Am Donnerstag ging’s fĂĽr die SCS’ler los mit Zeltaufbau. Es war der gleiche Verleiher – also wussten wir schon so ziemlich, wo wir hin langen mĂĽssen. Aber vor dem Zelt kommt der Boden – und da haben wir uns wieder gesteigert! Vor vielen Jahren war im Zelt der Grasboden – uns hat das nicht gestört – aber den WKD. Danach haben wir mit ausgedientem PVC-Boden gearbeitet. FĂĽr den WKD war’s in Ordnung – aber nach zwei bis dreimaliger Nutzung war der hinĂĽber und wir wurden vornehm: Holzboden – vor Ort mit den unter gelegten Balken verschraubt. Und dieses Jahr wieder eine Steigerung: Stahlunterbau und eingelegte Alupaneelen. Das ist Tanzbodenqualität!
Bis alles montiert war – Strom, Wasser, Bierzapfanlagen, SpĂĽlmaschine, KĂĽhlschränke, Kaffeemaschinen, CrĂŞpesstation, Wurst- und Fleischbraterei – war der Tag dann rum. Am Freitag wird das OTT mit dem traditionellen Trompetenflug eröffnet. Seit einigen OTT’s schon wird der Meistertrompeter Carl in unserer Slingsby ĂĽber die Hahnweide geflogen – er war aber dieses Jahr verhindert. Ich durfte ihn doubeln – und seine TrompetenstĂĽcke kamen ĂĽber die Lautsprecher.
Die Basis wird gelegt – und ausgerichtet. Paneelen legen. Vorderwand – an jede StĂĽtze mindestens ein Mensch. Das Zelt als Baukasten. Noch ein paar Zeltheringe rein …. …. und fertig! Was gibt’s da zu sehen? Die Slingsby in der Luft!
Freitag Nachmittag war das Briefing für die Teilnehmer des Programmpunkts Faszination Segelflug. Organisiert wie letztes Mal von Martin zusammen mit dem Flugleiter Jochen Haas. Am Freitag musste Martin noch seine Planung der Schlepper/Segelflugzeug Pärchen umändern – die Cimbora durfte wegen zu geringer Versicherung nicht mit fliegen und ein Schlepper ist nicht gekommen.
Briefing fĂĽr den Programmpunkt Faszination Segelflug. Piloten und Helfer harren der Worte Martin’s. Die Organisation: Andi, Steffi und Martin Es gibt noch Details zu besprechen. Peter (rechts) klärt andere Details mit Martin. Freunde unter sich.
Am Samstag und Sonntag hat alles gepasst: 12er-Schlepp Segelflug und zu jedem Segler ein Schleppflugzeug mit passender Schleppgeschwindigkeit. Vorne Gö1 und Minimoa, dann Gö4 und MĂĽ13D, Röhnbussard, Baby IIb, Kranich II und III, Slingsby, SG38, SHK und FK3. Wir hatten 45 min fĂĽr die Darbietung – es ist gelungen! Kein Fehlstart war dabei und alle waren rechtzeitig wieder am Boden! Die Beteiligten waren stolz und glĂĽcklich.
Aushallen im Nebel Kranich III und SHK Baby II und Doublegrunau (SlingsbyT21B) Slingsby T21B Dimi beim Multitasking: Seile verteilen und fotografieren!
Während den Flugübungen ist bei den Vereinen Hochbetrieb bei der Bewirtung – hier Bilder vom SCS.
Die Zapfanlage ist angeschlossen. Die Kunden können kommen! Nachschub Mauldascha Mauldascha mid Kardofflsalad Kardofflsalad – no ohne Mauldascha Herstellung CrĂŞpes Sauberkeit ist Programm. Stärkung fĂĽr die Helfergruppe. Hier darf’s keine Fähler geben:
Das Publikum ist anspruchsvoll!Die Damen an der Kuchenausgabe. Vorsicht – mit dem Chef des CrĂŞpes darf nicht jeder sprechen! FĂĽr gutes Geld gibt’s beste Speisen und Getränke! Unsere freundliche Bedienung kleine Ruhepause Betrieb an der Kaffeeausgabe kĂĽhler Gerstensaft Prominente Gäste kommen zu uns. Unser freundliches Personal ist fĂĽr Sie da!
