von Melbourne

Nach den paar Tagen Eingewöhnung, Abbau des Jetlags, immerhin 10 h Zeitdifferenz sind zu verkraften, ging es über Sydney weiter nach Tamworth. Die LS8 hatte der Bruder von Nela per Auto schon nach Lake Keepit gezogen, so dass wir die 1100 km bequem fliegen konnten.

In der Trainingswoche hatte ich jede Menge zu tun. Zuerst musste ich noch 12 kg zusätzliches Blei besorgen und einbauen, bevor es losgehen konnte. Natürlich wollte ich erst mal die Gegend von oben erkunden. Ich hörte, es gibt zwei Höhenzüge, die nach Norden führen und ziemlich gute Thermik produzieren.

Flugplatz Lake Keepit, rechts davon die Staumauer. Der untere Bereich wäre eigentlich der See

Beim ersten Flug trat jedoch ein unangenehmes Brummen ab 160 km/h auf. Ob der verschiedenen Versuche, die Ursache zu finden, habe ich leider bei der Landung das Fahrwerk vergessen. Dort geht das nicht mit ein paar grünen Streifen am Rumpf ab, sondern man braucht 3 Lagen Glasgewebe und neuem Lack … und einen Tag Zwangspause.

Michael, der Bruder von Nela war mit beim LTB

Die braune, ausgedörrte Landschaft außerhalb der Berge war für uns alle ein bisschen bedrückend. Das Land wirkte so verdurstet und an der Grenze zur Wüste. Vor 4 Jahren war noch alles grün und der Stausee voll, aber seither hat es im Flachland fast nicht mehr geregnet. In der Trainings- und der ersten Wettbewerbswoche kam eine extreme Hitze dazu. Thermikauslösetemperatur bei 39°, da geht’s erst richtig bei 41° oder mehr. Man baut früh auf und kommt dann so spät wie möglich zum Flieger. Auch die Rückholer flüchten so schnell wie möglich zurück ins klimatisierte Cabin. Mit viel Wasser + Elektrolyt, feuchten Halstüchern und Kühlkissen haben wir dagegengehalten. Zum Glück geht im Flug die Temperatur schnell auf erträgliche Werte zurück, dort hängt man selten in mieser Blauthermik ewig in 500m Grund.

Der kümmerliche Rest des Lake Keepit

Oben sieht man den Flugplatz und daneben die Staumauer. Noch etwas rechts liegt der State Park, wo viele Teilnehmerinnen ein klimatisiertes Cabin gemietet hatten. In der Bildmitte liegt der Sports Park mit Swimming Pool, wo die meisten offiziellen Feste stattfanden. Ganz unten ist ein UL-Platz zu sehen, der die letzte Landemöglichkeit im Endanflug darstellt.

Die toten Bäume sind normal unter Wasser

Nach 70 km in Richtung Norden kommt dort der Mount Kaputar, oder Monte Kaputto, wie unser Coach Wolli ihn nennt. Hier beginnt die Thermik als erstes, ist die Basis immer etwas höher und die Thermik besser, aber auch als erstes überentwickelt. Dort gibt’s auch Regen.

Überentwicklung bei Mount Kaputar

Unsere Unterkunft war ein klimatisiertes 2-Zimmer-Haus (Cabin) im State Park.

Unser Cabin im State Park

Wir haben uns dort selber versorgt und abends selber gekocht. Die Herausforderung daran war das Einkaufen. Der nächste Laden ist in Gunnedah oder Manilla, beide Städtchen sind so 35-40 km weg. Wenn man was Größeres braucht (z.B. einen Baumarkt), muss man nach Tamworth fahren, gut 50 km.

Hauptstraße in Gunnedah
Fußgänger sind selten in Manilla

Vor dem Clubheim am Flugplatz gibt’s ein paar Halme grünes Gras, das gerne von den Kängurus angenommen wird

Auch im State park gibt’s jede Menge Kängurus
Wenn’s Kind schon zu groß ist, gucken die Füße raus

Wenn man näher an den Lake Keepit geht, sieht man auch noch Wasser. Es tummelt sich so einiges dort

Schon in der Trainingswoche kam der erste Sandsturm. Ich war bei völlig friedlicher Luft gelandet und hatte kaum den Flieger ans Auto gehängt, als das Unheil losbrach. Ich musste stehenbleiben, weil man absolut nichts mehr sehen konnte. Zum Glück bin ich nicht eine Viertelstunde länger geflogen…

Sandsturm

Jetzt aber mal zum Wettbewerb! Wir wurden betreut von Wolli Beyer als Coach und Daniela Wilden als Team Chefin. Sie haben Ihre Sache sehr gut gemacht, Dani hat sich bei ihrem Debut die Achtung der Team-Chef-Kollegen und von uns Pilotinnen verdient. Und Wolli hat frühmorgens das Wetter analysiert, uns während der Flüge ständig mit aktuellen Informationen versorgt und dann abends noch den Blog geschrieben.

