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Die Doppelprüfung

Freitag 27. Januar 2023, 900 LT, Zazenhausen. Vom LBA Sachgebiet T7 – Instandhaltung / CAO kommen die Prüfer Marcel Wunderlich und Josip Kosic.

Die Aufgaben: Florian prüft den Ventus und die Prüfer prüfen Florian.

Weil das ja kein Standardereignis ist, hatten wir Besucher: Matthias, Jutta, Mike und Ralf.
Wer kennt das nicht: vor der Prüfung ist Anspannung zu spüren. Florian hat nicht nur das Flugzeug und die Papiere vorbereitet, sondern auch die Werkstatt aufgeräumt, geheizt, Brezeln gekauft und Kaffee gekocht. Die Herren Wunderlich und Kosic haben sich ebenso vorbereitet – zum einen mit dem Studium der Ventus-Unterlagen zum anderen mit warmer Kleidung. Letzteres war jetzt bei uns nicht nötig.
Die Prüfung begann mit der Kontrolle der Papiere. Herr Wunderlich stellt knifflige Fragen – Florian wälzt den komplett gefüllten Ordner – und ruckzuck sind die gesuchten Papiere aufgeschlagen. Die Examinatoren waren positiv überrascht über die hervorragende Ordnung und haben Florian spontan und oft gelobt! Da zeigt sich auch die gute Schulung unseres Vereins durch Andreas Streble.
Dann ging’s ans Flugzeug: fast alle Arbeiten waren erledigt, nur die neuen Batterien fürs ELT waren noch nicht da. Da wir so viele angemeldete Gäste als Helfer beim Flugzeug auf- und abbauen hatten, waren vom SCS außer Florian nur Herbie und ich dabei. Vielen Dank für die Hilfe!
Herr Wunderlich hat Florian darauf hingewiesen, dass eine von uns durchgeführte Kontrolle nicht erforderlich ist – Ruderausschlag messen. Ok – aber wir kriegen dadurch ein Gefühl der Sicherheit und werden die Messung auch beibehalten. Mike von der BWLV Motorflugschule war geplättet von der Oberfläche des Ventus. Florian wird ihn ins Schwabbeln einweisen. Danach werden die Aquilas weniger Sprit brauchen – oder schneller fliegen.
Nach der Prüfung haben sich die Prüfer zur Auswertung zurückgezogen. Im Vergleich zu anderen Prüfungen wie Klausur oder Abitur war für uns beruhigend, dass das Ergebnis gleich nach der Beratung der Prüfer bekannt gegeben wird: Die S2 darf ein weiteres Jahr fliegen, und Florian darf ab sofort Jahresnachprüfungen an Segelflugzeugen, Motorseglern, und ELA1 Flugzeugen durchführen – bis 1200kg und in Kunststoff-, Blech-, Gemischt- und Holzbauweise. Florian hat gelernt, die Abläufe zur Dokumentation aus Sicht des LBA zu verstehen. So wird die korrekte Erstellung der Papiere einfacher und auch besser werden.

Herzlichen Glückwunsch Florian!

Bei den Bildern habe ich noch die drei Wochen zuvor stattgefundene Prüfung von ASW28 und Duo mit Andreas angehängt.

Text und Bilder: woki

Nachschrift: Ich für mich kann bei den einzelnen Änderungsforderungen des LBA noch nicht erkennen, was dadurch fürs Flugzeug oder seine Nutzer besser wird – also im Vergleich zu früher. Für mich ist der Schwerpunkt der Arbeit zwischen Papier und Flugzeug in einem Ungleichgewicht. Feststellen kann ich aber, dass ich mit zunehmendem Alter für viele Details, die mich früher genervt hatten, inzwischen Verständnis aufbringen kann. Also – ich habe noch Hoffnung!

Und hier Bilder von der Generalprobe zur Doppelprüfung zwei Wochen davor: Abnahme von von ASW28 und Duo Discus durch Andreas. Das Wetter hat’s gut mit uns gemeint – wir konnten im Freien montieren. Aber: es war ziemlich frisch!

Weihnachtsessen 2022 beim Sportflieger-Club Stuttgart, Teil 1

Endlich konnten wir nach drei Jahren wieder neben einem wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum gemütlich speisen und plauschen. Es gab für uns neue und auch legendäre – schon oft genossene – Vorspeisen, feines Schweinefilet in Blätterteig, Süßspeisen und Käseberge. Es blieb viel übrig – einige sind leider vor der Feier krank geworden. Wir hatten so viel Speisen, dass der ganze Verein satt geworden wäre.

Thomas hat in seiner Ansprache Conny’s reiche Ernte des Jahres 2022 Revue passieren lassen:
>>> Deutsche Meisterin >>> Weltmeisterin >>> IGC Champion Pilot of the Year 2022

Der Champion wird von der FAI aus den Weltmeistern/-innen des laufenden Jahres ausgewählt, dieses Jahr waren es acht: zwei Junioren, drei Frauen und drei der großen Klassen. Die Gewinner und Gewinnerinnen werden ausgerechnet, indem die zum Titelgewinn erreichte Punktzahl durch die maximal erreichbare Punktzahl des jeweiligen Wettbewerbs (also die Summe aller Tagessieger-Punkte) geteilt wird. Wer die höchste Prozentzahl der maximalen Punkte erreicht hat, wird Champion. Alles klar?