Es folgt die kleine Flugzeugkunde Segelflug – nicht vollständig, eben ein Anfang
Flugzeuge von Schempp und Hirth
Gö1 Bj. 1937, geringstes Sinken 0,95 m/s bei 45 km/h, Gleitzahl 17 bei 60 km/h
Das Flugzeug wurde bei Sportflugzeugbau Göppingen Martin Schempp in Göppingen gebaut und wurde in SĂĽdafrika geflogen. Walter Walle hat es 2011 dem FMH (Fliegendes Museum Hahnweide) geschenkt. Die Gö1 wurde von den „HolzwĂĽrmern“ (Name der Spezialisten fĂĽr Oldtimer im SCS) wieder aufgebaut und 2015 zugelassen. Im FlĂĽgel hatte sich in Afrika ein Stinktier breit gemacht. Das Heftigste fĂĽr mich war, dass die SĂĽdafrikaner die Ă–ffnung im Hauptspant so weit aufgesägt hatten, bis der Fallschirm Platz hatte. Vielleicht dachten sie: Wenn was bricht haben wir ja den Fallschirm.
Kurz nach Markteinführung der Gö1 gab es Trudelunfälle. Zur Verbesserung des Abreißverhaltens bekam die Gö1 geänderte Querruder und außen am Flügel Spalte.
Von 1989 – 1993 baute Otto Grau aus Ludwigsburg eine Gö1 nach. Beim Studium der Zeichnungen hatte er einen Verdacht: die trudelempfindlichen Muster hatten verkehrt gebaute Querruder. Richtig gebaut: mit den Querrudern soll der Flügel ein S-förmiges Profil haben. Falsch gebaut: die Querruder erhöhen die Wölbung. Die Zeichnung kann man so und so lesen.
Otto baute sein Flugzeug mit den attraktiven und aufwendigen Schlitzen in der Nase und den für ihn richtigen Querrudern. Bei der Flugerprobung wurden 2 Modifikationen geflogen: Schlitze offen – Schlitze mit Karton verschlossen. Ergebnis: kein Unterschied beim Trudeln.
Die Gö1 von FMH ist ein frĂĽhes Modell – ohne Spalte und mit richtig gebauten Querrudern.
Gö3 Minimoa Bj. 1938, geringstes Sinken 0,95 m/s bei 63 km/h, Gleitzahl 26 bei 85 km/h Das Traumflugzeug ab den späten 30ern – nach wie vor begehrt. Dieses Jahr gab’s auf der HW gleich drei Exemplare.

Die passende Kleidung zur Minimoa!
Gö4 Bj. 1952, geringstes Sinken 0,90 m/s bei 60 km/h, Gleitzahl 20 bei 70 km/h
Die Piloten sitzen nebeneinander – und verstauen den jeweils außen liegenden Ellenbogen in der Flügelwurzel.
SHK Bj. 1965, geringstes Sinken 0,57 m/s bei 75 km/h, Gleitzahl 38 bei 90 km/h
Die SHK wurde bei Schempp-Hirth aus der österreichischen Standard Austria weiterentwickelt: Klaus Holighaus hat die Spannweite von 15m auf 17m vergrößert und das V-Leitwerk verbessert. Das Flugzug hat ausgezeichnete Leistungen und fliegt sich herrlich.
Das Muster von Peter Hibbard ist der Prototyp der SHK und hat einen Bremsfallschirm. Peter fĂĽhrt die Landung auf der Hahnweide immer eindrucksvoll mit Bremsfallschirm vor.