Coach Wolli und Teamchefin Dani
Die australischen Flugzeuge sind „blütenweiß“

Am zweiten Tag ging unsere Aufgabe nach Süden, wo auch bergige Landschaft dominiert. Die Thermik war genial und die Basis auf 4000 m. Ich konnte 100 km Endanflug machen und schaffte mit einem Schnitt von 129 km/h den zweiten Tagesplatz.

2. Tagesplatz Conny, 1. Aude Untersee (F), 3. Aude Grangeray (F)

Am nächsten Tag war eine 4:15 h-AAT ausgeschrieben.

Staubige Angelegenheit beim Start
Thermikbeginn wird immer von Dust Devils angekündigt

Der Kurs führte zuerst in die eigentlich thermisch beste Gegend im NO des Platzes, aber unser erster Wendesektor war total angefüllt mit Rauch. Man konnte die anderen Flugzeuge bis 1 oder 2 km sehen und den Boden direkt nach unten. Nach vorne auf Kurs konnte man gar nichts erkennen. Naja, man navigiert ja mit GPS, aber man würde trotzdem gerne sehen, wo man hinfliegt, vor allem, wenn der Kurs über ziemlich unlandbares Gelände führt. Wir hatten eine Datei mit ein paar Außenlandemöglichkeiten, aber findet man das dann auch? Obwohl wir mehrfach Bescheid gesagt haben, wurde die Task weitergeflogen. Die Sicht sei ok, meinte der Tasksetter, der als objektiver Beobachter mit seinem Ventus im Wettbewerbsraum unterwegs war. Da ist er wohl eher im Süden bei den anderen beiden Klassen rumgeflogen.

Blindflug
Brände hinter Mount Kaputar

2 Stunden später, als wir in bester Thermik und bei guter Sicht im Norden kurz vor dem zweiten Wendesektor waren, wurde doch noch neutralisiert. Die Mitteilung erreichte uns über WhatsApp, für Funk war’s zu weit. Das haben wir dann auch nicht mehr so ganz verstanden.

Danach kamen zwei Tage, in denen wir ein bisschen langsamer als die Tagessieger waren, aber im Prinzip noch gut dabei. Eigentlich war ja der Plan, dass Ulrike und ich einen engen Teamflug machen, wie schon auf einigen Wettbewerben davor. Das klappte aber dieses Mal nicht, weil sie den optimalen Schwerpunkt ihrer LS8 in den ersten Tagen nicht gefunden hat und dadurch oft nicht richtig steigen konnte. Wenn man jeweils nach 2 Bärten 500 m höher ist, geht‘s halt alleine weiter.

Ulrike Teichmann

Dann kam der verhängnisvolle 6. Wertungstag. Wir flogen wieder ein AAT. Ich mag ja diese Aufgabenform, weil man eigene Entscheidungen treffen muss und kann, weil man weniger Abflugpoker machen muss und weil man nicht so leicht einem anderen hinterherfliegen kann. Aber in einer total fremden Gegend ist das schwerer als eine klassische Aufgabe. Man weiß einfach nicht so gut, welches Gebiet tendenziell besser ist und wo man kurz wenden sollte. Am Anfang lief es bärig, wir kamen unter Wolkenstraßen gut voran, den ersten Sektor nahmen wir nur kurz mit.