Der Pokal wiegt 27kg – und Conny darf ihn im nächsten März in Kopenhagen abholen.

Die im zweiten Teil (diesmal nur für den Verein zugänglich) gezeigten Bilder zeigen ein breites Spektrum der Gespräche – von ernst bis locker. Es war mal wieder ein entspannter Abend im SCS.

Vielen Dank für die Organisaton und die Speisenspender/-innen, und ein extra Dank für die Aufräumgruppe!

Text: woki

Der SCS feiert: die Weltmeisterin Conny Schaich

Achtung wichtige Durchsage: Conny – Cornelia Schaich – ist Weltmeisterin 2022 in der Standardklasse! Da gibt’s was zu feiern im Sportflieger-Club Stuttgart! Wie schon 2008 – damals war Conny Deutsche Meisterin – und 2003 – da war sie das erste Mal Weltmeisterin.
Also treffen wir uns zu Speis‘ und Trank – und dann gibt’s Conny’s Bericht. Viele von uns haben beim Wettbewerb in Husband‘s Bosworth online mitgefiebert. Aber der Vortrag der Meisterin ist natürlich ein besonderes Erlebnis.

Conny berichtet:
In einem vorbereitenden Treffen der National Mannschaft wurde uns vom Meteorologen Walter Hermann das wahrscheinlich zu erwartende Wetter unter dem Schlagwort „Tiefdruckfriedhof“ vorgestellt. Das beinhaltete nach seiner Auswertung einiger August-Wettbewerbe schnell wechselndes Wetter, tiefe Basis, starken Wind, zerrissene, schlechte Thermik und kleine Strecken mit vielen Wendepunkten. Ich hatte unter diesen Voraussetzungen ehrlich gesagt nicht so richtig große Lust auf eine Reise ins „Thermik-Eldorado“ England, entschloss mich aber dann doch, diese Erfahrung zu wagen.


Das Wetter sollte uns dieses Jahr aber alle überraschen. Ein mächtiges Hoch brachte die sommerliche Hitze bis ins Königreich und damit auch wirklich ansprechende Thermik in unserer Trainingswoche. Wir konnten schöne Erkundungsflüge in alle Richtungen machen, ohne ein Außenlanderisiko einzugehen.


Nie vorher habe ich erlebt, dass eine Frauen WM so intensiv für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die Fliegerei genutzt wurde. Schon die Eröffnungsveranstaltung wurde nicht auf dem Flugplatz, sondern in den beiden Nachbarstädten abgehalten.


Market Harborough und Lutterworth liegen jeweils in ca. 10 km Entfernung zum kleinen Örtchen Husbands Bosworth und konnten als Unterstützer der WM gewonnen werden. Ein Marsch der Teams durch die Fußgängerzone, ein lokaler Radiosender und ein kleiner Jahrmarkt mit Flugsimulator halfen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen.


Der erste Wettbewerbstag brachte uns dann ein absolutes Rekordwetter, das Beste, was die Engländer seit 1976 erlebt haben. Die Task Setter dachten sich ein 3,5h AAT für die 18m- und die Standardklasse aus. Der nordwestliche AAT-Sektor lag in Wales, wo man nur sehr selten hinfliegen kann, toll! Alle waren in der Luft, die Startlinien offen, als Katrin funkte, die 18m-Klasse geht jetzt los. Das war für uns Standard-Mädels die perfekte Gelegenheit, mitzugehen. Ich konnte einige Bärte lang mit den schnelleren 18ern mithalten und sie kurz vor der ersten Wende aufgrund eines überdurchschnittlichen Bartes nochmal fast einholen.

Der Flug lief so unglaublich gut, bei fast 3000m Basis hat man jede Menge Spielraum. Nur auf die sehr komplexen Lufträume musste man höllisch aufpassen. Lange Gleitstrecken unter Wolken wechselten mit 4m-Bärten ab. Ich musste die letzten 3 Sektoren ganz bis zum Maximum ausfliegen, um nicht zu früh zurück zu sein.

Und dann hatte ich den Tagessieg, 460 km mit einem Schnitt von 134 km/h. Katrin und Steffi konnten die ersten beiden Plätze in ihrer Klasse mit 142 km/h und nur einem Punkt Differenz feiern.
So früh als Favorit gehandelt zu werden, erzeugt schon etwas Druck, aber ich blieb gelassen. Durch den Gewinn der DMF in Landau im Frühjahr hatte ich mental noch recht viel Rückenwind. Mich hat einfach nichts geärgert oder nervös gemacht. Die ruhige Stimme von unserem Teamcaptain Bernd Schmid, der uns hervorragend mit Infos versorgt hat, hat dabei auch sehr geholfen.
Leider war jetzt die Superwetter-Periode beendet.