Peter in der SHK mit Helferin. SHK hinter Pawnee
Flugzeuge von Hans Jakobs
Kranich II ab Bj. 1935, hier Bj. 1938, geringstes Sinken 0,70 m/s bei 60 km/h, Gleitzahl 23 bei 70 km/h
Der Kranich II war das erste in größerer Stückzahl gebaute doppelsitzige Flugzeug, das über den Leistungsflug hinaus auch für die Schulung geeignet war.
FMH (Fliegendes Museum Hahnweide) konnte den Kranich in sehr gutem Zustand in der Schweiz erwerben. Nach einem Landeunfall wurde nicht nur das Holz wieder gerichtet sondern auch die Zulassung von HB auf D geändert.
Kranich 3 ab Bj. 1952, hier Bj. 1957, geringstes Sinken 0,85 m/s bei 55 km/h, Gleitzahl 31 bei 60 km/h. Konstruktion Hans Jakobs, Fertigung Focke Wulf
Vom Kranich II hat er den wohlklingenden Namen, von der Weihe die Gestalt. Der Kranich III hat eine akustische Besonderheit: Die ausgefahrenen Bremsklappen lassen ihn intensiv pfeifen.
Der BWLV hatte früher mal einen Kranich III auf dem Hornberg – der Augapfel von Hans Hörber. Der Kranich sollte verkauft werden – und schweren Herzens hat Hans ihn preislich so angesetzt, dass er eher nicht verkauft werden würde. Das hat H. Honda aus Japan aber nicht gehindert – und so ist der IIIer jetzt weit weg vom Hornberg.
Röhnbussard ab Bj. 1931, hier Bj.1937 geringstes Sinken 0,9 m/s bei 58 km/h, Gleitzahl 20 bei 67 km/h, kunstflugtauglich. Besonderheit: die beiden Flügelhälften werden zuerst zusammengebaut, dann wird der komplette Flügel auf den Rumpf montiert.
Habicht ab Bj. 1936, hier 2001 gebaut von der Familie Zahn, geringstes Sinken 0,8 m/s bei 45 km/h, Gleitzahl 21 bei 70 km/h, kunstflugtauglich und im Kunstflug perfekt geflogen von Christoph Zahn.
Habicht mit Christoph Zahn Habicht im Endteil, am Boden von links Gö1 und Mü13D
MĂĽ13D ab Bj. 1939, geringstes Sinken 0,60 m/s bei 55 km/h, Gleitzahl 28
MĂĽnchner Schule, Gemischtbauweise: mit Stoff bespannter Stahlrohrrumpf, FlĂĽgel Holz
Im feinen Zwirn – Michael ist der Pilot der MĂĽ13D
Exoten
SG38 ab Bj.1938, entwickelt wurde der SG38 aus den Vorgängermodellen „Grunau 9“, „Hols der Teufel“ und dem „Zögling 37“. geringstes Sinken 1,3 m/s, Gleitzahl 10
Das Besondere ist, dass der Pilot ganz frei auf Sperrholz sitzt. Nichts stört den Blick – beim Windenstart kann man das Seil bis zur Winde runter sehen! Seit neuestem kann man den SG38 auch auf Flugzeugschlepp zulassen. Der Schulgleiter wird traditionell ohne Fallschirm geflogen.
Die Schulung mit dem SG war zeitaufwendig, weil der Lehrer während dem Flug nicht mit dem SchĂĽler sprechen konnte. Er konnte nur nach der Landung sagen, was der SchĂĽler beim nächsten Mal anders machen solle. Wenn heute Piloten das erste mal mit dem Schulgleiter fliegen sind sie immer ĂĽberrascht, wie schnell der Boden näher kommt – er hat eine Gleitzahl von 1:10 – eine andere Quelle sagt 1:7 – aber dann ist er wahrscheinlich verspannt aufgebaut.
Der Autor im Selbstversuch 2007 Foto W. Kuhn

Slingsby T21B Bj. 1948 geringstes Sinken 0,85 m/s bei 55 km/h, Gleitzahl 21 bei 60 km/h Zulassung fĂĽr einfachen Kunstflug.