Mit Ulrike zusammen zum Mount Kaputar

Dann im zweiten Sektor wurde es schwieriger, ich schlug vor zu wenden. Wir flogen trotzdem noch ein Stück, ich war wieder mal höher und wir haben uns verloren. Die Flarmreichweite war trotz Powerflarm dort bei allen so gering, wie man es von Europa gar nicht gewohnt ist. Schon ab 1 km hat man die Teampartnerin nicht mehr gesehen. Im letzten großen Wendekreis wurde die Thermik wieder besser. Ich hab mich mit der besten Flugrichtung und mit der Berechnung der Ankunftszeit schwergetan. Wir 3 aus der Standardklasse haben uns wiedergefunden und gleich wieder verloren. Danach wurde die Thermik wegen Überentwicklungen schlecht. Wir waren jeder einzeln in Not und die Nervosität stieg. Ich habe einen Denkfehler beim Endanflug gemacht und flog zu tief aus dem letzten Bart weg. Leider musste ich dann kurz vor dem Zielkreis den Motor starten. Eine „Außenlandung“, wenn alle rumkommen, wirft einen komplett nach hinten und der Wettbewerb war praktisch nach der Hälfte gelaufen. Ich konnte mich nur ein bisschen mit Aude Untersee trösten, einer genialen französischen Pilotin, die am ersten WT mit einer Luftraumverletzung Null Punkte kassiert hatte.

Am siebten Tag in Folge war die Thermik blau und schlecht und der Thermikbeginn spät. Trotzdem hat unser Tasksetter 435 km für uns und sogar 538 für die 18m-Klasse ausgeschrieben. Wir sind erst um Dreiviertel 3 abgeflogen, obwohl man da schon wusste, dass die Aufgabe nicht zu schaffen ist. Der Coach hat uns gerügt, aber wer will schon bei niedriger Basis und schlechter Thermik allein im Blauen rumfliegen? Im großen Wald Pilagar, der fast quadratisch und ohne Landemöglichkeiten 80×100 km groß ist, war ein neues Feuer ausgebrochen. Der Rauch wurde mit dem Westwind auf unsere Strecke geblasen und brachte den letzten Rest Thermik zum Erliegen. Das ganze Feld lag draußen, ich konnte entspannt mit 4l Sprit heimratteln, die meisten anderen sattelten die Hänger. Sogar Katrin, musste mit ihrer JS3 auf einem Flugplatz außenlanden, weil sie so weit weg war, dass sie es trotz Jet-Antrieb nicht mehr vor Sunset nach Hause schaffte.

Das deutsche Team hatte ja alle Flugzeuge gechartert, während andere Nationen wie England, Frankreich, Italien und Tschechien ihre eigenen Flugzeuge per (z.T. verbandseigenem) Container verschifft haben. Beides hat Vor- und Nachteile. Für uns war das finanzielle Argument entscheidend, bei anderen Nationen wie z.B. Frankreich zahlt der Verband alles. So ein Container kostet eine Menge mehr, obwohl auch das Chartern natürlich Kosten verursacht. Wir hatten dadurch schon im Vorfeld nette Kontakte zu Australiern. Aber wir mussten uns mit fremder und unvollständiger Instrumentierung rumschlagen, mit Geräuschen, Schwerpunkt- und Funkproblemen. Die Steigwerte in Knoten hat man auch nicht so im Gefühl.

Die Lüftung kommt mitten aus dem I-Brett, in Australien sehr angenehm

Die anderen Nationen hatten dafür keinerlei Hänger dabei, weil in einen Container 5 Flugzeuge ohne oder 2 mit Anhänger passen (und das auch nur mit einem Spezialgestell und wenn man von einem die Achse abschraubt). An dem Außenlandetag wurden z.B. die 3 tschechischen LS8 Pilotinnen mit dem ersten Hänger abgeholt, für die anderen beiden Flugzeuge haben sie am nächsten Tag noch meinen Hänger ausgeliehen. Dieser war nach 7 Tagen in Folge als Ruhetag neutralisiert, sonst wäre maximal das halbe Starterfeld angetreten.

Es folgten noch zwei Tage, an denen wir mal gezeigt kriegten, wie gut das australische Wetter sein kann. Die Tagessieger der Standard-Klasse hatten Schnitte von über 135, wir so um 120 km/h. Die meisten Europäer fliegen einfach zu vorsichtig, wenn’s richtig knackt. Am letzten Flugtag kamen wir alle gerade so mit dem letzten Thermikhauch heim. An den letzten beiden Tagen wurde aufgebaut und gewartet und dann neutralisiert, wie man’s von hiesigen Wettbewerben kennt. Zeit für Small Talk, der in der Hitze der ersten Woche echt zu kurz kam.