Ein paar neutralisierte Tage und kleinere Aufgaben mit auch mal nur 50er Schnitten folgten. Mal waren die Französinnen vorne, mal die Tschechinnen, aber jede Nation hatte auch mal einen schlechteren Tag. Aude Untersee (F) übernahm kurzzeitig die Gesamtführung in der Standardklasse.
Am mittleren Wochenende wurde ein großer Parkplatz abgesperrt und die Zugänge zum Flugplatz gesichert. Es rollten Buden und Schausteller an, da jetzt für zwei Tage ein Family Day veranstaltet wurde. Besucher konnten so die Weltmeisterschaft hautnah erleben und sich durch die große Leinwand mit einem Sprecher über die Geschehnisse informieren lassen. Zusätzlich wurden ihnen auch andere attraktive Unterhaltung geboten, die von vielen Familien mit ihren Kindern gerne wahrgenommen wurden.


Am siebten Tag haben wir eine kuriose Situation erlebt. Der gesamte Wettbewerb bis auf 2 Pilotinnen musste wieder landen. Es herrschte eine ganze Zeit lang heilloses Chaos, an Wiederstart war nicht zu denken. Die Clubklasse wurde nach einer Weile neutralisiert
.

Die beiden anderen Klassen, die in der Landereihenfolge in Zweierreihen standen, wurden aufgefordert, sich klassenweise in 3er-Reihen entsprechend der morgendlichen „Grid-Order“ neu aufzustellen – nochmal Chaos. Dann gab es neue Aufgaben mit Mindeststrecke in die andere Richtung, sozusagen alles zurück auf Los um 15:00 Uhr. Für uns lief es gut, das Standard-Treppchen war komplett in deutscher Hand und ich konnte die Führung in der Gesamtwertung zurückholen.

Am 8. Tag gab’s wieder eine größere AAT, bei der man die große Bucht „The Wash“ in die Routenplanung einkalkulieren musste.

Wir legten uns zusammen mit dem Bodenteam einen Plan zurecht.

Nach dem Abflug waren die Tschechinnen und Aude (F) bei uns. Aude nahm einen Weg eher westlich, während die CZ-Ladies unseren Plan teilten und östlicher blieben. Wir entschieden uns, mit ihnen zu gehen und der Plan ging auf, Jana Veprekova gewann den Tag vor Sabrina, Chrissi und mir.
Am 9. Tag wurde die Clubklasse schon morgens neutralisiert, obwohl sie einen WT weniger hatte. Da sah man einige befremdete Gesichter.
Ein entscheidender Tag für die deutsche Standardklasse war der 10. Wertungstag. Wir hatten Markerabflug mit 5 min Wartezeit. Als ich sah, dass viele abflogen, hatte ich den Event Marker noch nicht gesetzt und musste noch 5 min warten. Das ganze Feld war unterwegs und es ging nichts mehr am Platz, überall nur Saufen. Es waren sehr schwierige Bedingungen und leider mussten einige schon früh außenlanden. Dieses Schicksal traf auch Chrissi, Sabrina konnte sich noch retten und zu den anderen wieder aufschließen. Auch Katrin ereilte das frühe Schicksal, sie musste den Motor nehmen und Steffi alleinlassen. Ich selbst hatte am Anfang noch Glück, war dann aber vor der letzten Wende nur noch 250m GND, so dass ich mich schon auf dem Acker sitzen sah. Die Aufmunterung von Sabrina über Funk veranlasste mich, nochmal über einem Industriegebiet zu suchen und tatsächlich ging es wieder aus dem Keller raus und zu einem weiteren Tagessieg.
An diesem für Standard und 18 m so einschneidenden Tag standen Ines und Ulrike (Clubklasse), denen der Wettbewerb bis jetzt nicht so optimal gelaufen war, gemeinsam auf dem Tagespodium.


Die Spannung stieg, noch drei mögliche Tage, ich lag in Führung, der Abstand war einigermaßen beruhigend. Es kamen viele aufmunternde Worte von zuhause. Ein Tag wurde neutralisiert, dann auch der zweite. Für den letzten möglichen Wettbewerbstag waren aber nochmal vernünftige Bedingungen angesagt, obwohl wir die feuchte Schicht im Kondensationsniveau mit Skepsis betrachteten. Wir verständigten uns in der Standard-Klasse darauf, die beiden ersten Plätze gemeinsam abzusichern, anstatt uns gegenseitig anzugreifen. In der Clubklasse war Platz 3 in Reichweite. Zum Glück gab’s nochmal eine AAT als Aufgabe, denn die Thermik pulsierte stark, mal ging es gut, dann wieder machte es komplett zu. Wir drei flogen zusammen ab und wendeten im ersten Sektor recht weit im Westen, wo auch die Französinnen und Tschechinnen gewendet hatten, obwohl die Mindestzeit schon nicht mehr zu schaffen war. Dann machte der Himmel komplett zu und es ging nur noch ums Heimkommen. Alle 3 Klassen kämpften zusammen um 0,1-er Bärte. Im letzten Bart war fast der ganze Wettbewerb zusammen. „Wenn er uns nicht heimbringt und alle außenlanden, reicht’s mir zum Sieg“, dachte ich. „Nur – wenn es dann doch ein oder zwei schaffen?“ 3 km vor mir hatte Steffi ein Fleckchen Sonne angeflogen und meldete +0,2, während ich selber inzwischen -0,1 hatte. Ich riskierte den Wechsel, der Bart entwickelte sich, Jubel im Cockpit und mit einem vierten Tagessieg holte ich den Titel. Auch Sabrina konnte ihren 2. Platz halten


Ein spannendes Ende gab es noch in der Clubklasse, Ines zitterte bis zuletzt und schaffte noch den Sprung auf’s Podium mit nur einem Punkt Rückstand auf den zweiten Platz. Durch die Summe dieser Tagesleistung holte unser Team Germany die fehlenden Punkte, um auch noch den Team Cup zugewinnen.