Die Slingsby hat ein relativ hohes Sinken – aber bei ganz niedriger Geschwindigkeit. D.h.: Der Thermikkreis der Slingsby ist viel kleiner als bei einem modernen Flugzeug – und Richtung Zentrum des Aufwinds ist das Steigen bekanntlich besser! Das ist der Grund, warum die Slingsby in der Thermik immer oben ist! Beim Abgleiten haben die modernen Flugzeug dann wieder Vorteile – alles ist gerecht verteilt.
Die T21B wurde ab 1947 in Kirkbymoorside gebaut – und heißt bei den Engländern auch „Doublegrunau“. Sie hat die Bauart des Grunau Babys aufgenommen. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Sie ist das einzige Segelflugzeug, in dem man nebeneinander sitzt – und offen fliegt! Das sind zwei Logenplätze am Himmel – und ideal zum schauen und fotografieren. Durch die viele frische Luft ist es noch keinem Passagier in unserer Slingsby schlecht geworden.
Viele T21B waren beim britischen Militär für die Anfängerschulung bei den Air Cadets eingesetzt. Das Militär hat die T21B ausgemustert und durch Schulflugzeuge vom Typ Grob G 103 ersetzt. Verkauft wurden sie in den Kategorien good – fair – damaged.
Wann geht’s endlich los? Slingsby im Slip Ganz vorne: Slingsby T21B
Grunau Baby IIb, Vorgänger als ESG31 ab 1931, hier Bj. 1951, geringstes Sinken 0,85 m/s bei 55 km/h, Gleitzahl 17 bei 60 km/h
Das ist das Flugzeug, von dem sich die Konstrukteure bei Fa. Slingsby inspirieren liesen. Das Baby entstand 1931 bei den Edmund-Schneider-Werken Grunau als ESG31 ( = Edmund Schneider Grunau 1931). Das Baby II wurde an den Rudern modifiziert, ab 1936 wurde das Baby II zum IIb durch den Einbau von Sturzflugbremsen. Stückzahl geschätzt weltweit 4000 bis 10000 Stück. Niemand kennt die richtige Zahl – auf jeden Fall ist es das Segelflugzeug mit der höchsten Stückzahl.
Der SCS hatte in den 50ern 2 Flugzeuge des Nachfolgemodells Baby III (mit Rad) viele Jahre im Betrieb: „Stuttgarter Rössle“ und „ Stuttgarter Früchtle“. Seit 2011 haben wir wieder ein IIIer Baby „Stuttgarter Rössle“ in flugfähigem Zustand.
LO100 Bj. 1952 Konstruktion Alfred Vogt, Serienbau bei Wolf Hirth GmbH Nabern geringstes Sinken 0,8 m/s bei 72 km/h, Gleitzahl 25 bei 85 km/h, kunstflugtauglich
Der Flügel ist einteilig bei 10m Spannweite und hat keine Landehilfen. Wunderschön im Kunstflug zu fliegen.
FK3 Bj. 1971 geringstes Sinken 0,5 m/s Gleitzahl 42, Wölbklappen
Gemischtbauweise: Rumpf vorne mit GFK verkleidetes StahlrohrgerĂĽst, Rumpf hinten Alurohr, FlĂĽgel Alu, Ruder stoffbespannt – eine filigrane Schönheit – und das aus Blech! FMH ĂĽberholt gerade eine FK3. Die fliegende FK3 hat Christian Stachulla mitgebracht und präsentiert.
Christian Stachulla mit FK3 , im Hintergrund VANS RV4
Am Montag wird beim SCS wieder alles aufgeräumt, sortiert und für das nächste Fest eingelagert.
Der Tanzboden.Stau beim Paneelen einräumen. Teildisziplin beim Segelflugsport: Nägel ziehen Die Ausrüstung ist sortiert.
Text: woki Bilder: Lukas und Wolfgang Kuhn, Tobias Alex, woki
Flugzeugdaten: homepage FG Wolf Hirth, www.schempp-hirth.com, homepage FMH, Wikipedia, Martin Simons, Peter F. Selinger, Peter Ocker
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