Unerfreulich zum Schluss: Betrugsvorwurf gegen das australische Team. Wir waren ja den ganzen Wettbewerb über mit Trackingsystemen einer australischen Firma geflogen, die Positionsdaten wurden mit einer Viertelstunde Zeitversatz veröffentlicht. Die Pilotinnen sollten keine externe Hilfe aus diesem Tracking bekommen. Auf einmal kam am Ende der Verdacht und dann die Gewissheit, dass das australische Team das System geknackt hatte und ihnen so die Daten live zur Verfügung standen. Die Pilotinnen wurden von ihrem Team Captain in dem Glauben gelassen, dass dies legal sei. Die anderen Nationen sahen das anders. Die Jury musste sehr schnell am Abend der Siegerehrung eine Entscheidung treffen und gab allen Australierinnen 225 Strafpunkte wegen unsportlichem Verhalten. Diese Maßnahme hat die Clubklasse-Pilotin Jo Davis den Weltmeistertitel und in der Standarklasse Lisa Trotter den 3. Platz gekostet.

Es gab natürlich Diskussionen und viele unzufriedene Gesichter am Abschlussabend. Schade für die schöne WM, dass so ein unerfreulicher Abschluss den Eindruck trübt.

Das deutsche Team hat dieses Mal eine Silber- und eine Bronzemedaille erreicht.

Chrissi Grote, Vizeweltmeisterin Clubklasse, Weltmeisterin Elena Fergnani (Italien)
Katrin Senne, Bronzemedaille 18m-Klasse, Weltmeisterin Melanie Gadoulet (Frankreich)

Weil der Rücktransport der LS8 wieder von Michael übernommen wurde, konnten Ingrid und ich nach dem Wettbewerb zusammen mit Gisela Weinreich (Jury) noch eine Woche in Sydney dranhängen. Das war ein entspannter Abschluss und wir haben noch einiges gesehen.

Hafen und Opernhaus von der Harbour Bridge aus
Hafenrundfahrt mit Ingrid und Gisela
Die 3 Sisters in den Blue Mountains
Herrliche Sandstrände

Und jetzt – wieder daheim – genieße ich die kühle Luft, den Regen und ganz besonders das grüne Gras.

Zum Schluss möchte ich mich noch herzlich für die Unterstützung bedanken:

DAeC https://www.daec.de/

BWLV https://www.bwlv.de/home.html

Die BWLV-Mädels: Conny, Katrin, Steffi

VdP https://pilotinnen.de/

VdP-Mitglieder Conny, Chrissi, Ines und Sabrina

Fotos: Conny Schaich, Katrin Senne, Michael Zupanc, Serena Triebel, Christine Grote

Kloster Untermarchtal – ein Versuch für ein Luftbild

Christoph und ich haben uns mit dem Mose in die Luft geschwungen. Bei Kälte ist das Anlassen immer spannend: Läuft er oder brauchen wir Starthilfe? Aber mit 20 Kurbelwellenumdrehungen von Hand haben wir richtig gute Chancen.

Da wir erst nachmittags Zeit hatten, sollte es kein Kaffeeflug werden sondern einfach ein schöner Rundflug über der Alb. Kurz nach dem Start hatten wir herrliche Sicht bis zu den Alpen – und waren rundum eingeschlossen von einem Meer aus Bodennebel. Also sind wir zur Übung „Flugplatz finden“ geflogen – bei den Bildern gibt’s zwei Flugplatzrätsel für Euch zu lösen. Nicht arg schwer – es ist alles auf dem Stuttgarter Blatt.

Und dann sind mir die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal eingefallen. Die Schwestern haben eine interessante Kirche. Die 1972 eingeweihte Vinzenzkirche wurde nach den Plänen von Architekt Professor Hermann Baur, Basel, einem Zeitgenossen von Le Corbusier, erbaut. Das Kloster ist in der Nähe von Zwiefalten. Aber wir werden noch mal hinfliegen müssen.

Entlang der Nebelgrenze ging unser Flug nach Osten bis Heidenheim. Auf dem West-Kurs zur Hahnweide ist dann frappierend, wie schlecht die Sicht unter der Inversion im Gegenlicht von der Ferne aussieht. Die Inversion ist mit dem Lineal gezogen und wir hatten 10°C Aussentemperatur.

Zurück auf der Hahnweide hat uns Steffen begrüßt – zufällig – es war ein feiner Tag!