Auch die Abschlussfeier wurde zum öffentlichen Event. Eine Feuerwerksshow der Gruppe Aerosparx stand im Mittelpunkt.

Mit zwei bunt beleuchteten Motorseglern G109 flogen sie zuerst in der Dämmerung Kreise über dem Flugplatz. Als es schon fast dunkel wurde, legten sie plötzlich los. In Formation flogen sie enge Kreise und Loopings, dabei wurden Feuerwerkskörper aus ihren Tragflächen nach vorn und hinten abgeschossen. Das Ganze kombinierten sie dann auch noch mit einem Raketen-Feuerwerk vom Boden aus. Eine beeindruckende Show, die alle Besucher in ihren Bann zog.


Natürlich gab es auch dieses Mal wieder einen Babayaga-Abend, wie es Tradition bei den internationalen Frauenmeisterschaften ist. Die Neulinge werden feierlich in den Kreis der „Hexen“ aufgenommen.


Es war eine schöne, gut organisierte Weltmeisterschaft, bei der die „Offiziellen“ immer gute Laune und den bekannten englischen Humor ausstrahlten. Auch im deutschen Team hatten wir Spaß und gute Stimmung, die wir nicht unwesentlich unseren unermüdlichen

Rückholern sowie unseren Coaches Bernd Schmid und Charlie Bauder zu verdanken haben. Für mich persönlich war diese WM mit 4 von 8 möglichen Tagessiegen der erfolgreichste Wettbewerb, den ich je geflogen bin.

Als Dankeschön für den spannenden Bericht gab’s einen Blumenstrauß vom Verein und in fröhlicher Runde die Bewunderung des Pokals. Es ist ein Wanderpokal – und jede Gewinnerin wird mit Namen und Jahr eingraviert. Wir sind ganz schön stolz, eine Weltmeisterin im Verein zu haben – und jetzt auch noch mehrfache Weltmeisterin!

Text: Cornelia Schaich, woki

Bilder: Cornelia und Thomas Schaich, Georgia Schoffield, Christine Grote, Bernhard Pfau, woki

Zum Saisonende Schulungserfolge!

Heute am 23. 10.2022 konnte der SCS gleich 3 Schulungserfolge feiern! Martin und Christian haben erfolgreich Ihre Windenfahrerausbildung nach 10 Schulungstagen und jeweils 100 Starts auf der Winde beendet. In der nächsten Saison -sehnsüchtig erwartet- verstärken sie unser Team der Windenfahrer.

Ebenfalls gratulieren können wir unserem Max, der heute mit der praktischen Prüfung als jüngster Flugschüler, wahrscheinlich seit Bestehen des Vereins, mit gerade mal 16 Jahren seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat und nun stolzer Inhaber eines Segelflugscheins ist!

Und bereits vor 2 Wochen hat unser Jürgen seinen ruhenden Schein nach bestandener praktischer Prüfung erfolgreich wiederbelebt und darf sich nun auch in den stolzen Kreis der Scheininhaber im SCS einreihen.

Wir gratulieren allen Kandidaten herzlich zu Ihren Ausbildungserfolgen!

Herbstwanderung SCS

Am Samstag, den 22.10.2022 traf sich in Stuttgart Botnang eine Gruppe von wanderfreudigen und geselligen SCS-lern mit Familien, um gemeinsam den Nachmittag mit einer kleinen Wanderung zu verbringen. Eigentlich war es eher ein Spaziergang. Das Wetter war herrlich, 20 Grad warm, und auf dem „Monte Scherbelino“ (oder auch Birkenkopf) genossen wir die Aussicht auf Stuttgart und bis weit in die Ferne. Ein paar Segelflieger schauten etwas wehmutig auf die schönen Cumuluswolken, schnell wurde im Internet im Glidertracker nachgeschaut und…eindeutig: nur Wassersäcke die nicht richtig ziehen, die Flieger auf der Hahnweide hatten jedenfalls Ihre Mühe. Schließlich ging es über den Blaustrümpflerweg immer mit Blick von oben auf die Stadt zur Karlshöhe und von da aus zum Ziel nach Stuttgart Mitte. Dort hatten wir in „Sophie`s Brauhaus“ einen Tisch reserviert und konnten uns nach dem anstrengenden Fußmarsch bei Speis und Trank wieder erholen und in fröhlicher Runde den Tag ausklingen lassen.

Danke an Georg, der nun schon zum 2. Mal die Herbstwanderung für den SCS organisiert hat!

Mit dem Mose zu den Flugplatzfesten in Biberach und Laichingen

Eigentlich hatte wir einen anderen Plan, 2 Tage nach Norden, Dessau oder Ostsee. Aber ein Plan ohne Plan B ist nix wert! Das Wetter hat uns den Norden diesmal verschlossen – aber warum in die Ferne schweifen, wenn’s im Süden Feste gibt?