Quelle: www.untermarchtal.de

Text und Bilder: woki

Jetzt kommt der Abschnitt mit den Rätseln!

Zum nachmachen: Besuch der Reichenau mit dem Mose

Wie soll das gehen? Die Reichnau hat viele Gemüsebeete aber keinen Flugplatz!

Der Plan war: nach Konstanz fliegen, am Flugplatz Fahrräder mieten, auf die Reichenau radeln, Fisch essen und wieder zurück.

Stephan und ich sind also fröhlich auf die Hahnweide gefahren, haben das Flugzeug aufgebaut – und sind an der Tankstelle von Freunden ausgebremst worden. Aber mein Zeitplan hat an jeder Etappe eine Reserve. Beim Flug zur Reichenau mit Schlenker über den Traum aller Weltreisenden – Burg Hohenzollern – hatten wir perfekte Sicht. Die Alpen waren schon an der Albkante sichtbar. Südlich und östlich des Bodensees sahen wir aber viel geschlossene Wolkendecke – und sind gespannt und mit Föhn von vorn nach Süden gebrummt – wir hatten bis zu 50km/h Gegenwind. Laut GAFOR war Konstanz D3, aber als wir den Funk Konstanz hören konnten, waren wir entspannt. Über Konstanz war leichter Dunst, in der Höhe der stramme Föhn aber am Boden war kein Wind.

Die freundliche Flugleiterin gab uns Hinweise, wo die Fahrräder stehen und zusätzlich einen Geheimtipp für den ersten Kilometer Richtung Reichenau. Der Weg führt über einen schmalen Damm mit herrlicher Allee, links und rechts gibt’s Schilf mit Vogelparadies. In dem Naturschutzgebiet „Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee“ rasten über 50000 Wasservögel. Ich konnte einen großen Schwarm Bläßrallen erkennen.

Die ganze Insel ist Weltkulturerbe, gleich am östlichen Ende der Insel steht die Klosterkirche Peter und Paul – sie war aber diesmal nicht auf unserem Programm. Wir wollten zum Fisch. Am Wasser ist für mich immer der Wunsch, möglichst dirket am Wasser zu laufen oder radeln. Der Uferweg ist aber auf einzelnen Abschnitten nur für Fußgänger freigegeben. Früher war’s anders meinte eine Ortskundige und es gab früher diese Einschränkungen nicht. Wir sind dann so wie früher gefahren – natürlich mit größter Rücksicht den Fußgängern gegenüber.

Stephan war zum ersten mal auf der Reichenau und fand’s so idyllisch – fast nicht auszuhalten! In „Georg’s Fischerhütte“ wählten wir beide das Tagesgericht Zander – vorzüglich! Unsere Zander kamen aus dem Obersee. Die Fische werden zu ungemütlichen Tageszeiten aus dem Wasser gezogen. Vor 3 Jahren durfte ich mit einem Fischer mit raus fahren. Er bangt um seine Existenz – der See ist so sauber, dass die Fische sich nicht so gut wie früher ernähren können – und die Fänge gehen zurück. Er sagt: „Dia hand ons da See gnomma!“ Dia sind die, die vor einigen Jahrzehnten die Kläranlagen haben bauen lassen – dia aus Schduagrd.

Der Bodensee hat ein breite Spanne an Attraktionen – von den alten Burgen und Klöstern über das Schmetterlingshaus auf der Mainau bis zu den Technikmuseen Dornier am Flugplatz Friedrichshafen, Zeppelin in Friedrichshafen und Meersburg und Altenrhein. Und im Wasser fährt der schönste Raddampfer weit und breit!

Zurück am Flugplatz – fix die Räder aufgeräumt und kurz auf den Turm. Die Flugleiterin hat uns mit Trauben von der Reichenau versorgt und ab ging’s zur Hahnweide. Wir hatten nach der Landung noch 75 min bis Sonnenuntergang. Ein herrlicher Ausflug an einem wunderschönen Tag. Könnt Ihr gerne nachmachen!

Text: woki Bilder: Stephan und woki

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Schon eine Woche später haben Jochen und Stephan den Ausflug wiederholt. Und diesmal war’s zeitlich anspuchsvoller – weil wieder Winterzeit gilt. Aber mit unserem schnellen Mose ist das kein Problem.

Text: woki Fotos: Jochen