Am Sonntag sind wir also nach dem einzigen Schauer des Tages nach Biberach geflogen. Das Flugprogramm dort:

Segelkunstflug mit LCFII, wunderschön geflogen von H.P. Schmid. Das Flugzeug wurde in den 70ern von Mitgliedern des Luftsport-Clubs Friedrichshafen entwickelt und gebaut. Es sollte die Flugleistungen der Ka6E erreichen und in den Kunstflugfähigkeiten die LO100 übertreffen (Quelle: www.sagach.ch). Zu Besuch waren bestgepflegte Raritäten: PA18, Taifun 17E, 2 mal Money M20 und eine BO 207. Der Schweinehals und die rote Wurst waren super, aber den Kuchen wollten wir wo anders essen. Vorbei an den Sehenswürdigkeiten Federsee, Oldtimerwindkraftanlage und Schlechtenfeld ging’s nach Laichingen.

Conny kennt das Prozedere für den Altiport Schlechtenfeld. Sie ist dort noch nie da gelandet. Hat sich aber sagen lassen, die üble Nachrede (der Name ist Programm) sei ganz unberechtigt. Ein pensionierter Gefängnispfarrer, der dort fliegt hat gesagt: „Wenn man mit genug Fahrt anfliegt, klappt die Landung. Und wenn die Leute den Funk anmachen und auf die Frequenz gehen, sagt er ihnen auch, wie sie’s machen sollen. Nur nachher beschweren gilt nicht.“ Witziger Typ.

Die Attraktionen in Laichingen: Pitts S1, T6, Kunstflüge mit Extra 300 und ASK 21. Der Kuchen – Jochen und ich wählten Zwetschge – war top.

Bei beiden Festen war die Landung gebührenfrei. Wir danken!

Und die Moral von der Geschicht: Wenn’s vormittags regnet kann das immer noch ein schöner Flugtag werden. Und – Dessau läuft uns nicht davon!

Text: woki Bilder: Jochen, woki

Endlich wieder Alzate

Nach zwei Jahren Coronapause konnten wir dieses Jahr endlich wieder über Ostern in die schöne Lombardei fahren und eine Woche in der herrlichen Landschaft der großen oberitalienischen Seen zubringen. Der Flugplatz Alzate Brianza hat uns wie immer herzlich willkommen geheißen.

Wir, das waren mein Mann Thomas, sein Bruder Wolfgang und ich, zusammen mit einem bunt gemischten Haufen schwäbischer Segelflieger von der Hahnweide, Grabenstetten, dem Farrenberg und Malmsheim. Das erste Mal mit dabei war Micha, den einige von den SCS-Fluglagern in St. Crepin kennen.

Die Hinreise am Gründonnerstag war von zahlreichen Staus geprägt, aber gleich am Freitag konnten wir zum ersten Flug starten. Allerdings war an diesem Tag das Wetter schön sonnig, aber thermisch nicht sehr aktiv. Nach 4 Stunden haben wir den Akklimatisierungsflug abgeschlossen. Besser war die Prognose für den Samstag und Micha war inzwischen auch angekommen. Allerdings herrschte am Boden ungewöhnlich großer Andrang von Gästen und Einheimischen.

Startaufstellung, dahinter der Haushang Bolettone
Mont San Primo

Aber alsbald waren wir alle in der Luft. Ich wollte Micha an seinem ersten Tag den Einstieg in die Berge, vom Bolettone über den Primo zur Grigna zeigen und wie man von dort aus ins Addatal springt, wo er schon früher mit den SCS-Leuten von Sondrio aus geflogen ist.

Grigna hinter Mandelbäumen
Grigna Südgipfel

Nach einem etwas zähen Anfang kamen wir an der Grigna bis deutlich über Gipfelhöhe des eindrucksvollen Berges. Man konnte den Pass ins Addatal schon von hier aus sehen und es war (anders als sonst) ein Kinderspiel dorthin zu gelangen.

Ins Addatal heute ohne Pass

Die Südseite des Tals lief eindrucksvoll gut und so waren wir bald am Tonale Pass. Dies ist immer der Punkt, wo man entscheiden muss, weiter oder zurück zu fliegen. Heute hieß die Devise „weiter“, die Kameraden, die schon etwas früher gestartet waren, berichteten von ihren Dolomiten-Plänen. Micha und ich hatten uns Meran als Ziel vorgenommen. Die Thermik war gut, aber die Wolken wurden größer.

Auf dem Weg nach Meran

Ohne Motor traute ich mich dann nicht mehr weiter, im Nachhinein wäre es problemlos gegangen. Wieder am Tonale Pass hörten wir von Thomas und Wolfgang, dass sie mit dem Arcus im Addatal in der Welle seien.

Arcus in der Welle, Blick nach Chiavenna

Unser Plan war eigentlich, uns noch etwas nach Westen vorzutasten. Der starke Wind und die zugehörigen Abwinde haben mir dann etwas den Schneid abgekauft. Nach 6 h bin ich glücklich wieder in Alzate angekommen.

Auf dem Heimweg

Am Ostersonntag und -montag haben die Italiener familiäre Verpflichtungen, so dass wir Urlauber wieder Platz auf dem Flugplatz hatten. Am Sonntag war die Inversion kräftig und die Basis niedrig. Wir Schwaben versammelten uns alle am Haushang und flogen dann zusammen in Richtung Varese, um im niedrigeren Gelände zu bleiben. Der sonst immer zuverlässige Campo dei Fiori bei Varese zauderte heute und auch der Drachenfliegerberg dahinter am Lago Maggiore war nicht so gut wie sonst. Die Gruppe bewegte sich ein Stück nach Norden, wo wir „stolze“ 1700 m erreichten. „Jetzt können wir über den See“ meinte Mario. Also alle rüber, zum Landen müsste man halt wieder zurück. Die Täler Richtung Domodossola mit dem Flugplatz Masera sahen wir mit Rauch von den Waldbränden angefüllt. Also nicht dorthin, keine Chance auf Thermik. Ich flog mit Abi zusammen an den Eingang des Cento Valli (von Ascona nach Westen), wo es immer geht. Nur heute halt nicht. Weiter auf die andere Talseite und schließlich an den Hang nördlich von Locarno. Leider fielen wir unter die Inversion und ich musste in Locarno landen.

Die 3S in Locarno

Die anderen haben’s besser gemacht, sind umgekehrt oder mit mehr Geduld oben geblieben. Abends waren wir in einem Refugio auf dem Berg essen, ein abenteuerlich schmaler Weg führte hinauf.

Ostermenü im Berggasthof

Beim nächsten Flug am Montag flog eine ganze Gruppe vom Primo Richtung Westen. Wir hingen dann eineinhalb Stunden am Hang oberhalb Menaggio in 1400 m, das Außenlandefeld in Porlezza im Blick aber nicht genug Höhe zum Heimfliegen.

Außenlandefeld Porlezza, rechts geht’s zum Comer, links zum Luganer See

Ein paar Flieger haben sich nach Norden den See entlang getastet, mussten aber dort den Motor werfen bzw. außenlanden. Dann kriegten wir endlich doch die paar Meter mehr Höhe und konnten am Westufer des Comer Sees entlang zurückfliegen. Unten waren an jeder Hütte haufenweise Autos der italienischen Ausflügler. Wir wissen schon, dass man am Ostermontag am besten keinen Ausflug zu Fuß machen sollte. Nach 2 Stunden war ich wieder in Ausklinkhöhe am Bolettone und froh, zurück zu sein. Der zweite Anlauf ging wieder zur Grigna, inzwischen war die Thermik besser. Zusammen mit Abi kämpfte ich mich ins Addatal. Dort suchten wir die Welle, von der im Funk berichtet wurde. Direkt an der Bernina erwischte ich einen starken Rotorbart, dann Richtung Norden auf den Koloss zu und rein ging’s in den Fahrstuhl. Mit 3,5 m/s in der Welle stieg ich bis auf 5000 m, ich fühlte mich wie die Königin der Welt.

Bernina
Aus 5000 m ist sogar die Schweiz „flach“

Leider war Abi ein bisschen tiefer und konnte im Rotorbart nicht kreisen (Berg im Weg), er kam nicht rein in meinen Super-Lift. Ich probierte dann mal aus, an den Rotorwölkchen entlang nach Osten zu fliegen und das hat tatsächlich geklappt. Kurz nach Tirano macht das Tal einen Knick und auch die Welle war dann irgendwo anders. Ich hab umgedreht und den Rückzug nach Alzate angetreten. Sogar 1500 m über Gleitpfad kommt einem bei den Abwinden und Turbulenzen wenig vor. Unterhalb von 3000m war aber alles wieder friedlich und die LS8 ist geglitten wie immer.

Dass der Dienstag unser letzter Flugtag sein würde, war laut Vorhersage relativ deutlich klar. Wieder gab’s den niedrigen, schlechten Anfang. Nacheinander flogen die Segler ab zur Grigna. Wir hatten offensichtlich nicht genug Geduld gehabt am Primo und kamen tief dort an, viele Segler auf Hanghöhe der Vorberge. Holger machte es besser, holte am Primo 2000m konnte ganz hinten über der Gräte einkreisen und hat’s geschafft. Alle anderen dümpelten Richtung Lecco und dann wieder zurück nach Alzate. Auch heute wieder ein zweiter Anlauf zur Grigna, bei dem es dann auf einmal ganz einfach war, auf die Südseite des Addatals zu kommen. Es lief gut zum Tonale und sah auch dahinter ordentlich aus. Noch ein Stückchen Richtung Ortler, aber aufgrund der Tageszeit haben wir doch umgedreht. Wieder war der Wind stark und es lagen Wellen in der Luft. Bei einem Schlenker in ein Tal am Tonale verlor ich kurz mal 500 m Höhe, die ich zum Glück sofort wieder mit 5 m/s um 1000m aufstocken konnte. Die Suche nach der Welle bleib dieses Mal erfolglos, obwohl der krasse Rotorbart wieder an derselben Stelle stand. Also machte ich einen entspannten Endanflug nach Alzate und noch einen Schlenker nach Como.

Wanderung auf dem Grat westlich von Como
Dachdeckerkunst

Weil ein Alzate-Urlaub ohne eine Wanderung bei schlechtem Wetter nicht vollständig ist, sind wir am Mittwoch noch zu Fuß losgezogen. Wir haben’s gemacht wie die Italiener und sind auf der Westseite des Sees mit den Autos ganz hochgefahren. Dort kann man sehr schön auf dem Grat der westlichen Uferberge oben entlanglaufen.

Pause bei 7° Außentemperatur

Leider hatten nach dem Osteransturm alle Berghütten geschlossen, unser Picknick hat auch so geschmeckt.

Tommi, Claus, Luigi, Conny, Thomas, Holger, Klaus

Nach diesem entspannten Tag sind alle wieder heimgefahren. Ciao, ihr schönen Berge bis zum nächsten Mal.

(Fotos Conny, Thomas und Wolfgang Schaich)

Flug zur Bernina, Saisonauftakt gelungen!

Was für ein Tag! Am Freitag den 25. März 2022 konnte ich eine gute Wetterlage nutzen, um wieder einmal in die Alpen zu fliegen. Bereits letztes Jahr habe ich 2 Mal versucht, im Engadin die Bernina Gruppe zu erreichen, habe aber beides Mal vorher umgedreht. Jetzt, beim dritten Versuch, hat es endlich geklappt. Im März hatten wir über fast 2 Wochen eine stabile Hochdruckwetterlage, die eigentlich eher zum Motorsegler fliegen taugte als für Streckenflüge mit dem Segelflugzeug. Dann bahnte sich aber für den Freitag eine vorübergehende Labilisierung der Luftmasse an und die Wettervorhersage kündigte Thermik ab 11:30 Uhr bis ca 17:00 Uhr mit hohen Basis Höhen an, auch auf der schwäbischen Alb, aber vor allem im Gebirge. Morgens beim Aufbauen sah es aber gar nicht nach Thermik aus, der Himmel war dunstig, wahrscheinlich immer noch durch Sahara-Staub getrübt und es regte sich kein Lüftchen. Meine Motivation in die Alpen zu fliegen, erlitt einen tüchtigen Dämpfer, aber ich dachte mir, für einen kurzen Flug sollte es schon irgendwie gehen. So trödelete ich beim Aufbauen ziemlich und startete schließlich erst um 11:45 Uhr immer noch in der Annahme, dass es in der stabilen Luft nur zum Abgleiten reichen würde. Um nicht gleich wieder landen zu müssen, motorte ich auf gute 1900 Meter rauf Richtung Münsingen. Doch dann sah ich Richtung Flugplatz Münsingen leichte Flusen am Himmel weit über mir und mit meiner komfortablen Höhe gut zu erreichen. Der Flusen entwickelte sich zu einem Mini Cumulanten und dann dahinter noch einer und noch einer. Und tatsächlich, es gab Thermik, und zwar wie, gleich bis zu 2m/s. Kurz darauf befand ich mich in sagenhaften 2500m. Und so bekam ich wieder Vertrauen in die Wettervorhersage und flog in vollkommen ruhiger Luft nach Süden ab. Erstes Etappenziel sollte Leutkirch sein. Es folgte ein langer Gleitflug und endlich erschienen in der Ferne die ersten Berge des Allgäu und…mit Cumuluswolken! Die waren aber kurz vor Leutkirch noch unerreichbar, all zu hoch war ich auch nicht mehr, nur noch 1200 Meter, dringend brauchte ich wieder einen Aufwind. Endlich, etwas nördlich von Bad Wurzach, über einem Moorgebiet zuckte der Ventus wieder und ich konnte einen schwachen Aufwind im Blauen zentrieren. Von da an konnte ich mich an Leutkirch vorbei Stück für Stück Richtung Isny hangeln, wo dann der erste gut aussehende Cumulant stand. Und von da an lief es wie am Schnürchen, immer besser wurden die Aufwinde und immer höher ging es hinauf. An Damüls vorbei über das Montafon nach Klosters und Davos. Die Optik nach Süden Richtung Engadin versprach weiterhin gute Aufwinde und ich beschloss bis 15 Uhr weiter nach Süden zu fliegen und um genau 15 Uhr umzudrehen, egal ob ich die Bernina erreichen würde oder nicht. Die Aussicht war einzigartig. Immer klarer wurde die Luft, die Berglandschaft war noch tief verschneit bis in die Täler. Nur einige Südhänge waren frei von Schnee und genau da standen auch die Aufwinde. Um 14:45 Uhr erreichte ich den Flugplatz Samedan, informierte den Tower über meinen Überflug in Flugfläche 120! Nun war klar, die Bernina ist zu schaffen, zumal die Wolken bis zum Comer See reichten. Ein Gleitschirmflieger zeigte mir nochmal einen kurzen Lift kurz vor dem Ziel und dann flog ich auch schon um Punkt 15 Uhr am Gipfel vorbei. Was für ein majestätischer Anblick, was für ein Hochgefühl. Jetzt ging´s also wieder zurück. Im Funk, ich hatte immer noch Samedan gerastet, hörte ich plötzlich eine bekannte Stimme und ein bekanntes Kennzeichen. Und tatsächlich, es war Sepp Holzapfel mit seinem Arcus. Kurz darauf hatten wir bei Pontresina Sichtkontakt und tauschten uns kurz über Sondrio aus, wo wir uns kennengelernt und viele gemeinsame Flüge erlebt haben. Er wollte mich noch überreden mit ihm zum Comer See weiter zu fliegen, aber mir wurde das zeitlich zu knapp, was sich auch als richtig herrausstellen sollte. Der Rückflug erfolgte mehr oder weniger auf der selben Route, aber eben aus anderer Perspektive und nicht minder schön. Zügig ging es voran mit leicht absinkender Basis. Schließlich hatte ich richtig Glück, etwas nördlich von Damüls konnte ich unter einer der letzten Wolken nochmal auf sagenhafte 3600 m steigen. Und diese Höhe ermöglichte mir letztendlich auch den Rückflug im Segelflug. Lange lange musste ich gleiten, Der Endanflugrechner zeigte sogar eine ganze Weile Endanflughöhe auf die Hahnweide an. Dann machte mir aber zunehmender Gegenwind einen Strich durch die Rechnung. Einen Aufwind brauchte ich noch. Beim Rausgleiten aus den Alpen waren weit weit weg, wahrscheinlich auf der Alb, die nächsten Cumuli zu sehen. Es war schwer abzuschätzen, ob diese im Gleitwinkelbereich waren. Ich glitt am Federsee vorbei, die Wolken kamen näher, aber ich auch immer tiefer. So wurde es doch noch mal spannend. Am Bussen lupfte mich ein kleiner „Überbrückungsaufwind“ die entscheidenden 150 m höher und so bekam ich direkt über Zwiefalten wieder Anschluss an die Wolken, kurz vor 17 Uhr und vorhergesagtem Thermikende. Es folgte ein schneller Endanflug im „Wettbewerbsmodus“ und ich landete überglücklich in immer noch dunstiger Abendstimmung wohlbehalten wieder auf der Hahnweide. Wunderschön war es wieder einmal. Und der Ventus ist einfach ein genialer Flieger. Wer den Flug genauer anschauen möchte kann es hier tun: https://www.weglide.org/flight/129281

Wir fliegen offen – der Logenplatz am Himmel

Am Sonntag drauf (12. September 2021) war die Slingsby schon wieder in der Luft, diesmal habe ich meine Enkelin Emi zum fliegen mit Martin eingeladen. Es hat Ihr super gut gefallen – über den steilen Windenstart hat sie sich gewundert. Ich hab‘ ihr dann das mit dem Leistungsgewicht erklärt. Die Winde hat 240PS und muß bei der Slingsby das Schleppseil und das Flugzeug mit Insassen beschleunigen – ca. 480kg. Das ergibt 2kg/PS. So ein Leistungsgewicht ermöglicht eine krasse Beschleunigung, da können die meisten Autofahrer nur davon träumen. Nur nebenbei: weil die 240PS auch zu viel Kraft sein können, haben wir verschieden schwache Sollbruchstellen im Seil: Die Sollbruchstelle muß reißen, bevor die Kupplung aus dem Rumpf rausgerissen wird.

Emi erzählt: „Es war ein sehr schönes Erlebnis und die Atmosphäre unter den Leuten am Start war herrlich. Mir wurde vieles erklärt und ich habe einige neue Sachen gelernt. Ich durfte gleich 5-mal in die Luft gehen. 3-mal Seilwindenstart und 2-mal habe ich kostenloses Gesichtslifting beim Flugzeugschleppstart bekommen.“


Zusätzlich war unser Baby III in der Luft. Max und Jonas waren diesen Sommer beim BWLV-Jugendlager auf dem Berneck und durften eine offene Ka8 fliegen – und haben dabei Blut geleckt. Jetzt wollten sie unser SCS-Baby fliegen. Hier unser Dank an den BWLV für die Jugendveranstaltung! Franz hat sie eingewiesen – und schön sind sie beide geflogen. Wenn Piloten nur moderne Flugzeuge gewohnt sind, landen sie mit Oldtimern oft zu kurz – die Gleitzahl des Baby’s ist mit 17 weniger als die Hälfte der gleitzahl des Discus. Wenn man mit dem Baby ohne Thermik zur Halle landen will fliegt man nur ein Rechteck – keine Vollkreise. Weil’s sonst nicht bis zur Halle reicht! Die Jungs waren aber gut eingewiesen und sind auf den Punkt gelandet. Und das ohne Radbremse. Bravo!

Mit den Bildern könnt Ihr die Ähnlichkeit von Baby und Slingsby studieren. In England sagen sie zur Slingsby deshalb auch double Grunau. Unser Baby III Bj. 1955 entspricht von der Konstruktion dem Baby II von 1932. Der Hersteller der Slingsby hatte vor dem Krieg Babys in Lizenz gebaut und hat die Konstruktion auf Doppelsitzer vergrößert. Der erste Prototyp Slingsby T21P flog 1944, die erste T21A 1947 (Quelle englisches Wikipedia).

Text und Bilder: Emi, Jonas, Max, woki


Hier könnt Ihr gut die Eleganz der herrlichen Maschine bewundern.
Man muß dafür natürlich ein geschultes Auge haben.